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Elefantenskalp und Flatterhaar


Kunst und Auktionen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 28.02.2020

Hochwertige Münzen bei Gorny & Mosch in München


Artikelbild für den Artikel "Elefantenskalp und Flatterhaar" aus der Ausgabe 3/2020 von Kunst und Auktionen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kunst und Auktionen, Ausgabe 3/2020

TAXE 3000 € Syrakus, Dionysios I. (406 - 367 v. Chr.), Tetradrachmon, 400 - 395 v. Chr.


Wie jedes Jahr findet auch diesmal die Frühjahrsauktion bei Gorny & Mosch wieder unmittelbar im Anschluss an die Münchner Numismata (7. / 8. März) statt. Versteigert werden hochwertige Münzen aus allen Epochen und Regionen. Diesmal gibt es nur einen, dafür besonders umfangreichen Katalog mit 1567 Losnummern, der neben der Antike auch Prägungen aus Mittelalter und Neuzeit sowie Kursmünzen umfasst. Die Schätzpreise sind insgesamt durchwegs eher zurückhaltend.

Bei den ...

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... Griechenmünzen findet man endlich wieder einmal in größerer Zahl qualitätvolle Exemplare der seit Längerem auf dem Markt kaum noch anzutreffenden sizilianischen Prägungen aus der Hochklassik. Glanzpunkte bilden zwei der berühmten syrakusanischen Dekadrachmen sowie ein schönes Exemplar der in Italien als „Ercolini“ bezeichneten Goldmünzen mit dem Bild des löwenwürgenden Herakles (Taxen je 15 000 Euro). Mit diesen eindrucksvollen Geldstücken, die der Tyrann Dionysios I. nach seiner Machtergreifung im Jahr 405 v. Chr. vor allem zur Finanzierung seiner Kriege in Süditalien und in Sizilien gegen die Karthager prägen ließ, trat eine radikale Wende in der syrakusanischen Münzprägung ein. Zum einen lösten die mehr als doppelt so schweren Dekadrachmen die bis dahin üblichen Tetradrachmen als Hauptwährung der Stadt ab, Kleingeld gab es nur noch in Bronze. Zudem erfuhr die Gestaltung der Münzbilder eine radikale Umstellung. Während zuvor bei den Tetradrachmen eine überwältigende Vielfalt an individuell gestalteten Münzbildern geherrscht hatte, trat nun bei der Herstellung der Prägestempel eine strikte Uniformität ein. Die neu eingeführten Münzbilder wurden ohne wesentliche Veränderung bei der Anfertigung der einzelnen Münzstempel stereotyp wiederholt, lediglich im Stil und an den Beizeichen sind Unterschiede erkennbar.

TAXE 2000 € Dynasten, Mithrapata, Stater, 380 - 370 v. Chr.


Diese Praxis zeichnete sich schon bei der letzten Serie der Tetradrachmen ab. Alle Varianten der insgesamt 14 Kopfstempel zeigen dort die Quellnymphe Arethusa mit aufgelöstem Haar, das sich in einzelnen Strähnen aufwärts schlängelt. In Italien nennt man die junge Frau „La Scapagliata“ (die Zerzauste). Man spricht aber auch vom „Typ Flatterhaar“ und von „himmelwärts wegwehenden Haaren“ - sogar Flammen meinte man schon wahrzunehmen. Ohne Frage wollte der Künstler hier aber das im fließenden Wasser dahintreibende Haar der Wassergottheit darstellen. Der stilistisch am besten gelungene Münzstempel dieser Serie wird in der Auktion durch ein besonders scharf ausgeprägtes und ausgezeichnet erhaltenes Exemplar repräsentiert (Abb., Taxe 3000 Euro). Da man sich in der Prägewerkstatt - wie damals allgemein üblich - nicht die Mühe machte, den rundlich ausgegossenen Schrötling vor dem Prägen sorgfältig flach zu klopfen, sind auf der dadurch zu klein ausgefallenen Münzfläche im Randbereich nicht alle Details wiedergegeben. So vermisst man bei unserem Stück unter dem Halsabschnitt das Schriftröllchen, das uns den Namen des Stempelkünstlers nennt: EYKLEIDAS.

