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Erben und Vererben leicht gemacht: miteinander redden: Erben und Vererben leicht gemacht: miteinander reden


Die Mediation - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 28.03.2019

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Wer erbt, sollte sich glücklich schätzen. In der Regel erhöht sich durch eine Erbschaft das eigene Vermögen. In Deutschland werden nach Schätzungen jedes Jahr mindestens 200 Milliarden Euro durch Vererbung weitergegeben. Einige Experten beziffern das tatsächliche Erbvolumen in Deutschland sogar auf 385 Milliarden Euro (Tiefensee / Grabka 2017: 569).

Dass es angesichts solch gewaltiger Beträge zu Konflikten kommt, ist wenig verwunderlich. In der Praxis sind Auseinandersetzungen über die Verteilung des Erbes zumal für Notare und Rechtsanwälte an der Tagesordnung. Fast alle Experten, die im Rahmen der StudieMediation in cross-border succession conflicts and the effects of the „Succession Regulation“ des EU-Projekts FOMENTO interviewt wurden, gaben an, dass Gerichtsverfahren in Erbsachen sehr langwierig sein können. Eine Verfahrensdauer von 10 bis 15 Jahren ist keine Seltenheit. Damit der Gang vor Gericht Familien nicht auf Dauer zerrüttet, lohnt es sich, alternative Schlichtungsformen anzuwenden.

Was steckt hinter Erbkonflikten?

Abb.: Interviewpartner der FOMENTO-Studie (Anzahl nach Berufen; Quelle: Barth et al. 2018).


Anhand der Experteninterviews wird deutlich, dass dem Streit über eine Erbschaft oft verletzte Gefühle zugrunde liegen. Dies kann von versteckten Vorwürfen und Anschuldigungen bis hin zur Familienfehde reichen. Nicht zuletzt geht es bei Erbstreitigkeiten meist um Geld und das bringt bekanntlich oftmals unschöne Wesenszüge der Menschen zutage. Viele Familien hätten nie gedacht, dass sie sich einmal über Geld streiten würden, aber gerade dann, wenn viel Geld im Spiel ist, kommen Konflikte über die Verteilung in den besten Familien vor.

Zwar gibt es gesetzliche Regelungen oder den letzten Willen des Verstorbenen, durch den die Verteilung des Erbes bestimmt wird. Doch diese wird häufig als ungerecht empfunden und angefochten. Die möglichen Konfliktquellen sind zahlreich: die Bewertung von Schenkungen zu Lebzeiten, das Einklagen des Pflichtteils, der Umgang mit Immobilien innerhalb einer Erbengemeinschaft usw. Besonders komplex wird es, wenn ganze Unternehmen vererbt werden (siehe hierzu den BeitragDie Unternehmensnachfolge sichern – mit Mediation, in:Die Mediation , Ausgabe 1 / 2019, S. 52–55). Dabei ist es den Aussagen der Interviewten zufolge nicht immer befriedigend, auf dem eigenen Rechtsanspruch zu beharren und diesen vor Gericht durchzufechten. Viele Anwälte berichten, dass die Lebensqualität ihrer Mandanten während eines Gerichtsverfahrens leidet, dass die Erben nicht mehr schlafen können und die Gräben innerhalb der Familie tiefer werden. Dem kann Mediation vorbeugen. So berichtet ein deutscher Anwalt und Mediator davon, wie erleichtert Medianden waren, nachdem sie sich geeinigt hatten:

„Mitunter gehen die Leute so auch strahlend aus diesen Gesprächen raus und sind total glücklich, dass sie jetzt zwar viel weniger an Vermögen abbekommen haben als ihnen theoretisch zustehen könnte, aber dafür haben sie anschließend mit dem Klotz am Bein, dem Unternehmen, nichts mehr zu tun und Frieden mit der Familie.“

Ein polnischer Anwalt und Mediator bestätigt weiterhin, dass durch Mediation eine als gerecht empfundene Lösung erreicht werden kann. Ein oft vorgebrachter Vorwurf an Geschwister und Miterben ist: „Du hast dich nie um Mutter / Vater gekümmert und jetzt stellst du auf einmal Ansprüche!“ Hier ist wiederum das Mediationsverfahren ein guter Ansatz, um neben gesetzlichen Ansprüchen genau solche Vorwürfe aufzugreifen und die dahinterliegenden persönlichen und emotionalen Interessen in den Mittelpunkt zu rücken.

Entscheidend ist die Zusammenarbeit von Juristen und Mediatoren

Die Kunst der Erbmediation besteht darin, emotionale Hintergründe wie die Familiengeschichte oder den Trauerprozess mit einzubeziehen und gleichzeitig die rechtlichen Regelungen nicht außer Acht zu lassen. Selbst wenn ein Mediator gleichzeitig Jurist, ja sogar auf Erbrecht spezialisiert ist, so verbietet ihm das Gebot der Neutralität, eine Rechtsberatung zugunsten einer der Parteien durchzuführen. Die befragten Experten schilderten, dass dies eine große Herausforderung sei, da manche Klienten erwarteten, beides zu bekommen: eine Mediation und gleichzeitig eine anwaltliche Beratung.

