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Entdeckt: !!!: „Wir fühlten uns ein bisschen wie Depeche Mode“


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 04.09.2019

Googelt man nach !!! (ausgesprochen Chck Chck Chck), muss man etwas Fantasie an den Tag legen, denn die kalifornische Dance-Punk-Band mit dem eigenwilligen Namen lässt sich nur schwer ausfindig machen. Doch die Hartnäckigkeit lohnt sich, denn die kalifornische Formation um Sänger Nic Offer hat auf nunmehr acht Alben zwischen Dance, Funk, Disco, Rave und Indie-Rock einen eigenständigen, mitreißenden Sound entwickelt, der Ingredienzien der 70s und der Gegenwart sowie Elemente der elektronischen und akustischen Musik gekonnt zusammenführt. Insbesondere auf dem neuen Longplayer „Wallop“ nehmen analoge ...

Artikelbild für den Artikel "Entdeckt: !!!: „Wir fühlten uns ein bisschen wie Depeche Mode“" aus der Ausgabe 10/2019 von Beat. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Beat, Ausgabe 10/2019

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... Synthies eine tragende Rolle ein. Wir trafen den Wahl-New-Yorker Nic anlässlich der Veröffentlichung des via Warp Records erscheinenden Albums im Berliner Michelberger Hotel zum Frühstück.

Beat / Wie waren die letzten zwei Jahre nach dem Release von „Shake The Shudder“ für dich? Nic / Sehr gut. Wir haben etwas getourt und haben dann recht schnell mit der Produktion des neuen Albums begonnen. Etwa ein Jahr haben wir an der Platte gearbeitet. Alles ist prima.

Beat / „Wallop“ klingt sehr synthlastig. Ein bewusster Ansatz? Nic / Ich denke nicht, dass wir bewusst etwas anders gemacht haben. Die Unterschiede kommen eher durch die Verwendung anderen Equipments oder die Ansätze der Gäste, mit denen wir zusammenarbeiten. Es war nicht so, dass wir dachten, das Album solle einen klaren Bruch zum Vorgänger markieren. Dennoch ist uns wichtig, dass jede Scheibe anders wird. Es sind eher die kleinen Details, die den Unterschied machen. Insbesondere die Keyboards, die wir verwendet haben. Ein Großteil der Songs haben wir in einem externen Studio begonnen, das wir angemietet hatten, weil dort alle diese tollen Keyboards stehen, die wir noch nie verwendet hatten.

Beat / Gab es im Vorfeld eine konkrete Soundvision? Nic / Wir reden eigentlich ständig über Sounds, die uns begeistern. Aber wir planen nichts, sondern gehen einfach ins Studio und sehen, was dort passiert. Es ist wie eine Goldmine. Wir wollen einfach immer etwas Neues entdecken.

Beat / Der stärkere Einschlag elektronischer Musik ist aber offensichtlich, oder? Nic / Ja, wir haben über die Jahre damit begonnen, mehr mit Elektronik zu experimentieren. Wir nehmen immer mehr Songs auf, als wir brauchen und lassen dann unsere Freunde abstimmen. Dadurch kann eine Platte verschiedene Richtungen einschlagen. Es hätte ein sehr elektronisches oder ein sehr rockiges Album werden können. Das hängt ganz davon ab, was die Leute am besten finden. Wir haben durchaus noch mehr Rocksongs geschrieben, aber es waren nicht die Stücke, die den meisten Anklang fanden.

Beat / Ihr entscheidet nicht selbst, welche Tracks auf ein Album kommen? Nic / Im Grunde ist es so, ja.

Beat / Und wie gehst du damit um, wenn deine Lieblingssongs durchs Raster fallen? Nic / Es gab im Laufe der Jahre zwei Fälle, wo wir aus eben diesem Grund noch einen Song getauscht haben. Es gab auch diesmal einen Favoriten von mir, der nicht ausgewählt wurde. Aber ich finde, dass es das Beste ist, andere entscheiden zu lassen. Es gibt auf jedem Album ein paar Songs, die für mich besonders sind, weil sie speziell klingen, aber es sind auch oft jene Stücke, die andere am wenigsten erreichen. Und ich habe die Songs ja gemacht. Daher habe ich, was ich wollte und kann sie loslassen.

Beat / Demnach ist der Geschmack des Publikums wichtiger als euer eigener? Nic / Nun, es bringt ja nichts, wenn die Leute einen Song nicht mögen. Doch es passiert auch selten mal, dass jemand zu mir kommt und gerade eine Nummer lobt, die sonst nie jemand erwähnt. Das freut mich dann besonders. Aber ja, am Ende geht es darum, ein schönes Album für andere zu machen, denn ich selbst werde mir die Songs nach der Fertigstellung kaum mehr anhören.

