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Endspiel gegen Spanien


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Berliner Morgenpost - epaper ⋅ Ausgabe 322/2022 vom 24.11.2022

Doha. Mit grimmigem Blick stapfte Joshua Kimmich durch die Katakomben des Khalifa-Stadions von Doha. Der Blick war nachvollziehbar, er passte zum Ergebnis und zur allgemeinen Stimmungslage. Denn die deutsche Mannschaft hatte soeben ihren Start in die Weltmeisterschaft in den Wüstensand gesetzt, sie hatte ein lange überlegen geführtes Spiel gegen Japan mit 1:2 (0:1) verloren – und sich damit gleich gewaltig unter Druck gesetzt. Alles andere als ein Sieg im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien am Sonntag (20 Uhr/ ZDF) dürfte schon das Vorrundenaus bedeuten.

Wie also konnte es sein, dass die Mannschaft dieses Spiel aus der Hand gegeben hatte, nach mehr als 70 Prozent Ballbesitz und guten Gelegenheiten in Hülle und Fülle? „Die Chancenverwertung!“, stieß Kimmich hervor. „Wir hätten den Gegner killen müssen, wir hatten in der ersten Halbzeit alles im Griff. Auch Anfang der zweiten hatten wir ein paar gute ...

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Bildquelle: Berliner Morgenpost, Ausgabe 322/2022

Die Entscheidung in der 83. Minute: Nico Schlotterbeck kann Takuma Asano nicht stoppen, der Manuel Neuer aus kurzer Distanz überwindet.
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... Chancen, da müssen wir abgezockter werden. So halten wir den Gegner im Spiel, kassieren aus drei Chancen zwei Tore.“

Richtig wütend aber machte ihn das zweite Gegentor, als die Japaner die deutsche Abwehrkette mit einem einfachen Freistoß aus der eigenen Hälfte überrumpelten. Niklas Süle hob das Abseits auf, Nico Schlotterbeck kam nicht richtig in den Zweikampf, und Asano drosch den Ball über Neuer hinweg zur Führung ins Tor (83.). „Ich weiß nicht, ob jemals bei einer WM ein einfacheres Tor erzielt wurde“, haderte Gündogan. „Wir heben den Arm, aber wir müssen nachlaufen und können das Tor verhindern“, schimpfte Kimmich. „Ein sehr einfaches Gegentor.“

Die Routiniers waren mächtig sauer, Gündogan nahm sich nach der Defensive auch den Rest der Mannschaft vor, bemängelte zu viele lange Bälle und unterstellte, dass einige Spieler den Ball nicht mehr hätten haben wollen. Kapitän Neuer zeigte sich äußerst verwundert, dass dies in einem WM-Auftaktspiel so passieren konnte. Auch Thomas Müller sparte nach seinem 119. Länderspiel nicht mit Kritik: „Es ist aberwitzig, dass wir hier mit einer Niederlage dastehen. Wir müssen uns die mangelnde Effizienz ganz klar vorwerfen“, meinte der Bayern-Profi.

So offenbarten sich neben den Mängeln auf dem Platz leichte Risse im Mannschaftsgefüge, und damit erinnerte dieser Nachmittag in Doha auf ungute Weise an einen Juniabend in Moskau im Jahr 2018, als die deutsche Mannschaft ihr Auftakt- spiel gegen Mexiko mit 0:1 verlor und nach der Gruppenphase mit dem 0:2 gegen Südkorea bereits Schluss war.

"Ich weiß nicht, ob jemals bei einer WM ein einfacheres Tor erzielt wurde. Das darf nicht passieren."

Ilkay Gündogan zum zweiten Tor für Japan

So weit ist es nun noch nicht, und anders als 2018 spielte die Nationalelf dieses Mal lange ordentlich. „Wir waren auf einem guten Weg“, urteilte Bundestrainer Hansi Flick. Gegen Spanien habe sein Team die Qualität zu gewinnen: „Aber das müssen wir über 90 Minuten zeigen.“ Gündogan gab allerdings zu, dass extremer Druck auf der Mannschaft laste: „Jedes Spiel wird jetzt ein Finale sein.“

Dass die Debatten im Vorhinein gestört hatten, die Diskussion um das Verbot der One-Love-Kapitänsbinde durch die Fifa – das wollte Gündogan nicht gelten lassen: „Es gab eine kurze Sitzung dazu, das darf keine Entschuldigung sein“, sagte er.

Auf diese Debatte hatte die Mannschaft mit einem deutlichen Zeichen reagiert. Kapitän Manuel Neuer streifte sich zwar die vorgegebene Binde über – anders als Innenministerin Nancy Faser, die auf der Ehrentribüne neben Fifa-Präsident Gianni Infantino gut sichtbar das One-Love- Emblem trug (siehe auch weiterer Bericht auf dieser Seite).

Doch auch die Mannschaft machte ihre Haltung deutlich. Als sich die erste Elf zum obligatorischen Foto vor Anpfiff versammelte, hielten alle Spieler die Hand vor den Mund – ein Bild, das schon während des Spiels um die Welt ging. „Das war ein Zeichen an die Fifa, dass wir uns nicht den Mund verbieten lassen wollen“, erklärte Gündogan. „Aber mit einem schönen Ergebnis hätte das sicher einen besseren Effekt gehabt.“

Deutschland: Neuer – Süle, Rüdiger, N. Schlotterbeck, Raum – Kimmich, Gündogan (67. Goretzka) – Gnabry (90. Moukoko), Müller (67. Hofmann), Musiala (79. Götze) – Havertz (79. Füllkrug).

Japan: Gonda – H. Sakai (75. Minamino), Itakura, Yoshida, Nagatomo (57. Mitoma) – W. Endo, Ao Tanaka (71. Doan), J. Ito, Kamada, Kubo (46. Tomiyasu) – Maeda (57. Asano). 

Tore: 1:0 Gündogan (33., Foulelfmeter), 1:1 Doan (75.), 1:2 Asano (83.). Schiedsrichter: Barton (El Salvador). Zuschauer: 42.608.