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Elterngespräche leicht gemacht


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Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 04.07.2022

Neulich war ich an der Schule meiner Tochter zum Elterngespräch eingeladen. Schon im Anschreiben war vermerkt, es sollten sich bitte nicht alle Eltern anmelden, das sei zeitlich nicht zu schaffen. Ich wünschte einen Termin, schließlich war meine Tochter neu in der Klasse. Das Zeitfenster sollte wie üblich zehn Minuten betragen. Als Pädagogin kenne ich die Hintergründe. Als Mutter empfinde ich das schlicht als eine paradoxe Situation. Selbst wenn Eltern und Lehrkraft gleichermaßen zu Wort kämen, wäre das nach Abzug von Begrüßung und Verabschiedung drei Minuten pro Person. Ist da ein Gespräch überhaupt noch sinnvoll? Welche Inhalte möchte man in drei Minuten vermitteln? Eine Einladung zum Gespräch ohne Zeit für ein Gespräch?

An diesem persönlichen Beispiel wird deutlich, dass schon die Alltagskommunikation zwischen Schule und Elternhaus erste Fallstricke mit sich bringen kann. Manche Eltern sind ...

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... froh, wenn sie möglichst wenige Nachrichten von der Schule erhalten, und werten das als Zeichen für ein problemloses Verhalten ihres Kindes. Andere wünschen mehr Austausch oder auch Mitsprache, wieder andere nutzen Lehrkräfte als Reibungsfläche bei divergenten Erziehungsvorstellungen. Auch Lehrkräfte kennen Eltern, zu denen sie dringend den Kontakt suchen und die sie kaum erreichen, und andere, mit denen sie die Zusammenarbeit vorrangig als anstrengend wahrnehmen. Zumindest vor Corona-Zeiten gehörten Elterngespräche mit zu den drei größten Belastungsfaktoren für Lehrkräfte (Forsa-Umfrage 2019). In meinen Workshops berichten viele Lehrkräfte, dass sie mit bis zu 70 Prozent aller Elterngespräche sehr gut zurechtkommen, die wenigen schwierigen Gespräche ihnen aber große Sorgen bereiten. Dieser Beitrag soll Ihnen Orientierung geben und Unterstützung bieten, wenn Sie sich fragen: Wie gehe ich in das nächste Elterngespräch? Wie kann ich die Elternarbeit konstruktiv gestalten? Denn es gibt hilfreiche Strategien und praxisnahe Tipps, die Ihnen gerade zu Beginn Ihrer beruflichen Laufbahn die Kooperation mit Eltern erleichtern können.

ONLINE UND OFFLINE

Die Zusammenarbeit mit Eltern findet in unterschiedlichen Settings statt: als Gruppe am Elternabend, in Elternbriefen und Mails, in Einzelgesprächen oder zwischen Tür und Angel. Wie wir in den letzten zwei Jahren gesehen haben, kann die Online-Kommunikation das Elterngespräch ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen. An manchen Schulen wurden noch während der Schulschließungen Walk and Talks mit Schüler:innen oder Eltern eingeführt, also gemeinsame Spaziergänge, um komplexe Themen zu besprechen. Folgende Regel lässt sich dabei verallgemeinern: Je komplexer das Thema, desto wichtiger ist der persönliche Kontakt, sei es am Telefon oder besser noch direkt. Vertrauen entsteht durch Nähe und Transparenz. Sie können sich fragen: Wie ansprechbar würden die Eltern Sie als Lehrkraft wohl einschätzen? Tipp für die Praxis: Bahnen Sie den Kontakt an, bevor Sie das erste schwierige Gespräch führen müssen. Manchmal wird dieser Tipp auch zusammengefasst als: Schmieden Sie das Eisen, wenn es kalt ist. Dazu eignet sich ein lockerer Elternstammtisch oder ein Elterngespräch zum Kennenlernen, und zwar gerade bei den Schüler:innen, bei denen Sie schon recht schnell erkennen, dass Sie eine gute gemeinsame Basis mit den Eltern brauchen werden. Online-Kommunikation hat dann Vorteile, wenn es vorrangig um die Weitergabe von Informationen geht oder für kurze Rückfragen.

