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Entwicklungen bei Schalenobst: Walnuss hat noch Potenzial


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 09.11.2018

Walnüsse werden immer beliebter, denn sie sind gesund – manchem gelten sie gar als „heimisches Superfood“. Was das beispielsweise für die Veredelung oder für die Nussproduktion bedeutet, zeigen die Beiträge auf den folgenden Seiten.


Starke Nachfrage nach Jungpflanzen

Artikelbild für den Artikel "Entwicklungen bei Schalenobst: Walnuss hat noch Potenzial" aus der Ausgabe 11/2018 von Deutsche Baumschule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 11/2018

Besondere Walnuss-Sorten: Juglans nigraLaciniata


„Es gibt seit einigen Jahren einen Boom bei Schalenobst“, sagt Matthias Schott.

Grund sei die steigende Nachfrage nach Nüssen, denn immer mehr Verbraucher legen Wert auf gesunde Ernährung. Hinzu komme, dass die Qualität der Importware – 2015 immerhin rund 24.000 Tonnen – in den letzten ...

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... Jahren häufig nicht gut gewesen sei, so Schott. „Man sieht eben nicht in die Nuss rein.“ Das führte dazu, dass regionale Ware stärker nachgefragt wird.

Demgegenüber steht aber eine überschaubare Anzahl von Nussproduzenten und Veredlern vonJuglans in Deutschland. Daher übersteigt die Nachfrage nach Jungpflanzen derzeit das Angebot, weiß Schott. „Oft kommen Baumschuler zu mir, weil sie anderswo keine Pflanzen mehr bekommen haben. Ich kann aber leider auch nicht immer mit Stückzahlen dienen.“

Juglans regiaLaciniata


Produktion und Absatz

Die Baumschule von Matthias Schott (Sasbach-Leiselheim) ist spezialisiert auf die Produktion von Walnuss- und Haselnussveredelungen. Außerdem bewirtschaftet er eine Ertragsanlage für die Produktion von Nüssen, die er vor allem direkt an Hofläden absetzt. Nicht zuletzt presst Schott auch selber Nussöl mit einer eigens für ihn umgebauten Spindelpresse und bietet Lohnpressungen an.

Seine Walnussveredelungen sind wurzelnackt (November bis März) und ganzjährig als Containerware lieferbar, in Größen von 100/150/200/250 cm und als Hochstämme (8/10/12). Das Sortiment umfasst gängige deutsche Sorten: Nr. 26 (‘Geisenheimer’), Nr. 120 (‘Moselaner’), Nr. 139 (‘Weinheimer’), Nr. 286 (‘Spreewalder’), Nr. 1247 (‘Kurmarker’), ‘Weinsberg 1’ und ‘Esterhazy II’.

JuglansAtropurpurea


Veredelt wird zu 95 Prozent aufJuglans regia .

Schott produziert auch Sämlinge für den Forstanbau:Juglans nigra, J. regia undJ. intermedia. Für die eigene ZüchtungJ. intermedia ‘Reni’ besitzt er sogar die Sortenrechte. Er liefert auch Klonabsaaten an den Forst – die Walnuss unterliegt nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) – und kooperiert mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), von wo er Saatgut der HerkunftJ. regia Dachigam bezieht.

„Es gibt im Übrigen kein Hybrid-Nuss-Saatgut“, räumt Schott mit einer falschen Annahme auf. Für ihn sei das reine Geldmacherei. „Auch wir können nur Schwarznüsse aussäen.“ Die Hybriden finde man erst im nächsten Jahr imJ. nigra -Saatbeet, erkennbar am Phänotyp. Der Anteil an Hybriden schwanke von Jahr zu Jahr. Abnehmer seiner Jungpflanzen sind zu je einem Drittel andere Baumschulen, Obstbauern und Forstämter/Waldbesitzer. Verkauft wird innerhalb Deutschlands sowie nach Dänemark, Belgien, Frankreich, Österreich, Moldawien, in die Schweiz und die Niederlande. „Es kamen auch schon Anfragen aus Südamerika, doch das scheiterte an den strengen Einfuhrbestimmungen.“

Darüber hinaus veredelt Schott auch Raritäten, die von Liebhabern und botanischen Gärten nachgefragt werden:Juglans regia ‘Atropurpurea’ (rotblättrig),J. regia ‘Pendula’ (Hängeform) undJ. nigra ‘Laciniata (geschlitztblättrig).

Walnuss-Experten: Anton (li.) und Matthias Schott im Containerquartier.


