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EPISCHE DRUMS: SPECIAL INTRO: EPISCHE DRUMS


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 31.01.2019

Beat it! Breitwandsound XXL: In diesem Special wird es ziemlich laut, böse und erschütternd. Kaum ein Hollywood-Streifen oder Action-Videospiel kommt ohne packende Musik aus. Dramaturgisch spielen Rhythmen dabei eine entscheidende Rolle. In unserem Special treiben wir das Schlagzeug in die Extreme. Epische Drums – da bebt die Erde!


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Bildquelle: Keys, Ausgabe 3/2019

Die Einsatzmöglichkeiten sind zahlreich. Ob Filmmusik oder Videogame, Trailer oder cinematische Popsongs, Symphonic-Metal oder Soundscapes – epische Drums findet man häufig. Ihr breiter, roher, kraftvoller Sound soll die Zuhörer auf eine ganz eigene Weise berühren. Dabei ...

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... sprechen wir nicht von einem neuen Trend. Ja, Sie denken jetzt: Klar, alter Hut, das gab es in Hollywood-Produktionen schon in den Neunzigern. Nein, wir gehen weiter zurück, viel weiter. Einige hundert Jahre. Schon lange werden Drums eingesetzt, um auf einer emotionalen, körperlichen Ebene ihre Kraft zu entfalten. Das geht über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ganz gleich, ob in Äthiopien die „Negarit“ gespielt wird, um den Herrscher anzukündigen, oder ob im kalten Schottland die Clans mit Kriegsgetrommel aufeinander losstürmen. Ebenso bedienten sich die Samurais im alten Japan der „Taiko-Drums“. Der Gegner sollte eingeschüchtert und die eigenen Kämpfer in einen Aggressivitätsrausch versetzt werden. Kriegs- und Alarmtrommeln dienten der Nachrichtenübermittlung. Schamanen aus allen Kulturen setzten die Trommel als rituelles Instrument ein. Wer unbefugt die heiligen Rhythmen spielte, beging eine schwere Verfehlung und Sünde. Anders als in der europäischen Orchestermusik: Hier wurde der Bereich Schlagwerk häufig sparsam und nur unterstützend eingesetzt. Mal ein bisschen Pauke, Becken oder Triangel für Akzente – die „Musik“, Spannung und Dramaturgie ergab sich aber eher aus Melodie und Harmonie.

Action-Tracks „Out of the box“

Bei epischen Drums, Tribal-Percussion und ähnlichen Gattungen ist hingegen der Schlagzeug-Part das entscheidende Element und der Hauptbestandteil der Komposition. Wie in allen Sparten der Musik gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis von Tradition und Innovation zu schaffen.

Die traditionellen japanischen Taiko-Drums versetzten früher Krieger in den Kampfrausch.


FC: Shutterstock

In diesem Special zeigen wir, wie man solche Tracks im Rechner produziert. Garantiert ohne Ärger mit dem Fürsten, Medizinmann oder Clanchef. Einzig eure Nachbarschaft könnte sich über die Erdbebenklänge aus dem Homes-Studio beschweren. Let’s booooom …
Die Idee, solche Klänge aus dem Rechner zu nehmen, ist nicht neu. Stormdrums der Firma EastWest Sounds war eine der ersten (2004). Inzwischen ist man mit der Version 3 bei Weitem nicht mehr der einzige Anbieter in diesem Marktsegment. Unbeantwortbar wird wohl die Henne-Ei-Frage bleiben: Gibt es heute in so vielen Soundtracks epische Bombast-Drums, weil inzwischen jede Software-Firma ein Produkt in diesem Segment platziert hat oder gibt es so viele Sample-Libraries, weil jeder Film-/Trailer-Komponist heutzutage 50 Prozent seines Scores aus Percussion baut? Taiko-16-tel-Rhythmen, ein paar verminderte Hornakkorde im fortissimo und Streicherhits col legno – und fertig ist der Action-Track.

