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Elden Ring


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PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 16.03.2022

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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 4/2022

Genre: Rollenspiel Entwickler: From Software Hersteller: Bandai Namco Termin: 25. Februar 2022 Preis: ca. 60 Euro USK: ab 16 Jahren

Nach den Anspielsessions, die wir mit From Softwares neuem Action-Rollenspiel Elden Ring bereits verbringen durften, hatten wir so einige Ideen im Kopf, mit denen wir den Test einleiten wollten. Man könnte es zum Beispiel als From Softwares Greatest-Hits-Album bezeichnen, aber mit vielen neuen Songs und Remixes. Auch der Vergleich mit Breath of the Wild oder Skyrim würde sich anbieten, nur in ziemlich schwer und mit viel tieferem Kampfsystem. Und um die Serienveteranen abzuholen, könnte man sagen, dass Elden Ring sich in etwa so magisch anfühlt, wie Dark Souls 1 wieder zum ersten Mal zu spielen. Nachdem wir uns nun über 80 Stunden lang durch das fertige Spiel gekämpft haben, stellen wir fest: Um Elden Ring treffend zu beschreiben, braucht es all diese ...

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... Vergleiche, weil es alles davon gleichzeitig ist. Ein ums andere Mal hat es das Abenteuer geschafft, selbst uns alte Souls-Hasen zu überraschen, zu motivieren, und schwer zu begeistern. Und obwohl es uns auch immer wieder in den Staub getreten und einige Nerven gekostet hat, sind wir doch nach jeder Session mit einem meterbreiten Grinsen im Gesicht von der Couch aufgestanden. Und dafür ist, neben dem verfeinerten und immer noch exzellenten Souls-Gameplay, vor allem der eigentliche Star von Elden Ring verantwortlich: seine Open World, das Zwischenland. Das Spiel schickt euch in eine Welt, für die nicht nur Serienvater Hidetaka Miyazaki, sondern diesmal auch George R. R. Martin in den dunklen Ecken ihres Verstandes gekramt haben. Seit dem Verschwinden der Königin Marika und der Zertrümmerung des Eldenrings marodieren verrückt gewordene Halbgötter durch das Zwischenland. Statt nobler Lords und Ladies regieren nun Zerfall und Wahnsinn, die Welt versinkt im Chaos.

Himmel auf den ersten Blick, Hölle auf den zweiten

Um einen neuen Eldenfürsten zu bestimmen, der wieder Ordnung herstellt, werden die Befleckten aus ihren Gräbern geholt. Darunter auch euer selbst erstellter Charakter. Aber keine Sorge, ihr habt natürlich Verbündete an eurer Seite. Schillernde Persönlichkeiten, wie die „Sterbebett-Gefährtin“ oder den „abscheulichen Dungfresser“. Damit ihr euch bei den rosigen Aussichten aber nicht gleich voreilig zum Helden erklärt, wird euch der erste Feind, dem ihr begegnet, vermutlich erst einmal standesgemäß zerlegen. Erst der Tod, dann das Tutorial, und damit auch die endgültige Gewissheit, welcher Entwickler hier am Werk ist. Den erfrischenden Kontrast zu seinem düsteren Szenario schafft Elden Ring dann in dem Moment, in dem ihr die Spielwelt zum ersten Mal betretet. Ihr habt eine saftig-grüne Waldlandschaft vor euch, im Gras rollen fröhlich die Ziegen herum und am Himmel strahlt der Erdenbaum. Na gut, die gekreuzigten Leichen, die sich nachts die Seele aus dem Leib brüllen, abartige Monster und im Boden versunkene Gebäude mögen die Urlaubsstimmung vielleicht trüben. Aber dennoch ist das Zwischenland voller bildgewaltiger Umgebungen, an denen man sich kaum sattsehen kann. Die knalligere Farbgebung und die malerischen Fantasy-Panoramen tun der dichten, morbiden Atmosphäre aber keinen Abbruch, sie verstärken sie sogar noch. Die Faszination am Setting entsteht durch seine Gegensätze.