Fotos: Schott

Welche Sorten eignen sich?
„Ganz entscheidend für den Erfolg in der Walnusskultur ist die Sortenwahl, die an den jeweiligen Standort angepasst sein muss“, betont Schott. Er setzt ganz bewusst auf Bewährtes: „Kollegen fragen mich manchmal, warum ich immer noch die alten deutschen Sorten produziere – aber es gibt im Grunde für unsere Region nichts Besseres.“

Natürlich gebe es auch gute Sorten aus dem Ausland, etwa die französische ‘Franquette’, aber die würde eigentlich nur im Weinbauklima gut gedeihen. „Nach unserer Erfahrung hat jede Walnusssorte in ihrem Ursprungsland ihre Berechtigung. Wenn man ihre Eigenschaften beachtet, erfüllen alle ihren eigentlichen Sinn: die Fruchtproduktion.“

Seine Sorten sind alle terminale, werden also außer bei den notwendigen Maßnahmen im Jungpflanzenstadium gar nicht geschnitten. Skeptisch ist Schott, ob als klein bleibend beworbene Sorten wie ‘Lara’ oder ‘Europa’ auch wirklich klein bleiben. ‘Fernor’ zum Beispiel werde laut Literatur bis acht Meter hoch, aber das gelte für Böden im Isère-Tal; bei den tiefgründigen Böden im Kaiserstuhl erreiche sie eine Höhe bis 13 m und Kronendurchmesser von 12–15 m.

Und so sei die Frage nach Sortenempfehlungen für den Hausgarten ein zwiespältiges Thema, weil es eben keine wirklich kleinen Walnussbäume gibt und ihr Wuchs stark standortabhängig ist.

Es existieren zwar schwach wachsende Veredelungen aufJ. nigra , die nach einem Jahr in der Baumschule nur etwa sechs Meter Höhe erreichen, jedoch nur rund 15 Jahre alt werden. „Die wachsen erst rasch, sind dann aber auch schnell abgängig.“ Die universellste und damit auch für viele Hausgärten interessante Sorte sei für ihn die Nr. 139: selbstfruchtbar, robust und mittelfrüh austreibend, daher geringes Spätfrostrisiko.

Für den Erwerbsanbau empfiehlt er ebenfalls die 139, außerdem die 120 und 286 – alles großfrüchtige Sorten. Auch die 26 sei möglich, habe zwar etwas kleinere Früchte, sei aber auch robust gegen Spätfröste; sie treibt spät aus. Für die Vermarktung über Hofläden eigne sich die 1247, eine frühe Sorte, die bereits Mitte September in die Lese geht, aber auch anfälliger für Spätfrost sei, jedoch die höchste Winterhärte aufweise (bis minus 25 °C). Während einige Hofläden bereits gezielt nach bestimmten Walnuss-Sorten fragen, fehle bei manchen Kollegen leider noch das Verständnis für Sorten („Walnuss ist Walnuss“), bedauert Schott.

„Harte Nüsse“

Angesichts der guten Nachfrage wäre die Produktion und Kultur von Walnussbäumen auf jeden Fall noch ausbaufähig, meint Schott. Diese sei allerdings nicht so einfach, wie es scheine, denn manche Jahre können schwierig für die Walnuss sein, etwa bei hohem Befall mitMarssonina -Blattflecken. Ohnehin istJuglans nicht leicht zu kultivieren, 40 bis 60 Prozent Ausfallquote nach Veredelung seien keine Seltenheit. Auch mit Anwachsproblemen im Freiland sei zu rechnen.

Letzteres führt dazu, dass in diesem Bereich kaum geforscht wird, obwohl Matthias Schott da großen Bedarf sieht. Zum Beispiel würde er gerne wissen, wann man am besten Kupferspritzmittel einsetzt. „Das kann einem keiner sagen.“ Immerhin hat er die Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa ) mittels Köder-Fallen-Verfahren („combi-protec“) gut im Griff, wie er sagt, der Befall liege bei etwa zwei Prozent.

Die Trockenheit des vergangenen Sommers habe sich im Kaiserstuhl zwar bemerkbar gemacht – nach den etwa 250 mm Niederschlag im Mai/Juni sei praktisch kaum noch etwas gekommen – doch dank seiner tiefgründigen Lössböden hatte Schott zum Glück kaum Probleme. Gießen musste er nur die 2-jährigen Veredelungen und die einjährigen Winterveredelungen.

Es bleibt festzuhalten: Die Walnuss ist eine arbeitsintensive Kultur. „Das ist wohl einer der Hauptgründe, dass sie eine Nische geblieben ist.“

Die Baumschule Schott

• Baumschulfläche insgesamt: rund 10 ha

• Ertragsanlage für Nussproduktion: 3,5 ha

• Neuanlage für Nussproduktion: etwa 5 ha

•Haselnussanlage zur Ertrags- und Sortensichtung: etwa 2 ha
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