Akustik in Millionenhöhe

Zahlreiche Plug-ins bieten uns Ensemble-Sounds, Soloinstrumente und Loops en masse. Mal in Stereo, mal in verschiedenen Mikrofonpositionen oder sogar in Surround. Raum ist für Drumsounds wichtig, besonders wenn es episch werden soll. Hier gehen die Ansätze der Hersteller auseinander. Manche sampeln in trockenen Studios (zum Beispiel Vienna Symphonic Library Silent Stage) und erlauben, dass der Anwender selbst Räume hinzufügen kann. Die Samples sind so flexibel nutzbar, lassen sich mit dem Lieblingshall veredeln und – viel wichtiger – frei und leicht positionieren. Stichwort: Tiefenstaffelung und Surround. Andere Anbieter fügen ihren Samples ganz bewusst Raumanteil hinzu. Wie geht das? Ganz einfach: Man sampelt in akustisch hochwertigen Räumen. Das sind Konzertsäle, Scoring-Stages oder edle Topstudios. Sie bekommen also Akustik in Millionenhöhe gleich mitgeliefert. Das klingt beim ersten Anspielen schon imposant, kann aber auch zum Problem werden, wenn der gesampelte Raum nicht zur eigenen Produktion passt. Gerade wenn man verschiedene Libraries (Drums, Percussion, Streicher, Bläser) kombinieren möchte, ist es schwer, ein homogenes Abbild des Raumes zu erschaffen, wenn jede Library aus einem anderen Setting kommt. Der Lösungsansatz ist einfach und genial: Man bietet dem User unterschiedliche Mikrofonpositionen an. Jede Trommel ist mit verschiedenen Setups gesampelt. Close-Mics direkt am Instrument, Stützmikrofone in ein paar Metern Entfernung, ein Decca-Tree-Aufbau an der Dirigentenposition. Der Produzent sucht sich dann die bevorzugen Kanäle aus dem Angebot raus. Dabei ergeben sich zusätzlich interessante Möglichkeiten. Automatisiert man die Mikrofonkanäle in der DAW, kann man zum Beispiel akustisch an ein Instrument heranzoomen. Gerade wenn man mit Bild arbeitet, können durch diese Technik die Szenen auf der Leinwand tontechnisch unterstützt werden.

KEYS INFO: HÖRER-EMPFEHLUNGEN

Auch für dieses Special gibt es wieder Hörtipps. Achten Sie doch einmal darauf, wie das Element Percussion eingesetzt wird und welchen gewaltigen Anteil es an der Gesamtwirkung hat.

Igor Strawinsky, „Le Sacre Du Printemps“, 1931
In diesem Ballettwerk von Igor Strawinsky treibt das Orchester eine junge Frau in den Tod. Das Frühlingsopfer tanzt sich zu Tode. Getrieben von kraftvollen Streicherakkorden und Schlägen großer Konzertbassdrums, Pauken und Becken.

Philip Glass, „Konzertfantasie für Pauke und Orchester“, 2000
Konzerte für Pauke sind relativ selten. Der Komponist Philip Glass hat jedoch Anfang des Jahrtausends ein sehr interessantes Werk dafür geschaffen. Interessant, wie weit Haydns „Sinfonie mit dem Paukenschlag, Nr. 94“ davon weg ist. Aber auch damals ging es schon um eine beeindruckende Wirkung des Schlagwerks.

Hans Zimmer, Soundtrack „Man Of Steel“, 2013
Der deutsche Komponist Hans Zimmer steht wohl wie kein zweiter für Hollywood-Filmmusik. In vielen seiner Werke spielen Drums eine zentrale Rolle. So auch im 2013 erschienenen „Man Of Steel“- Soundtrack. Zimmer lud dafür einige weltbekannte Drummer (u. a. Jason Bonham, Sheila E, Matt Chamberlain, Vinnie Colaiuta) gemeinsam ins Studio ein und erschuf ein nicht unumstrittenes Percussion-Feuerwerk.

Tom Holkenborg a.k.a. Junkie XL, Soundtrack „Mad Max – Fury Road“, 2015
Quasi die extreme, dunkle Seite der Macht aus dem Umfeld Hans Zimmers: Der Soundtrack zum Endzeitfilm von Tom Holkenborg. Der Komponist mischt hier drone-artige Analogsynthesizer-Gewitter mit Trommeln, die geradezu aus der Hölle zu kommen scheinen. Der Soundtrack pumpt und pulsiert, dass es die Kinobesucher aus den Stühlen hebt. Klassische Orchesterinstrumente verstärken den hypnotischen Eindruck zusätzlich.

Die Funktionen der Drum-Sampler variieren. Mit eigenen Sounds zu arbeiten, ist nicht bei allen Sampler-Plug-ins möglich.


KEYS WISSEN: ÜBERBLICK IM FREQUENZ-DSCHUNGEL

Um den Überblick bei Komposition, Arrangement und Mix zu behalten, teilt man die Elemente eines epischen Drum-Tracks in verschiedene Frequenzbereiche ein:

Infraschall-Bereich ist laut Umweltbundesamt zwischen 0,1 Hz und 20 Hz angesiedelt. Da wackelt die Wand oder das Regal. Musikalisch hat dieser Bereich für uns keine Bedeutung, da handelsübliche Boxen diese Frequenzen nicht abbilden können. Im Tonstudiobau kann diesen Schwingungen allerdings große Wichtigkeit zukommen, indem man Räume aufwendig entkoppelt.