ELTERNARBEIT ALS GEMEINSAME AUFGABE

Elternarbeit braucht Zeit. Um tatsächlich, wie im Bildungsauftrag vorgesehen, zu einer Bildungspartnerschaft von Eltern und Schule zu gelangen, ist es wichtig, einen guten Kontakt herzustellen, Vertrauen aufzubauen und echten Austausch zu pflegen. Das sollte möglichst ein gemeinsames Ziel der Schule sein und Eingang in das Schulprogramm finden. Das könnte auch als gemeinsamer Entwicklungsprozess der Schulgemeinde verstanden werden, den Eltern und Lehrkräfte gemeinsam angehen. Wie sprechen wir konstruktiv miteinander?

Was gelingt schon gut? Wann wird es anstrengend, und wie lässt sich eine gemeinsame Grundlage schaffen, die auch zum Beispiel bei schwierigem Verhalten von Schüler:innen noch trägt? Hierzu finden sich interessante Ansätze bei Haim Omer, der sich den unter dem Begriff der »Neuen Autorität« gemeinsam ausgehandelten Regeln widmet, die als Schulgemeinde von allen getragen werden. Denn Eltern und pädagogische Fachkräfte haben unterschiedliche Perspektiven auf ein Kind.

Gerade wenn das Kind Unterstützung braucht, ist es hilfreich, diese Unterschiedlichkeit zur Erweiterung des eigenen Blicks und für die Lösungsfindung zu nutzen. Das kann gerade für einzelne Lehrkräfte Orientierung geben und dann hilfreich sein, wenn der Kontakt konflikthaft verläuft.

STOLPERSTELLE ONLINE-KOMMUNIKATION

Zwischen Tür und Angel, auf einem Ausflug oder bei einer Abholsituation bieten sich Anlässe für eine Kontaktaufnahme ebenso wie im Gespräch. Je jünger der oder die Schüler:in und je komplexer die Situation, desto mehr Zeit sollte veranschlagt werden. Und hier berichte ich aus Erfahrung als ehemalige Lehrkraft und Schulleiterin: Zeit, die man zu Beginn der Beziehung Eltern-Schule investiert, spart später Zeit und hilft in schwierigen Situationen. Eine andere Herausforderung stellt die Digitalisierung von Kommunikation dar. WhatsApp und andere Messenger gehen häufig mit einer Dezentralisierung von Information und einer höheren Emotionalisierung einher.

In WhatsApp-Gruppen wird gelegentlich recht unkontrolliert und spontan kommentiert, warum die Skifreizeit nun doch (nicht) stattfinden kann, ob auf dem Klassenfest Cola angeboten werden sollte oder wieso schon wieder der Englischunterricht ausfällt. Das entspricht zwar den Bedürfnissen mancher Eltern nach Austausch und dem Wunsch, zu Wort zu kommen, bildet aber in aller Regel nicht die Meinung aller ab, da häufig gar nicht alle Eltern in der Gruppe vertreten sind, nicht alle auf diese Weise kommunizieren möchten oder es sprachlich vermögen. Zudem fehlt meist die Regulierung der Kommunikation, wofür der Chat genutzt werden sollte und welche Themen besser auf dem Elternabend besprochen werden sollten. Manchmal nutzen Vielredner und Wortführer der Elternschaft diese Grauzone, und die entstehenden Schäden im Vertrauensverhältnis lassen sich später nur schwer wieder einfangen.

Eltern in Online-Situationen

Sie können kommunikativem Wildwuchs in Messengern, Chats oder Facebook-Gruppen zuvorkommen, indem Sie zu Beginn des Schuljahres oder als neue Lehrkraft der Klasse

► Gelegenheiten für Gespräche für alle schaffen. (Wünschen die Eltern einen Elternstammtisch? Können Sie die erste Stunde für Fragen zur Verfügung stehen? Wie finden die Eltern bei Bedarf den kurzen Weg zu Ihnen? Ist eine Videosprechstunde möglich?)

