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Endlich gesunde ZAHNE


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 14.04.2022

GESUNDHEIT

NEUE METHODEN MATERIALIEN

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 16/2022

GRUND ZUR FREUDE Die richtige tägliche Mundhygiene erhöht die Haltbarkeit von Kronen oder Füllungen um Jahre

Zur gesunden Mundpf lege gehören auch regelmäßige Zahnarztbesuche

EXPERTIN

Die w enigsten kommen mit ganz gesunden Zähnen durchs Leben. Dabei sind sie eine geniale Konstruktion: Die Krone ist über den Zahnhals mit der Wurzel verbunden. Der weißliche Zahnschmelz schützt mit einer Hülle härter als Stahl. Trotzdem werden Zähne locker oder bekommen ein Loch. Früher musste bei kleinsten Löchern der Bohrer ran. „Abwarten und regelmäßig kontrollieren ist die neue Devise“, sagt Prof. Nicole Arweiler, Direktorin der Klinik für Parodontologie und periimplantäre Erkrankungen am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Die moderne Kariestherapie versucht, so viel gesunde Zahnhartsubstanz wie möglich zu erhalten und so wenig Zahnsubstanz wie nötig zu entfernen.“ Auch bei Füllungen hat sich viel getan.

Auf innere Werte setzen: ganz neue Füllungen

Kunststoff komposite ersetzen ...

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... mittlerweile das Amalgam. Die Neulinge aus Kunststoff, Quarz und feinsten Glasteilchen ähneln dem Zahnfarbton und lassen sich schonend Schicht für Schicht auftragen. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung werden sie im Schnitt nach vier bis sechs Jahren ausgewechselt. „Das Zahnpf legeverhalten hat äußerst großen Einfluss auf die Lebensdauer“, sagt Arweiler. „Bei guter Mundhygiene können Füllungen theoretisch sogar lebenslang halten.“ Die Forscher sind weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Material, wobei die natürliche Zahnsubstanz und der Zahnaufbau beim Menschen oder auch der nachwachsende von Haien als Vorbild etwa für möglichst haltbare Füllungen dienen. So könnten sich aus Bakterienfilmen an den Zähnen Rezepturen für besonders gute Klebstoffe ableiten lassen. Natürliche Alternativen zur Kunststofffüllung wären damit möglich, die der körpereigenen Zahnhartsubstanz entsprechen und nicht mehr ausgewechselt werden müssten.

ZAHNSPANGEN und die Alternative

Schiefe Zähne können auch noch im Erwachsenenalter begradigt werden. Wie funktioniert das?

PERFEKTES GEBISS Eine Verbesserung der Zahnstellung ist in jedem Alter möglich. Bei festsitzenden Spangen kleben Brackets auf den Zähnen, ein Draht verbindet die Metallplättchen. Da sie sich 24 Stunden im Mund befinden, erzielen sie auch bei extremen Fehlstellungen gute Ergebnisse. Bei Veränderungen werden die Drähte nachjustiert, bis die Zähne gerade sind. Statt der auffälligen metallischen Brackets gibt es zahnfarbene Keramikmodelle mit unsichtbaren Drähten. Eine weitere Möglichkeit ist die Lingualtechnik. Hier werden die Brackets an der Zahninnenseite angebracht. Alternativ zur herkömmlichen Zahnspange empfiehlt sich die Invisalign-Technik. Die herausnehmbaren transparenten Schienen werden individuell auf den Patienten angepasst. Schmerzhafte Nachkorrekturen sind hier ausgeschlossen.