DerSubbass-Bereich ist die Heimat von Drones, riesigen Effekttrommeln, Sound-FXs und Synthesizern. Was hier passiert, spürt man mehr, als dass man es hört. In diesem Bereich spielt sich eher emotionale Wirkung als Groove ab. Eine Beurteilung dieses Segments erfordert eine gute Studioabhöre. Die Bässe sollten mindestens bis 30 Hz, besser noch weiter hinunter reichen. An die Raumakustik werden ebenfalls hohe Anforderungen gestellt.

DerLow-End-Bereich wird von Taikos, Concert Bassdrums, Pauken, Surdos und Ähnlichem abgedeckt: Tieffrequente, energiereiche Signale. Die Tonlänge kann inklusive Hallfahne lang sein. Ordentlich gemischt kommt Druck aus den Speakern. Doch Vorsicht: Tiefe Synth- oder E-Bässe tummeln sich hier ebenso. Die tiefste Saite (E) eines E-Basses liegt ungefähr bei 41 Hz, mit einem Sechssaiter geht es sogar noch weiter hinunter.

ImLow-Mid-Bereich befinden sich Tom-Toms, Darbukas, Udus und weitere. Auch hier gibt es richtige Töne, wenn die Trommeln resonieren. Eigenresonanzen der Instrumente können sehr störend wirken. Tiefe Streicher und Blechbläser, verzerrte Gitarren und höhere Bässe tauchen ebenfalls in diesem Bereich auf.

Mid- und Crack-Bereich: Hier tummeln sich Sounds mit hellem kräftigem Attack und kurzen Impulsen. Hierzu zählen zum Beispiel Snares, Cajons, Bongos, Boomwhackers, etc. Ist dieser Bereich zu präsent, kann es beispielsweise sein, dass die Sprachverständlichkeit leidet, wenn Musik unter einen Dialog (Film/Games-Kontext) gemischt werden soll.

High/Metall-Bereich: Im hohen Frequenzspektrum finden sich Hi-Hats, Bells, Triangel, Shaker, Tambourine. Diese Elemente sitzen oft über dem Mix. Im Orchester teilt man sich die Frequenzen mit Glockenspiel oder Piccoloflöte.

Drum-Sampler-Plug-ins

Nicht nur in den Sample-Ansätzen bestehen Unterschiede. Die Bedienung der Plug-ins ist nicht genormt. Wie organisiert man Tausende von Samples so, dass der Produzent schnell das Gewünschte findet? Verschiedene Firmen, verschiedene Antworten. Mal steuert man die Dynamik über das Modulationsrad, mal über den Parameter Expression, mal über frei zuweisbare Controller oder ruft unterschiedliche Dynamik-Layer via Anschlagsstärke (Velocity) oder über verschiedene Tasten auf der Keyboard-Tastatur ab. Verschiedene Schlagtechniken (Ensemble, Solo instrument, Sticks, Mallets, Rolls, Rims) werden manchmal in verschiedenen Oktaven abgelegt, während ein anderer Hersteller auf Key-Switches setzt. Letztlich ist es eine persönliche Sache, womit man am besten zurecht kommt. Nicht alle Hersteller erlauben eine Anpassung und wer mit verschiedenen Libraries parallel arbeitet, muss aufpassen, nicht durcheinanderzukommen.
Varianten bieten uns die Hersteller auch beim Thema Kopierschutz. Ohne Frage müssen Software-Hersteller ihre Produkte schützen. Dafür habe ich als professioneller Anwender vollstes Verständnis.
Letztlich dient es auch dem Schutz meiner Investitionen, wenn nicht jeder Dahergelaufene um die Ecke meine teuer erworbenen Libraries illegal von irgendwelchen Servern zieht. Neuentwicklungen sind nur dann möglich, wenn weiterhin mit Software Geld verdient wird. Dass Kopierschutz nervig sein kann, ok, damit kann ich leben. Dongles oder Challenge-Response-Verfahren sind gängige Methoden. Negativvorreiter sind für mich im Moment Native Instruments mit Native Access. Hierbei ist es nämlich zwingend notwendig, dass der Studiorechner zur Lizenzierung mit dem Internet verbunden wird – ein Unding für professionelle Anwender. Viele Drittanbieter setzen auf Kontakt als Host-Sampler. Vor dem Kauf empfehle ich deshalb einen kurzen Blick in die Kopierschutzbedingungen, um sich vorher zu informieren: Wie ist das Lizenzierungsverfahren? Darf ich die Library nur auf meinem Studiorechner installieren oder ist eine Zweitinstallation auf dem Laptop erlaubt? Welche Einschränkungen bin ich bereit zu akzeptieren?

