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Erfolg mit Fotografie


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 11.04.2019

Kann man mit der Fotografie seinen Lebensunterhalt bestreiten, obwohl man gar nicht als Berufsfotograf arbeitet?Patrick „Paddy“ Ludolph hat mehrere Wege gefunden und sieChristoph Künne im Interview verraten.


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Bildquelle: DOCMA, Ausgabe 3/2019

DOCMA: Patrick, du bestreitest seit 2010 deinen Lebensunterhalt durch Fotografie, bist aber nur zeitweise wirklich Berufsfotograf gewesen – wie geht das?
PATRICK LUDOLPH: Hauptsächlich durch die Kombination von Workshops, Video-Tutorials, einem Blog, Lehrbüchern, einem eigenen Magazin, der Auswertung vorfinanzierter Reportage-Projekte, Jobs für die Fotoindustrie und ein paar Hochzeiten pro ...

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DOCMA: Patrick, du bestreitest seit 2010 deinen Lebensunterhalt durch Fotografie, bist aber nur zeitweise wirklich Berufsfotograf gewesen – wie geht das?
PATRICK LUDOLPH: Hauptsächlich durch die Kombination von Workshops, Video-Tutorials, einem Blog, Lehrbüchern, einem eigenen Magazin, der Auswertung vorfinanzierter Reportage-Projekte, Jobs für die Fotoindustrie und ein paar Hochzeiten pro Jahr.

DOCMA: Fangen wir bei den Hochzeiten an – die haben ja noch am ehesten mit Berufsfotografie zu tun.
PATRICK LUDOLPH: Das war für mich auch sicher der Teil meiner Biografie, der am „professionellsten“ mit Fotografie zu tun hatte. Im Guten wie im Schlechten. Aber um das zu verstehen, muss man vielleicht meine Vorgeschichte kennen. Bei einem Studienaufenthalt in den USA hatte ich in den 90er Jahren die Fotografie entdeckt und sogar in meinem Zimmer eine kleine Dunkelkammer eingerichtet. Bald gab es jedoch spannendere Sachen in meinem Leben und das Interesse an den selbstentwickelten Schwarzweißbildern ging etwas verloren. Viel später, so um 2008, ich stand längst im Berufsleben, kaufte ich mir eine digitale Spiegelreflexkamera und verliebte mich jetzt richtig in die Fotografie. Kostenseitig ein Fass ohne Boden, denn es bleibt dann ja nicht bei einem Kit-Objektiv und einem Aufsteck-Blitz. Ich erkannte schnell, dass man mit Hochzeitsbildern auch als Semi-Profi gutes Geld verdienen konnte.

DOCMA: Das klingt ja wie die Erfüllung des größten Wunsches vieler Fotoamateure. Was waren dann die schlechten Seiten?
PATRICK LUDOLPH: Bleiben wir erstmal bei den guten: Ich verdiente zu der Zeit mein Geld als SEO-Spezialist, also als jemand, der Webseiten für Suchmaschinen optimiert.

Beim Durchstarten als Hochzeitsfotograf 2009 half mir das ungeheu- er, denn ich konnte mich – dank meines Online-Marketing-Wissens – in kurzer Zeit mit relativ wenig Aufwand bei Google als „der“ Hochzeitsfotograf im Raum Hamburg positionieren. Das war im Grunde ein super Geschäft: Du machst am Wochenende eine, im Idealfall zwei Hochzeiten, in den besten Zeiten gab es rund 3000 Euro pro Job. Die Hauptsaison hat 25 Wochenenden zwischen Mai und Oktober …

