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Entschlossenheit und Talent


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akkordeon magazin - epaper ⋅ Ausgabe 82/2022 vom 08.02.2022

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?Früher spielte ich noch für andere. Aber mit der Erfahrung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich zuerst für mich selbst Musik mache und dann für andere.? Olzhas Nurlanov beim Coupe Mondiale 2021

■ Solange es Menschen gibt, erfreuen sie sich an Musik. Doch wo kommt sie eigentlich her? Über Jahrtausende in allen Kulturen entwickelt, ist die Kunst des Musizierens mehr als eine zweckgerichtete Lauterzeugung. Für unsere Vorfahren ein Geschenk der Götter: In Griechenland wurde Hermes als Spender der Musik verehrt, in China soll einst Kaiser Hoang-​ti die Musik befohlen haben, in Nordamerika empfingen Ureinwohner die Musik von ihrem Gott Tezcatlipoca, in der germanischen Mythologie beschützte Wotan, selbst ein Heldensänger, alle Musiker und Sänger.

Heute suchen Wissenschaftler den Ursprung von Musik und Musikalität im Menschen selbst. Man fand heraus, dass Musik und Sprache so eng miteinander verknüpft sind, dass das Gehirn oftmals keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden macht. Musik ist vermutlich entwicklungspsychologisch tiefer verwurzelt als Sprache, Musikalität als „Nebenzweig“ der ...

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... Sprachentwicklung eine speziell menschliche, angeborene Fähigkeit, die im Einzelnen mehr oder weniger ausgebildet, als Bedürfnis und Potenzial wahrnehmbar ist. Schon Babys nehmen Musik auf. Musik wirkt unmittelbar, sie setzt Hormonausschüttungen in Gang und wird unabhängig von Nationalität und Sprache verstanden. Vor allem aber macht sie Freude, dem einsamen Solisten im stillen Kämmerlein ebenso wie den Spielern in Ensembles und Orchestern und den Zuhörern in Konzertsälen, bei Feiern und auf Festivals.

Wie einst beim Sängerwettstreit mit Walther von der Vogelweide ergötzen sich auch heutzutage Zuhörer am Zauber der Musik auf großen mehrtägigen Veranstaltungen in aller Welt, wo die Besten der Besten aufeinandertreffen, Juroren einen Sieger küren, das Publikum applaudiert. – Auch in der Akkordeonwelt ist das so.

Überraschung

Sechs Tage lang dauerte ein internationaler Akkordeon-​ Wettbewerb im russischen Tscheljabinsk, wo in Anwesenheit des zahlreich erschienenen Publikums dreizehn Juroren rund hundert Wettbewerber nach vorgegebenem Punktesystem beurteilten. Die als Gastrichterin aus Deutschland angereiste Geschäftsführende Vize-​Präsidentin des Deutschen Harmonika-​Verbandes e. V. (DHV) Hedy Stark-​Fussnegger berichtete im Fachorgan des DHV über den Verlauf des im Turnus von zwei Jahren stattfindenden Musikfestivals, das nach dem viel bewunderten und verehrten Bajanisten, Komponisten und Pädagogen Friedrich Lips benannt ist. Von dem faszinierenden Auftritt eines jungen Spielers, der mit seinem unerhört perfekten Spiel direkt alle Herzen und natürlich auch Punkte für sich gewann, schrieb sie: „Den Titel holte sich ein Überflieger im Alter von zwölf Jahren. Ungeheuer, wie der drauf war. Das riss sogar die russischen Juroren aus dem Sessel. Das sonst eher zurückhaltende Publikum brach in einen Beifallssturm aus.“ Tatsächlich erhielt als einziger Teilnehmer des Wettbewerbs ein Junge aus Kasachstan für seinen in jeder Weise überragenden Vortrag von jedem Juror glatte 25 Punkte und gewann damit den Titel „1. Preisträger des Friedrich-​Lips-​Pokals“!

