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Eiskalt erwischt


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 20/2023 vom 06.01.2023

EISANGELN

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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 20/2023

Der Lohn aller Mühen und allen Wartens: ein schön gezeichneter und gar nicht mal so schlecht genährter Winterhecht.

Seit Tagen beobachte ich gespannt das Wetter. Ich will unbedingt zum Eisangeln, aber dazu müssen die Temperaturen konstant sinken. Ostwind würde mein Vorhaben begünstigen. Und ich habe Glück! Nach einer Woche mit bis -10 Grad kann ich endlich aufs Eis und Hechte jagen.

Ich halte mich an die öffentlichen Vorgaben zum Betreten von Eisflächen, diese werden zum Beispiel in den Nachrichten bekannt gegeben. In diesem Fall dürfen bereits ab einer Eisstärke von 5 cm einzelne Personen das Eis betreten. Das ist jedoch das absolute Minimum. Und da es in meinem Fall einen Uferrand gibt, der aufgrund seines Pflanzenbewuchses nicht so schnell zufriert, warte ich sicherheitshalber noch ein paar Tage ab. Ich will kein unnötiges Risiko eingehen. Ich halte mich an die Vorgabe von mindestens 8 cm, sodass nun kleine Gruppen die Eisfläche sicher betreten können. Vorsichtshalber messe ich selber nach. Ja, 10 ...

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... cm! Eine Eisschicht dieser Stärke ermöglicht mir ein sicheres Betreten der Fläche und Freude am Angelvorhaben.

ES GEHT OHNE EIS-EQUIPMENT!

Ich bin zwar bestens für das Angeln vom Ufer oder Boot ausgerüstet, für das Eisangeln fehlt mir jedoch das nötige Equipment. Also stellt sich mir die Frage, wie ich meine herkömmliche Angelausrüstung kurzerhand zum Eisangeln umfunktionieren kann. Eisbohrer, Eisan- gelrute, Rutenständer und Bissanzeiger? Fehlanzeige.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Anstelle eines Eisbohrers verwende ich eine Axt. Eine Nudelkelle und Speiseöl nutze ich, um das Loch eisfrei zu halten. Den Rutenständer umgehe ich, indem ich die Rute geschickt auf der Rolle ablege, sodass die Schnur frei von der Spule ablaufen kann. Für die Bisserkennung nehme ich gewöhnliche Hechtposen mit roten Spitzen. Die kann ich sogar mit einem Fernglas aus größerer Entfernung noch sehen. Als Ersatz für die kurzen Eisangelruten nehme ich meine Teleskopruten und fixiere die Ringe mit einem Gummiband, dabei lasse ich nur die Fiberglasspitze herausschauen. Ergänzt wird meine Ausrüstung durch eine Sonnen- bzw. Schneebrille. Diese ist enorm wichtig, um nicht schneeblind zu werden. Ein wärmendes Outfit, bestehend aus Handschuhen, Mütze und Schal, trägt genauso zu guter Laune bei, wie ein warmes Getränk und ein Stuhl!

KEINE ANGST VOR LÄRM

Die nächste Herausforderung: das Eisloch. Ich könnte das kurzerhand mit einer Kettensäge erledigen, doch das ist wohl etwas übertrieben. Ich versuche mein Glück stattdessen mit einer Axt. Überaus motiviert setze ich zum ersten Schlag an – und erschrecke sogleich! Das Schlagen mit der Axt erzeugt einen wirklich brutalen Lärm, der mir jegliche Hoffnung auf einen erfolgreichen Angeltag raubt. Dennoch versuche ich es weiter, ich habe ja keine andere Option. Vielleicht ist der Lärm doch garnicht so schlimm.

Immerhin komme ich mit meiner Technik zügig voran. Während ich auf das Eis eindresche, erinnere ich mich an eine Dokumentation, in der es darum ging, beim Eisfischen bewusst Lärm zu machen, um die Fische anzulocken. Das beruhigt mich und ich bin plötzlich wieder voller Zuversicht und in bester Angelstimmung. Geschafft! Mein Eisloch ist nun groß genug.

Ich beginne mit dem Loten, um den Köderfisch auf verschiedene Weise zu präsentieren. Meine Montage dafür ist denkbar einfach: Vorfach mit Drilling, Blei, Pose und monofile Schnur auf der Rolle. Ich bevorzuge beim Eisangeln die monofile Hauptschnur, weil sich zwischen den einzelnen Fasern einer Geflochtenen gerne Wasser sammelt, welches dann an den Ringen oder auf der Rolle gefrieren kann.