Alles ist möglich

Beat / Dadurch, dass die Tracks sehr vielfältig sind, fühlt sich „Wallop“ fast wie eine Compilation an. Habt ihr musikalische Grenzen? Nic / Nein, alles ist möglich. Wobei, irgendwo müssen schon Grenzen sein, aber wenn wir einen Country- Song hätten, würden ihn auch veröffentlichen. Doch wir hatten diesmal keinen (lacht). Ich mag den Gedanken, dass wir machen können, was wir wollen. Und die Tatsache, dass unsere Freunde die Songauswahl übernehmen, gibt uns eine große Freiheit, denn wir versuchen einfach, was uns in den Sinn kommt, und wenn es niemand mag, können wir es immer noch weglassen.

Beat / Gab es Bands, die einen konkreten Einfluss auf das neue Material hatten? Nic / Ich würde sagen, dass dieses Album die wenigsten konkreten Einflüsse enthält. Zuvor konnten wir öfter klar sagen, dass wir diese oder jene Platte viel gehört hatten. Wir versuchten diesmal nichts zu imitieren, sondern ließen uns von unseren Jams inspirieren.

Beat / Gab es abseits von konkreten Platten bestimmte Stile, die euch inspiriert haben? Nic / Nun, wir haben beispielsweise viel Grime und Two Step gehört und haufenweise britische Musik aus den 90ern. „Slo Mo“ erinnert mich zunächst etwas an Blur und dann an Massive Attack. Dabei mochten wir Massive Attack nie besonders. Es war eher ein Versuch, einen Massive-Attack-Song zu machen, den wir selbst mögen (lacht). Und es war nicht so, dass wir aktuell viel Blur gehört haben. Früher mal, klar. Das blieb wohl im Gedächtnis. Doch wir hatten eine Playliste mit einzelnen Songs, die wir unseren Produzenten geschickt hatten, um ihnen eine Idee unserer Vorstellungen zu geben. Vielleicht wäre es interessant, diese mal zu veröffentlichen.

Beat / Was findet sich in dieser Playliste? Nic / Paranoid London zum Beispiel. Sie machen diesen dreckigen Acid House Sound, der klingt, als wäre er durch zig Gitarrenpedale gejagt worden. Dieses Kantige wollten wir auch in unsere Musik bringen. Prince ist eh immer ein Einfluss. Das meiste sind Dance-Tracks. Vermutlich haben wir sie reingepackt, weil wir dachten, die Produzenten kennen nicht so viel aus der Richtung. Es gibt auch Rockelemente auf der neuen Platte, aber die mussten wir nicht extra hervorarbeiten. Drake ist in der Playliste, weil er im Vergleich zu Rockbands einen stärkeren Bass in seinen Produktionen hat. Ansonsten haben wir viel Disco-Zeug dabei, das mit Live- Drums versehen wurde, weil bei uns ebenfalls beide Elemente zusammenkommen.

Selbst ist die Band

Beat / Die Disco- und Funk-Einflüsse aus den 70s sind bei euch eh sehr deutlich. Hattet ihr demnach eher moderne Dance-Produktionen in der Playliste? Nic / Ja, denn der alte Kram fällt uns nicht schwer. Problematischer sind die neuen Sounds.

Beat / Versucht ihr, Sounds und Effekte zu reproduzieren, die gerade in Mode sind? Nic / Ich denke schon, aber eigentlich geht es eher darum, wie diese Platten knallen. Es gibt weniger Imitation auf der neuen Scheibe. Doch versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Imitation. Ich mag es, Dinge falsch nachzumachen und dadurch etwas Eigenes zu entwickeln.

Beat / Produziert wurde das Album überwiegend in deiner Wohnung in Brooklyn, New York, richtig? Nic / Ja. Wir haben dort auch schon früher Keyboards und andere Instrumente aufgenommen, aber noch nie die komplette Band. Wir haben dort unseren Proberaum eingerichtet. Daher ist es ein Ort, an dem wir uns wohl fühlen. Warum also dort nicht aufnehmen?

Beat / Was sagen die Nachbarn dazu? Nic /Als wir nach New York gezogen sind, war es uns wichtig, einen Platz zu finden, wo wir wohnen und proben können. Es gibt keine Probleme. Wir standen diesmal vor der Wahl, in ein tolles Studio zu gehen oder uns für das Geld Mikros und die Technik zu kaufen und es selbst zu machen. Das war sicher das größere Risiko, aber ich denke, dass die besten Alben entstehen, wenn man etwas wagt. Und es hat sich bezahlt gemacht.