► eine Struktur schaffen, was wo und mit wem besprochen wird. (Falls es einen Chat gibt: Was wird dort besprochen und was gehört dort nicht hin? Wer soll das regulieren? Was wird vereinbart, falls sich einzelne Eltern nicht daran halten?)

► die Gremienstruktur verdeutlichen: Was sollten/müssen Elternbeiräte/Elternpflegschaften klären, was regelt der Schulelternbeirat, und welche Entscheidungen gehören in die Schulkonferenz? (Zu welchen Themen ist Mitsprache, Mitwirkung oder Information gewünscht? Wie können sich Eltern stärker einbringen, die dies wünschen? Was wünschen Sie sich als Lehrkraft für eine gelingende Zusammenarbeit?)

→ Der Praxistipp: Informieren Sie Eltern vorab und zu Beginn des Schuljahres, damit Sie hinterher weniger regulieren müssen. Eltern müssen diese Kommunikation online häufig ebenfalls erst erlernen und sollten überdies zusammen mit der Lehrkraft Vorbild für die Schüler:innen in Sachen Online-Kommunikation sein.

SIEBEN WEGE UND MEHR ZUM SCHEITERN

Wenn wir die Frage nach dem Gelingen von Gesprächen als Grundlage der Kooperation auf absurde Weise ins Gegenteil verkehren, würden wir fragen: Was wäre zu tun, um das nächste Elterngespräch zum Scheitern zu bringen? Da fallen Ihnen sicher einige Punkte auf Anhieb ein: keine Zeit haben, hektisch beginnen, unvorbereitet ins Gespräch gehen, am besten mit Vorurteilen und Ressentiments aus vorherigen Gesprächen starten, andere nicht zu Wort kommen lassen und ins Wort fallen, kein Ende finden … Für einen guten Start brauchen Lehrkräfte also: eine Pause vor dem Gespräch, etwas Vorbereitung, einen guten Einstieg und den klaren Rahmen des Gesprächs, die gleichmäßige Verteilung der Gesprächsanteile und eine konstruktive Gesprächsatmosphäre, einen Abschluss mit transparenten Vereinbarungen.

Checkliste für eine gute Vorbereitung von Elterngesprächen

Eine Selbstreflexion vor Beginn:

► Worauf wollen Sie sich fokussieren?

►An welcher Stelle könnte das Gespräch scheitern?

► Wann lief es schon mal gut?

► Mit welchen Gefühlen gehen Sie ins Gespräch?

► Was brauchen Sie für ein Gelingen des Gesprächs?

Das Gegenüber wahrnehmen:

► Was wünschen sich die Eltern von Ihnen möglicherweise?

► Was könnte eine gemeinsame Basis sein?

► Mit welchen Gefühlen könnten die Eltern ins Gespräch kommen?

Das Kind in den Fokus stellen:

► Wann lief es gut mit dem oder der Schüler:in?

► Was sind Stärken und Fortschritte und was mögen Sie an ihm oder ihr?

► Was würde er oder sie selbst zum Thema sagen?

Das Setting bedenken:

► Wo und wie kann das Gespräch ungestört verlaufen?

► Wer sollte beteiligt sein und welches Material könnte hilfreich sein?

► Wie sollten die Eltern eingeladen werden, damit wirklich beide Elternteile kommen?

Im Kasten finden Sie eine kurze Checkliste zur Vorbereitung von Elterngesprächen. Dazu zählt die inhaltliche und emotionale Vorbereitung, die gedankliche Vorwegnahme des Gespräches und erster Lösungsideen.

Gute Erfahrungen habe ich für meine Gespräche mit dem systemischen Ansatz gemacht. Im systemischen Ansatz wird basierend auf dem Konstruktivismus zugrunde gelegt, dass jede Partei eine ganz individuelle Wahrheit hat und seine Welt konstruiert. In etwa so: Ich sehe die Welt, wie ich sie kenne.

Die Erziehungsvorstellung der Eltern kann von der Einschätzung der Pädagog:innen deutlich abweichen. Gleichzeitig ergibt sich daraus das gemeinsame Ziel, dem jungen Menschen gemeinsam zu helfen und ihn oder sie bestmöglich in der Lernund Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

PHASEN DES GESPRÄCHS: VOM JOINING ZUM GUTEN ABSCHLUSS

Die Gesprächsphasen lassen sich unterscheiden in (1) Joining und Einstieg, (2) Kontrakt, (3) Problemerörterung und Lösungsraum, (4) Vereinbarungen und Verabschiedung.