KEYS INFO: DREI RHYTHMEN

Ihr Groove zündet nicht?
Beherzigen Sie doch mal diese drei Tipps:

1. Binnendynamik verwenden
Kein menschlicher Schlagzeuger spielt jeden Schlag gleich. Jeder Schlag weicht minimal von seinem Nachbarn ab. Das gilt sowohl auf der Ebene des Micro-Timings wie in Sachen Anschlagstärke. Wer seine Rhythmen nicht einspielt, sondern mit der Maus arbeitet, darf kleine Varianten oder Akzente nicht vergessen. Grooves ohne Akzente, Micro-Times und Binnendynamik klingen schnell langweilig.

2. Ungewöhnliche Rhythmen
Es gibt auf dieser Erde soviel mehr als einen 4/4-Takt. Krumme Takte wie 7/8 oder 9/8 ausprobieren! Besorgen Sie sich Bücher über außereuropäische Percussion. Kombinieren Sie nordindische Tabla-Rhythmen mit arabischem Groove. Übertragen Sie Figuren und Patterns in einen anderen Kontext, Probieren Sie ungewöhnliche Subdivisionen wie Quintolen und Duolen!

3. Viel hilft nicht immer viel
Die Pause ist die mächtigste Note. Nicht jedes Percussion-Instrument der Library muss permanent zum Einsatz kommen. Eine rhythmische Balance und eine ausgewogene Frequenz- und Panoramaverteilung sind häufig sinnvoller.

Paukenwirbel sorgen für Spannungsaufbau.


Marke Eigenbau

Wie kommt man sonst noch an neue Sounds? Es müssen nicht immer exotische Trommeln oder klassische Orchester-Percussion sein. Ein traditionelles Drumset kann gleichfalls als Quelle für epische Drums dienen. Verwandeln Sie Ihr Akustik-Set, indem Sie nach neuen Sounds suchen. Stimmen Sie extrem tief, legen ein kaputtes Becken auf die Snare und setzen unterschiedliche Sticks und Schlegel ein. Tragen SieI hr Drumset in eine Tiefgarage, um interessante Reverbs zu bekommen. Alltagsgeräusche sind eine weitere Quelle für ungewöhnliche Sounds. Der heimische Werkzeugkeller oder die Küche bieten viele Klänge. Die weltbekannte Gruppe „Stomp“ machen es in ihren Live-Shows seit den 90er-Jahren vor. Möglichkeiten gibt es viele. Diese Sounds können Sie im Rechner weiterverarbeiten. Transponieren, verhallen, umdrehen oder bis zur Unkenntlichkeit komprimieren. Wer ein Modularsystem im Studio hat, darf sich daran bedienen und die Signale kräftig verschrauben. Gitarrenbodeneffekte laden ebenfalls zu Experimenten ein. Wer kein Drumset zur Hand hat, kann manche dieser Tricks auch auf die Sounds aus einem Drum-Plug-in anwenden. Einzige Voraussetzung: Das Plug-in sollte Einzelausgänge anbieten. Für den Mixdown Ihrer epischen Drums sollten Sie Zeit einplanen. Wir streben einen „larger then life“-Sound an. Wer jemals bei einer echten Orchesteraufnahme dabei war, wird erstaunt sein, dass hier Druck und Bombast nicht unbedingt auf Hollywoodniveau stattfinden, gerade wenn man kein 80-köpfiges Orchester vor sich sitzen hat. Es bedarf also des Griffs in die Trickkiste. EQs und Kompressoren sorgen für mehr Transparenz, Druck und Lautstärke. Echte Orchester-Percussion wird mit Samples gemischt, um mehr Low-End und Attack zu bekommen. Spannende Ergebnisse entstehen, wenn Sie sich mit den Themen Side-Chain oder Parallelkompression befassen. Bei der Side-Chain-Kompression steuert ein Signal, zum Beispiel die Bassdrum, die Kompression eines anderen Kanales. Bei der Parallelkompression werden unkomprimierte und komprimierte Signalanteile gemischt. Gerade Attacks behalten so ein natürliches Klangverhalten, der Druck wird aber trotzdem erhöht. Man nimmt also nochmal anders Einfluss auf die Hüllkurven seiner Drums.Wer die Hüllkurve seiner Signale bearbeiten will, kann selbstverständlich die Transienten gezielt bearbeiten. Der Transient Designer von SPL bietet sich zum Beispiel dafür an. Es gibt ihn als Hardware-Gerät, aber auch als Plug-in. Das klingt nach Arbeit – und das ist es auch. Ihr Mix wird es Ihnen aber danken.

Durch Verwendung unterschiedlicher Drumsticks können die verschiedensten Sounds entstehen.