Architektonische Glanzleistung

Es ist aber nicht nur die kryptisch erzählte Geschichte, die euch in jeden Winkel der Welt locken wird. Auch sonst schafft es das Spiel pausenlos, den Entdecker in euch zu wecken. Da eure Karte noch leer ist, wenn ihr ein neues Gebiet erreicht, müsst ihr euch an der Architektur, der Geographie und dem Artdesign des Landes orientieren. Und all das haben die Entwickler beeindruckend verwandelt. Wo ihr auch hinblickt, ragen gewaltige Festungen, Türme und markante Felsformationen in den Himmel. Und wenn es hoch hinausgeht, dann sind tiefe Täler natürlich nicht weit, weswegen die Spielwelt auch vertikal ausgedehnt daherkommt. Zum Glück ist der Fallschaden gnädig und euer Reittier mit einem Doppelsprung ausgestattet. Ihr dürft und müsst also auch mal unorthodoxe Routen nehmen. Verstärkt wird das Entdeckergefühlnoch von der toll gezeichneten Karte, die ihr nach und nach mit gefundenen Fragmenten aufdeckt. Sie ist gerade detailliert genug, um euch die Orientierung zu erleichtern. Markiert werden aber nur große Orte und Rastplätze, und zwar erst, wenn ihr selbst dort wart. Alles andere dürft ihr mit Markern händisch kennzeichnen. Beim Hineinzoomen hätte die Map gerne noch schärfer sein dürfen, sie öffnet sich dafür aber ohne Verzögerung.

Klasse und Masse

Bei den Lokalitäten selbst halten sich Klasse und Masse angenehm die Waage. Bestimmte Muster, wie etwa die meisten kleineren Dungeons, die an die Kelchverliese aus Bloodborne erinnern, werdet ihr zwar irgendwann wiedererkennen, an den kleineren Erdenbäumen dürft ihr stets mit einem ähnlichen Bossgegner rechnen, und in den meisten größeren Ruinen findet sich ein Keller mit Schatztruhe. Trotzdem fällt die Vielfalt an Orten und Szenarien, vor allem für ein Spiel dieser Größe, bemerkenswert hoch aus. Es gibt unterirdische Anlagen, die oft mit eigenen Fallen und Mechaniken daherkommen und manchmal sogar in ganz neue Gebiete münden. Über der Erde überfallt ihr Konvois, die von Heerscharen an Feinden bewacht werden, oder ihr werdet beim Erkunden von Open-World-Bossen angegriffen. Zudem stolpert ihr alle naselang in heruntergekommene Siedlungen, Festungen und Herrenhäuser, die oft mit eigenen Settings, Geschichten und Feinden ausgeschmückt sind.

Show, don‘t tell

Beispiel gefällig? In Limgrave, der Anfangszone, entdeckt ihr Schloss Morne, wo die Bediensteten einen blutigen Aufstand angezettelt haben. Nachdem ihr von einer geflüchteten Frau die Eckdaten erfahren habt, sucht ihr ohne Questlog oder Kartenmarkierungen die Burg auf. Weitere Story-Puzzlesteine erhaltet ihr dann durch das großartige Umgebungs-und Figurendesign. Bewährte Strategien also, mit denen die Entwickler seit jeher ihre düsteren Geschichten erzählen, und die im Großen wie im Kleinen funktionieren. Es ist immer noch die kryptische Erzählweise, die man von dieser Art Spiel inzwischen gewohnt ist, und die man entweder mag oder ignoriert. Zusammenhänge erschließt ihr euch zwischen den Zeilen, durch Eigeninterpretation, oder indem ihr Itembeschreibungen studiert. Auch die vielen seltsamen Gestalten, denen ihr auf eurer Reise begegnet, reden wie gehabt nur selten Klartext. Ne- ben etlichen interessanten Orten schafft es das Spiel auch, das große Ganze optisch und thematisch abwechslungsreich zu halten. Vom idyllischen Limgrave verschlägt es euch in neblige Wälder und Flusslandschaften, später erkundet ihr etwa noch schroffe Gebirgszüge und Eiswelten. Je näher ihr dem Erdenbaum kommt, desto monumentaler werden die Umgebungen.Allein durch sein phänomenales Artdesign vermittelt euch das Zwischenland also ein tolles Fortschrittsgefühl.

