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Energieberatung und Energiepass Wegweiser in Sachen Energie


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 02.09.2011

Verbraucht mein Haus viel oder wenig? Lohnen sich der neue Kessel und die Wärmedämmung? Energieberater zeigen den richtigen Weg und helfen oft, die Hälfte der Kosten zu sparen. Dagegen ist der obligatorische Energiepass bei Kauf und Verkauf nur bedingt aussagekräftig.


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Obwohl wir alle warme Wohnungen und angenehm temperiertes Duschwasser brauchen, ist das Thema Energieverbrauch für viele Eigentümer und Mieter ein Buch mit sieben Siegeln. Schon allein den Zustand eines Gebäudes hinsichtlich seines Energie verbrauchs zu beurteilen, ist für Laien schwierig. Denn so paradox es klingt, ein ...

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Obwohl wir alle warme Wohnungen und angenehm temperiertes Duschwasser brauchen, ist das Thema Energieverbrauch für viele Eigentümer und Mieter ein Buch mit sieben Siegeln. Schon allein den Zustand eines Gebäudes hinsichtlich seines Energie verbrauchs zu beurteilen, ist für Laien schwierig. Denn so paradox es klingt, ein kleines Haus mit geringem Verbrauch kann vergleichsweise mehr Energie verschleudern als ein besser ausgestattetes, großes Gebäude.

Letztendlich zählen Fakten, und die kann am besten ein Fachmann bereitstellen. Gute Energieberater sind darauf spezialisiert, Gebäude zu analysieren und Vorschläge für Verbesserungen zu machen, die wirtschaftlich optimal und zukunftssicher sind und gleichzei- tig die geltenden Vorschriften, zum Beispiel der Energieeinsparverordnung, einhalten.

Energieberater: Was der Profileistet

Einer der vielen Tausend Energieberater in Deutschland ist Ulrich Fröhner. Wenn er ins Haus kommt, findet er immer etwas. Der Stuttgarter Energieberater ist auf der Suche nach Schwachstellen in der Gebäudehülle, überprüft die Heizungsanlage und lokalisiert teure Stromfresser. Das Sparpotenzial ist enorm: „Die Hälfte der eigenen Energiekosten kann man mindestens sparen, je nach Aufwand auch deutlich mehr“, verspricht Fröhner, der seit mehr als 20 Jahren Energieberatungen anbietet. Seinen Rundgang durchs Haus beginnt er im Keller – und gibt gleich praktische Tipps: Die Kellerdecke kann man mit aufgeklebten Platten aus Holzfaser oder Polystyrol ohne großen Aufwand selbst dämmen; auch Heizungsrohre lassen sich problemlos in Eigenleistung mit Dämmschalen einpacken. Den Austausch der Heizung sowie der Heiz- und Warmwasser pumpen überlässt man hingegen lieber Fachleuten. Ist der Heizkessel älter als 15 Jahre, kann sich der Kauf eines neuen Kessels lohnen. „Neben einen neuen Kessel stellt man am besten gleich einen Solarspeicher und führt wenn möglich auch die Leitungen für die Kollektoren zum Dach. Das spart bei der späteren Integration von Solarenergie Geld und Aufwand“, empfiehlt Fröhner.

Der alte Grundsatz „Erst dämmen, dann Heizung erneuern“ ist zumindest bei einer Gasheizung nicht zwingend. Moderne Brennwertkessel passen ihre Leistung stufenlos dem Wärmebedarf an. Etwas anders sieht es bei einer Wärme pumpe und einer Öl- oder Pellet heizung aus. Hier sollte man klä- ren, welche Leistungsstufe den künftigen Wärme bedarf optimal erfüllt. Wenn der Keller ganz oder teilweise bewohnt werden soll, sorgt eine Innendämmung der Außenwände für warme Oberflächen. Noch besser ist eine Dämmung des Kellers von außen; dafür muss aber das Haus rundum ausgegraben werden. Der hohe Aufwand lohnt meist nur, wenn die Kellerwand wegen eindringender Feuchtigkeit ohne hin saniert werden muss. Dann verursacht die Dämmung nur geringe zusätzliche Kosten. Kosten-Nutzen-Analyse Besonders effektiv ist es, alle Außenwände des Hauses zu dämmen – Mindest stärke 14 bis 16 Zentimeter, je mehr, desto besser. Dabei sollten auch gleich die Fenster erneuert werden.

