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ENTDECKERTOUR ZU UNBEKANNTEN WRACKS


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 06.06.2019

Das Rote Meer ist an Vielfalt kaum zu überbieten! Sabine Kerkau ging auf eine Spezialsafari, um die eher unbekannten Wracks vor Ägyptens Küste zu erleben. Eine Tour mit Herausforderungen!


Dieses Angebot hat mich neugierig gemacht: „Die Zeit der großen Entdeckungen ist noch nicht vorbei – kommen Sie mit auf Entdecker-Tour zu den fast unbetauchten Wracks im Norden des Roten Meeres.” Die Tauchsafari wandte sich an fortgeschrittene Taucher und als maximale Tiefe wurden 62 Meter angegeben. Das klang spannend! Auch die Namen der Wracks, die angefahren werden sollten, waren mir nicht geläufig. Ein erster ...

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... Kontakt mit „Moni” Monika Hofbauer und ihrem netten Team von Omneia Tauchreisen besiegelte dann meinen Reiseplan.

Die Reisevorbereitungen war nicht ganz einfach. Mein Wunsch, den Rebreather mit ans Rote Meer zu nehmen, kostete Moni und ihrem Team einiges an Nerven. Gern hätten sie mich überzeugt die Tauchgänge mit Doppelgerät und Stage zu machen, was für mich aber keine Option war. Doch am Ende schafften sie es, alles zu meiner vollsten Zufriedenheit zu organisieren.

Moni Hofbauer begleitet ihre Tauchsafaris persönlich und man merkt vom ersten Augenblick, dass sie ein Vollprofiist: Das Schiff, die Crew und die gesamte Organisation sind erstklassig. Viele der anderen Gäste sind „Wiederholungstäter” und haben schon die eine oder andere Tour mit ihr unternommen.

Blick auf Teile der Bordwand und Aufbauten der „Cape Clear”. Alles ist prächtig bewachsen.


Große Speicherflaschen mit Sauerstoff und Helium sowie viel Ausrüstung auf dem Tauchdeck (o.). Ein Taucher bereitet sich zum „Cape Clear”-Tauchgang vor (u.).


ES GEHT LOS!

Am Morgen des ersten Tauchtags herrscht, wie bei jeder Safari, zunächst noch etwas Chaos auf dem Tauchdeck. Auf allen verfügbaren freien Flächen stehen große 50-Liter-Flaschen mit Sauerstoff und Helium. Stageflaschen und Doppelgeräte müssen noch montiert und verstaut werden. Für einige der geplanten Tauchgänge sind Stageflaschen mit höheren Nitrox-Gemischen einfach Pflicht. Moni und Ashraf haben im Vorfeld sichergestellt, dass alle Taucher über die dafür notwendige Ausbildung verfügen. Alles verläuft professionell.

Am frühen Vormittag können wir unser erstes Wrack ansteuern. Moni plant einen Checktauchgang an der „Ghiannis D”. Ich freue mich drauf, denn das Wrack habe ich das letzte Mal vor 20 Jahren betaucht. Am Tauchplatz angekommen müssen wir unsere Pläne ändern, da an dem Wrack schon mehrere Boote festgemacht haben.

Unser Checktauchgang findet deshalb an der „Chrisoula K” statt. Das Wrack liegt auf maximal 29 Meter Tiefe und ist sicher millionenfach betaucht worden. Leider gibt es kaum noch Bewuchs. Trotzdem ist die „Chrisoula K” immer noch ein schönes Wrack, bei dem man in den Laderäumen noch die Fracht, italienische Fliesen, bestaunen kann. Nach 90 Minuten beende ich meinen Tauchgang mit einem leider komplett gefluteten Trockentauchanzug. Die Crew ist sofort zur Stelle, um zu helfen.

Sie haben auch schnell eine Lösung für meinen undichten Trockentauchanzug gefunden. Einen zweiten Tauchgang kann ich allerdings heute vergessen. Der zweite Tauchgang soll uns zum Wrack der „Thistlegorm” führen. Die „Thistlegorm” zählt nun wirklich nicht zu den beinahe unbetauchten Wracks. Warum wird sie auf dieser Tour trotzdem angefahren?

Moni erklärt mir, dass wir auf dem Weg nach Norden nicht viele Möglichkeiten haben. Entweder wir fahren direkt und haben an diesem Tag keinen zweiten Tauchgang oder es ist eben die „Thistlegorm” und wir fahren über Nacht zum eigentlichen Ziel dieser Tour, dem Wrack der „Cape Clear”.