Dieses bemerkenswerte Wettbewerbsereignis, bei dem ein offenbar hochbegabtes und optimal gefördertes Kind mit seinem Bajan sogar erwachsene Konkurrenten quasi „an die Wand spielte“, liegt ein gutes Jahrzehnt zurück. Der Bericht von Frau Stark-​Fussnegger erschien in Heft 6/2011 von Harmonika International unter dem Titel „Und alles ganz ohne Noten. Der ‚Kubok Friedrich Lips‘ 2011 in Tscheljabinsk aus der Sicht einer Gastjurorin“.

Nun ist vielleicht die Tatsache, dass Solisten auswendig spielen, eher ein Kriterium professionellen Könnens, das auf einem bestimmten Niveau einfach vorausgesetzt wird. Beim Sieg eines Zwölfjährigen über viel ältere, zum Teil erwachsene Kontrahenten allerdings fragt man sich schon: Wie kommt das? Stark-​Fussnegger schrieb dazu: „Der Gedanke an Drill lag nahe. Seine Körpersprache beim Gespräch mit ihm (natürlich mit Dolmetscher) sagte aber anderes aus. Er ist einfach eine außergewöhnliche Begabung, nicht nur im Bereich Musik – und dabei hatte er sich Fröhlichkeit, Natürlichkeit und ein bisschen ‚Lausbub‘ bislang erhalten können.“

Und wer war überhaupt der kleine Superspieler aus Kasachstan? Nun, das war niemand anderes als Olzhas Nurlanov, der ziemlich genau zehn Jahre später beim 74. Coupe Mondiale in München Weltmeister wurde! Dass er damals in Tscheljabinsk als Kind seinen großen Sieg ziemlich locker einsteckte, lag wahrscheinlich daran, dass er zu dem Zeitpunkt bereits vier Jahre lang Erfahrung mit erfolgreichen Auftritten hatte und diese praktisch schon zu seinem gewohnten Leben gehörten.

Auf Musik fokussiert

Olzhas wurde das Bajanspiel praktisch in die Wiege gelegt. Er ist 1999 in Pawlodar/Kasachstan geboren. Beide Eltern sind Musiker, der Vater Alimkulov Mejrman Nurlanowitsch ist staatlich ausgezeichneter Musikpädagoge der Republik Kasachstan, die Mutter Elena Porchneva Klavierlehrerin. „Meine Karriere als Musiker begann im Alter von sechs Jahren“, erzählt Olzhas Nurlanov. „Der Grund dafür war mein Vater – ein Akkordeonspieler. Von Geburt an hörte ich die Klänge des Knopfakkordeons und sah, wie mein Vater lernte. Da wollte ich ihm wirklich gleich sein – ich wollte wie mein Vater sein. Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich schon das Instrument spielen lernen. Also wurde ich auf eine spezielle Musikschule für hochbegabte Kinder geschickt, die ich in der Bajan-​Klasse meines Vaters absolvierte. Dann trat ich in die Musikhochschule ein, die ich in der Klasse des Verdienten Künstlers von Tatarstan, dem außerordentlichen Professor Damir Rafkhatovich Sultanov, abschloss. Jetzt bin ich 22 Jahre alt und studiere im vierten Jahr an der Russischen Gnessin-​Musikakademie in Moskau in der Klasse von Professor Friedrich Robertovich Lips, Träger des Titels ‚Volkskünstler Russlands‘.“

Ein ziemlich geradliniger Weg hin zum Weltpokal! Zwischen der Videoaufnahme seines Konzertauftritts 2010, wo er als Zehnjähriger den Grand Prix des Internationalen Sibirischen Wettbewerbs junger Akkordeonisten und Bajanisten in Kemerowo (Russland) gewann, und den Aufnahmen vom Coupe Mondiale 2021 (s. Infokasten) liegen gerade mal knappe elf Jahre.