Denn nachträglich eingebaut, bereitet der fugendichte Anschluss der Fensterrahmen an die Dämmplatten Probleme. Ähnlich große Erfolge bringt eine Dachdämmung. Mindestens 20 Zenti meter Dämmstoff sollten insgesamt zwischen, auf oder unter den Dachsparren stecken. Wird der Dachboden nicht zum Wohnen genutzt, kann man dort Dämmmatten oder eine Dämmschüttung leicht in Eigenarbeit auslegen. Pauschallösungen gibt es keine: Art, Material, Position und Dicke der Dämmung hängen immer von den Gegeben heiten ab; da ist die Erfahrung des Fachmanns hilfreich.

Die Details rechnen auf Wunsch der Energie berater, ein Architekt oder andere berechtigte Experten aus. Wird ein Haus umfassend modernisiert und damit luftdichter, empfiehlt Ulrich Fröhner dringend den Einbau einer Lüftungsanlage: „Eine Anlage mit Wärmerückgewinnung ist natürlich am effektivsten, lässt sich in Altbauten wegen der vielen Rohre aber nicht immer realisieren.“ Nicht zuletzt sollte man tig die geltenden Vorschriften, zum Beispiel der Energieeinsparverordnung, einhalten.

Energieberater: Was der Profileistet

Einer der vielen Tausend Energieberater in Deutschland ist Ulrich Fröhner. Wenn er ins Haus kommt, findet er immer etwas. Der Stuttgarter Energieberater ist auf der Suche nach Schwachstellen in der Gebäudehülle, überprüft die Heizungsanlage und lokalisiert teure Stromfresser. Das Sparpotenzial ist enorm: „Die Hälfte der eigenen Energiekosten kann man mindestens sparen, je nach Aufwand auch deutlich mehr“, verspricht Fröhner, der seit mehr als 20 Jahren Energieberatungen anbietet. Seinen Rundgang durchs Haus beginnt er im Keller – und gibt gleich praktische Tipps: Die Kellerdecke kann man mit aufgeklebten Platten aus Holzfaser oder Polystyrol ohne großen Aufwand selbst dämmen; auch Heizungsrohre lassen sich problemlos in Eigenleistung mit Dämmschalen einpacken. Den Austausch der Heizung sowie der Heiz- und Warmwasser pumpen überlässt man hingegen lieber Fachleuten. Ist der Heizkessel älter als 15 Jahre, kann sich der Kauf eines neuen Kessels lohnen. „Neben einen neuen Kessel stellt man am besten gleich einen Solarspeicher und führt wenn möglich auch die Leitungen für die Kollektoren zum Dach. Das spart bei der späteren Integration von Solarenergie Geld und Aufwand“, empfiehlt Fröhner.

Der alte Grundsatz „Erst dämmen, dann Heizung erneuern“ ist zumindest bei einer Gasheizung nicht zwingend. Moderne Brennwertkessel passen ihre Leistung stufenlos dem Wärmebedarf an. Etwas anders sieht es bei einer Wärme pumpe und einer Öl- oder Pellet heizung aus. Hier sollte man klä- auf vermeintliche Kleinigkeiten achten. Eine alte Alu-Haustür mit Einfachverglasung ist ebenso problematisch wie ein Mauerschlitz als Briefkasten, durch den der Wind pfeift. Wichtig ist auch der richtige Zeitpunkt der Sanierung: Muss zum Beispiel das Dach neu gedeckt werden oder steht ein Dachausbau an, verursacht die Dämmung relativ geringe Zusatzkosten.

Die Signalfarben von Grün bis Rot sollten sofort erkennen lassen, ob das Wohngebäude eine Energieschleuder oder eine Spardose ist.


Foto: dena

Die ausführliche Analyse des Energieberaters wird durch den Staat gefördert. Die Antragsstellung erledigt der Energieberater. Er muss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zugelassen sein; dort gibt es auch entsprechende Adresslisten (siehe „Dämmen: Geld vom Staat“, S. 114).

Energieausweis: nur wenig hilfreich

Eine erste Informationsquelle für Hauskäufer und Mieter ist meist der Energieausweis, der beim Verkauf oder der Vermietung vorgelegt werden muss.