DOCMA: Fraglos ein lukratives Geschäft – aber?
PATRICK LUDOLPH: Wenn man das Geschäft als Ganzes sieht, ist es nicht mehr so toll: Nach zwölf Stunden für die Hochzeitsreporta- ge kommst du mit 2000 Fotos zurück. Die müssen erst mal auf etwa 500 reduziert werden. Dann folgt die Nachbearbeitung – schließlich wollen die Leute ja zumindest auf ihren Hochzeitsbildern so richtig gut aussehen. Danach geht es an die Endprodukte: Einzelbilder, Diashow, Hochzeitsbuch – zusammen ist man damit auch noch mal zwei bis drei Werktage beschäftigt. Bei zwei Hochzeiten am Wochenende ist die folgende Woche also auch gut gefüllt. Als Hochzeitsfotograf habe ich von 2009 bis 2013 gearbeitet. Ziemlich exzessiv – in einem Jahr mit 35 ausgebuchten Wochenden. Darunter leidet natürlich das soziale Leben. Doch zeigten sich auch bald die unangenehmen Nebenwirkungen: Je mehr Honorar ich verlangen konnte, desto schwieriger wurde die Kundschaft. Statt um Stimmung ging es den Leuten immer mehr um Status. Sie erwarteten, dass man für Geld alles bekommen kann – auch ohne sich selbst anstrengen zu müssen. In manchen Bereichen mag das funktionieren, bei der eigenen Hochzeit geht das eher nicht. Bis heute sehe ich in der Hochzeitsfotografie einen riesigen Vorzug: Die Ergebnisse haben für die Menschen eine immens große Bedeutung. Als Foto an der Wand oder auf dem Fernseher begleiten sie viele oft Jahrzehnte durchs Leben. Die Kehrseite ist aber, dass es für den Fotografen jedes Mal das Gleiche ist. Man kommt sich irgendwann vor wie ein Klempner, der eine Dienstleistung erbringt. Handwerk ist gut und schön, aber kreativ ist anders.

DOCMA: Welche Konsequenz hast du daraus gezogen?
PATRICK LUDOLPH: Weniger Hochzeiten und mehr Standbeine. Heute mache ich vielleicht noch sechs bis zehn Hochzeiten im Jahr, diese dann aber mit sehr viel Freude an der Sache. Verändert hat sich auch mein Ansatz: Früher stand für mich die technische Perfektion mit Studiolicht und Assistenz im Vordergrund. Aber in der Rückschau würde ich vermuten, dass diese Strategie für mich wichtiger war als für meine Kunden. Heute nutze ich viel weniger Technik und achte hier auf den richtigen Moment. Da ist es mir dann auch egal, ob die Fotos etwas körniger sind und leichte Bewegungsunschärfen zeigen. Hauptsache, das Gefühl und die Stimmung sind transportiert. Der wirtschaftlich wichtigere Schritt waren aber die zusätzlichen Arbeitsgebiete.

DOCMA: Du hast dann angefangen zu bloggen und Workshops anzubieten?
PATRICK LUDOLPH: Na, wenn man es genau nimmt, hatte ich beides schon vor meiner Hochzeitsfotografenzeit angefangen. Danach habe ich es nur verstärkt in den Fokus genommen. Schon bevor ich die Fotografie neu entdeckte, erforderte mein Job eine eigene Experimentierplattform im Web. Ich startete erste Versuche als Blogger und schrieb über die Top-Themen der Zeit: Pornos, Poker und Pillen. Dabei ging es nicht um Inhalte, sondern darum, mit diesen Artikeln und einer geschickten Verschlagwortung Besucher auf die Seite zu bringen. Nachdem ich selbst eine DSLR gekauft hatte, fragten mich Freunde um Rat bei der Auswahl und dem Erwerb von Fotoequipment. Ich entdeckte dabei meine Qualitäten als Technik-Erklärer, stellte meinen Experimentier- Blog neunzehn72.de mit der Zeit um und begann meine persönliche Wiederentdeckung der Fotografie zum Thema zu machen. Mit solch „richtigem“ Content kamen dann plötzlich täglich nicht nur 50 angelockte, sondern 800 regelmäßige Besucher auf meine Seite. Ähnlich war es mit den Workshops: Schon vor meiner Karriere als Hochzeitsfotograf veranstaltete ich Kurse als Fotografie-Erklärer, die – wieder dank wirkungsvollem Online-Marketing – oft sehr schnell ausverkauft waren. Allerdings hatte ich damals noch keine eigenen Räumlichkeiten und nutzte am Wochenende das Wartezimmer des Arztes, bei dem meine Frau angestellt war.

DOCMA: Konnten denn der Blog und die Workshops die fehlenden Einnahmen aus der Hochzeitsfotografie ersetzen?
PATRICK LUDOLPH: Phasenweise schon, aber die Geschäfte in diesem Bereich sind großen Schwankungen und vielen Veränderungen unterworfen. Es war nie ein Entweder-oder. Das lief immer alles parallel. Mal mehr, mal weniger. Zum Beispiel ließ sich eine Zeit lang viel Umsatz mit Produktbesprechungen und Affiliate-Links verdienen. Das ist aber vorbei. Es gibt immer wieder für eine oft nur kurze Zeit Möglichkeiten, aber die muss man dann schnell erkennen und bedienen.

So nur im Shop bei neunzehn72.de erhältlich: Das neue Buch von Patrick Ludolph mit Hörbuch-Option.


