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EOSANDERPORTAL IM HUMBOLDT FORUM


Baukultur - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 02.09.2019

Als kulturelles Stadtquartier entsteht das Humboldt Forum im Berliner Schloss mit dem Ziel, den Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft zu fördern. Für die Rekonstruktion der Portaldurchfahrten übernahm die Berliner Stuckateurfirma Sebastian Rost GmbH die Ausführung der Stuck-und Rabitzarbeiten. Dabei arbeitete sie eng mit der Firma Dressler Bau GmbH zusammen, die die Natursteinarbeiten am Portal III ausführte.


Artikelbild für den Artikel "EOSANDERPORTAL IM HUMBOLDT FORUM" aus der Ausgabe 5/2019 von Baukultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Baukultur, Ausgabe 5/2019

Historische Ansicht der Westfassade des Berliner Schlosses mit Portal III – Eosanderportal (Quelle: Album von Berlin, Globus Verlag, Berlin 1904, public domain)


Geschichte
Das Berliner Schloss des ...

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Geschichte
Das Berliner Schloss des Architekten und Bildhauers Andreas Schlüter zählt seit dem 18. Jhrd.zu den bedeutendsten profanen Barockbauten nördlich der Alpen. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, wurde es politisch motiviert 1950 gesprengt und an dessen Stelle der Palast der Republik errichtet. Nach Schließung des Hauses 1990 und nachfolgender Asbestsanierung, die das Gebäude nur noch im Rohbau stehen ließ, entschloss sich der Deutsche Bundestag zum Abriss. Begleitet von der Schlossbaudebatte fiel die Entscheidung für die Wiedererrichtung des Berliner Schlosses mit Rekonstruktion dreier Außenfassaden mit Kuppel sowie dreier barocker Fassaden des Schlüterhofes im historischen Grundriss, um das historische Berliner Zentrum wieder zu einer baulichen Einheit zu führen.

Portal III – Eosanderportal
Für die Orientierung des Schlossbaus nach Westen ist die Rekonstruktion des ursprünglich 1710 von Johann Friedrich Eosander von Göthe nach Vorbild des römischen Konstantinbogens errichteten Eosanderportals unerlässlich, gerade im Hinblick auf die monumentale Durchfahrt, die die äußere Fassade mit den inneren des Schlüterhofes verbindet. Neben der Wiederherstellung der historischen Durchfahrt mit ihren mächtigen Säulen und Pilastern werden auch die Decke, bestehend aus einem großen Tonnengewölbe (ca. 17,0 x 9,5 x 4,8 m Stichhöhe) mit mehrfach verkröpften Gurtbögen, profilierten Spiegelfeldern und gezogenem Ring im Kreuzungspunkt, sowie die kleineren seitlichen Kreuzgewölbe (ca. 8,5 x 8,5 x 1,35 m Stichhöhe) aus sich kreuzenden Tonnen rekonstruiert. Konchen mit begleitenden Spiegelfeldern in den Seitenwänden des Hauptdurchgangs sind wichtige Details bei der Wiederherstellung.

Traditionelle Stuckateurstechnik
Grundlegendes Konstruktionselement der Gewölbe im Portaldurchgang bildet die Rabitzunterkonstruktion, mit deren Hilfe diese komplexen Gewölbeformen an die Betondecke des Rohbaus gehängt wurden. Über Lehrbögen wird ein Grundgerüst aus tragenden Rundeisen, die mit Bindedraht verbunden sind, gespannt. An diesem wurde ein Metallgewebe als Putzträger verdrahtet. Danach folgten Ausdruck und Verputz der Konstruktion mit einem glatt geriebenen Gipsputz. Diese traditionelle Technik des Stuckateurhandwerkes gibt die Möglichkeit, fast frei alle Arten von abgehängten Decken, Gewölben, nichttragenden Wänden, Ummantelungen von Stützen oder Lüftungskanälen feuersicher auszuführen. Sie ist benannt nach Carl Rabitz, der die Technik Mitte des 19. Jhrd.aus Frankreich nach Deutschland brachte und überarbeitete. Vorläufer aus organischem Material wie Holz und Schilf reichen noch weiter zurück.