Mit acht nahm Olzhas Nurlanov bereits sehr erfolgreich an Wettbewerben teil. Zuerst 2007 in der russischen Stadt Omsk, wo er den 3. Preis des internationalen Wettbewerbs Lira Priirtyschja gewann und der jüngste Teilnehmer war. Vier Wochen später erhielt er in Astana (Kasachstan) beim internationalen Wettbewerb Astana-​Merej den 1. Preis. Dann ging es Schlag auf Schlag mit Bühnenauftritten in vielen Ländern. Seine künstlerische Vita umfasst inzwischen zahlreiche Auftritte in Russland, Kasachstan, der Ukraine, China, der Slowakei, Deutschland, Frankreich und Italien, zudem die Einspielung einer CD. Er trat vor hochrangigen Persönlichkeiten wie dem Präsidenten der Russischen Föderation W. Putin und dem Ersten Präsidenten Kasachstans N. Nasarbajev auf. Seit Dezember ist er Künstler des russischen, ehemals von V. Gridin geleiteten Staatlichen Akademischen Volksensembles L. Sykinoj (Moskau). Er hat an neun Festivals teilgenommen und acht Solo-​Konzerte in mehreren Städten Kasachstans gegeben.

Mit 21 Jahren war Nurlanov bereits Sieger von mehr als dreißig Wettbewerben, unter anderem des Trophée Mondial de L’Accordéon (Frankreich) und der internationalen Wettbewerbe PIF Castelfiardo (Italien) und Klingenthal (Deutschland).

Mit nur 22, noch als Student an der weltberühmten Gnessin Musikakademie Moskau, beteiligte er sich 2021 am 74. Coupe Mondiale in München, wo er vom ersten Moment an absolute Präsenz, Verinnerlichung und feine Musikalität verbunden mit unglaublicher Virtuosität und kraftvoller Ausdrucksstärke vermittelte. Zum Vortrag in Runde 1 hatte er D. Scarlatti: Sonate C-​Moll, V. Semionov: Prophetic Dream und F. David-​ F. List-​Y. Shishkin: Etüde G-​Moll gewählt. In Runde 2 überzeugte er mit dem kompletten zyklischen Werk Sonate Nr. 3 von V. Solotarjow. In Runde 3, wo in 20 bis 30 Minuten Spielzeit drei oder mehr selbst gewählte Stücke unterschiedlichen Stils und Charakters, davon ein polyphones Stück und mindestens ein Werk aus originaler Akkordeon-​Literatur, vorzutragen waren, hatte er es sich selbst mit seiner Auswahl nicht gerade leicht gemacht: J. S. Bach, Präludium und Fuge aus der Sonate A-​Moll; A. Kusyakov, Images Of The Passing Time, Teile 1, 2 und 12; M. Glinka-​M. Balakirev, Die Lerche, und schließlich von V. Semionov die wahrhaft schwierige Sonate Nr. 1. Dass Nurlanov von der vorgegebenen Programmfolge abweichend mit Kusyakov begann, tat dem gesamten Vortrag gut. Mit merklichen Leistungssteigerungen von Runde zu Runde ging er am Ende mit 23,77 Punkten als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Er gewann den 50 cm großen Wanderpokal, erhielt ein Preisgeld und trägt seit dem 17. Oktober 2021 offiziell den Titel „Weltmeister“!

