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EISK ALTER GRIP


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Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 06.10.2022
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Bildquelle: Auto Bild allrad, Ausgabe 11/2022

Das Wetter hat es gut mit uns gemeint und bescherte uns für die Testfahrten eine mehr als ausreichende Menge an Schnee

GETESTETE REIFENGRÖSSE 225/45 R 19

Ein Satz Michelin kostet fast 2,5-mal so viel wie die Billigreifen aus türkischer Produktion.

WER KÖNNTE ES EINEM VERÜBELN, wenn man gerade in diesen Zeiten von Inflation und Energiekostenspirale ans Sparen denkt. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht und die Preise für Heizöl, Gas und Strom explodiert sind. Doch Winterzeit heißt auch Winterreifen-Zeit. Und dann hilft es nichts, wenn die alten Reifen nur noch drei Millimeter oder gar weniger Restprofil haben oder schon mehr als sieben oder acht Jahre alt sind. Dann müssen neue Winterreifen her, auch wenn es angesichts der Kosten für Reifen, Montage und Wuchten noch so schmerzt. Ein einziger Ausrutscher mit einer kleinen Delle im Kotflügel samt Versicherungsrückstufung bei Haftpflicht oder Vollkasko kostet jedenfalls mehr als ein Satz Winterreifen. An schlimmere Unfallfolgen wollen wir lieber gar nicht ...

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... denken.

Einfach auf Sommerreifen durch den Winter zu fahren, kann keine Option sein. Auf diese Idee dürfen nur Leute kommen, die absolut sicher sein können, dass sie niemals bei unklarer Wetterlage losmüssen, sondern sich für ihre Fahrt einen absolut schneeund eisfreien Tag aussuchen können. Der deutsche Gesetzgeber erlaubt dieses Verhalten mit der situativen Winterreifenpflicht; viele ausländische aber nicht, denn in mehreren Ländern gilt eine kategorische Winterreifenpflicht, beispielsweise in Italien (Südtirol) oder Tschechien. Aber: Kann man gerade in Deutschland den Wettervorhersagen wirklich so trauen, dass nicht doch vielleicht ein überraschender Wetterumschwung kommt, der eisige Kälte, gefrierenden Regen oder gar etliche Flocken Schnee bringt?

Besser, man lässt also Reifen montieren, die für den Winter geeignet und zulässig sind. Das sind nach aktueller Gesetzeslage in Deutschland solche, bei denen auf der Reifenflanke das Alpine-Symbol mit Schneeflocke (siehe Kasten nächste Seite) eingebrannt ist.

Die geforderte Schneeflocken-Kennung weisen selbstverständlich alle unsere zehn getesteten Winterreifen auf. Das gilt auch für den Explero Winter W671 der türkischen Marke Petlas. Das Unternehmen ist beileibe kein Start-up, was schon das Gründungsjahr 1976 zeigt. Aber in den ersten Jahrzehnten hat sich der türkische Hersteller auf Militär- und Landwirtschaftsreifen konzentriert, bevor er in den letzten Jahren ins Pkw- und SUV-Geschäft eingestiegen ist.

Wir widmen diesem Reifen deshalb so viel Raum, weil er auffällig günstig ist. Ein Satz der getesteten Winterreifen in stämmiger 19-Zoll-Dimension ist im Handel schon für rund 470 Euro erhältlich. Zum Vergleich: Für den hier ebenfalls getesteten Winterreifen vom Typ Pilot Alpin 5 der französischen Traditionsmarke Michelin müssen satte 1125 Euro berappt werden – eine Differenz von 655 Euro. Soll man also wirklich auch in diesen Zeiten zweieinhalbmal so viel für einen neuen Satz Winterreifen ausgeben?

