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Endlich entspannt


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Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 28.07.2022

Unser TITEL THEMA

Artikelbild für den Artikel "Endlich entspannt" aus der Ausgabe 8/2022 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Schlaf gut, kleiner Schatz: Bis das Baby mehrere Stunden am Stück friedlich schlummert, haben viele Eltern schon einige Nerven gelassen

Als mein Sohn zur Welt kam, fühlte ich mich wie in einer pastellfarbenen Traumseifenblase. Schwangerschaft und Geburt verliefen komplikationsfrei, Oma und Opa platzten vor Glück, und wir Eltern waren überwältigt von der bedingungslosen Liebe für unser Kind. Ja, alles war perfekt. Bis es Abend wurde.

Wenn das Schreien nicht mehr aufhört

Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wann sich mein Sohn das erste Mal in Rage schrie. Anfangs habe ich mir nicht viel dabei gedacht: Babys schreien nun einmal, und meines war erst ein paar Wochen alt – das gehört halt manchmal dazu. Doch aus „manchmal“ wurde „täglich“. Ohne Ausnahme. Jeden Abend, wenn es draußen dunkel wurde und bei uns Ruhe einkehren sollte, schrie mein Sohn bis zur Erschöpfung. Oft eine Stunde am Stück und länger. Natürlich klärten wir alle Optionen ab: Hunger, Schmerzen, Müdigkeit, volle Windel, auch den Kinderarzt suchten ...

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... wir auf. Doch es schien keinen triftigen Grund für die Schreianfälle zu geben. Bald schon entwickelte ich eine regelrechte Panik vor den Abendstunden: Gleich ist es wieder so weit, gleich schreit er wieder – und ich kann nichts dagegen tun. Die Angst vor den Schreianfällen begleitete mich zunächst allabendlich, dann auch tagsüber. Ich traute mich nicht mehr, mit meinem Baby in den Bus zu steigen, aus Sorge, er könnte dort alles zusammenbrüllen. Also blieb ich zu Hause.

Ich fühlte mich endlos erschöpft und absolut hilflos.

Runterkommen? So geht's:

Wenn Umhertragen nicht mehr hilft – hier kommen drei Tricks, mit denen viele Babys sich kurzfristig beruhigen lassen:

1) Fliegergriff: Hilft bei Bauchweh! Wenn das Baby in Bauchlage auf den Unterarm gelegt wird, mit dem Gesicht Richtung Ellenbogen, kann angestaute Luft besser entweichen.

2) Pucken: Im Mutterleib war es sehr eng. Genau dieses vertraute, wohlige Gefühl des Geborgenseins kann ein Pucktuch dem Baby zurückgeben und so für Entspannung sorgen.

3) Stille: Reizüberflutungen können eine Ursache fürs Schreien sein. Sorgt für eine stille Umgebung, legt euch das Baby auf die Brust und streichelt es. So kann eure Ruhe auf das Baby übergehen.

Unsere Expertin

… ist Mutter einer Tochter, Diplom-Psychologin und Entwicklerin von „Der Baby-Code. Dein Weg zu einem entspannten Baby“. Das sechswöchige Onlineprogramm mit konkreten Tipps, Selbstfürsorgestrategien und Anleitungen zur Selbsthypnose unterstützt Mütter, bei denen die erste Zeit mit Baby nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Mehr Infos und ein kostenloses Workbook zum Download unter praxis-sarah-radtke.de/ der-baby-code

Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt …

Die Psychologin Sarah Radtke lächelt beruhigend, als ich ihr von den Erinnerungen an mein erstes Jahr mit Baby berichte. Dass ich damals gar nicht auf die Idee kam, mir Hilfe zu suchen, überrascht sie nicht: „Wir leben alle unter dem Leistungsdruck, die perfekten Eltern zu sein. Umso dramatischer empfinden wir es, wenn die Situation als junge Familie nicht so ist, wie wir sie uns ausgemalt hatten. Oder wenn wir unserem Baby gegenüber denken: DU bist nicht so, wie ich mir dich vorgestellt hatte“, erklärt die Psychologin, die selbst Mutter einer Tochter ist. „Oft schämen wir uns für diese Gedanken.