WELCHE TIEFE? PROBIEREN!

Das Ziel des heutigen Tages: einen Hecht fangen! Ich platziere meine Köder daher in drei unterschiedlichen Tiefen. Bei uns darf man mit drei Köderfischruten angeln. So kann ich meine Montagen kurzerhand anpassen, wenn sich eine der drei Optionen besonders bewährt.

Ein Vorfach samt Köderfisch lege ich komplett auf dem Grund ab, mein Blei schwebt unmittelbar darüber. Ich erhoffe mir dadurch, einen großen Hecht zu fangen, der tote Fische am Grund einsammelt. Meinen zweiten Köderfisch platziere ich kurz über Grund. Die dritte Montage stelle ich so ein, dass mein Köder im Mittelwasser schwebt, in diesem Fall etwa 1,5 m über dem Gewässergrund.

„Überaus motiviert setze ich zum ersten Schlag an – und erschrecke sogleich“

Ich habe festgestellt, dass ein neues Loch häufig besser angenommen wird als eines, das bereits seit einer Stunde beangelt wurde. Deswegen schlage ich mehrere Löcher ins Eis, um meine Chance auf einen Fisch zu erhöhen. Bei kaltem Wasser sind die Fische meist sehr passiv und bewegen sich weniger, als in der warmen Jahreszeit. Deshalb ist es wichtig, dass ich jede Möglichkeit nutze, um auf meine Köder aufmerksam zu machen.

Tipps fürs Anködern

Im winterkalten Wasser neigen Hechte oft dazu, passiv im Mittelwasser baumelnde oder auf Grund liegende Köderfische lediglich „einzusammeln“. Die Art und Weise der Anköderung kann dann eine wichtige Rolle spielen und über Erfolg und Misserfolg entscheiden. In vielen Fällen ist das mittige Anködern am Rücken eine gute Wahl – auch deshalb, weil der Köderfisch schön in Balance gehalten wird. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn er über Grund oder im Mittelwasser angeboten wird. Die Verwendung eines einzelnen Drillings (linkes Bild) birgt jedoch die Gefahr von Fehlbissen. Die Verwendung von zwei Drillingen kann (!) dem entgegenwirken. Manchmal neigen Winterhechte dazu, den Köderfisch regelrecht vom Haken zu „nuckeln“. In solchen Fällen sollte man sich trotz kalter Finger die Mühe machen, den Köderfisch mithilfe einer Ködernadel aufs Vorfach zu ziehen. Ein weiterer Vorteil hierbei ist, dass man den Köfi dann auch gelegentlich anzupfen kann.

Mein Eisangeltag beginnt traumhaft. Bis hierher hat alles bestens funktioniert und ich lasse meinen Köder ins eisige Wasser sinken. Biss! Jippie! Direkt nachdem ich mit meiner Axt auf das Eis eingeschlagen habe, um ein weiteres Loch zu machen, beißt mein Zielfisch an, als ob er vom Lärm angelockt wurde.

BLANKE DRILLINGE – KÖDERDIEB!

Die Pose gleitet unter dem Eis hin und her, ich ziehe kräftig an der Schnur, spüre jedoch keinen Widerstand! Mit anderen Worten: kein Hecht. Ich ärgere mich. Ich kontrolliere das Vorfach, mein Drilling ist blank. Zwei Mal wiederholt sich diese Szene. Meine Laune ist gedämpft, aber ich gebe nicht auf. Jetzt will ich meinen Hecht erst recht überlisten; und beschließe, etwas an meinem Vorfach zu verändern. Ich wechsle zu einem Doppeldrillingssystem, mit dem ich den nächsten Anbiss hoffentlich sicher verwandeln werde.

Während ich auf dem Eis in meinem bequemen Stuhl sitze und an meinem warmen Tee nippe, denke ich unentwegt an den Hecht. Bildlich sehe ich ihn vor mir, wie er argwöhnisch meinen kleinen Köderfisch anstarrt, ohne zuzuschnappen. Das Bild will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Nach nur kurzer Zeit werde ich ungeduldig, der Fisch ist ja da, doch wie kann ich ihn erneut von meinem Köder überzeugen?

