Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

EQUINES ASTHMA: WENN DIE LUFT WEGBLEIBT


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 43/2020 vom 09.10.2020

Die Weltgesundheitsorganisation gibt an, dass mehr als 339 Millionen Menschen weltweit an Asthma leiden. Und Asthma ist sogar die häufigste nicht übertragbare Krankheit bei Kindern. Doch nicht nur Zweibeiner haben mit der Atemwegserkrankung zu kämpfen - auch unter Pferden steigt die Anzahl der Patienten. Dabei sollte diese Erkrankung auf keinen Fall unterschätzt werden. Pferde können nur durch die Nase atmen, und während des Trainings wird es für Pferde sogar doppelt so schwierig, Luft in die Lungen zu bewegen. Das komplexe Atmungssystem der Pferde ist so konstruiert, dass es große Luftmengen in die ...

Artikelbild für den Artikel "EQUINES ASTHMA: WENN DIE LUFT WEGBLEIBT" aus der Ausgabe 43/2020 von Feine Hilfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 43/2020

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Feine Hilfen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 43/2020 von Klassische: REITKUNST: UNSER ANLIEGEN, UNSERE PASSION!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Klassische: REITKUNST: UNSER ANLIEGEN, UNSERE PASSION!
Titelbild der Ausgabe 43/2020 von VON SPIESSRUTEN, BLÜTEN, UND PILAREN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VON SPIESSRUTEN, BLÜTEN, UND PILAREN
Titelbild der Ausgabe 43/2020 von TREIBENDE HILFEN: BEI FRANÇOIS ROBICHON DE LA GUÉRINIÈRE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TREIBENDE HILFEN: BEI FRANÇOIS ROBICHON DE LA GUÉRINIÈRE
Titelbild der Ausgabe 43/2020 von VORTREIBENDE HILFEN: FRANÇOIS BAUCHER - MEISTER DER „LÉGÈRETÉ“!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VORTREIBENDE HILFEN: FRANÇOIS BAUCHER - MEISTER DER „LÉGÈRETÉ“!
Titelbild der Ausgabe 43/2020 von WALDEMAR SEUNIG: LIEBE FÜRS PFERD & ENTDECKERGEIST. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WALDEMAR SEUNIG: LIEBE FÜRS PFERD & ENTDECKERGEIST
Titelbild der Ausgabe 43/2020 von WENN DER ZÜNDFUNKE ÜBERSPRINGT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WENN DER ZÜNDFUNKE ÜBERSPRINGT
Vorheriger Artikel
FREUNDSCHAFT MIT PFERDEN?
aus dieser Ausgabe

... Lungen hinein- und aus ihnen herausbewegt und so die vielen Prozesse des Körpers antreibt. Während anstrengender Übungen kann ein Pferd bis zu 100 Atemzüge pro Minute machen. Um so wichtiger ist es, dass wir die Atmung unserer Pferde genau im Blick haben und schon kleinste Anzeichen wie Husten oder Schleimbildung ernst nehmen, um Schlimmeres zu verhindern.


In der Studie wurden den Patienten an Nanopartikel gebundene Aminosäuresequenzen inhalativ verabreicht.


(Foto: Heidrun Gehlen)

Fast in jedem Stall gibt es mindestens ein Pferd, bei dem eine chronische Lungenkrankheit diagnostiziert wurde. Das Problem ist in heimischen Boxen und auch in Offenställen weitverbreitet, und trotzdem wird es von vielen Haltern immer noch unterschätzt. Dabei kann Equines Asthma nicht nur die Lebensqualität unserer Vierbeiner enorm einschränken - es kann auch deren Lebenserwartung drastisch verkürzen. Aus diesem Grund sollten wir chronischen Husten bei unseren Pferden nicht auf die leichte Schulter nehmen und uns schon für erste Warnzeichen sensibilisieren. Auch die Forschung ist auf diesem Gebiet nicht untätig, und so gibt es neue Studien, die nicht nur unser Verständnis für die Zusammenhänge und Auslöser erweitern, sondern auch helfen können, betroffenen Pferden Linderung zu verschaffen. So hat eine kanadische Studie jetzt einen Zusammenhang bei Pferden zwischen Asthma und der Darmmikrobiota (Darmflora) gefunden. In einer weiteren Studie geht es um eine erfolgversprechende Immuntherapie. Sie gibt Ärzten und besorgten Pferdehaltern Hoffnung.