Anspruchsvolle Aufgaben
Bedingt durch die zu gewährleistende Barrierefreiheit in den über der Durchfahrt liegenden Räumen wurde der eigentlich historische Kreisbogenquerschnitt des Tonnengewölbes der Hauptachse (Ost-West) in einen mehrfachen Korbbogen umgewandelt. Neben der von vornherein anspruchsvollen Aufgabe, die Kreuzgewölbe der Nebenachsen präzise ineinanderlaufen zu lassen und dabei geometrisch korrekte, gerade verlaufende Gewölbegrate zu erhalten, bestand die zusätzliche Herausforderung darin, dieses mit den unterschiedlichen Radien der sich kreuzenden Gewölbe zu schaffen. Hier waren eine sehr genaue Planung und ein 1:1-Aufriss zur Konstruktion der Lehrbögen vonnöten. Dies galt auch für die großen Tonnengewölbe der Hauptachse sowie die kleineren, sich anschließenden Tonnen der Nebenachse, die ebenfalls in Rabitztechnik ausgeführt wurden.
Für das Erscheinungsbild des Portaldurchgangs unerlässlich war die Rekonstruktion der 12 Säulen und 16 Pilaster mit einer Höhe von 9 m aus Naturstein. Bekrönt wurden sie von Kapitellen mit Seitenlängen von 1,4 m aus glasfaserarmierten Gipsfertigteilen, die in Stückformen aus Silikon mit Gips in der Werkstatt hergestellt und vor Ort angesetzt wurden. Als Vorlage dienten Gipsmodelle in Originalgröße, welche in der Schlossbauhütte nach historischen Vorbildern hergestellt worden waren.

Durchgangsdecken Portale I und V
Im Gegensatz zu den Durchgängen am Portal III werden die übrigen Decken der Portaldurchfahrten in reduzierter Formensprache wiederhergestellt, die die Abmessungen der historischen Decken aufgreifen. Auch diese Decken wurden allesamt als abgehängte Drahtputzdecken in Rabitztechnik gefertigt. Die Deckenfelder von Portal I und V greifen stark vereinfacht die Aufteilung der originalen Kassettendecken auf und schließen mit einfachen Vouten zur Wand ab. In den Wänden des Durchgangs wurden ebenfalls die Konchen nach den historischen Maßen mit einer Rabitzunterkonstruktion gefertigt und anschließend glatt verputzt.

Säulenkapitell von Portal III, das als Modell zur Herstellung der Form diente


Foto: © Fa. Rost/Mike Schicht

Portal III während der Bauarbeiten


Fotos: © SHF/Stephan Falk

Fazit
Die Beherrschung historischer Techniken, wie der hier verwendeten Rabitztechnik unter Anwendung, Kombination und Erweiterung durch heutige Herstellungstechniken bzw. Materialien in Einklang mit den Erfordernissen an den modernen Kulturbetrieb ermöglichten eine erfolgreiche Rekonstruktion der Portaldurchfahrten im Humboldt Forum nach historischem Vorbild. Auch heute noch bilden traditionelle handwerkliche Techniken und Materialien die Grundpfeiler für die Arbeit eines guten Stuckateurs, welche sich sehr gut in den heutigen Baubetrieb einbringen und modifizieren lassen.

Johannes Schroeter-Behrens

Kreuzgewölbe in der Nebenachse von Portal III mit eingerichteten Putzlehren auf der gespannten Unterkonstruktion


Foto: © Fa. Rost/Mike Schicht

Tonnengewölbe in der Hauptachse von Portal III mit teilweise fertig hergestellter Rabitzunterkonstruktion


Foto: © Fa. Rost/Mike Schicht