Beat / War ein Engineer involviert? Nic / Ja, ein Freund von mir hat uns assistiert und auf die Record-Taste gedrückt. Er war es auch, der uns gezeigt hatte, wie man den Raum akustisch optimiert. Es war sehr lehrreich.

Beat / Habt ihr alles live aufgenommen? Nic / Vieles, ja. Wir wollten einen neuen Ansatz versuchen. Wir spielten schon bei den Konzerten zuvor immer zehn neue Songs und nur zwei alte Hits am Ende. Im Studio waren wir dann so gut eingespielt, dass wir die Stücke alle recht schnell aufnehmen konnten. Wir hoffen, das Album hat ein stärkeres Live-Feeling.

Beat / Ja, in der Tat. Wann sind die elektronischen Elemente hinzugekommen? Nic / Sie waren zuerst da, denn dies waren die Parts aus den Demos, die wir behalten haben. Wir haben mit Klick dazu gespielt – ähnlich wir auch live, wo Ableton immer mit läuft als Playback für die Drummachines und Synths. Aber natürlich haben wir dann später auch noch weitere elektronische Elemente hinzugefügt.

» Ich mag den Gedanken, dass wir machen können, was wir wollen. «

Beat / Manchmal ist es schwer zu sagen, welche Instrumente elektronisch und welche akustisch sind. Nic / Ja, doch genau das mögen wir. Insbesondere bei den Drums.

Im Synth-Paradies

Beat / Welche Synthies habt ihr eingesetzt? Nic / Wir hatten zum Beispiel einen Korg MS 10, den wir oft als Filter verwendet haben, zum Beispiel für die Drums. Außerdem am Start waren ein Prophet, ein Korg Mono Poly, der Access Virus A und ich glaube ein Casio-Gerät, das die Flöten-Sounds lieferte. Der Typ, dem das Studio gehört, sammelt alte Instrumente. Es waren unzählige Synths, denn wir haben in jedem Song etwas anderes verwendet. Der Typ hat wirklich Racks voll von dem Zeug, aber mir fallen die meisten Namen leider nicht mehr ein.

Beat / Habt ihr auch Softsynths eingesetzt? Nic / Nein, dieses Mal kaum. Wir haben beim Songwriting direkt auf den echten Hardware-Synths gejammt. Viele dieser Sessions waren einfach nur Krach und es war eine Herausforderung, diese wilden Spuren in Ableton zu dem Punkt zu bringen, dass sie cool klangen. Wir fühlten uns ein bisschen wie Depeche Mode (lacht). Wenn man genau hinhört, wird man ein Teil dieser wilden Keyboard-Spuren noch bemerken.

Beat / Für einige Künstler scheint es fast schon eine religiöse Überzeugung zu sein, ausschließlich analoge Synthies einzusetzen. Wie stehst du dazu? Nic / Ich teile diese Meinung nicht. Wir waren sehr lange ziemlich anti, was diese Typen anbelangt, die nur Analoggeräte verwenden. Aber als wir dann selbst damit begonnen haben, stellten wir fest, dass wir es sehr mögen (lacht). Doch wir sind nicht festgelegt. Ich denke, wenn es cool klingt, nutz es! Wichtiger ist doch, dass es eigenständig klingt. Die Instrumente sind nur Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen.

Beat / Ihr habt verschiedene Produzenten wie Cole M.G.N., Graham Walsh oder Patrick Ford eingeladen, als die Songs schon fast fertig waren. Was fehlte noch?

Nic / Ich denke, die Produzenten waren diesmal weniger wichtig als in der Vergangenheit. Heutzutage können wir unsere Alben selbst produzieren, aber wir mögen es, noch jemanden dabei zu haben, weil die Konversation dann anders läuft. Es hilft uns, neue Sounds zu kreieren, denn wenn wir alleine sind, klingt es schnell ähnlich wie unsere alten Releases. Für mich fühlt es sich an, als würde ein Produzent für die Zeit der Produktion in die Band einsteigen. Und dann macht er eben Vorschläge wie alle anderen auch.

Beat / Konnte es passieren, dass ihr viel Geld für einen Produzenten ausgebt und eure Freunde den Song dann durchs Raster fallen lassen? Nic / Ja, das konnte passieren. Der teuerste Produzent hat vier Songs mit uns gemacht und nur zwei davon haben es aufs Album geschafft. Aber man sollte sich eh nicht zu sehr auf einzelne Stücke versteifen. Man arbeitet daran und wenn es nichts wird, lässt man es eben wieder los.