Jeder, der schon einmal mit Atemwegserkrankungen zu kämpfen hatte, weiß, wie unangenehm bis schmerzhaft diese sein können. Nicht nur für Zweibeiner können dabei Asthmaanfälle zu einer ernsthaften Bedrohung werden. Auch Pferde leiden physisch und psychisch unter ständigem Husten oder sogar akuter Atemnot. Nichtinfektiöse entzündliche Erkrankungen der Lunge gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Pferden.

Asthma - ein Volksleiden, auch bei Pferden

Schweres Asthma betrifft circa 15 Prozent der Pferde unter normalen Stallbedingungen, und es wird geschätzt, dass bis zu 75 Prozent der Pferde im Laufe ihres Lebens vorübergehende oder anhaltende Episoden von leichtem oder mittelschwerem Asthma aufweisen. In letzter Konsequenz kann vielen der vierbeinigen Dauerpatienten bei fortgeschrittenen Lungenproblemen nicht mehr geholfen werden, und es bleibt oft nur, sie von ihrem Leiden zu erlösen. Dabei ist es bei Atemwegserkrankungen wie bei vielen anderen gesundheitlichen Problemen: Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto eher kann dem Patienten geholfen werden und desto besser greifen die Behandlungsstrategien. Auch die Aufklärung von Besitzern über Einflussfaktoren und Symptome ist ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung equiner Lungenprobleme. Und so haben sich gerade in den letzten Jahren viele Studien mit diesem Thema beschäftigt - mit teilweise vielversprechenden Ergebnissen.

Asthma, COPD, Dämpfigkeit?

Schon die Begriffsdefinition von Equinem Asthma scheint zunächst etwas schwierig, werden Begriffe wie Dämpfigkeit, Bronchitis oder COPD (chronic obstructive pulmonary disease) oft synonym verwendet. Bei Equinem Asthma handelt es sich um eine rezidivierende Atemwegsobstruktion (RAO) und somit um eine Art Überbegriff für die vielen anderen Bezeichnungen. Es handelt sich also um eine chronische Lungenerkrankung, die dem humanen Asthma sehr ähnlich ist. Prof. Dr. Heidrun Gehlen, Fachtierärztin für Pferde mit der Teilgebietsbezeichnung Innere Medizin an der Freien Universität Berlin, beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Thema und hat an zahlreichen Studien teilgenommen. Sie erklärt: „Equines Asthma ist eine unheilbare Lungenerkrankung, bei der es aufgrund einer chronischen Entzündung der Atemwege langfristig zu einer Bronchienwandverdickung, zur Produktion von zähem Schleim in den Atemwegen und phasenweise auftretenden Bronchienverengungen kommt. Dadurch ist der Gasaustausch gestört und die Pferde haben eine Leistungsinsuffizienz.“

Verschiedene Stadien

Erste Anzeichen sind beispielsweise trockener Husten, Leistungsschwäche und erhöhte Atemfrequenz. Dabei wird zunächst zwischen mildem bzw. moderatem Asthma und einer schwereren Form unterschieden. Die schwerwiegendere Form, auch RAO genannt (wiederkehrende Obstruktion der Luftwege), betrifft meist Pferde im Alter ab circa zehn Jahren. RAO ist eine in unregelmäßigen Abständen auftretende Verlegung der unteren Atemwege durch Schleim und Entzündungszellen, die spasmatische Verengung der Bronchien (Bronchospasmus) und Schwellung der Bronchialschleimhäute. Die Atemfläche in der Lunge verkleinert sich, und da die eingeatmete Luft nicht mehr ausgestoßen werden kann, muss die Bauchmuskulatur zu Hilfe genommen werden, was dann durch die sogenannte Dampfrinne an der seitlichen Bauchwand sichtbar wird. Prof. Gehlen: „Dramatisch sind Anfälle von akuter Atemnot. Man spricht dabei auch vom Status asthmaticus, das ist mit einem Asthmaanfall beim Menschen vergleichbar und erfordert ein sofortiges tierärztliches Eingreifen.“ Schon bei ersten Anzeichen wie Kurzatmigkeit, Husten oder einem Leistungsabfall sollte immer ein Tierarzt zurate gezogen werden, denn halten diese Prozesse länger an oder kehren regelmäßig wieder, kann das Lungengewebe dauerhaft und unumkehrbar geschädigt werden. Diese Vernarbungen schränken die Lungenfunktion im schlimmsten Fall derart ein, dass eine Therapie nicht mehr möglich ist und das Tier erlöst werden muss.