Ich stehe auf. Bei jeder Rute hebe ich meine Montage um ein paar Zentimeter an, um sie dann wieder herunter gleiten zu lassen – in der Hoffnung, damit einen Anbiss zu provozieren. Just in dem Moment, in dem mein Proppen sich erneut aufstellt, geht er auf Tauchgang unters Eis. Mein Herz schlägt wild bis zu meinem Hals. Das Adrenalin schießt ein und diesmal bin ich gewillt, den Fisch zu landen. Ich ziehe mit der Hand an der Schnur, um anzuhauen – total ins Leere. Das gibt es nicht!!! Kein Hecht?!! Stattdessen kommen blanke Drillinge zum Vorschein. Anstatt meine Sachen zu packen und es mir auf der Couch im Warmen gemütlich zu machen, beschäftigt mich nur eine Frage: Wie konnte der Hecht an beiden Drillingen vorbei beißen?

AUFGEBEN GILT NICHT

Planänderung. Ich ziehe den Köderfisch penibel mit einer Ködernadel auf mein 0,90 mm starkes Fluorocarbon-Vorfach, damit der kleine Fisch nicht so leicht geklaut werden kann. So sitzt der Drilling direkt am Kopf. Vielleicht attackieren sie immer den Kopf ? Der aufgezogene Köderfisch sinkt in das eisige Wasser, ich biete ihn 40 cm über dem Grund zum Fraß an, immer wieder bewege ich ihn leicht. Leider ohne Erfolg. Missmutig spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, für heute einfach Schluss zu machen. Aber war es das wert? Das ewige Warten auf konstante Minustemperaturen, um dann ohne Fang zurückzukehren, nicht wissend, wann sich wieder die Möglichkeit zum Eisangeln bietet? Nein! Ich werde nicht aufgeben! Hoffnungsvoll wechsle ich das Eisloch erneut. Ich war gerade dabei, einen meiner Köderfische leicht zu bewegen, da bemerke ich, dass die rote Spitze meiner Pose verschwunden ist. In Windeseile schlittere ich zum Eisloch. Die Schnur läuft zügig von der Rolle ab. Jippie! Mein Adrenalin ist wieder da. Ich freue mich und muss cool bleiben. Ich greife nach der Schnur. Sie strafft sich und ich ziehe sie mit der Hand an.

Ich spüre einen starken Druck, ein Rucken und Ziehen. Langsam, fast schon andächtig, hole ich die Schnur ein. Kurz darauf ziehe ich den Hecht per Handlandung aus dem Eisloch.

Ich bin überglücklich! Was für ein schöner Hecht, er war das lange Warten und den Misserfolg wert. Ich freue mich über mich selber, darüber, dass ich den Hecht am Ende überlisten konnte. Ich packe meine Sachen und beende zufrieden mein erfolgreiches Eisangeln.

DIE BESTE (EIS-)ZEIT

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass der Faktor Helligkeit in der dunklen, kalten Jahreszeit sehr entscheidend für erfolgreiches Angeln ist. Egal, welchen Fisch ich in diesem Zeitraum bisher beangelt habe: Die größte Beißfreude konnte ich immer um die Mittagszeit verzeichnen. Verschwindet die Sonne hinter den Bäumen, und legt deren eisiger Schatten sich über das Gewässer, ist Feierabend. An dem von mir beangelten Gewässer lief es am besten in einer 2 bis 3 mtiefen Bucht, die aufgrund ihrer Lage besonders lange vom Sonnenlicht verwöhnt wird. Bei Frost bilden sich bereits nach wenigen Minuten Eiskristalle am Rand des Eisloches. Ruckzuck friert es komplett zu. Die Ränder der Eislöcher sind recht scharf und können meine Schnur jederzeit durchtrennen. Eine weitere Gefahr ist das Einfrieren der Schnur am Rand. In beiden Fällen kann die Schnur bei einem Biss und dem einhergehenden Schnurabzug brechen. Ein einfacher Trick kann helfen: Ein paar Tropfen Speiseöl am Eislochrand verteilen und die Eisbildung wird gehemmt – und die Schnur gleichzeitig geschützt. Auftreibendes Eis schöpfe ich mit der Nudelkelle raus.

Ach ja, und noch etwas: Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie jedes Eisloch markieren, bevor Sie einpacken und nach Hause gehen. Am besten geht das mit einem Bündel Zweige oder Schilf, welches in das Loch gesteckt wird. So verhindern Sie, dass das Loch von anderen Personen, die sich auf dem Eis aufhalten, übersehen wird. Viel Erfolg bei Ihrer Eishechtjagd!