Doch das muss niemand.“ Denn, so die Expertin, wenn in der Zeit mit Baby etwas nicht so ist, wie wir uns das vorgestellt hatten, liegt das vor allem an dem falschen Bild, das uns durch Werbung und soziale Medien suggeriert wird. Auf Instagram gibt es nun einmal nicht genug Likes für schreiende, unzufriedene, quengelnde Babys – also werden sie nicht gepostet.

Was ist normal – und wann wird es zu viel?

Kinder schreien, das gehört zum Eltern-Dasein dazu, weiß Sarah Radtke. „Aber wenn es mir als Mutter mit der Situation nicht mehr gut geht, dann muss ich etwas tun.“ Denn, so die Psychologin, liegen bei den Eltern erst einmal die Nerven blank, dann spürt das Baby das: „Babys sind immer Symptomträger für das, was innerhalb der Familie los ist. Wie geht es der Mutter?

Wie läuft es zwischen den Eltern? Wie stehen Oma, Opa, Geschwister zu dem Kind? Babys spüren alles!“ Und weil sie sich noch nicht in eloquenten Worten ausdrücken können, tun sie es eben auf ihre Art.

Wiederholtes, scheinbar grundloses Schreien ist dabei zwar für die meisten Eltern das anstrengendste Symptom, aber bei Weitem nicht das einzige: „Babys zeigen ihr Unwohlsein auf ganz verschiedene Art: Manche wehren Körperkontakt ab, wollen nicht kuscheln.

Andere wiederum können gar nicht abgelegt werden, weil sie nicht ohne Körperkontakt schlafen wollen.“ Eltern, die jeden Abend eine Stunde oder länger vorm Bettchen ihres Babys sitzen und Händchen halten, bis das Kind endlich eingeschlummert ist, seien genauso gestresst wie Eltern sogenannter Schreibabys gibt Sarah Radtke zu bedenken: „Es ist nicht so laut und anstrengend wie das Schreien – kann mich aber genauso an meine Grenzen bringen. Wenn man schon vor dem Zubettbringen denkt: ‚Jetzt ist es wieder so weit, ich hab keinen Bock, ich will das nicht mehr!‘ – dann muss man aufpassen. Und anfangen, etwas für sich selbst zu tun“, so die Expertin.

Mein Baby schreit – und ich bin schuld?

Das Baby als Symptomträger einer gestressten, überforderten Mutter? So klar und logisch mir die Erkenntnis erscheint, so belastend empfinde ich sie zunächst: War ich letztlich selbst schuld an den Schreianfällen meines Sohnes? Weil ich meine Unsicherheit und meine Panik vor den Abenden auf ihn übertragen habe? Hat mein Sohn stellvertretend für mich rausgeschrien, was ich mich selbst nicht getraut habe rauszuschreien? Der Gedanke fühlt sich furchtbar an.

„Natürlich ist es einfach zu sagen: Ich bin eh immer schuld an allem – jetzt ist es auch noch meine Schuld, wenn das Baby weint“, fasst Sarah Radtke meinen Einwurf bewusst überspitzt zusammen. Doch die Mutter empfiehlt mir einen anderen Blick auf die neue Erkenntnis: „Ist es nicht großartig, dass dein Baby dich auf deine Themen aufmerksam gemacht hat? Ist es nicht ein Geschenk, dass dein Sohn dir gezeigt hat, wo du bei dir hingucken musst?“ Denn, so die Expertin, wenn diese Erkenntnis da ist, kann man etwas gegen die belastende Stressspirale tun: Was brauche ich, damit wir beide, Mutter und Kind, wieder in die Entspannung reingehen können?