Ursachen

Bei Equinem Asthma handelt es sich um eine sogenannte Erb-/Umwelterkrankung. Prof. Gehlen erklärt: „Betroffene Pferde haben eine genetische Prädisposition, dazu kommen aber noch ungünstige Umweltbedingungen bzw. Vorerkrankungen. Ursache des Ganzen ist eine übermäßige Immunreaktion der Lunge auf Umweltallergene wie Heustaub, Staub, Pollen usw., die für andere Pferde unproblematisch sind. Es wird vermutet, dass Pferde mit Equinem Asthma eventuell in jungen Jahren eine Vorschädigung der Lunge hatten (z. B. als Fohlen eine virale oder bakterielle Erkrankung oder als Drei- bis Vierjährige eine akute Entzündung der Lunge), die dann bei einigen Pferden später zum Equinem Asthma führt. Außerdem spielen noch Bewegungsmangel, Genetik, vorangegangene Kehlkopfoperationen und die allgemeine Staubbelastung in modernen Haltungssystemen (Einstreu, Paddock/ Reithallenböden) eine wichtige Rolle. Aber auch die Witterung und das Klima haben einen Einfluss. Bei kühler, feuchter Witterung sind die Symptome häufig deutlich abgeschwächt. Auch Stress (z. B. Turnier) kann die Symptome verstärken.“

Wie komplex die Ursachen und Wechselwirkungen von Equinem Asthma tatsächlich sind, zeigt auch eine neue Studie aus Kanada. Im Rahmen der Studie mit dem Titel „Fecal microbiota in horses with asthma“ (Darmflora von asthmatischen Pferden) fanden die Forscher heraus, dass asthmatische Pferde ihre Darmflora nicht so wie gesunde Pferde an Umweltveränderungen anpassen. Während in der Humanmedizin Zusammenhänge zwischen der Darmflora und den Atemwegsorganen bereits untersucht und nachgewiesen wurden, ist diese Forschung bei Pferden noch sehr neu.

Das Team der Université de Montréal in Québec untersuchte Veränderungen der Darmflora bei sechs asthmatischen Pferden und sechs gesunden Kontrollpferden aus demselben Betrieb. Zunächst analysierten sie Kotproben der Pferde nach drei Wochen auf der Weide und dann erneut, nachdem sie in den Stall gebracht und entweder mit Heu guter Qualität oder mit staubigem Heu gefüttert worden waren. Dabei stellten sie fest, dass die asthmatischen Pferde, wie erwartet, eine für Asthma typische Atemwegsobstruktion entwickelten, wenn sie in den Stall gebracht wurden, und dass sich die Symptome durch staubiges Heu verschärften. Sie stellten jedoch auch fest, dass asthmatische Pferde nach dem Umzug in den Stall andere Veränderungen ihrer Darmflora aufwiesen als nichtasthmatische Pferde. Bei den gesunden Pferden kam es nach der Umstellung zu einer Zunahme von Fibrobacter, einer Gruppe von Bakterien, die Zellulose abbauen - dies war bei den Pferden mit Asthma nicht der Fall. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen konnten im Rahmen der Studie zwar zunächst noch nicht weiter untersucht werden, doch Studien wie diese geben HoffPFERD nung, dass sich mit weiteren Erkenntnissen auch die Behandlungsoptionen verbessern.