Den Ausweis gibt es in zwei Ausführungen: Zum einen den bedarfsorientierten Energieausweis, der das Gebäude aufgrund seiner Substanz weitgehend unabhängig vom Verhalten der aktuellen Bewohner beurteilt und anhand von Rechenmodellen den Energieverbrauch für eine durchschnittliche Nutzung bestimmt. Er ist für Gebäude mit bis zu vier Wohnungen Pflicht, deren Bauantrag vor dem 1.11.1977 gestellt wurde. Für alle anderen Gebäude – und wenn kleinere Altbauten nachträglich gedämmt wurden – kann auch ein verbrauchsorientierter Ausweis ausgestellt werden. Er zeigt den durchschnittlichen Energie verbrauch der letzten Jahre, der anhand der Heizkosten abrechnungen der bisherigen Nutzer ermittelt wird. Alternativ kann der Vermieter oder Verkäufer aber auch die am Heizenergiebedarf orientierte Variante wählen. Das Problem: Für beide Varianten können Hauseigentümer die Angaben selbst bereitstellen und bekommen über das Internet von zugelassenen Ausstellern einen offiziellen Pass zugesandt. Zum Teil kann man die Energieausweise sogar selbst ausdrucken. Für Gebäude ab dem Baujahr 2002 sind allerdings ausführliche Wärmeschutznachweise Vorschrift, die nach den Vorgaben der jeweiligen Energieeinsparverordnung erstellt wurden.

Wer sich in dem Zahlenwerk nicht zurechtfindet, sollte einen Energieberater, Architekten oder anderen Sachkundigen zurate ziehen.

Ob der Energieverbrauch im Ausweis mit der Realität übereinstimmt, hängt vor allem bei billigen Verbrauchsausweisen von der Sorgfalt und der Ehrlichkeit des Eigentümers ab. Möglichkeiten für Fehler und Manipulationen gibt es viele: Wer weiß schon, wie sich bei einer Gasrechnung die Angaben von Kubikmetern und Kilowattstunden unterscheiden? Sie tun es: um den Faktor 10. Kontrollieren kann man das als Mieter oder Kaufinteressent bei der verbrauchsorientierten Variante noch relativ einfach: Dazu kann man sich die Verbrauchsabrechnungen der vergangenen drei Jahre und die Berechnung der Wohnfläche zeigen lassen und die einfache Gleichung Durchschnittsverbrauch in Litern oder Kubikmetern durch Quadratmeter mal zehn (bei Öl- oder Gasheizung) selbst vornehmen. Wozu der Gesetzgeber dann aber einen Ausweis vorschreibt, bleibt fraglich.

Energieausweis – Kosten und Gültigkeit

Den Preis eines Energieausweises handeln Eigentümer und Berater frei aus. Für den Bedarfsausweis mit Dena-Gütesiegel beträgt das Honorar rund 300 bis 350 Euro, bei großen Gebäuden oder hohem Aufwand auch mehr. Die Verbrauchsvariante ist bei gewissenhafter Bearbeitung günstiger, etwa 50 bis 100 Euro je Gebäude. Der Ausweis gilt zehn Jahre für alle Wohnungen eines Hauses. Der Eigentümer darf die Kosten für den Energieausweis nicht auf die Mieter umlegen. Auch für Käufer ist die Einsichtnahme kostenlos.

Kompetente Energieberater findet man ab dem 15. Dezember auf einer einheitlichen Liste der Deutschen Energie-Agentur. Die BAFA-Expertenliste wird dann abgeschaltet.


Foto: Anhees/Fotolia.com

Foto: Ingo Bartussek/Fotolia.com

Zu pauschal und ungenau

Selbst wenn die Angaben korrekt sind, hat der Verbrauchsausweis weitere Nachteile: Er bildet über einen relativ kurzen Zeitraum die persönlichen Heizgewohnheiten der bisherigen Nutzer ab. Unterscheiden sich diese von denen des Mieters oder Käufers, ist das Papier reif für die Tonne. Eine allein stehende, sparsame Rentnerin, die nur zeitweise wenige Räume heizt, verbraucht nun mal weniger Energie als eine vierköpfige Familie, die alle Räume eines Hauses rund um die Uhr mit 23 Grad Celsius nutzt.

Auch bei Mehrfamilienhäusern sind Verbrauchsausweise mit Vorsicht zu genießen. Zwar mitteln sich unterschiedliche Heizgewohnheiten bei vielen Wohnungen im Haus meist heraus. Da aber fürs ganze Haus nur ein Ausweis erstellt wird, sollte man trotzdem nachfragen, wie hoch der Energieverbrauch der konkreten Wohnung ist.