Magische Momente

Außerdem entführt euch Elden Ring gerne in Gebiete, in denen ihr eigentlich noch gar nichts verloren habt. Da öffnet ihr zum Beispiel im Anfangsgebiet eine unscheinbare Truhe, werdet von einer Rauchwolke umhüllt, und wacht im nächsten Moment in einer apokalyptischen Höllenlandschaft auf. Zudem gibt es Einbahnstraßen-Portale, die ihr erst durchschreiten müsst, um zu sehen, wohin sie führen, und Aufzüge, die euch in gigantische unterirdische Höhlennetzwerke bringen. Das alles sind nicht nur großartige Momente, das ist auch die Rückbesinnung auf alte Souls-Leveldesign-Prinzipien im Großformat. Ihr dürft allerdings außerhalb von Kämpfen und Dungeons jederzeit zu allen gefundenen Checkpoints reisen und lauft daher nie wirklich Gefahr, irgendwo festzustecken. Per Schnellreise landet ihr außerdem in eurem neuen, abgetrennten Hub, der Tafelrundfeste. Wie beim Feuerbandschrein, Majula oder dem Nexus versammeln sich hier wichtige Charaktere, die euch Items und Upgrades verschaffen oder Nebenquests bereithalten. Nun sind Schauwerte und interessante Szenarien allein aber vermutlich nicht genug, um euch viele Dutzend Stunden lang bei der Stange zu halten. Und hier kommt das zweite große Standbein von Elden Ring ins Spiel. Das anspruchsvolle Action-RPG-Gameplay, bei dem das Grundgerüst von Dark Souls 3 um einige Features erweitert wurde, und dessen Fortschrittsmechaniken sinnvoll mit der Spielwelt verbunden sind. Habt ihr das Finale der Souls-Trilogie gespielt, fühlt sich Elden Ring sofort vertraut an. Steuerung und Spielgefühl sind zu Fuß nahezu identisch. Elden Ring spielt sich dementsprechend griffig und dynamisch. Das Trefferfeedback ist saftig, die Hitboxen sind spitze, die Angriffsanimationen auch. Euer Befleckter hat aber ein paar neue Fähigkeiten in petto. So könnt ihr nun endlich komfortabel aus dem Stand springen, und ein simples Schleichsystem hat es auch ins Spiel geschafft. Den Sprung werdet ihr nicht nur zur Fortbewegung, sondern auch im Kampf häufig einsetzen: Mit Sturzangriffen richtet ihr mehr Schaden an, je länger ihr fallt, und öffnet die Feinde für kritische Angriffe. Ist nämlich die unsichtbare Haltungsleiste eines Gegners leer, bricht er für kurze Zeit wehrlos zusammen. Den gleichen Effekt erzielt ihr mit dem neuen Abwehrkonter, der euch nach einem Block mit erhöhtem Haltungsschaden zurückschlagen lässt. Das Haltungssystem ist eine subtile, aber gelungene Methode, um euch aus der Defensive zu locken. Immerhin bedeutet ein wehrloser Feind nicht nur Gratis-Schaden, sondern bei Bedarf auch wertvolle Sekunden, um einen Heiltrank zu kippen. Das Bogenschießen hat Elden Ring ebenfalls mit einer feinen Neuerung aufgepeppt: Die Pfeilschleudern dürft ihr nun auch lässig aus der Luft oder nach einer Ausweichrolle abfeuern.