Je nach Gesprächssetting werden sie unterschiedlich gewichtet. Für ein Erstgespräch ist ein lockerer Gesprächsrahmen hilfreich, während ein Konflikt- oder Kritikgespräch von einer sehr klaren Struktur und deutlichen Moderation profitiert, damit alle Sichtweisen gehört werden. Für ein gelingendes Beratungsgespräch sind Zuhören und zielgerichtete Fragen wichtig, während ein Rückmeldegespräch (etwa zu einem Vorfall oder der letzten Klassenarbeit) sich auf wenige, klare und gezielte Informationen beschränken sollte.

→ Praxistipp: Abstrahieren Sie von allen Anliegen, die Sie gerne an die Eltern adressieren würden, und formulieren Sie vorab für sich die wichtigsten zwei. Was genau wünschen Sie sich? Was ist leistbar? Wie offen sind Sie selbst für die Anliegen der Eltern?

AUF DEN ANFANG KOMMT ES AN

Das sogenannte Joining beinhaltet ein Warmwerden zu Beginn des Gespräches und wird häufig unterschätzt. Wussten Sie, dass ein guter Einstieg entscheidend sein kann für den Erfolg des Gespräches? To join meint, sich aufeinander einzuschwingen und zu erkennen, wo unser Gegenüber gerade steht, wie die emotionale Stimmung ist, und kann, wenn es gut gelingt, zur Entspannung beitragen und damit vertrauensstiftend wirken. Es ist mehr als nur Small Talk und gilt in manchen Kulturen als unerlässlich; im Gegenteil, sich nicht nach dem Wohlergehen der Familie zu erkundigen oder ein paar unverfängliche Sätze zu wechseln, könnte unhöflich wirken. Da in der Schule häufig Zeitdruck herrscht, wird das Joining allerdings gerne übersprungen. Daher gilt die Empfehlung, das Joining über mehrere Minuten auszudehnen.

Manchmal erhält man wichtige Informationen, z. B., dass das Kind krank ist, dass beide Elternteile Urlaub genommen haben, weil ihnen das Gespräch wichtig ist, oder dass ein Jobwechsel oder Umzug ansteht.

→ Praxistipp: Üben Sie, das Joining auf drei bis fünf Minuten auszudehnen, und finden Sie Ansätze, wie Sie die »emotionale Raumtemperatur« um zwei Grad erwärmen können.

VOM KONTAKT ZUM KONTRAKT

Wenn der Rahmen samt Dauer und Anlass des Gespräches geklärt ist, folgen die verschiedenen Wünsche und Anliegen für das Gespräch. Sie handeln eine Art Kontrakt aus, Sie vereinbaren also, was heute besprochen werden sollte. Dabei haben Sie meist eigene Themenwünsche und erfragen auch Aufträge der Eltern. Manchmal werden Aufträge an Sie herangetragen, die Sie nicht annehmen können oder wollen. Eltern könnten wünschen, dass die Note verändert wird oder das Kind die Klasse wechseln soll.

Für ein Erstgespräch ist ein lockerer Gesprächsrahmen hilfreich, während ein Konflikt- oder Kritikgespräch von einer sehr klaren Struktur und deutlichen Moderation profitiert.

→ Praxistipp: Wenn Sie Aufträge ablehnen, ist es geschickt, nach einer zweitbesten Lösung zu suchen. Was wäre eine andere Möglichkeit?

So signalisieren Sie Verhandlungsbereitschaft und das Gespräch muss nicht durch die Ablehnung stagnieren. Hierbei haben Sie als Lehrkraft zwei Rollen, indem Sie moderieren, Wortbeiträge ermöglichen und nachfragen, und auf der anderen Seite berichten Sie als Lehrkraft von Ihrer Sichtweise.