Eine weitere Interviewfrage war, ob und inwieweit es notwendig ist, als Mediator über juristische Kenntnisse im Erbrecht zu verfügen. Bei der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen der Experten auseinander: Während einige betonen, dass solche Kenntnisse unabdingbar seien, meinen andere, diese würden eher hinderlich sein, um die hinter dem Konflikt stehenden Bedürfnisse und Interessen herauszuarbeiten.

Einhelliger Meinung sind die Interviewten jedoch dahingehend, dass eine gute Kooperation zwischen den Beratern von entscheidender Bedeutung für das Gelingen des Mediationsprozesses ist. Als Vorteil gilt dabei, wenn die beteiligten Juristen gegenüber einer Mediation positiv eingestellt sind.

Auch sollten Berater an den richtigen Stellen in den Prozess mit einbezogen werden. Es sei wichtig, dass alle Parteien die rechtliche Ausgangslage und ihre Rechte kennen. Erst mit deren Kenntnisnahme könnten sie nämlich auch von ihren Positionen wieder abrücken. Sollte während eines Mediationsprozesses deutlich werden, dass sich die Erben dem letzten Willen des Verstorbenen nicht beugen wollen, so ist es möglich, eine neue Erbverteilung zu vereinbaren – vorausgesetzt, alle Beteiligten stimmen dem zu.

Optimale Konfliktvermeidung: die Mediation vor dem Erbfall

Um Konflikte nach dem Tod des Erblassers zu vermeiden, empfiehlt die Mehrheit der Befragten eine Mediation vor dem Erbfall. Diese läuft auf eine Art Generationengespräch hinaus. Bei einer solchen „Vor-Mediation“ hat der zukünftige Erblasser die Chance, auch die Wünsche, Pläne und Ziele seiner zukünftigen Erben zu erfragen und seine Beweggründe zu schildern. Hier seien vor allem die Anwälte gefordert, so ein polnischer Anwalt und Mediator, die Vorteile eines solchen moderierten Gesprächsprozesses aufzuzeigen. „Oft ist die Grundlage für Streitigkeiten die Heimlichkeit, mit der ein Testament aufsetzt wird“, vermutet ein österreichischer Anwalt. Stattdessen sei es sinnvoll, die Verteilung des Erbes off en zwischen allen Beteiligten zu besprechen.

Es lohnt also, sich proaktiv an die Th emen Tod und Erbe heranzuwagen. Wer wirklich das Beste für seine Familie und die Erben will, sollte frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen. Gleichzeitig kann Mediation dafür sorgen, dass langwierige und zermürbende Verteilungskonflikte in Erbsachen vermieden werden. Zu diesem Zweck sollten sich Anwälte und Mediatoren stärker vernetzen und zusammenarbeiten. Darüber hinaus gilt es, die Bedeutung von Mediation auf dem Gebiet des Erbens und Vererbens intensiv zu vermitteln. Diese Ziele verfolgt auch das EU-Projekt FOMENTO.

Literatur

Barth, Gernot et al. (2018): Research Report: Mediation in cross-border succession conflicts and the effects of the „Succession Regulation“. Online abrufbar unter: https://www.fomentonet.eu/de/resources-type/projektergebnisse-de/.
Tiefensee, Anita / Grabka, Markus M. (2017): Das Erbvolumen in Deutschland dürfte um gut ein Viertel größer sein als bisher angenommen. In: DIW Wochenbericht. Online abrufbar unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.560982.de/17-27-3.pdf.

Schon gewusst?

Erbstreitigkeiten nehmen zu

Erben ist für mehr als die Hälfte der Deutschen ein großes Thema. 52 Prozent der Bevölkerung haben laut einer Studie des IfD-Allensbach im Auftrag der Deutschen Bank bereits geerbt oder gehen davon aus, dass dies in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten der Fall sein wird. 78 Prozent der Menschen ist dabei am wichtigsten, dass es keinen Streit gibt und die Verteilung klar geregelt ist. Fast drei Viertel der Personen, die schon einmal geerbt haben, gaben an, dass Letzteres bei ihnen zutraf, bei mehr als der Hälfte (59 %) lagen alle erforderlichen Dokumente vor. Dennoch ist die Zahl der Erbstreitigkeiten in den letzten Jahren sukzessive gestiegen: Derzeit führt etwa jede fünfte Erbschaft zum Konflikt. Mögliche Gründe dafür liegen in der fehlenden Kommunikation über das Thema: Bei nur gut einem Drittel der Befragten wurde vorher offen (35 %) oder frühzeitig (34 %) mit allen Beteiligten über die Erbschaft gesprochen.

Quelle: Deutsche Bank (2018): Erben und Vererben. Online abrufbar unter: https://www.deutsche-bank.de/dam/deutschebank/de/shared/pdf/Studie_final.pdf.

Ansprechpartner

Sie interessieren sich für Erbmediation:
Steinbeis-Beratungszentrum Wirtschaftsmediation
www.steinbeis-mediation.com | Tel.: 0341/224 86 61

Judith Pfützenreuter (M.A.)

Kulturwissenschaftlerin, Mediatorin, Projektmitarbeiterin des EU-Projekts FOMENTO und Mitautorin der Studie Mediation in cross-border succession conflicts and the effects of the „Succession Regulation“.


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