Oft müssen unterschiedliche Therapieformen ausprobiert oder kombiniert werden, bis sich erste Erfolge einstellen. Hier befindet sich das Pferd in einer Solekammer.


(Foto: Tanja Rühter-Böttger, www.rehedyk.de)

Forschungsstand und Behandlung

Hinsichtlich bisheriger Therapieformen erklärt Prof. Gehlen: „Die klassische Behandlung besteht aus der Verabreichung von Kortison (Glukokortikoide als Inhalation oder Pulver/ Tabletten) gegen die Entzündung, Bronchienweitstellern und Schleimlösern. Die Behandlung ist nur symptomatisch, das heißt, die Symptome verschwinden kurzfristig oder werden gemildert. Die Erkrankung heilt durch die Medikamente nicht aus.“ Vielversprechend ist dabei der neue Therapieansatz mit immunmodulatorischen Präparaten. Gehlen und ein deutsches Forscherteam sahen in ihren vielfältigen Studien auf diesem Gebiet eine langfristige Verbesserung der Symptome durch die Immuntherapie: „Die Therapie zielt darauf ab, die Immunantwort des Pferdes umzukehren bzw. abzuschwächen. Dabei werden immunstimulatorisch wirkende Aminosäuresequenzen an Nanopartikel gebunden und dem Patienten inhalativ verabreicht“, so Gehlen. Die inhalative Nanopartikel-gebundene Cytosin- Phosphat-Guanosin-(CpG-GNP-) Immuntherapie hatte, unabhängig von spezifischen Allergenen, bereits in früheren Studien vielversprechende klinische und immunologische Ergebnisse gezeigt und bietet die potenzielle Möglichkeit, die zugrunde liegende Ursache der Erkrankung zu behandeln.

Auf immunologischer Ebene konnte in Studien sowohl eine entzündungshemmende als auch eine immunmodulierende Wirkung beobachtet werden. Der Ansatz wird von den Wissenschaftlern weiterverfolgt, da er nicht nur betroffenen Pferden helfen könnte, sondern auch einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung in der Humanmedizin bietet. Es gibt außerdem die Möglichkeit, bei Pferden mit Asthma einen Allergietest durchführen zu lassen und anschlie ßend eine Desensibilisierung gegen festgestellte Allergene nach humanmedizinischem Vorbild zu vollziehen. Doch obwohl die in der Humanmedizin bei Allergien oft erfolgreich eingesetzte „Hyposensibilisierung“ in einigen Studien bereits erste Erfolge in der Behandlung von Pferden aufweisen konnte, steckt die Forschung auf diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen. Bei Equinem Asthma handelt es sich um eine allergieähnliche Immunreaktion, also nicht um eine klassische Allergie, sondern vielmehr um eine Reaktion auf viele verschiedene Antigene, was eine spezifische Desensibilisierung erschwert.

Da die Krankheit selbst nach derzeitigem Stand nicht geheilt werden kann, liegt der Fokus vor allem auch auf einer Minimierung der Symtome. Prof Gehlen erklärt: „Das Wichtigste für Pferde mit Equinem Asthma ist eine optimierte Haltung und Fütterung, das heißt möglichst staubfrei/staubarm. Heu sollte angefeuchtet, gewässert oder bedampft werden. Stroh sollte ganz vermieden werden. Kehren der Stallgasse nur, wenn das Pferd nicht in der Box steht. Staubige Böden meiden usw.“ Auch Jean-Pierre Lavoie, stellvertretender Dekan der Fakultät der Veterinärmedizin an der Universität von Montreal und Direktor des Equine Asthma Research Laboratory - einem Zusammenschluss internationaler Forscher -, sieht in der Reduzierung der Allergene eine Priorität: „Die Beseitigung der Exposition gegenüber den auslösenden Antigenen ist der Eckpfeiler bei der Behandlung von Pferdeasthma aller Schweregrade. In der klassischen Form wird dies am besten erreicht, indem die Pferde auf der Weide oder in einer Koppel mit Heualternativen (Heuwürfel oder -pellets, Heulage …) gehalten werden. Wenn dies nicht mit Medikamenten kombiniert wird, kann es jedoch bei einigen Pferden Wochen bis Monate dauern, bis die klinischen Symptome unter Kontrolle sind. Kortikosteroide sind die wirksamsten Medikamente zur Kontrolle der klinischen Symptome und werden vorzugsweise durch Inhalation und in Kombination mit einer kontrollierten Umgebung verabreicht. Die Bronchodilatatoren werden am häufigsten vor dem Training verabreicht, um die Atmung des Pferdes zu erleichtern.“

Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto besser: Auch scheinbar harmlose Symptome sollten nicht ignoriert werden. Erweiterte Nüstern sind ein deutliches Alarmzeichen.


(Foto: Sandra Lamberti)

Fazit

Auch nach derzeitigem Kenntnisstand ist ein Allheilmittel demnach noch nicht in Sicht. Und doch liegt es - wie so oft - in der Verantwortung von uns Haltern und Reitern, Symptome früh zu erkennen und ernst zu nehmen, um das Leiden der Vierbeiner möglichst gering zu halten. Schon bei ersten Symptomen sollte ein Tierarzt gerufen werden, und Pferde mit Asthma müssen ihr Leben lang genau beobachtet werden. Prof. Gehlen: „Es muss immer damit gerechnet werden, dass sich der Zustand der Patienten - auch nach Diagnosestellung und zunächst erfolg reicher Therapie - wieder akut verschlechtern kann und auch insgesamt die Erkrankung im Laufe der Jahre schlechter wird - progressiver Verlauf. Auch aus diesem Grund ist eine frühe Diagnose sehr wichtig. Doch diese kann nur der Tierarzt stellen, und zwar neben der klinischen Untersuchung durch eine Endoskopie der Atemwege, die Entnahme von Schleimproben und die anschließende, zytologische Untersuchung derselbigen. Der Einsatz von Antibiotika bei Equinem Asthma ist nicht sinnvoll.“ Ignoriert man die Symptome oder lässt die Behandlung schleifen, kann dies gravierende Folgen haben. So warnt auch Jean-Pierre Lavoie: „Unsere Studien zeigen, dass es zu schweren Veränderungen - Läsionen - in der Lunge von Pferden mit schwerem Asthma kommen kann und dass diese selbst bei langanhaltender Optimierung der Haltung und Verabreichung von Kortikosteroiden nur teilweise reversibel sind. Es ist daher von größter Wichtigkeit, den Zustand frühzeitig zu diagnostizieren.“

SYLKE SCHULTE

… Jahrgang 1980, studierte Anglistik und Germanistik an der Universität Bremen und verband nach ihrem Studium ihre Leidenschaft für Tiere mit ihrem Beruf. Als freie Journalistin arbeitet sie seit 2007 für diverse Pferde- und Hundemagazine und möchte so einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis zwischen Tier und Mensch.

www.diesprachpraxis.de

PROF. DR. HEIDRUN GEHLEN

… ist Fachtierärztin für Pferde, Diplomate des European College of Equine Internal Medicine, Zusatzbezeichnung Innere Medizin beim Pferd. Seit 2011 ist Heidrun Gehlen Professorin für Innere Medizin des Pferdes an der Klinik für Pferde, Allge- meine Chirurgie und Radiologie der FU Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kardiologie und Leistungsphysiologie. Sie selbst hatte schon Pferde mit Asthma, was ihr Interesse an diesem Krankheitsbild weckte. Seitdem nahm sie an zahlreichen Studien zu dem Thema teil.

JEAN-PIERRE LAVOIE

ist stellvertretender Dekan und Professor an der Fakultät für Vetärinärmedizin, der Abteilung für Klinische Wissenschaften an der Universität Montreal, und außerordentlicher Professor der MgGill-Universität. Er ist außerdem Gründer der Forschungsorganisation Asthme Équin, die aus einem internationalem Forscherteam besteht, das sich mit der Erforschung und Behandlung Equinen Asthmas beschäftigt. Mehr über die sehr interessanten Forschungsprojekte findet sich unter

http://asthmeequin.com/