Manchmal hilft es, die Themenwünsche auf Karten notieren zu lassen und danach schrittweise auszuwählen, was für den heutigen Termin Priorität hat und was später geklärt werden kann. Diese minimale Visualisierung hilft auch, das Gespräch zu strukturieren. («Wir haben noch zwei weitere Themen …«)

→ Praxistipp: Schon einfache Visualisierungen helfen, komplexe Gespräche zu strukturieren.

Häufig werden in Gesprächen langwierig Probleme erörtert, während mögliche Lösungen zu kurz kommen. Damit Sie zusammen mit den Eltern weiterkommen, sollte die Hälfte der Gesprächszeit für das gemeinsame Entwickeln von Lösungsideen reserviert werden. Das befördert eine Fokussierung auf Lösungen und verhindert, dass man in Problembeschreibungen stecken bleibt.

EIN GUTES ENDE FINDEN

Kennen Sie das, dass Gespräche im Sande verlaufen und man auch nach dem dritten Elterngespräch noch den Eindruck hat, sich im Kreis zu bewegen? Hier helfen klare Vereinbarungen, die schriftlich festgehalten werden. Gerade komplexe Gespräche oder Gespräche mit vielen Beteiligten sollten dringend protokolliert und zur Unterschrift vorgelegt werden, damit die Vereinbarungen auch später noch nachvollziehbar sind und von allen erinnert werden.

→ Praxistipp: Achten Sie bei den getroffenen Vereinbarungen darauf, dass alle Beteiligten an den neuen Lösungen beteiligt sind.

Sie können ein Protokoll vorbereiten und notieren, was die Eltern nun unternehmen werden, welchen Beitrag die Schule leistet und welchen Schritt der oder die Schüler:in nun gehen wird. Das unterstreicht die gemeinsame Lösungsverantwortung.

BERATUNG GEBEN HEISST AUCH, BERATUNG EINZUHOLEN

Nicht alles, was es zu sagen gäbe, gehört in das nächste Elterngespräch. Lehrkräfte sind jeden Tag in der Rolle der Entscheider, da fehlt häufig die Zeit für Reflexion, Abstand vom Geschehen und den wichtigen Austausch, vielleicht auch mit einer erfahrenen Kolleg:in. Dafür wäre auch eine Supervisionsgruppe oder ein Beratungsteam geeignet. Dort kann alles gesammelt werden, vorsortiert und der nächste Elternkontakt vorbereitet werden.

→ Praxistipp: Entscheiden Sie, welches Elterngespräch Sie belastet und holen Sie sich hierzu gezielt Beratung. Das wird Sie langfristig auch für andere Gespräche stärken.

Für Eltern ist es entscheidend, zu spüren, dass Sie ihr Kind schätzen, sich möglicherweise Sorgen machen und es bestmöglich unterstützen wollen. Das auszusprechen, kann viele Gespräche entschärfen, Türen öffnen und ein guter Einstieg auch für schwierige Gespräche sein.

Übrigens: Ich habe die Lehrerin meiner Tochter telefonisch erreichen können und sie um einen Termin mit etwas mehr Zeit gebeten. Und auch obwohl es keine schwierigen Themen zu besprechen gibt, hat sie gerne zugestimmt. Wie gut, dass wir gesprochen haben!

Literatur

Ahl, Kati (2019): Elterngespräche konstruktiv führen. Systemisches Handwerkszeug. Göttingen.

Bartscher, Mathias (2021): Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in Schulen. Zusammenarbeit mit Eltern lebensweltorientiert planen und gestalten. Hannover.

Omer, Haim/Schaller, Regina (2020): Raus aus der Ohnmacht. Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis. Göttingen. www.bosch-stiftung.de/de/presse/2019/02/forsa-umfrage-elternarbeit-ist-fuer-lehrkraefte-eine-der-groessten-herausforderungen

KATI AHL ist Schulentwicklungsberaterin, Fachbuchautorin und ehemalige Schulleiterin. Als pädagogisch-systemische Beraterin und Marte-Meo-Trainerin gilt ihr Interesse insbesondere den notwendigen Innovationen in Schule und gelingenden pädagogischen Beziehungen.

↗ www.katiahl.de