Links zum Anhören und Sehen

2010 Auftritt mit zehn Jahren

https://www.youtube.com/watch?v=4S7aZptqu5s

2018 Solo Philharmonisches Orchester Moskau

https://www.youtube.com/watch?v=Q941eklng84

2018 Solokonzert

https://www.youtube.com/watch?v=Ng4Wv2W-​EA0

2021 Coupe Mondiale, Runde 1

https://www.youtube.com/watch?v=KlxZaJF1BlQ

2021 Coupe Mondiale, Runde 2

https://www.youtube.com/watch?v=gRdHc8kC3l8

2021 Coupe Mondiale, Runde 3

http://www.accordions.com/cia/2021/video17sncR3.htm

2021 Solisten des Ensembles L. Sykinoj

https://www.youtube.com/watch?v=1RezYoThnx0

2021 Auftritt in Moskau, Dezember 2021

https://www.youtube.com/watch?v=6-​qqb3Y3IGg

Für die künstlerische Laufbahn ist so ein Sieg ein Highlight. Olzhas Nurlanov kommentiert gelassen: „Zunächst möchte ich sagen, dass München eine unglaublich schöne Stadt ist. Sie besticht durch ihre Architektur und ruhige, gelöste Atmosphäre. Es war sehr interessant, den Wettbewerb an einem so schönen Ort zu erleben. Die Organisation war sehr gut, und ich freue mich, dass ich die Ehre hatte, mit einer Delegation aus Russland dabei zu sein, obwohl ich Kasachstan vertreten habe. Leider fanden in diesem Jahr aufgrund der restriktiven Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-​19 keine Konzerte oder Veranstaltungen im Wettbewerb statt. Es gab weniger Teilnehmer, als ich erwartet hatte. Aber trotzdem kamen sehr starke Musiker, die es ernst meinten, sodass der Wettstreit intensiv war. Ich hoffe, dass dieser Wettbewerb und diese Art von Veranstaltungen, bei denen wir uns ausdrücken und Kunst schaffen können, sich weiterentwickelt, und dass Einschränkungen aufgehoben werden.“

„Musik ist mein Credo“

Wie hat er diesen steilen Pfad vom Ziehharmonika-​Knirps zum veritablen Künstler gemeistert? „Musik ist mein Credo“, sagt er. Von klein auf habe er jede freie Minute mit seinem Knopfakkordeon verbracht – freiwillig natürlich, aus eigenem Antrieb. Mit Dankbarkeit und Hochachtung blickt er zurück auf sein erstes großes Vorbild, dem er nacheiferte und das seine Liebe zur Musik förderte. „Als Kind habe ich viel mit meinem Vater gelernt und musiziert. Er hat mich dazu motiviert, sechs Stunden am Tag zu üben. Nur dadurch habe ich eine Disziplin entwickelt, die mir hilft, Sachen zum Abschluss zu bringen. Jedes Konzert, jeder Auftritt bedeutet für mich viel Aufwand, Arbeit und eine Menge Stress. Aber das ist es wert, es erfüllt mich wirklich. Ich merke, dass ich das alles liebe und nicht ohne sein kann.“

Auf der Grundlage dieser Lebenseinstellung gelangt Nurlanov zu seinen außergewöhnlichen musikalischen Erfolgen. Dazu gehört freilich mehr als bloßer Übefleiß. „Die Faktoren, die bei meiner Aufführung von Musik eine Rolle spielen, liegen in erster Linie in meinem Verständnis der Musik“, erklärt er. „Ich studiere und arbeite sehr hart, aber zunächst versuche ich, die Musik von innen heraus zu verstehen und in ihre Essenz einzutauchen. Nur wenn die Musik für mich klar ist, wenn ich sie durch mich hindurchfließen lasse, dann glaube ich, dass ich sie dem Publikum vermitteln kann.“

Diese absolute Klarheit ist spürbar, sobald er mit fast abgeklärt wirkender Professionalität die Bühne betritt, authentisch und eins mit seiner Musik. Dennoch ist er nicht frei von Bühnenangst. „Ich habe wahnsinniges Lampenfieber vor jeder Aufführung“, sagt er. „Man sollte meinen, dass man nach all den Jahren des Auftretens keine Angst mehr haben müsste. Aber mit der Erfahrung lernt man nur, wie man mit dieser Angst umgeht, die Angst selbst wird nicht verschwinden. Es ist eine große Verantwortung für mich, deshalb kann ich es mir nicht leisten, keine Angst vor der Bühne zu haben.“