Unsere Fahrt in den Golf von Suez dauert sieben Stunden. Wir erreichen unser Ziel am frühen Morgen des zweiten Tauchtages. Die Bedingungen am Tauchplatz sind gut. Das war Monis große Sorge. Die „Cape Clear” liegt mitten im Golf und es gibt für unser Schiff nirgends eine Möglichkeit, Schutz vor Wind und Welle zu suchen.

Der Kapitän gibt sein Okay und Ashraf legt die erste Leine runter zum Wrack. Das Deck der „Cape Clear” befindet sich in 55 Metern Tiefe. Als er zurückkommt berichtet er, dass über dem Wrack eine sehr starke Strömung herrscht. Moni lässt zur Sicherheit eine zweite Leine legen. Zwei Tauchgänge sind zum Wrack geplant, und ich bekomme von ihr das „Go” für einen langen Tauchgang.

ABSTIEG ZUR „CAPE CLEAR”

Alles verläuft einwandfrei. Wir tauchen direkt vom Boot, nicht vom Zodiak. Ich nutze das Seil, das direkt von der Taucherplattform zum Deck der „Cape Clear” führt. Das Wasser ist etwas milchig, trotzdem ist es am Wrack hell und die Sichtweite beträgt sicher 10 bis 15 Meter. Die Abstiegsleine bringt mich zum Heck des Wracks. Inzwischen hat die Strömung etwas nachgelassen. Staunend schwebe ich über das Deck dieses 134 Meter langen und 17 Meter breiten Frachtschiffs.

Das majestätische Wrack, das aufrecht auf dem Sandgrund steht, ist wundervoll bewachsen und unzählige Fischschwärme tummeln sich zwischen den Aufbauten. So etwas habe ich selbst vor 25 Jahren in Ägypten nie gesehen. Ich bewege mich langsam Richtung Heck und entdecke eine Bordkanone und die Waschräume mit den Toiletten. Die Laderäume sind leer.

Nach 50 Minuten am Wrack beginne ich meinen Aufstieg. Die Deko ist nicht ganz so gemütlich, inzwischen hat die Strömung im flacheren Bereich wieder zugenommen und auch der Wind ist stärker geworden. Die beiden Leinen, mit denen unser Schiff an der „Cape Clear” befestigt sind, müssen einiges aushalten. In der letzten Minute meiner Dekozeit gibt eine der Leinen nach und reißt. Nun heißt es Boje setzen und sich von den Zodiakfahrern aufsammeln lassen. Zum Glück bekommen das alle hin. In solchen Situationen zeigt sich die Professionalität der Besatzung und des Expeditionsleiters. Mein Kompliment an Moni und die Crew, sie haben diese Situation perfekt gemeis- tert. Aus Sicherheitsgründen beschließt der Kapitän, einen geschützten Ankerplatz in Landnähe zu suchen. Wir fahren Richtung Ras Gharib, um in der Nähe der Wracks „Scalaria” und „Aboudy” zu übernachten. Die beiden Wracks liegen nur wenige 100 Meter voneinander entfernt und in zehn Metern Tiefe auf Sandgrund. Moni schwärmt von den fantastischen Nachttauchgängen, die sie an diesen sehr wenig betauchten Wracks gemacht hat. Zu unserer Überraschung müssen wir dann am besagten Tauchplatz aber feststellen, dass es diese Wracks dort nicht mehr gibt! Keiner weiß warum, aber ein Wrack wurde eine Woche vor unserer Tour gehoben und beim zweiten waren sie gerade dabei. Das bringt unsere weiteren Pläne ganz schön durcheinander.

Die „Cape Clear” liegt in über 60 Metern Tiefe und ist traumhaft schön bewachsen.


DAS BESTE DRAUS MACHEN

Unser dritter Tauchtag beginnt vielversprechend. Wir können noch einmal zur „Cape Clear” zurückkehren. Wenn auch die Prognosen für den Nachmittag und die nächsten Tage nichts Gutes melden. Für den Nachmittag ist starker Wind angesagt, aus diesem Grund beginnt das Briefing für den ersten Tauchgang um 6 Uhr morgens. Die Crew hat inzwischen eine neue Leine zum Wrack gelegt. Die Tauchbedingungen haben sich im Vergleich zu gestern deutlich entspannt.

