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Energieeffiziente Hauskonzepte: Autarkie! Aber wie?


ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 21.09.2017

Unabhängig von Energielieferanten und Preissteigerungen zu werden, ist für viele Baufamilien hochattraktiv. Die Idee lässt sich heute schon realisieren. Doch wie groß ist der Aufwand? Und welche Konzepte führen zum Ziel? Wir stellen die wichtigsten Wege und Modelle vor.


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Foto: imago/Rainer Weisflog

Kein Öl. Kein Gas. Kein Holzhacken. Keine Stromrechnung. Diese Wünsche kommen aus tiefstem Herzen eines jeden Hausbesitzers. Das lässt verstehen, warum angesichts stark schwankender Preise für Energie und andauernder Diskussionen über die Versorgungssicherheit Konzepte zur Energieversorgung in Eigenregie immer ...

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... stärkeren Widerhall finden. Dass solche Träume inzwischen als realistisch erscheinen, dazu trägt auch die technische Entwicklung bei: Leistungsfähige und bezahlbare Photovoltaikanlagen sowie Speicher haben im Stromsektor eine umfassende Stromlieferung vom eigenen Dach in greifbare Nähe gerückt. Auch für den noch höheren Bedarf an Heizwärme gibt es Konzepte, die einige Wochen Wärme konservieren können. Das Problem ist hier zugegebenermaßen der Winter. Denn bis in den Januar oder Februar in Deutschland Energie zu speichern, ist aufwendig und teuer.

Technisch möglich ist es aber: das hundertprozentig autarke Haus. Doch hat es Sinn? „Die letzten 20 Prozent kosten genauso viel wie die ersten 80“, sagt Professor Timo Leukefeld. Der Diplom-Ingenieur ist einer der profiliertesten Vertreter in der Autarkiediskussion und wohnt seit 2014 selbst in einem der ersten serienmäßigen energieautarken Häuser. Ist es also vernünftig, in einem hoch industrialisierten und mit Strom- und Gasleitungen bestens vernetzten Land wie Deutschland auf eine kleinteilige und autonome Ener gieversorgung zu setzen? Entscheidet man rein nach betriebs- und ingenieurswirtschaftlichen Kriterien, ist das auf absehbare Zeit eher nicht der Fall. Zu eng und zu kurz sind die Betrachtungsräume, viel zu niedrig die aktuellen Preise für fossile Energieträger, die als Vergleichsmaßstab gelten. Und Energie aus Akkuspeichern und Solarkollektoren ist immer noch teurer als aus dem Netz. Trotzdem sind eine ganze Reihe von Bauherren bereit, genau dafür viel Geld auszugeben. Denn ein Einfamilienhaus, bei dem immerhin 50 Prozent der Maßnahmen auf dem Weg zur Autarkie umgesetzt sind, kostet rund 40.000 Euro mehr als eines mit einer Gasbrennwertheizung und einem üblichen Netzanschluss für den Strombezug vom Energieversorger. Ein zu 100 Prozent energieautarkes Einfamilienhaus käme auf Mehrkosten von etwa 90.000 Euro, hat Timo Leukefeld mit seinem Team ausgerechnet.

Foto: Andreas Wetzel

Im Haus von Timo Leukefeld erstreckt sich der Warmwasserspeicher über zwei Geschosse. Der Akku ist mit 58 Kilowattstunden ebenfalls überdurchschnittlich aufnahmefähig.


Foto: Andreas Wetzel


Ohne gute Dämmung und effiziente Technik funktioniert es nicht


Grundvoraussetzung ist ein gegenüber dem heutigen Neubaustandard deutlich reduzierter Energiebedarf für Strom und Heizwärme. Besonders effiziente Hausgeräte, LED-Beleuchtung und eine clevere Steuerung der elektrischen Verbraucher sind genauso wichtig wie eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle. Was dann noch an restlichem Energiebedarf übrigbleibt, lässt sich mit einigem Aufwand auch selbst decken. Schaut man sich Konzepte und realisierte Gebäude an, wird deutlich, dass es nicht eine Technik allein ist, die zum Erfolg führt. Eine zentrale Rolle spielt die Photovoltaik, liefert sie doch die Edelenergie Strom direkt und ohne Umwege. Mit Strom lässt sich auch eine Wärmepumpe betreiben, die Umweltwärme aus der Luft oder dem Erdreich zum Heizen aufbereitet.

Eine große Sonnenstromanlage liefert rechnerisch in der Jahresbilanz mehr Strom, als für Elektrizität und Heizwärme benötigt wird. Doch auch solche reinen „Stromhäuser“ haben ihre Versorgungslücken. Dann nämlich, wenn im Winter die PV-Anlage kaum noch Strom liefert oder bei schneebedeckten Modulen komplett ausfällt. Ohne Netzstrom wird es dann kalt und dunkel. Und der besteht im Winter faktisch immer noch häufig aus großen Anteilen Kohle- und Atomstrom. Hier haben thermische Solar anlagen Vorteile. Erstens ist ihr Ertrag an strahlungsarmen Tagen höher, zweitens lässt sich Wärme zurzeit noch einfacher und preiswerter als Strom über längere Zeiträume speichern.