Überkronung: dem Zahn eins überziehen

Ist der Zahndefekt größer, kann ein Inlay sinnvoll sein, eine individuell im Labor gefertigte Zahnfüllung. „Voraussetzung ist, dass vom beschädigten Zahn noch so viel übrig ist, dass der restaurierte Zahn dem Kaudruck standhält“, so die Expertin. Ist die Karies entfernt, kommt in die Höhle eine Auf baufüllung, und es erfolgt eine Präparation für das Inlay. Dann wird ein Zahnabdruck erstellt, mit dem das Labor passgenau ein Inlay modelliert. „Das Inlay wird in den Zahn einzementiert oder mit Spezialklebstoff eingeklebt“, sagt Arweiler. Aus zahnmedizinischer Sicht ist Gold das perfekte Material. Es ist die teure Variante, hält aber größten Kaubelastungen stand, ist gut verträglich und hält mindestens zehn bis 15 Jahre. Eine Verweildauer von über 30 Jahren sei nicht selten, so die Expertin. Doch statt blinkenden Golds bevorzugen die meisten Patienten inzwischen natürlich wirkende Keramik-Inlays. Diese werden im Labor gefertigt und mit Spezialkleber eingesetzt. „Ein Nachteil ist, dass ein Klebespalt entsteht, der in geringem Umfang schrumpft und Probleme mit der Randdichtigkeit bringen kann“, sagt die Expertin. „Wird nicht gründlich genug geputzt, kann sich in diesem Bereich wieder Karies bilden. Mit neuen Anfertigungsverfahren wird deshalb daran gearbeitet, das Material noch besser an die Zahnsubstanz anzupassen.“ Keramik-Inlays halten acht bis zehn Jahre. Weil das Abformen und die Herstellung per Hand zeitaufwendig sind und Fehlerquellen bergen, kommt mittlerweile immer häufiger die CAD-CAM-Computertechnik zum Einsatz: Eine Spezialkamera scannt das Gebiss, ein dreidimensionales Bild am PC entsteht. Mit den Daten kann eine Fräsmaschine das Inlay direkt in der Praxis erstellen. Das dauert nur etwa eine Stunde.

1,3 Millionen Implantate im Jahr setzen Zahnärzte in Deutschland ein

Über sieben Brücken musst du gehen

Manchmal ist ein Zahn allerdings so stark beschädigt, dass weder Füllung noch Inlay ihn retten. Dann empfiehlt der Zahnarzt eine Überkronung. Zunächst wird der Zahn beschliffen. Nach dem Abdruck fertigt das Labor die Kappe, die der Zahnarzt über den präparierten Zahnstumpf stülpt. Statt Metall ist es heute meist Keramik für Kronen, Brücken, Veneers und Implantate. „Das bringt vor allem ästhetische Vorteile“, sagt Arweiler. „Der Zahnersatz ist meist nicht von natürlichen Zähnen zu unterscheiden.“ Das Material ist gut verträglich, verfärbt sich nicht und reibt nicht ab. Die Haltbarkeit ist mit 15 bis 20 Jahren sehr hoch. „Der Trend geht auch bei Kronen zur digitalen Herstellung“, weiß Arweiler. Ohne lästigen Abdruck können sie am PC konstruiert und mittels Schleifgerät aus einem Keramikblock gefräst werden.

Fehlt ein Zahn, kann ihn eine Brücke ersetzen, die an den Nachbarzähnen befestigt wird. Dieses Reparaturprinzip funktioniert bei ein bis zwei, im Extremfall sogar drei Lücken. „Es bedarf gründlicher Planung“, sagt Arweiler. „Zunächst macht der Zahnarzt ein Röntgenbild und prüft den Status der angrenzenden Zähne. Diese müssen gesund und stabil sein, denn auf ihnen lastet beim Kauen von jetzt an der Druck, den zuvor die fehlenden Nachbarn getragen haben.“ Die Zahnfarbe wird bestimmt, und der Zahntechniker fertigt die Brücke. Das Einsetzen ist meist unproblematisch. Aber die Eingewöhnung kann dauern. Zehn, bei guter täglicher Pflege sogar 25 Jahre hält eine Brücke. „Ein Nachteil von Brücken ist, dass die Pfeilerzähne beschliffen werden“, erklärt die Expertin. „Dadurch geht gesunde Zahnsubstanz verloren.“ Die schonendere Variante: ein Implantat. Es ersetzt den Zahn, ohne Nachbarzähne zu behelligen.

Doppelt so viele Implantate wie vor zehn Jahren schrauben Zahnärzte ein. „Das liegt auch daran, dass Implantate zunehmend bei älteren Menschen zum Halt von Zahnersatz dienen“, so Arweiler. Der künstliche Zahn ist ähnlich aufgebaut wie sein Vorbild: Eine schraubenförmige Zahnwurzel sorgt für stabilen Sitz. „Bislang wurden meist Implantate aus Titan genutzt“, so die Zahnmedizinerin. „Dieses ist im Allgemeinen zwar gut verträglich, doch die Nachfrage nach metallfreiem Zahnersatz steigt.“ Seit zwei Jahren gebe es wieder einen Trend zur keramischen Schraube. Diese wird wie eine Zahnwurzel in den Kieferknochen gedreht – sofern ausreichend Substanz vorhanden ist. Oft ist das nicht der Fall. Dann muss erst Knochen aufgebaut werden, um das Fundament zu verstärken. „Dazu können patienteneigenes Knochenmaterial oder Ersatzmaterialien verwendet werden“, so Arweiler. Vier bis sechs Monate dauert es, bis sich die künstliche Zahnwurzel mit dem Knochen fest verbunden hat. Deutlich länger kann der Heilungsprozess bei Rauchern dauern (siehe Kasten links) sowie bei Patienten mit einer chronischen Krankheit wie Diabetes, Arthritis oder Osteoporose. Diese Faktoren schwächen oder verhindern gar die Wundheilung und begünstigen Entzündungen. Ist die Schraube eingewachsen, kommt eine Krone auf das Implantat.

