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Enttäuschung digitaler Meldeschein


first class - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 05.12.2019

Der anfänglichen Euphorie um den digitalen Meldeschein folgt nun Ernüchterung. Denn die neue Go komplizierter als gedacht.


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Bildquelle: first class, Ausgabe 12/2019

ZUM AUTOR

Gerhard Weiß ist CEO und CO-Founder der Betterspace GmbH. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren als Digitalisierungsexperte für intelligente Softwarelösungen in der Branche etabliert. Vor der Gründung von Betterspace war der studierte Informatiker und Elektrotechniker im Kompetenzzentrum für Dezentrale Elektrische Energieversorgungstechnik (KDEE) und im Fraunhofer Institut IWES tätig, wo er sich operatives Wissen in den Bereichen Smart Grid, ...

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Gerhard Weiß ist CEO und CO-Founder der Betterspace GmbH. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren als Digitalisierungsexperte für intelligente Softwarelösungen in der Branche etabliert. Vor der Gründung von Betterspace war der studierte Informatiker und Elektrotechniker im Kompetenzzentrum für Dezentrale Elektrische Energieversorgungstechnik (KDEE) und im Fraunhofer Institut IWES tätig, wo er sich operatives Wissen in den Bereichen Smart Grid, Gebäudeenergiemanagement sowie Energiemanagement-Plattformen aneignete.

Digitalisierung macht alles einfacher und entlastet die Mitarbeiter im Hotel – so zumindest die Grundidee. Meldescheine stellen einen enorm hohen bürokratischen Aufwand für Hotels dar, der nicht im Verhältnis zum Nutzen steht. Mit der Anerkennung der digitalen Unterschrift in Mecklenburg-Vorpommern startete das GreenLine Hotel Haffhus in Ueckermünde gemeinsam mit dem Hotel-Digitalisierer Betterspace im Mai 2019 die Digitalisierungsagenda für das Hotel. Im September schien auch auf Bundesebene endlich Bewegung in den digitalen Meldeschein zu kommen.

Doch das von vielen Hoteliers und Gästen erwartete Entbürokratisierungsgesetz entpuppte sich nun zum Bürokratisierungsgesetz für die Hotellerie. Der Gesetzgeber erkennt die digitale Unterschrift nicht an. In vielen anderen Ländern ist die digitale Unterschrift bereits seit Jahren rechtskonform, aber nicht in Deutschland. Erst verschiedene Authentifizierungsverfahren, um den Gast eindeutig zu ermitteln, ermöglichen einen digitalen Prozess ohne Papier. Damit der Check-In zukünftig rechtskonform ist, verlangt der Gesetzgeber einen Identitäts-Nachweis. Hier nennt er zwei Möglichkeiten. Entweder eine starke Kundenauthentifizierung, auch bekannt als Strong Customer Authentication kurz SCA oder die Identifizierung via eID, also der elektronische Identitätsnachweis über den Personalausweis.

Umständliche Lösung

Dirk Klein, welcher dank der Ausnahmeregelung des Bundeslandes Mecklenburg- Vorpommern bereits seit Mai den digitalen Check-In von Betterspace nutzt, erklärt: „Das von der Bundesregierung verabschiedete Gesetz ist nach der Euphorie im September ein herber Rückschlag für die Hotellerie. Ich denke, ich spreche für alle Hoteliers, wenn ich sage, dass wir von den Restriktionen, die das novellierte Gesetz mit sich bringt, enttäuscht sind. Nichtsdes totrotz bin ich sehr zuversichtlich, dass ich gemeinsam mit unserem Technologiepartner Betterspace bald eine Lösung präsentieren kann.” Bereits mit dem ersten Gesetzesentwurf im September wurden sich hierzu ausführliche Gedanken gemacht.