Upgrade mit vier Hufen

Mit eurem Pferd Sturmwind pfeift ihr euch euer mächtigstes neues Tool für Movement und Kampf herbei: Ihr dürft beim Reiten zaubern, schießen, zuschlagen und per Doppelsprung über Bodenangriffe hinwegsegeln. Weil sich das Tier sehr direkt steuert, dauert es nicht lange, bis aus planlosem Gefuchtel Ritterturnier-ähnliche Duelle mit Feinden werden, die ebenfalls gerne hoch zu Ross antreten. Das gemeine Fußvolk lässt sich vom Pferd aus recht einfach zersäbeln. Weil ihr nun aber auf zwei Lebensbalken achten müsst und so gut wie tot seid, wenn ihr abgeworfen werdet, ist auch der berittene Kampf spannend und fordernd. Ganz zu schweigen von Bossgegnern, die speziell um das Pferd herum designt wurden, und die entsprechend fix große Distanzen überbrücken können.

Alte Bekannte, neue Bekloppte

Aggressiv und schnell sind sie aber ohnehin, die neuen und bekannten Gegner, die euch Elden Ring vor die Füße wirft. Anfangs kloppt ihr euch noch mit dem üblichen Feindmaterial, also mit Rittern, Zombies und nervigen Hunden. Im Spielverlauf werden die Gegner aber immer grotesker und gefährlicher. Es gibt etwa Land-Oktopusse, die ihre eigenen Tentakel fressen, Marionettensoldaten mit vier Armen und zwei Bögen und tanzende Blumenfrauen, die sich in den Arm beißen und euch mit Blut bespucken. Die Feinde sind wunderbar kreativ und abartig designt. Außerdem bringen sie euch mit fiesen Tricks und vielen Angriffsmustern ins Schwitzen. Das Spiel gibt sich Mühe, den Recyclingfaktor dabei möglichst gering zu halten. Die Godrick-Soldaten etwa tauchen in fast jeder Zone als Standardgegner auf, können später aber Zauber verschießen und Feuer spucken. Ein Typ von Skeletten wurde direkt aus Dark Souls übernommen, aber die Methode, um sie an der Wiederbelebung zu hindern, ist in Elden Ring eine andere. Die auffälligsten Recycling-Gegner sind da noch die Krabben, die From Software eins zu eins aus Dark Souls 3 importiert hat. Zum Glück ist das aber die Ausnahme und nicht die Regel.