Erst mal das eigene Problem erkennen

Der sicherste Weg zu einem entspannten Baby, so die Expertin, führt also über eine entspannte Mutter. Natürlich ist eine medizinische Abklärung wichtig, wenn das Baby scheinbar grundlos schreit, sagt Sarah Radtke. „Aber ich muss als Mutter vor allem auf mich gucken: Plötzlich ist mein Leben so anders, ein Gang zur Drogerie zum Beispiel kommt mir plötzlich wie eine Weltreise vor, das macht etwas mit mir! Und wenn ich in dieser neuen Rolle meine Routine noch nicht gefunden habe, werde ich unsicher.“ Die Stabilisierung der eigenen inneren Sicherheit ist deshalb der wichtigste Schritt – für die Mutter und das Baby: „Dann kann, metaphorisch gesprochen, auch mal ein Sturm auf kommen, und ich fühle mich trotzdem sicher in meinem ‚Mutterschiff ‘.“

Ihren Klientinnen rät die Psychologin, erst einmal dem eigenen Stress auf die Spur zu kommen: Was bedrückt mich gerade? Die Partnerschaft, meine neue Rolle als Mutter, vielleicht die Finanzen? Dann unterstützt sie dabei, der Stressspirale zu entkommen. Das beste Mittel: Hilfe annehmen! „Viele sagen: ‚Ich habe ja niemanden, der mir das Baby mal abnehmen kann.‘ Ich hake dann immer nach: ‚Ist das wirklich so?‘ Wir unterschätzen oft die Hilfsbereitschaft unseres Umfeldes: Viele blühen auf, wären sogar dankbar, wenn sie mit ins Boot geholt werden. Wir müssen uns nur trauen zu fragen!“

Entspannte Mama – entspanntes Baby!

Mithilfe von Familie, Freunden und dem zweiten Elternteil können wir es so schaffen, uns wieder regelmäßig um uns selbst zu kümmern. Die Dinge zu tun, die wir früher geliebt haben und für die wir glauben, heute keine Zeit mehr zu haben. „Zeit für sich zu nehmen ist nicht egoistisch“, sagt Sarah Radtke, „im Gegenteil: Es ist das Beste, was ich für mein Baby tun kann. Wenn ich einen Wohlfühlmoment für mich selbst schaffe, schaffe ich den automatisch auch für mein Baby.“ Und so können beide, Baby und Mutter, sich endlich entspannen.

Blitz-Entspannung für Mamas

Drei Entspannungstechniken aus dem „Baby Code“-Programm von Sarah Radtke:

1) Bewusste Bauchatmung: Ihr liegt oder sitzt bequem, die Hände ruhen auf dem Bauch. Die Aufmerksamkeit geht zum Atem. Ihr könnt beobachten, wie sich die Bauchdecke beim Einatmen hebt.

2) 120 Sekunden im Hier und Jetzt: Folgt dem Sekundenzeiger einer Uhr 120 Sekunden lang mit den Augen. Wenn die Gedanken abschweifen, konzentriert euch wieder auf den Zeiger.

3) Lächelt einfach! Durch das Anheben der Wangenmuskulatur erhält das Gehirn Signale, die Glückshormone ausschütten. Hilft besonders, wenn einem gar nicht nach Lachen zumute ist!

Warum schreit mein Baby?

Angst, Wut oder Schmerz: Können Eltern den Unterschied erkennen? Forscher sagen: Ja!*

1) Wenn Babys vor Wut schreien, bleiben die Augen halb offen. Auch der Mund ist geöffnet. Die Intensität des Weinens nimmt bei „Wut-Schreierei“ nach und nach zu.

2) Auf höchster Stufe schreien Babys, wenn sie Angst haben. Die Augen bleiben fast die ganze Zeit über offen, der ganze Körper ist angespannt.

3) Wenn Babys Schmerzen haben, brüllen sie mit geschlossenen Augen los. Wenn sie die Augen zwischendurch kurz öffnen, ist der Blick sehr abwesend.