Die eID als Identitätsnachweis in den Check-In-Prozess zu integrieren schien von Anfang an wenig sinnvoll. Zum einen besitzen lediglich neuere Personalausweise diese Funktion und zum anderen kann sie nur mit Hilfe von Kartenlesegeräten und dem entsprechenden eID-Client, beispielsweise der AusweisApp2, auch genutzt werden. Laut Bundesinnenministerium ist aktuell bei rund 25 Millionen Personalausweisen der Chip aktiv.

Anders sieht es bei der Strong Customer Authentication gemäß der neuen Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 aus. Bei der SCA findet die 2-Faktor-Authentifizierung Anwendung. Diese besagt, dass bei elektronischen Zahlungen zwei von drei Faktoren vorliegen müssen. Diese sind „Wissen”, „Besitz” und „Inhärenz”, also etwas, das dem Hotelgast persönlich oder körperlich zu eigen ist, wie der Fingerabdruck. Dies klingt zunächst komplizierter, als es in Realität ist. Typisches Beispiel hierfür ist die Kombination aus Kreditkarte und Pin, das PushTan-Verfahren beim Online-Banking oder auch die Kombination aus Eintrittskarte und Fingerabdruck bei Gebäuden. Im Rahmen der SCA wird hier vom Zahlungsdienstleister ein Security-Token generiert, der als eindeutiger Identitätsnachweis für die Erstellung des Meldescheins verwendet wird.

Alternativer Identitätsnachweis

Betterspace sieht aktuell zwei Möglichkeiten, wie der mit großen Augen erwartete digitale Check-In inklusive des digitalen Meldescheins rechtskonform umsetzbar ist. Bei beiden Varianten spielt nur die SCA eine Rolle, die eID-Funktion wird aufgrund der geringen Reichweite und Nutzung nicht weiter forciert. Damit bis 2020 der digitale Check-In auch endlich in deutschen Hotels Einzug hält, werden aktuell verschiedene Zahlungsanbieter implementiert, denn diese haben bereits Lösungen für die SCA in petto. Dreh- und Angelpunkt beider Varianten ist der bereits erwähnte Token.

Betterspace entwickelt aktuell eine Lösung, bei der unter anderem durch die Zahlung der benötigte Token generiert wird. Es gibt aber auch eine Möglichkeit, bei dem nur eine Autorisierung durchgeführt wird, ohne dass Geld transferiert wird. Die Zahlung kann der Gast dann aber sehr einfach über die WebApp tätigen. Damit wurde ein vollständig digitalisierter Check-In-Prozess geschaffen. Neben der App, verspricht der Lösungsanbieter, kann auch je nach Szenario ein Check-In Terminal für den komplett autonomen Prozess oder alternativ ein Tablet für ein Hotelrezeptions- unterstützendes Verfahren zum Einsatz kommen. „Wir werden für jedes Hotel eine passende Lösung parat haben, die es ermöglicht, den digitalen Check-In inklusive Meldeschein rechtskonform umzusetzen”, versichert Alexander Spisla, Geschäftsführer von Betterspace.

Aktuell passt der Hotel-Digitalisierer Betterspace seine Lösung zum digitalen Check-In und Meldeschein an das am 8. November vom Bundesrat verabschiedete Gesetz an. Der Traum vom unkomplizierten Check-In mittels digitaler Unterschrift, wie es in anderen Ländern üblich ist, ist mit der Verabschiedung des dritten Entbürokratisierungsgesetzes zwar erst einmal ausgeträumt, aber andere Lösungen zum digitalen Check-In des Digitalisierungsexperten für die Hotellerie stehen bereits in den Startlöchern. „Es gibt jetzt eben keine Unterschrift beim digitalen Meldeschein zumindest für Deutschland, sondern einen anderen Identitätsnachweis”, erklärt Alexander Spisla. Erste Erfahrungen mit Hotelgästen und dem rechtskonformen digitalen Check-In sind laut dem Digitalisierungsspezialisten erfolgreich verlaufen. Der digitale Meldeschein kommt also, wenn auch anders als erwartet.