Gute Gründe, ins Gras zu beißen

Die Stars in einem Soulslike sind aber natürlich die Bosse, und von denen hat Elden Ring etliche auf Lager. Der Unterscheid zu früheren Titeln ist, dass der Großteil davon nun kreuz und quer in der Spielwelt verstreut und optional ist. Wer schnurstracks zum Ende durchmarschieren will, besiegt nur eine Handvoll Endgegner. Wer aber alles erforscht, sieht sich in jeder Zone der Welt mit schätzungsweise einem knappen Dutzend konfrontiert. Schätzungsweise, denn die meisten dieser Bosse sind mehr oder weniger gut versteckt. Während ihr an Drache Agheel, dem Baumwächter oder Margit, der ersten Fortschrittsbremse, kaum vorbeikommt, müsst ihr viele Andere erst auftreiben. Fündig werdet ihr aber an jeder Ecke, denn in den meisten namhaften Orten im Zwischenland treibt sich auch ein Obermotz herum. Nun kann wegen der schieren Masse natürlich nicht jeder Bosskampf so ausgereift sein wie etwa ein Hauptboss in den früheren Spielen. Manchen werdet ihr außerdem mehrmals begegnen. Der überwiegende Großteil ist aber fordernd, toll designt und abwechslungsreich. Die Bosse decken euch mit vielen und umfangreichen Angriffsketten ein, die es zu beobachten, zu lernen und auszunutzen gilt. Wie bei Dark Souls 3 und Bloodborne sind die Kämpfe deutlich auf schnelle Action getrimmt, wo Reaktionsvermögen genauso wichtig ist wie das passende Equipment. Das Resultat sind intensive und oft spektakulär inszenierte Duelle, die in Elden Ring dank Sprungfunktion und Pferd teils noch um eine vertikale Ebene erweitert werden. Besonders bei den Pflichtbossen, die euch in der großen Festungsanlage jeder Zone erwarten, hat From Software wieder alle Register gezogen. Schon Godrick, der erste Hauptboss, lässt mit seinem Design, seinen Angriffsmustern und seiner grandiosen Inszenierung euren stählernen Hintern auf Grundeis gehen. Und ohne zu viel vorwegzunehmen: Im späteren Spielverlauf schickt euch Elden Ring in teils wirklich abgefahrene Kämpfe, in denen die Entwickler neue Mechaniken ausprobieren und es wieder mal ordentlich übertreiben. Im positiven Sinn. Bevor wir nun Spielwelt und Gameplay zusammenführen und erklären, wo dem Spiel ein ganz besonders großer Wurf gelungen ist, haben wir aber auch noch ein paar kleinere Hühnchen mit Elden Ring zu rupfen. Die meisten Patzer, die sich das Spiel erlaubt, sind vermutlich der Engine geschuldet und für Serienveteranen nichts Neues. So ist etwa der Charaktereditor, trotz dramatisch verbesserter Hauttexturen und Frisuren, wieder ein undurchschaubarer Wust aus Schiebereglern. Beim etwas lieblosen Aufbau der Ausrüstungs-und Inventarmenüs hat sich ebenfalls nichts getan. Zudem stört, dass Umhänge und zweihändig geführte Waffen gerne durch euren Schild clippen, wenn ihr ihn auf dem Rücken tragt. Genauso, wie euer Charakter durch die dichte Vegetation im Spiel wandert, ohne dass sie großartig darauf reagiert. Seinen nicht mehr ganz taufrischen Grafikmotor kaschiert Elden Ring in den meisten Fällen durch superbes Artdesign und tolle Beleuchtung. Gerade nachts und bei regnerischem Wetter kann das Spiel aber auch ziemlich dröge und alt aussehen. Der aufwändig gestalteten und beleuchteten Spielwelt schieben wir außerdem die kleinen, aber häufigen Framerate-Einbrüche in die Schuhe, die uns im Test noch aufgefallen sind.Die Vollversion läuft zwar bedeutend flüssiger als der Network Test, trotzdem sollte From Software hier noch weiter nachbessern. Auch auf Last-Gen-Konsolen geht die Performance in Ordnung, dort spielt ihr aber nur mit maximal 30Fps. Wer zudem ein besonderes Auge für aufploppende Vegetation hat, der wird aktuell vor allem auf großen Grasflächen fündig.

MEINE MEINUNG

Stefan Wilhelm

„Ich habe mein Spiel des Jahres schon gefunden.“

Die positiven Eindrücke haben sich bestätigt, und Elden Ring ist einiger kleiner Patzer zum Trotz eines der besten Spiele geworden, die ich seit langem gespielt habe. Das bezieht sich nicht nur auf das Action-RPG-Grundgerüst mit seinen flexiblen Build-Möglichkeiten, seinen vielseitigen Waffen und seinem Fortschrittssystem. Das liegt nicht nur am faszinierenden Szenario, das From Software mal wieder herrlich düster, mysteriös und abgefahren präsentiert. Und es hängt auch nicht rein an der Open World, die so monumental, wunderschön gestaltet, abwechslungsreich und vollgestopft ist, dass ich jede freie Sekunde mit ihrer Erkundung verbringen will. Nein, es ist die meisterhafte Art und Weise, wie all diese Zahnräder ineinander greifen, bei der dem Spiel sein größter Wurf gelingt. So schnell mich Elden Ring einerseits manchmal auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wenn ich mir wieder einen Boss oder einen Dungeon für später aufheben muss, weil mein Charakter wegen des entschleunigten Fortschrittssystems einfach noch nicht weit genug ist, so viele Möglichkeiten stellt es mir andererseits offen, um mein Ziel irgendwann zu erreichen. Und dieser Motivationskreislauf ist so stark, dass ich jetzt schon weiß, dass er mich die nächsten Monate absolut großartig unterhalten wird.