Knappe Antwort: Ja, wenn man es sich irgendwie leisten kann. Denn unsere Tests decken schonungslos die Schwächen eines solchen Billigreifens auf. Die zeigen sich überraschenderweise gar nicht mal so sehr beim Fahren unter wirklich winterlichen Bedingungen auf Schnee. Denn hier fährt der mit dem türkischen Reifen bestückte Test-BMW insgesamt ganz ordentlich, sodass es auf Schnee zur Gesamtnote 2– reicht – das ist respektabel, wenn auch in Kurven das sture Schieben über die eingeschlagenen Vorderräder missfällt.

DIE TESTS AUF SCHNEE

TRAKTION

Beim Anfahren auf Schnee hat man mit einem Allradler immer bessere Karten. Aber selbst der Falken mit der geringsten Traktion innerhalb des Winterreifen-Testfelds bringt mehr als fünfmal so viel Traktion wie der mitgemessene Sommerreifen. Spitze sind hier die Winterreifen von Michelin und Bridgestone mit Note 1 beziehungsweise Note 1–.

BREMSEN

Wie schon bei der Traktion liegen auch beim Bremsen auf Schnee die Winterreifen von Michelin und Bridgestone vorn. Doch selbst für den Falken reicht es noch zu einem guten Ergebnis mit Note 2–. Schier unendlich lang wird der Bremsweg mit dem Sommerreifen: 58,8 (!) Meter. Gefühlt bremst er gar nicht.

HANDLING

Der Handlingkurs mit engen, aber auch lang gezogenen Kurven, zahlreichen Beschleunigungs- und Bremsabschnitten zeigt die Gesamtperformance auf Schnee. Mit fast traumwandlerischer Sicherheit pflügt der Michelin hier durch den Schnee. Die drei letztplatzierten Winterpneus missfallen durch Schieben über die eingeschlagenen Vorderräder.

SLALOM

Hier kommt es auf die Seitenführung auf Schnee an. Je höher die Seitenführung, desto größer die Sicherheitsreserven in einer verschneiten Kurve und beim Ausweichen. Wieder liegt der Michelin an der Spitze und erreicht in dieser Disziplin als Einziger die Note 1. Der Sommerreifen reagiert dagegen kaum auf Lenkbewegungen.

WINTERREIFEN-PFLICHT? DAS SAGT DER GESETZGEBER

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht: Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen Winterreifen aufgezogen sein. Man erkennt sie am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (siehe Foto). Bis zum 30. September 2024 gelten auch Reifen mit M+S-Kennzeichnung als wintertauglich (bei Herstellung bis 31. 12. 2017).

Die große Katastrophe kommt mit den Tests auf nasser Fahrbahn – eine gerade im Winterhalbjahr häufig auftretende Situation. Schon beim Aquaplaningtest überzeugt der Petlas-Reifen nicht gerade mit perfekter Wasserverdrängung. Aber Seitenführung und vor allem Bremsvermögen müssen wir mit „mangelhaft“ bzw. „ungenügend“ bewerten. 63,3 Meter benötigt er, um aus Tempo 100 zum Stehen zu kommen. Das sind rund 17 (!) Meter mehr als die hier bestplatzierten Winterreifen von Hankook, Bridgestone, Vredestein und Continental. Eine solche Differenz entscheidet bei einer Notbremsung zwischen Totalschaden und erleichtertem Aufatmen.

Da investiert man doch lieber etwas mehr Geld beim Reifenkauf, schließlich geht es um die eigene Sicherheit. Wer es sich leisten kann, ist mit dem teuren Michelin bestens beraten. Unser Testsieger schneidet in sämtlichen Tests mindestens mit der Note „gut“ ab und leistet sich keinen einzigen Ausrutscher. Obendrein rollt er besonders leise und komfortabel ab. Der sechs Prozent günstigere Continental landet knapp hinter ihm auf dem zweiten Platz, ebenfalls mit dem Gesamturteil „vorbildlich“. Er erreicht auf Schnee nicht ganz das Spitzenniveau des Michelin, bremst aber dafür auf nasser Fahrbahn noch besser.