Weltweit verbunden

Der Kontakt zu seinem Lehrer Damir Sultanov, den er bereits vor seinem allerersten Wettkampf kennenlernte, ist ihm bis heute wichtig. „Unsere Kommunikation hat sich seitdem fortgesetzt, und er hat begonnen, mir bei meinem Studium und meiner Entwicklung zu helfen. Infolgedessen trat ich 2014 offiziell in sein College ein. Damir Rafkhatovich selbst absolvierte die Schule in der Stadt Krivoy Rog und das Konservatorium in Donezk von Professor Anatoly Semeshko.“

Regelmäßig tauscht Nurlanov sich mit Gleichgesinnten aus. „Seit meiner Kindheit kommuniziere ich mit vielen Musikern, die ich auf Wettbewerben kennengelernt habe. Einige wurden zu meinen Mitschülern, mit denen ich sogar auch zusammen in einem Hostel wohne. Bei jedem Wettbewerb habe ich neue Jurymitglieder kennengelernt, Professoren, Künstler, mit denen ich bis heute in Verbindung stehe. Das ist unglaublich wichtig für einen Musiker, insbesondere für Akkordeonspieler, denn unser Instrument ist noch sehr jung und wir müssen zusammenhalten. Es ist notwendig, sich kennenzulernen und in Kontakt zu bleiben. Es hilft, Kunst zu schaffen und das Instrument zu fördern.“

Nurlanov pflegt Beziehungen zu Freunden in aller Welt, so etwa zu Frédéric Deschamps, Renzo Ruggieri, Herbert Scheibenreif, Elisabeth Moser und Franck Angelis. Sein bedeutendster Förderer aber ist zweifellos sein hoch verehrter Professor Friedrich Lips in Moskau. Lips schrieb uns für dieses Porträt:

„Ich habe Olzhas Nurlanov zum ersten Mal im Jahr 2008 gehört, als er beim internationalen Wettbewerb Friedrich Lips Cup, der in meiner Heimat in Tscheljabinsk und Emanzelinsk stattfindet, zwei Preise erhielt. Er war erst acht Jahre alt. Im Jahr 2011, im Alter von zwölf Jahren, hat Olzhas bereits den Grand Prix im selben Wettbewerb erhalten. Ihm wurde ein riesiges Stofftier überreicht und er verließ mit diesem Bären, der größer war als er, die Bühne unter dem Applaus des Publikums.

Olzhas hatte in Kasachstan gute Lehrer: seinen Vater sowie den berühmten Künstler und Lehrer Damir Sultanov. In Moskau hat er bereits bemerkenswerte Ergebnisse erzielt, und jetzt geht es vor allem um die Ansammlung eines Repertoires, die Bildung einer kreativen Individualität. Dafür hat Olzhas Nurlanov das Wichtigste: Talent und Entschlossenheit.“ (Moskau, 3. 11. 2021)

Entschlossen und zielstrebig …

… setzt Weltmeister Olzhas Nurlanov seine Laufbahn zügig fort. Schon kurz nach seinem Welterfolg in München konzertierte er mit neuem Programm in Kirov (Musikfestival Bajan-​Parade, 8.–9. 12. 2021) und in Moskau (Internationales Bajan Festival, 15.–19. 12. 2021). Weitere Auftritte folgen. Auch in Westeuropa stehen Konzerte auf seinem Plan. Wir dürfen gespannt sein!

Auftrittstermine:

20. Februar 2022: Konzert in Minsk/Belarus

6. Mai 2022: Konzert in D–64646 Heppenheim (Info Tel. mobil +49 172 950 2273, Festnetz +49 6201 186526)

8.–14. Mai 2022: 59. Internationaler Akkordeonwettbewerb in D–08248 Klingenthal

Weitere Auftritte bei Festivals, Wettbewerben und Konzerten in Russland und anderen Ländern sind in Planung.