Der eigentliche Endboss

Das nervigste Überbleibsel aus den geistigen Vorgängern ist aber die teils immer noch ziemlich miese Kamera. Mit Gegnern, die größer sind als der Bildausschnitt, hat sie mal wieder ihre liebe Mühe. Ein Problem, das euch bei Elden Ring vermutlich häufiger auffallen wird als früher, denn das Spiel wirft euch reihenweise gigantische Feinde entgegen. Trolle, Steingolems und Drachen in allen Formen und Farben sind toll inszeniert und eindrucksvoll, aber nur, solange ihr sie auch sehen könnt. Hier hätte die Kamera gerne auch zu Fuß etwas herauszoomen können, wie sie es auf dem Pferd schon tut. Meist hilft nur, den Lock-on abzuschalten und aufs Beste zu hoffen. Diese Schönheitsfehler sind zwar spürbar und nervig, sie schaffen es aber nicht, vom größten Erfolg des Spiels abzulenken: Elden Ring versteht sich hervorragend darin, die bekannten Mechaniken und Fortschrittssysteme seiner Vorgänger mit der neuen Open World zu verweben. Grundsätzlich habt ihr es mit dem gleichen Unterbau aus freier Klassenentwicklung, Waffenupgrades und der Jagd nach Ausrüstung zu tun wie etwa bei Dark Souls 3.

Gewohnt, genial, geheimnisvoll

Allerdings versteckt Elden Ring die meisten dieser Bestandteile in allen möglichen Ecken seiner Spielwelt. Neue Waffen kauft ihr selten bei Händlern, sondern erhaltet sie nach Kämpfen mit besonderen Gegnern oder aus Schatztruhen. Gleiches gilt für Schmiedematerialien, die ihr vor allem in Minen sammelt, und für Magie, deren Lehrer sich gerne in unscheinbaren Höhlen verbergen. Wollt ihr außerdem zusätzliche Zaubersprüche ausrüsten, levelt ihr kein schnödes Attribut mehr auf. Stattdessen sucht ihr nach einem speziellen Item, was oft mit einem kleinen Rätsel einhergeht. Auch die Slots für die nun Talismane genannten Ringe erhöht ihr auf diese Weise. Die aus Dark Souls 3 bekannten Waffenfähigkeiten kehren zurück, sie sind diesmal allerdings austauschbar und ebenfalls kreuz und quer im Zwischenland verteilt. All das entschleunigt, zumindest im ersten Durchgang, spürbar das Fortschrittssystem und zwingt euch dazu, die Spielwelt ausgiebig zu erkunden. Und dass dieses Erkunden allein wegen der Vielfalt an Orten, der vielen Überraschungen und des superben Artdesigns enorm viel Spaß macht, haben wir eingangs schon erwähnt. Elden Ring schafft es aber auch, euch für die meisten Trips gebührend zu belohnen. Am effektivsten geschieht das natürlich durch den hohen Schwierigkeitsgrad, wegen dem ihr alles an Upgrades und Währung mitnehmen wollt, was ihr in die Finger kriegen könnt.

