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Elsa Dreisig: „Ich möchte singen, wie ich atme“


Rondo - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 07.09.2018

Die Sopranistin ist ein Shootin-tar des lyrischen Fachs. Ihr neues Album wagt den Ausblick in eine Spint-ukunft.


Artikelbild für den Artikel "Elsa Dreisig: „Ich möchte singen, wie ich atme“" aus der Ausgabe 4/2018 von Rondo. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Rondo, Ausgabe 4/2018

Sopran, natürlich: Der Gesang wurde Elsa Dreisig bereits von ihrer Familie in die Wiege gelegt


RONDO: Ich habe Sie zum ersten Mal in Aix-en-Provence als Micaëla erlebt. Haben Sie die Inszenierung von Dmitri Tschernjakow gemocht?

Elsa Dreisig: Oh ja, für mich war es perfekt, denn die Micaëla kann sehr langweilig sein, hier war sie ausgesprochen manipulativ! Ich bin froh, dass das meine erste Micaëla war, so hatte ich die Langweilige noch nicht gelebt.

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Sehr, sehr früh, schon als Kind. Ich bin aufgewachsen in einer Opernfamilie, meine Mutter ist Opernsängerin, mein Vater war es, meine Tante und meine Cousine. Und schon mit sechs Jahren war ich im Kinderchor, zehn Jahre lang. Aber als ich 17 wurde, dachte ich mir, jetzt muss ich meine Frauenstimme finden. Mein Kehlkopf war noch sehr hoch eingestellt. Das war eine Menge Arbeit, auch mich selbst zu finden als Frau. Aber gesungen habe ich immer. Und es war nie eine Frage, bin ich Opernsängerin? Ich war es einfach, seit ich fünf war.

Wussten Sie immer, dass Sie ins Sopranfach gehören?

Tief in mir wusste ich, dass ich Sopran bin, aber ich habe bewusst angefangen als Mezzosopranistin. Ich wollte ja meine Frauenstimme finden und habe mir gedacht, als Mezzosopranistin ginge das leichter. Also, in den Körper gehen und die ganze Sensualität in der Stimme zu finden und nicht nur die Intellektualität.

Sie machen sehr viel Neue Musik, was bedeutet Ihnen das?

Das ist ganz wichtig, man kann mit dem Komponisten arbeiten, das ist etwas Besonderes. Bei einer Uraufführung weiß man am Anfang gar nichts! Alles ist noch ganz leer, und man muss alles aus sich selbst heraus konstruieren, peu à peu. Man findet sich auch selbst mit der Musik, das ist schön.

In welcher Musik-Epoche fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich mag eigentlich alles gern. Aber wo ich denke, ich habe wirklich etwas zu geben, das ist der italienische Belcanto und die französische Romantik. Massenet, Donizetti, früher Verdi. Ich habe im Februar mein Rollendebüt mit der „Traviata“ gemacht und da habe ich mich wirklich zuhause gefühlt.

Auf Ihrer neuen Einspielung bieten Sie eine verrückte Mischung. Welche Idee steckt dahinter?

Mein Wunsch war die letzte Szene der Salome von Richard Strauss. Dann haben wir gedacht, es wäre interessant, das Phänomen des Spiegels zu thematisieren! Also Salome von Strauss an der Hérodiade von Massenet zu spiegeln! Und so haben wir fünf Spiegel gefunden. Es ist eine CD, die mich zeigt, wie ich jetzt bin und wie ich in der Zukunft sein könnte.

Zur Zeit sind Sie lyrischer Sopran, wie geht das zusammen mit der Salome?

Weil es hier auf Französisch ist, geht es. Auf Deutsch hat man Birgit Nilsson oder Nina Stemme im Kopf. Auf Französisch hat man keinen Vergleich. Es geht aber eben nicht nur um das Stimmfach, ich frage mich immer: Ist das eine Partie für mich als Mensch, als Frau? Es gibt Partien, die ich nicht singen möchte, z.B. die Mimì, weil ich merke, ich kann mich in dieser Musik verlieren. Dieser Verismo ist für mich jetzt zu gefährlich. Gefährlicher als Strauss, denn Strauss kann ich wie ein Lirico Spinto singen. Ich höre sehr gern Birgit Nilsson, weil sie nie in die Breite ging, sie hatte immer diese kleine Trompete! Und ich denke, dahin wird auch meine Stimme gehen, ich kann das hören. Ja, Nina Stemme hat das fantastisch gesungen, aber es gibt Platz für andere Fassungen, hoffentlich.

Das ist aber eine abgespeckte Version, oder?

Die Partitur ist eigentlich gleich, aber nur für 97 Instrumentalisten, eine Originalfassung von Strauss. Er hat es arrangiert für die französische Sprache.

Welche Rolle spielen Lieder für Sie?

Das ist Gymnastik für die Stimme, Lieder sind mir sehr wichtig. Es ist schwieriger als Oper, viel mehr Text, viele verschiedene Geschichten, man muss in viele verschiedene Emotionen gehen. Nach einem Liederabend bin ich völlig leer. Ich gebe mehr als in der Oper, da tragen mich die Inszenierung, Maske, das ganze Drumherum. In einem Liederabend gibt es nur ein Klavier und ein kleines Licht, da trägt nichts, man muss alles aus sich selbst herausbringen. Ich liebe auch das Repertoire, Schumann, Schubert.

Zurück zum Stimmfach: Glauben Sie, dass Sie ein Spinto-Sopran werden?

Ja. Ich versuche, mich jetzt noch als lyrischer Sopran zu halten, das ist gesund für die Stimme und richtig für mein Alter. Ich möchte singen, wie ich atme. Nicht mit zu viel Gewicht, nicht in zu hoher Lage, das wäre nur mein halbes Instrument. Ich möchte mit meinem ganzen Instrument singen, aber nie kompliziert. Ich hoffe, ich gehe ins Spinto-Fach, denn von der Energie her bin ich ein Spinto-Typ.

Erscheint am 5. Oktober:
„Miroir(s)“ , Arien und Szenen von Mozart, Rossini, Massenet, Gounod, Puccini, Strauss; mit Orchestre National de Montpellier Occitanie, Schønwandt,Erato/Warner
Abonnenten-CD: Track 5

Seelenspiegel

Elsa Dreisig hat französisch-dänische Wurzeln und studierte in Paris und Leipzig. 2015 gewann sie den zweiten Preis beim Königi-onja-Wettbewerb in Oslo und den ersten im Bertelsmann-Wettbewerb „Neue Stimmen“, 2016 folgte der Operalia-Preis. Seit 2015 war sie im Opernstudio der Berliner Lindenoper, wo sie inzwischen als Ensemblemitglied die großen Rollen ihres Fachs singt. Das Leitmotiv des Albums „Miroir(s)“ ist das Spiegeln der gleichen Figur durch zwei verschiedene Komponisten. „Romeo und Julia“ von Steibelt (1793) steht „Roméo et Juliette“ von Gounod gegenüber, Mozarts Gräfin Rossinis Rosina und Massenets Manon der von Puccini.


Foto: Simon Fowler/Warner