Die Zahnmedizinerin empfiehlt, die Gesundheit von Knochenbett und Faserapparat eines Zahns vor jeder Art von Füllung oder Zahnersatz sicherzustellen. „Nur so können diese fest sitzen. Wie bei einem Haus, das braucht auch ein ordentliches Fundament.“

SABINE HOFFMANN

Darauf sollten RAUCHER achten

HILFREICHE TIPPS Rauchen beeinträchtigt die Haltbarkeit von Brücken, Kronen und Implantaten erheblich. Entzündungen bilden sich schneller und heilen schlechter. Die Verbrennungsschadstoffe aus Zigarettenrauch aktivieren Gene, die Entzündungsreaktionen, Zellalterung und Gewebeschädigung begünstigen. Helfen können Tabakerhitzer etwa von Iqos (Bild unten): Bei ihnen wird echter Tabak in Form von Sticks erhitzt. Der Tabak verbrennt dabei nicht, sondern verdampft nur – der Gehalt an Schadstoffen ist so um durchschnittlich 95 Prozent reduziert. Auch E-Zigaretten wie etwa von Myblu sind schadstoffreduzierte Alternativen zur Zigarette. Sie verdampfen sogenanntes Liquid, wahlweise mit oder ohne Nikotin.

Von Füllung bis Bleaching: Was ist was, wie läuft die Behandlung ab, und was kosten die einzelnen Therapien?

Schöne weiße Zähne – das wünscht sich wohl jeder. Leider entstehen mit dem Alter gelbliche Verfärbungen, meist werden auch Füllungen, Kronen oder Brücken fällig. So bringen Sie Ihr Gebiss in Schuss.

FÜLLUNG Bei kleineren Löchern wird das Füllungsmaterial in das ausgebohrte Loch eingesetzt. Bei größeren Defekten kann ein Inlay sinnvoll sein. Dieses wird individuell angefertigt und in einem Stück eingesetzt. Kosten Keramik-Inlays 350 bis 550 Euro. Die Kasse zahlt lediglich einen geringen Zuschuss von 20 bis 40 Euro.

KRONE Diese schützende Kappe sitzt direkt auf dem Zahn und ersetzt seine natürliche Krone ganz oder zum Teil. Wird fällig, wenn der Zahn durch Füllung oder Inlay nicht mehr zu retten ist. Kosten Vollgusskrone: 250 bis 400 Euro. Vollkeramikkrone 700 bis 1000 Euro. Kasse zahlt einen Festzuschuss.

WIE NEU Eingesetzte Implantate sind kaum von echten Zähnen zu unterscheiden

Oft günstiger als gedac ht

IMPLANTAT Künstlicher Zahn, der ähnlich wie sein natürliches Vorbild aufgebaut und mit einer Schraube im Kieferknochen verankert ist. Kosten Je nach Front-oder Seitenzahnimplantat zwischen 1200 und 3000 Euro. Die Kasse zahlt einen Festzuschuss für die Implantatkrone.

BLEACHING Auffrischung des Zahnweißes. Den größten Aufhellungseffekt hat das In-Office-Bleaching: Der Zahnarzt deckt Zahnfleisch und Zahnhälse ab. Dann wird ein spezielles Peroxid-Konzentrat aufgetragen. Blaues Licht aktiviert den Aufhellungsprozess. Kosten 300 bis 800 Euro.

BRÜCKE Fehlt ein Zahn, kann er durch eine Brücke ersetzt werden. Diese spannt sich dann über die Lücke. Damit sie wirklich fest sitzt, werden die angrenzenden gesunden Nachbarzähne sozusagen als Brückenpfeiler überkront. Das Reparaturprinzip funktioniert bei bis zu drei fehlenden Zähnen. Kosten Zwischen 300 und 2500 Euro. Die Kasse zahlt einen Festzuschuss.

VENEERS Sie kaschieren Makel im Gebiss. Die hauchdünnen Keramikschalen werden mit einem Spezialkleber auf die Zahnoberfläche geklebt. Veneers werden individuell angefertigt, umschließen den Zahn und decken Defekte wie unregelmäßige Oberflächen oder Verfärbungen ab. Kosten 850 bis 1300 Euro pro Veneer.