Eine Alternative für Leute, die ganz bewusst auf den Preis schauen, wäre der Kandidat von Firestone. Die amerikanische Tochtermarke des japanischen Reifenriesen Bridgestone hat ihren Winterreifen Winterhawk 4 so eingepreist, dass ein Satz akzeptable 720 Euro kostet – mehr als 400 Euro günstiger als ein Michelin. Dabei erreicht der Firestone insgesamt mit der Endnote „gut“ den sechsten Platz.

Überzeugend gute Leistung zum fairen Preis bietet auch der Wintrac Pro der niederländischen Traditionsmarke Vredestein. Lediglich sein leicht erhöhter Rollwiderstand verhindert bei ihm den Aufstieg in die erste Reifenliga. Aber die hat eben ihren Preis.

DIE TESTS BEI NÄSSE

AQUAPLANING & KURVENAQUAPLANING

Bei Starkregen bildet sich ein Wasserkeil zwischen Reifen und Straße. Das Fahrzeug verliert den Kontakt zur Fahrbahn, wird unkontrollierbar. Die Unterschiede sind deutlich. Die mit Abstand geringsten Sicherheitsreserven bieten das Profil von Petlas.

KREISBAHN & HANDLING

Bei der Seitenführung auf nassem Asphalt liegen etliche Winterreifen in etwa auf dem Niveau des Sommerreifens – erstaunlich. Vor allem Bridgestone und Hankook beweisen hier ihr Können. Dagegen schiebt der Petlas stark über die eingeschlagenen Vorderräder.

BREMSEN

Katastrophales Ergebnis beim Reifen von Petlas: Der mit ihm ausgestattete Testwagen steht aus Tempo 100 erst nach 63,3 Metern – über 17 (!) Meter mehr als beim sehr gut bremsenden Hankook. Der liegt fast auf dem Niveau des Sommerreifens und knapp vor Bridgestone, Vredestein und Continental.

Der Test wurde unterstützt von Bridgestone, Continental, Falken, Firestone, Hankook, Michelin, Nokian, Toyo und Vredestein. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www. unabhaengigkeit

DIE TESTS BEI TROCKENHEIT

HANDLING

Hier fährt der mitgetestete Sommerreifen allen davon. Aber vor allem die Winterreifen von Bridgestone, Michelin und Hankook gefallen auf dem trockenen Kurs mit angenehm präziser Lenkreaktion. Toyo, Falken und Petlas schieben allzu gern geradeaus.

BREMSEN

Beim Bremstest auf trockener Fahrbahn kommt keiner der Winterreifen in die Nähe des Bestwerts des mitgetesteten Sommerreifens. Aber vor allem Michelin und Nokian bremsen für Winterreifen gut. Erstaunlich: Der Bridgestone fällt hier etwas ab.

VORBEIFAHRGERÄUSCH

Sommerreifen sind leise, Winterreifen sind laut – so das gängige Vorurteil. Doch das ist schon seit etlichen Jahren nicht mehr so. In Wahrheit kommt es auf den einzelnen Reifentyp an. Manche Winterreifen wie Hankook und Falken sind lauter als der Sommerreifen, manche wie Michelin, Firestone und Continental deutlich leiser.

ROLLWIDERSTAND

Sommerreifen machen ein Auto sparsam, Winterreifen machen es durstig - auch so ein typisches Vorurteil. Und wie beim Abrollgeräusch gilt: So pauschal gilt das nicht. Vor allem der Nokian schneidet hier sehr gut ab, der Falken nur mäßig.

FAZIT

Dierk Möller, Henning Klipp, Martin Braun

Dass es sich lohnt, für seine Winterreifen etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, beweist wieder einmal unser Test. Der Billigreifen von Petlas versagt komplett beim Bremstest auf Nässe, während die teuren Reifen von Michelin und Continental sicher und flott alle Disziplinen mit Abstand am besten meistern. Doch man kann trotzdem Geld sparen – mit Vredestein, Hankook und Firestone, die immerhin ein „gut“ erreichen