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Emissionshandel: Der CO2-Preis beginnt zu wirken


neue energie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 09.02.2019

Das Preishoch im EU-Emissionshandel verändert bereits den Energiemarkt. So manches Steinkohlekraftwerk muss öfter auf die Reservebank, während sich Gaskraftwerke mehr lohnen.Gewinner der hohen CO2-Kosten sind aber vor allemerneuerbare Energien undAtomkraftwerke .


Wer Kohlendioxid ausstößt, muss immer mehr dafür zahlen. Im vergangenen Jahr war der Preis für eine Tonne CO2 stetig nach oben geklettert – von acht Euro auf bis zu 25 Euro. Auch im Januar erreichte er diese Größenordnung. Inzwischen wirkt sich der deutlich höhere Preis für die Emissionszertifikate auf den Energiemarkt aus: Die Merit ...

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Bildquelle: neue energie, Ausgabe 2/2019

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Wer Kohlendioxid ausstößt, muss immer mehr dafür zahlen. Im vergangenen Jahr war der Preis für eine Tonne CO2 stetig nach oben geklettert – von acht Euro auf bis zu 25 Euro. Auch im Januar erreichte er diese Größenordnung. Inzwischen wirkt sich der deutlich höhere Preis für die Emissionszertifikate auf den Energiemarkt aus: Die Merit Order verändert sich, also die Reihenfolge, in der die Kraftwerksarten zum Zuge kommen. Das gilt besonders für Steinkohlekraftwerke und für Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke (GUD). „Einige effiziente Gaskraftwerke haben sich sogar schon vor Steinkohlekraftwerke geschoben“, sagt Energiemarktexperte Fabian Huneke vom Berliner Analyse-Institut Energy Brainpool.

Die Wolken verziehen sich:
Gaskraftwerke wie dieses Heizkraftwerk in Düsseldorf profitieren von den steigenden Kohlen dioxid-Preisen.


Durch die neuen Bedingungen komme das Kraftwerk auf mehr Betriebsstunden. „Vereinzelt schieben sich Gaskraftwerke schon vor Steinkohlekraftwerke – das ist aber noch nicht die Regel.“ Dafür müsste der CO2-Preis noch deutlicher anziehen. Laut dem Marktanalysten Huneke hat der Preis aber schon eine Größenordnung erreicht, in der er erste Anreize für eine Neuausrichtung von Investitionen setzt. Das liege nicht nur an der deutlichen Preissteigerung, sondern auch an den starken Schwankungen, denen der CO2-Preis seit etwa einem halben Jahr unterworfen ist: „Es gibt eine fundamentale Unsicherheit im Markt.“

Die Folge: Wer wenig oder gar kein CO2 verursacht, verdient nun mehr. „Die Investitionen werden in Richtung klimaneutraler Technologien gelenkt“, sagt Huneke. Die Profiteure sind neben den Betreibern von Atomkraftwerken vor allem Erneuerbare- Energien-Unternehmen. Diese könnten nun leichter an Kredite kommen und angesichts der neuen Marktbedingungen mittelfristig womöglich auch ohne staatliche Förderung bestehen, schätzt Huneke.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) Robert Busch spricht von „ersten Erfolgen“, die sich durch die Reform des EU-Emissionshandels eingestellt hätten. „Seit einigen Monaten ist ein Anstieg der spezifischen Markwerte für erneuerbare Energien zu beobachten.“ Inwieweit CO2-Zertifikatspreise die Marktwerte aber tatsächlich beeinflussen, sei nicht einfach zu beantworten.

Eine grundlegende Verschiebung auf dem Strommarkt ergebe sich erst bei einem Zertifikatspreis jenseits von 35 Euro pro Tonne CO2, heißt es beim BNE, der Energiehändler und -dienstleister ohne eigene Netzinfrastruktur vertritt. Laut einer Analyse der Londoner Denkfabrik Carbon Tracker aus dem vergangenen Jahr bräuchte es einen CO2-Preis von 45 bis 55 Euro pro Tonne, um sowohl Braunkohle- als auch Steinkohlekraftwerke aus dem Markt zu drängen und die EU auf den Kurs der Ziele im Pariser Klimaabkommen zu bringen.

Was aber sind die Gründe für den Preisanstieg? Einer liegt sicher in der jüngsten Großreform des EU-Emissionshandels. Ab 2023 kommt es zur Löschung eines erheblichen Teils an überschüssigen Zertifikaten. Diese Verknappung dürfte die Preise steigen lassen. Viele Marktteilnehmer decken sich deshalb schon jetzt mit Zertifikaten ein, die sie erst später brauchen – so sparen sie Geld. „Das passiert immer, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten werden“, sagt Huneke. „Und das facht weitere Preissteigerungen an.“

Hinzu kommt laut Huneke ein weiterer Aspekt der Reform: Inzwischen dürfen einzelne EU-Länder CO2-Zertifikate löschen, wenn sie durch eigene Maßnahmen mehr Klimaschutz betrieben haben als zugesagt. Deutschland könnte etwa nach einem Ausstieg aus der Braunkohle die Menge an Zertifikaten, die für die Braunkohleverstromung bereitgestellt war, während der folgenden Ausschüttungen einfach löschen.

Eine offene Frage ist, wie sich der Brexit auf den EU-Emissionshandel auswirkt. Verfallen die Mengen an CO2-Zertifikaten, die Großbritannien zugeordnet sind, oder können die britischen Unternehmen sie behalten und zum Beispiel verkaufen? Es ist also noch viel Unsicherheit im Spiel. Das erklärt, warum die Preise seit etwa einem halben Jahr zwischen 15 und 25 Euro schwanken.


Foto: imago / Jochen Tack