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ENDVERSTÄRKER: DORNRÖSCHEN IST ERWACHT


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 03.12.2020

Jahrelang wurde man das Gefühl nicht los, NAD sei der Schwung etwas abhanden gekommen. Doch hinter den Kulissen war man augenscheinlich schwer aktiv und hat spannende neue Bündnisse mit Top-Entwicklern geschmiedet. Wovon auch die neue Endstufe C 298 profitiert.


Artikelbild für den Artikel "ENDVERSTÄRKER: DORNRÖSCHEN IST ERWACHT" aus der Ausgabe 1/2021 von Stereo. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereo, Ausgabe 1/2021

NAD C 298 VON INNEN
Dank hochintegrierter Technik ist noch Luft im Gehäuse. Separate Platinen für verschiedene Baugruppen erleichtern den Service. Die Endstufe sitzt für kurze Wege direkt vor den Lautsprecherklemmen.

Ihren Einstand gab die innovative neue Verstärkertechnik, die auf den schönen Namen Eigentakt hört und von der Firma ...

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... Purifientwickelt wurde, mit dem in STEREO 9/20 getesteten und mit 89 % dekorierten Vollverstärker M33, der uns wirklich ziemlich aus den Socken gehauen hat. Nun, um das Wichtigste gleich vorwegzunehmen: Die C 298, obwohl in ein deutlich schlichteres Blech gekleidet, hat die gleichen Eigentakt-Endstufen-Module implantiert bekommen, die auch in der M33 wirken. Technisch wurde lediglich die Netzteilsektion etwas abgespeckt.

Die schnörkellose Optik der NAD Classic-Line wird mutmaßlich viele Fans der Marke, denen das Design der Master-Serie zu exaltiert erscheint, erfreuen, weil es das zeitlose, funktionale Aussehen, das einst mit dem berühmten Vollverstärker NAD 3020 eingeführt wurde, wieder aufgreift.

Besonderheiten im Netzteil

Die C 298 nutzt, wie die M33 auch, ein spezielles Netzteilkonzept. Deshalb sieht man auf der Rückseite der Verstärker an den Lautsprecheranschlüssen auch kleine Blitze, die signalisieren, wo der „heiße“ Anschluss ist. Und man erkennt, dass er für den linken Lautsprecher an der blauen Minus-Klemme liegt. Blau und nicht schwarz deshalb, weil es eben keine gemeinsame Erdung gibt. Die Idee dahinter ist, dass die Belastung des Netzteils so gleichmäßiger wird und zugleich die Übersprechdämpfung s steigt. Rausch- und Brummanteile sind, so verspricht NAD, mit der modernen Schaltungstechnik ebenfalls ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Unsere Messungen stützen diese Aussage.

DOPPEL-MONO
Ein bezahlbares, unendlich kraftvolles Dreamset: NADs Vorstufe C 658 und zwei Endstufen C 298 in Mono-Brückenschaltung


Was es nach unserer Erfahrung für zwei Endstufen C 298 und auch für andere Class-D-Endstufen zu beachten gilt: Sie eignen sich weniger bis gar nicht für Bi-Amping.

Cas Oostvogel, international für NAD als Produktmanager tätig, erklärt das damit, dass Verstärker mit dieser Schaltungstechnik ihre Leistung gern unters Volk, sprich: an den Lautsprecher bringen wollen. Das ist jedoch im Mittel-/Hochtonbereich kaum möglich, denn rund 80 bis 90 % der zur Verfügung stehenden Leistung beansprucht der Bassbereich für sich. Die Folge beim Bi-Amping-Betrieb: Das Ausgangsfilter kann leicht beschädigt werden. Hat man Glück, wird der Verstärker überhitzt und schaltet sich ab, hat man Pech, hilft nur noch die Werkstatt.

Doch bei NAD wusste man sich zu helfen und ersann eine Möglichkeit, den Verstärker in den Mono-Betrieb zu schalten. In dieser Betriebsart stehen dann rund 600 Watt Sinusleistung pro Kanal an 8 Ohm zur Verfügung.

Womit die Riege an zu betreibenden Lautsprechern nahezu vollständig abgedeckt sein dürfte. Bei einem Stückpreis von knapp 2000 Euro pro Endstufe ist das, entsprechende klangliche Meriten vorausgesetzt, eine starke Duftmarke, die gesetzt wird.

Mit dem Streaming-Vorverstärker C 658 (Test in STEREO 5/20) gibt es einen kongenialen Spielpartner, der nicht nur optisch die gleiche Sprache spricht, sondern sich mit seiner Einmessfunktion und symmetrischen wie unsymmetrischen Ausgängen sowie perfekt harmonierenden Werten für Ausgangsimpedanz und Ausgangsspannung und einem Preis von 1700 Euro geradezu aufdrängt, im gleichen Regal Platz nehmen zu dürfen.

Sollten Sie einen anderen Vorverstärker nutzen, ist auch das kein Problem, denn die Eingangsempfindlichkeit der C 298 lässt sich einstellen. Sie denken über ein (teil)-aktives Konzept oder den Betrieb mit aktivem Subwoofer nach? Die 298 verfügt über einen Hochpegel-Vorverstärkerausgang, der auch diese Hürde umschifft. Die Einschaltautomatik lässt sich ebenfalls in der Empfindlichkeit anpassen, sodass man die Endstufe auch außer Sichtweite positionieren kann – dann empfehlen wir bei größerem Abstand vom Vorverstärker die symmetrische XLRKabelverbindung, die störungsunanfälliger ist. Damit aber noch nicht genug der für eine Endstufe ungewöhnlich umfangreichen Ausstattung. Denn gibt es Erdungsprobleme oder Brummschleifen, so lassen sich diese durch die an der Rückseite befindliche Erdungsklemme zuverlässig beseitigen oder reduzieren.