TAXE 2000 € Königreich der Ptolemäer, Ptolemaios I. als Satrap (323 - 305 v. Chr.), Tetradrachmon, 319 / 18 v. Chr.


Abb.: Gorny & Mosch, München

Das künstlerisch anspruchsvollste und der Realität wohl am nächsten kommende Münzporträt Alexanders des Großen sieht man auf einem nach seinem Tod in Ägypten unter Ptolomaios I. geprägten Tetradrachmon von bestem spätklassischen Stil. Die selten angebotene, hier mit 2000 Euro eher zurückhaltend taxierte Münze zeigt Alexander als Sohn des Jupiter-Ammon mit Widderhörnern und geschmückt mit einem Elefantenskalp als Symbol für die Eroberung Indiens (Abb.). Das gleiche Aversmotiv findet man bei einer späteren ptolemäischen Prägung, die es zwar an Ausdrucksstärke mit dem vorigen Stück nicht aufnehmen kann, trotzdem aber auch sehr kraftvoll wirkt (Taxe 1000 Euro).

Ganz aus dem Rahmen üblicher Prägungen hellenistischer Königreiche fällt ein Tetradrachmon aus dem Seleukidenreich, geprägt unter Seleukos I. Nikator, mit dem verblüffend natürlich wirkenden Bild eines indischen Elefanten auf dem Revers. Auf dem Avers sieht man ausnahmsweise kein Herrscherbildnis, sondern einen Pferdekopf mit Hörnerschmuck (Taxe 30 000 Euro).

Besonderes Interesse verdient eine Reihe von Prägungen persischer Satrapen aus dem späten 5. und frühen 4. Jahrhundert v. Chr. Die Provinzstatthalter des Großkönigs waren ursprünglich nicht berechtigt, im eigenen Namen Münzen zu prägen, erstritten sich aber dieses Recht nach und nach, wobei sie vielfach ihr eigenes Porträt auf die Münzen setzen ließen. Ein besonders schönes Beispiel ist ein lykischer Stater mit dem ungemein lebendig wirkenden Bild des Mithrapata (Abb., Taxe 2000 Euro). Das Vorderteil eines Löwen mit aufgerissenem Rachen auf dem Avers ist minutiös von den Münzen der griechischen Stadt Knidos übernommen.

Teuerstes Stück unter den Römermünzen ist ein spätrömischer Aureus mit dem Bild der Galeria Valeria, Tochter des Kaisers Diocletianus und Gattin seines Mitregenten und späteren Nachfolgers Galerius, der zunächst in seinem Herrschaftsbereich die von Diocletianus wiederaufgenommene Christenverfolgung weiterführte, aber kurz vor seinem Tod - möglicherweise unter dem Einfluss seiner dem Christentum zugeneigten Frau - das berühmte Toleranzedikt von 311 n. Chr. erließ, durch das die Christenverfolgung im Römischen Reich endgültig ihr Ende fand (Taxe 40 000 Euro).

Unter den Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit verdient besondere Erwähnung ein sehr seltener Dicker Doppeltaler von 1697 auf die Beendigung der Erbstreitigkeiten im Hause Löwenstein-Wertheim- Virneburg (Taxe 15 000 Euro). Reichsgold ist durch seltene Prägungen kleinerer deutscher Fürstentümer prominent vertreten, darunter ein Zwanzigmarkstück von Reuss, Ältere Linie, Heinrich XXII., in Stempelglanz (Taxe 50 000 Euro). In einer gesonderten Internetauktion kommt einige Tage später weiteres interessantes Material mit deutlich niedrigeren Schätzungen zur Versteigerung.

GORNY & MOSCH München, Auktion 9. / 10. März, Besichtigung 5. / 6. und 8. März