Schließlich verbraucht eine Wohnung an einer Hausecke unter dem Dach wegen der größeren Außenfläche viel mehr Heizwärme als eine mitten im Haus liegende Wohnung, die nur eine einzige Außenwand hat.

Auch für den Bedarfsausweis kann man sich im Internet die Angaben zu seinem Haus aus umfangreichen Menüs zusammenklicken. Ob diese der Wahrheit entsprechen oder ob der Besteller zwischen den Details unterscheiden kann, ist zweifelhaft – wer weiß schon, ob er einen „Niedertemperaturkessel mit zentraler Warmwasserbereitung und Zirkulation bis 1986“ besitzt. So sind Modernisierungsempfehlungen für ein Haus, das der Berater nie gesehen hat, entweder zu pauschal oder im Zweifelsfall blanker Unsinn. Aussagekräftiger und verlässlicher, aber auch teurer, sind Ausweise, die von erfahrenen Energieberatern nach kontrollierten Verfahren ausgestellt werden. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat dazu ein Gütesiegel entwickelt, mit dem sich unabhängige Aussteller mit Zusatzqualifikation vom gesetzlich vorgeschriebenen Minimalangebot abheben können. Zulässig sind hier nur Bedarfsausweise, deren Daten der Aussteller selbst vor Ort erhoben hat. Zudem muss der Ausweis zwei Varianten mit Modernisierungsempfehlungen enthalten – eine mit rasch umsetzbaren Energie sparmaßnahmen sowie zusätzlich die Berechnung einer umfassenden Sanierung. Für jede Variante wird die Einsparung von Primär energie, tatsächlich verbrauchter Energie (Endenergie) sowie von CO2 angegeben.

Der Aussteller muss die Ergebnisse und Empfehlungen dem Eigentümer persönlich vor Ort erläutern. Die Dena kontrolliert zudem mit Stichproben und Plausibiliätskontrollen die Berechnungen der Aussteller.

Für einen detaillierten Sanierungsfahrplan ist aber auch solch ein Qualitäts-Energieausweis zu ungenau. Hier empfiehlt sich eine umfassende Energieberatung wie die von Ulrich Fröhner und seinen Kollegen. Bei dieser fällt ein aussagekräftiger Energieausweis quasi als Nebenprodukt ab.

Kompakt: Sparplan Energie

1. Überblick gewinnen

Aus den Heizkostenrechnungen der letzten drei bis fünf Jahre den durchschnittlichen Verbrauch ermitteln und in Kilowattstunden umrechnen: Ein Liter Heizöl sind zehn Kilowattstunden, ebenso circa ein Kubikmeter Gas. Den durchschnittlichen Verbrauch in Kilo wattstunden durch die Zahl der beheizten Quadratmeter Wohnfläche teilen. Ergebnis ist der Energiekennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, kurz kWh/(m²a). Ergebnis vergleichen:Unter 100 kWh/(m²a): Gut, kann aber noch besser werden.100–180 kWh/(m²a): Dämmung einzelner Bauteile; neue Heizung ist sinnvoll, wenn ein Austausch ohnehin ansteht.Über 180 kWh/(m²a): Das Haus ist energetisch schlecht. Maßnahmen sind sinnvoll und nach mehreren Jahren rentabel.

2. Experten hinzuziehen

Wo sich eine Sanierung lohnt, welche Dämmstärken vorgeschrieben und machbar sind und ob und welches neue Heizsystem das beste ist, wissen Energieberater, Architekten oder gute Handwerker. Listen mit Energieberatern veröffentlicht zum Beispiel die Deutsche Energie-Agentur (Dena): eine allgemeine Liste mit mehr als 14.000 Ausstellern von Energie ausweisen und eine weitere mit besonders qualifizierten Effizienzhausexperten, die zum Beispiel Energieausweise mit Dena-Gütesiegel ausstellen. Infos zum Energieausweis und zur Beraterdatenbank: www.zukunft-haus.info/de/ verbraucher/energieausweis.html E-Mail energieausweis@dena.de oder Tel. 0 30 / 72 61 65-764.

3. Sparvorschläge umsetzen

Prioritätenliste aufstellen und abarbeiten. Besonders sinnvoll sind Maßnahmen dann, wenn sowieso saniert werden muss. Für jeden Vorschlag mindestens drei Angebote einholen. In der Regel ist es sinnvoller, erst zu dämmen und dann das Heizsystem auszuwählen.