Class D neu interpretiert

Doch nun interessierte uns natürlich, ob die Rechnung auch musikalisch aufgeht. Dafür gab es zunächst leichte Kost für das NADSet, indem wir die DALI Rubicon 6 BE an die Endstufe anschlossen. Rund 3700 Euro zuzüglich eines Verbindungskabels zwischen Vor- und Endstufe spielten nun an einem etwa gleichteuren Standlautsprecher. Und die beiden verstanden sich ausgesprochen gut. Die DALI stellt weder vom Wirkungsgrad noch vom Impedanzverlauf eine Herausforderung dar. Dennoch ist sie nicht gänzlich ohne, da sie den Charakter der vorgeschalteten Elektronik sehr deutlich darzustellen vermag.

Doch die NAD-Kombi erledigte diese Aufgabe mit Bravour. Wie plastisch sie Madison Cunningham bei „Bound“ in den Raum stellt und keinerlei Mühe hat, all die feinen Details ihrer mit großer Akkuratesse eingefangenen Stimme wiederzugeben, das ist schon sehr bemerkenswert.

Ungewöhnlich vielseitige, aber praxisnahe Ausstattung für eine Endstufe mit Cinchund XLR-Eingängen, Cinch-Ausgang, Pegelregler und Mono-Brückenschalter.


Auch mit Springsteens „Letter To You“ gingen die NADs spielerisch leicht um, brachten die Stimme des „Boss“ nachdrücklich zu Gehör, lösten die durchaus komplexe Struktur des Songs gekonnt auf, klangen dabei schlank und trocken und nahmen die Basseinheit der DALI felsenfest in den Griff.

Dann ging es jedoch ans Eingemachte. Wir wollten die Fähigkeiten und Grenzen der Leistungsfähigkeit der NAD rauskitzeln. Dazu trennten wir das NAD-Gespann, hängten die Referenz-Vorstufe P 3100 von T+A vorne dran und holten einen in jeder Beziehung fordernden Lautsprecher dazu: die Gauder DARC 100, ebenfalls eine unserer Referenzen und alles andere als ein Kostverächter.

Darüber hinaus mit ihrem Diamanthochtöner und den Keramikchassis – allesamt aus dem renommierten Hause Accuton – ein feinst auflösendes Werkzeug, um jegliche vorgeschaltete Unstimmigkeit gnadenlos zu demaskieren. Und in dieser Kombination wurden dann auch zwei Eigenschaften der NAD zutage gefördert: Ihre enormen Leistungsreserven reichten auch bei einer Raumgröße von gut 40 m2, um unangestrengt Pegel nahe einer Beschallungsanlage zu kredenzen, wie Neil Youngs „Rockin’ In A Free World“ bewies.

Ebenso unerschütterlich war der Griff, mit dem die NAD die Bässe der Gauder in die Zange nahm – das hatte echt große Klasse. Was in dieser, aufgrund der weit auseinanderklaffenden Preisregionen zugegeben eher realitätsfremden Kombination auffiel, war ein minimal ins Helle tendierender Klangcharakter der NAD. Womit diese Endstufe gleich mit zwei gängigen Vorurteilen gegenüber Class-D-Endstufen aufräumte: dass Endstufen nach diesem Schaltungsprinzip kritische Lautsprecher nicht kontrollieren können und dass sie zum Weichspülen der höheren Tonlagen, einhergehend mit einem Auflösungsverlust, neigen. Nein, die NAD zeigte sich mit allen Tugenden, die man von einer richtig guten Endstufe erwartet. Nur ihr Preisschild bleibt NAD-gemäß im erfreulich moderaten Bereich.

NAD C 298

Preis: um 2000 €
Maße: 44 x13 x38 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre (nach Registrierung 5 Jahre)
Kontakt: DALI
Tel.: +49 6251 8079010
dali-deutschland.de

Schlichte Optik, modernste Technik und sehr guter Klang – die Fortschritte in der Class-D-Technik sind unüberhörbar und in diesem Fall mit sehr fairem Preisschild versehen! Dazu gibt es Leistung satt und ein hohes Maß an Flexibilität.

Labor-Kommentar
Leistung satt, Verzerrungen, Rauschen, Kanaltrennung und Dämpfungsfaktor bestens; Bandbreite für Class D sehr gut.

Ausstattung
Cinch- und XLR-Eingänge schaltbar; Cinch-Ausgang; Pegelregler; Ferneinschaltung; Empfindlichkeit dreistufig regelbar; Mono brückbar

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Madison Cunningham: Who Are You Now

Starke Stimme, tolle Arrangements und gekonnter Spagat zwischen den Stilen

TEST-GERÄTE

CD-Spieler: T+A MP 2500R, Wadia 8/Brinkmann Nyquist
Vollverstärker: McIntosh MA 7200 AC, Musical Fidelity M3 si
Vorverstärker: NAD C 658, T+A P3100
Endverstärker: NAD C 298, Fidek FPA 15, Aesthetix Atlas Eclipse Mono
Lautsprecher: DALI Rubicon 6 BE, Gauder DARC 100
Kabel: Audioquest William Tell, div. HMS, Van den Hul, Sommercable, Cardas