Fazit

Es braucht auch als Serienveteran eine gewisse Zeit, um sich an die neue Struktur zu gewöhnen. Aber dafür fühlt sich die inzwischen doch recht routinierte Souls-Formel wieder fast so frisch, spannend und mysteriös an wie beim ersten Mal. Und es wäre noch maßlos untertrieben, zu behaupten, Elden Ring stecke voller Geheimnisse. Weil ihr stets an Dutzenden Orten euer Glück versuchen könnt, und weil euch die offene Welt mehr taktische Optionen zur Verfügung stellt, gibt sich der Souls-Nachfolger auch für Neueinsteiger etwas zugänglicher. Mit komfortablerem Koop-Modus und NPC-Geistern, die ihr in großen Kämpfen herbeirufen dürft, wurden darüber hinaus auch die direkten Support-Systeme aufgebohrt. Trotzdem braucht ihr für das Spiel immer noch gute Nerven, ein gewisses Maß an Reaktionsvermögen und, noch mehr als früher, Zeit und Geduld. Bringt ihr aber all das mit, dann findet ihr bei Elden Ring eine der besten RPG-und Open-World-Erfahrungen seit sehr langer Zeit.

Wie schlägt sich die PC-Version?

Auch PC-Spielern können wir Elden Ring wärmstens ans Herz legen. Zwar seid ihr From-Software-typisch auf maximal 60 Fps begrenzt, und mit nativer 4K-Auflösung bei gleichzeitig maximalen Details kommen auch performante Gaming-Rechner manchmal ins Schwitzen. Wer aber beispielsweise die Qualität von volumetrischen Effekten, Beleuchtung oder Schatten etwas herunterreguliert oder mit einer Auflösung von 1440p leben kann, genießt Elden Ring auf dem PC in einer flüssigen Bildrate. Im Vergleich zu den Konsolenversionen ist uns zudem weniger aufploppende Vegetation aufgefallen. Wie immer in der erweiterten Souls-Reihe gilt übrigens auch bei Elden Ring: Die mit Abstand beste Erfahrung habt ihr mit einem Controller.

MEINE MEINUNG

Maik Koch

„Dark Souls oder Bloodborne waren nur die Ouvertüre.“

Als From-Software-Fan möchte ich die Erinnerungen an das erste Dark Souls auszulöschen. Am besten komplett ahnungslos und hilflos von vorn beginnen. Mit Elden Ring ist das nun nicht mehr nötig. Das Gefühl der Verlorenheit zieht Fans magisch an, kann Neulinge aber auch leicht abschrecken. Das Zwischenland scheint groß, vielleicht etwas leer und verloren. Jedoch ist das genauso konzipiert. Das befriedigende Belohnungsgefühl für Ausprobieren und Scheitern – all das wirkt weitaus stärker nach als in Dark Souls. Egal ob NPCs, Lore oder die Gestaltung der Welt: Elden Ring stellt in Sachen Größe und Tiefe alles bislang Dagewesene mit einer malerischen Leichtigkeit in den Schatten. Was From Software audiovisuell arrangiert hat, ist an Monumentalität nicht mehr zu überbieten. Miyazaki schafft es, Veteranen sowie Neulinge gleichermaßen zu überraschen. Nach Dark Souls schaffte es kein Spiel, dieses intensive erste Mal erneut fühlbar zu machen. Elden Ring benötigte hierfür nicht mal eine Stunde.

PRO UND CONTRA

+ Eindrucksvolle Spielwelt mit tollem

+ Artstyle und schicker Beleuchtung

+ Etliche Secrets und vielfältige Orte

+ Spannendes Szenario mit dichter

+ Atmosphäre und vielen interessanten Charakteren

+ Klasse umgesetztes

+ Fortschrittssystem, das zum ausgiebigen Erkunden einlädt

+ Tolle, intensive Kämpfe mit soliden Neuerungen

+ Abwechslungsreiche und superb designte Gegner und Bosse

+ Unverwüstlich motivierendes Souls-

+ Gameplay mit flexiblem Klassensystem und vielfältigen Waffen

+ Riesiger Umfang

- Kleine, aber häufige Einbrüche in der Bildrate und Pop-ins bei Vegetation

- Störende Clipping-Fehler

- Kamera teils sehr unvorteilhaft

- Einige recycelte Feinde