Mir bleibt Zeit dort unten und ich genieße diesen Tauchgang ohne Strömung und mit richtig viel Licht am Wrack. Ganz in Ruhe kann ich mir die „Cape Clear” vom Heck bis zum Bug ansehen. Am Ende bleibt mir sogar noch die Zeit, einen Blick in den Maschinenraum zu werfen. An diesem Wrack könnte ich noch viele Tauchgänge machen, und es wäre ein guter Grund, wieder nach Ägypten zu kommen. Leider wird das Wetter zunehmend schlechter. Moni läuft mit Mütze, langer Hose und Fleece Jacke übers Schiff, es ist wirklich ungemütlich draußen. Wir müssen leider Abschied von der „Cape Clear” nehmen, aber dafür verwöhnt uns die Küche am Abend mit einem wunderbaren Essen. Es gibt Steak, Grillkartoffeln, Oktopus und Salat. Über die Verpflegung gibt es wirklich keinen Grund zur Klage.

Obwohl es nicht auf dem Plan stand, hat Moni beim Kapitän durchgesetzt, dass wir über Nacht nach Tiran fahren. Wir planen einen Tauchgang am Thomas-Riff und in einem sehr tiefen Canyon. Der Canyon beginnt in rund 35 Metern Tiefe und endet theoretisch bei 90 Metern. Ein mystischer Tauchplatz mit wunderbaren Lichteffekten. Am Nachmittag macht uns der Wind wieder einen Strich durch die Planung.

Alle hoffen auf den morgigen Tag. Wir befinden uns nun schon wieder auf der Rückfahrt und das Ziel wird die gute alte „Rosalie Moller” sein. Sie liegt seit 77 Jahren in einer maximalen Tiefe von 46 Meter und zählt allerdings zu den bekannteren Wracks im Roten Meer. Aber ganz ehrlich:

Das macht mir inzwischen überhaupt nichts mehr aus! Ich fühle mich auf dem Schiff und mit den netten Leuten und der super Crew sehr wohl und bereue nicht einen Moment, an dieser Tour teilgenommen zu haben. Bei dieser Tauchtiefe habe ich wieder viel Zeit, das Wrack nach Herzenslust zu erkunden. Leider ist die Sicht am Wrack sehr schlecht, aber dafür ist sie im Masc nenraum umso besser. Es gibt sehr viele Rotfeuerfische, doch von dem einstmals üppigen Bewuchs ist leider nicht mehr viel übrig geblieben. Der berühmten Badewanne und der Werkbank jedoch hat die Zeit nichts anhaben können. Dafür ist inzwischen aber auch der zweite Mast umgefallen. Die Aufbauten sind teilweise kollabiert und irgendwie tut mir die „Rosalie Moller” fast ein wenig leid, denn von der einstigen Pracht dieses imposanten Schiffes ist nicht mehr viel übrig.

Rotfeuerfisch am Heck der „Rosalie Moller”.


Blick in die Küche der „Chrisoula K”.


Blick ins Innere der „El Minja”, die in 30 Metern Tiefe vor Hurghada liegt.


Unseren letzten Tauchgang machen wir im Hafen von Hurghada an der „El Minja”. Ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber dieser 30 Meter tiefe Tauchgang an einem extrem stark betauchten Wrack gehört für mich zu den besten der Woche.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich mit Monika Hofbauer auf einer ihrer Touren unterwegs war. Sie ist einer der besten Tourguides, die ich je kennengelernt habe und hat wirklich das beste aus den turbulenten Wrack- und Wetterbedingungen gemacht.

REISE-FACTS

Safarischiff: „Omneia Spirit”Baujahr: Mai 2018Länge: 42,5 MeterBreite: 9 MeterKabinen: Die „Omneia Spirit” hat dreizehn Kabinen beziehungsweise Suiten auf drei Decks (alle mit Klimaanlage, Kühlschrank und Badezimmer)Nächster Termin Wrack-Entdeckertour: 27. Juni bis 4. Juli 2019Start/Ende: HurghadaPreis: ab 1249 EuroWeitere Infos: www.omneia.de, www.omneia-spirit.de

WRACKDATEN

„Cape Clear”: 134 Meter lang, 17 Meter breit, maximale Tiefe: 62 Meter„Rosalie Moller”: 108 Meter lang, 16 Meter breit, maximale Tiefe: 46 Meter„Thistlegorm: 126 Meter lang, 18 Meter breit, maximale Tiefe: 30 Meter


ALLE FOTOS: S. KERKAU