DOCMA: Was wäre das zum Beispiel?
PATRICK LUDOLPH: Nehmen wir mal die Lernmedien. Mit meinem Schritt in die Selbständigkeit 2010 entstand in der nun großzügig bemessenen Unter-der-Woche- Freizeit ein Buch über Lightroom 3. Davon konnte man damals noch rund 5000 Stück verkaufen, obwohl zu diesem Zeitpunkt Lightroom 4 schon vor der Tür stand. Heute wären es vielleicht noch 1 500 Bücher bei dem Thema. Und auch die damaligen 5000 Bücher waren nicht so gut bezahlt, dass ich eine Überarbeitung für Lightroom 4 schreiben wollte. 2012 kam mir dann die Idee, statt eines weiteren Buchs ein Video zu Lightroom 5 zu machen. Der Shop zur Vermarkung war relativ schnell gebaut. Erstaunlich war die Resonanz: Nach ein paar Tagen brach zunächst der Server zusammen, weil es zu viel Traffic gab. Dann sperrte mich Paypal - wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Der Hintergrund erklärt sich einfach: Zu schnell zu große Umsätze auf einem Konto, das sonst nur moderate Geldflüsse zeigte. Dieses Erlebnis war aber zweifelsohne ein Wink, dass Video-Content eine große Zukunft hatte. Die Erfolgsformel erschien ganz einfach: Reichweite schaffen plus digitale Eigenproduktionen verkaufen. Doch bald merkte ich, dass ein solcher Erfolg sich nicht so leicht auf Dauer aufrecht erhalten ließ. Es gab noch einen dritten wichtigen Faktor: eine solide Fanbase. Die will aber sorgsam aufgebaut sein und dann gut gepflegt werden. Die Fanbase kommt, wenn du etwas gibst, und bleibt, wenn du dich zeigst und dich um die Leute kümmerst. Ein persönlicher Blog, auf dem man sein Wissen teilt, ist also weniger ein eigenständiges Produkt, sondern eher ein gutes Investment. Niemand nimmt dir übel, wenn du etwas verkaufst, es darf halt nur nicht im Vordergrund stehen.

DOCMA: Da du erst im letzen Jahr wieder eine Art Lehrbuch veröffentlicht hast, ist die Geschichte mit den Papiermedien ja wohl noch weitergegangen.
PATRICK LUDOLPH: Eigentlich hatte ich nach der Buch-Erfahrung mit der Idee von Veröffentlichungen auf Papier erst mal abgeschlossen. Dann kam ich, weil ich ein Fan von gedruckten Bildern bin, auf die Idee, eigene Booklets mit meinen Fotos zu veröffentlichen und sie über meinen Webshop zu vertreiben. Das funktioniert zwar ganz gut, aber man kommt damit nicht in den Buchhandel. Für eine Art Lehrbuch, in dem ich meine Erfahrungen als Fotograf zu Papier gebracht hatte, nahm ich Kontakt mit einem Verlag auf und machte mit ihm einen Deal: Bei mir lag die Hoheit über die Inhalte und die Gestaltung. Dafür nahm ich ein großes Kontingent zum Direktvertrieb über meine Seite ab. Dem Verlag blieb der Buchhandel und der Verkauf über Amazon. Dank meiner Fanbase hatten beide Seiten etwas davon und ich als Autor bekam deutlich mehr Honorar, als wenn ich das Buch klassisch auf den Markt gebracht hätte.

DOCMA: Was hat denn der Leser davon, wenn er das Buch direkt bei dir kauft?

PATRICK LUDOLPH: Auf meiner Webseite gibt es für einen kleinen Aufpreis exklusiv das Hörbuch zum Lehrbuch dazu. Darin kann man sich den ersten Teil des Buches, bei dem es weniger auf die Bilder ankommt, von mir über drei Stunden vorlesen lassen.

DOCMA: Was hast du in nächster Zukunft vor?
PATRICK LUDOLPH: Mein nächstes Thema sind große Reportagen. Einige kleinere habe ich ja schon in meinen Booklets gezeigt, aber 2017 konnte ich mir einen lang gehegten Traum erfüllen: Sechs Wochen auf drei Containerschiffen mitzureisen und die Menschen bei ihrer Arbeit an Bord zu dokumentieren. Daraus ist ein dickes, sehr aufwendig produziertes Buch entstanden, das ich inzwischen ebenfalls in meinem Webshop anbiete.

DOCMA: War das ein Auftrag?
PATRICK LUDOLPH: Nein, eher im Gegenteil. Ich musste lange bitten und betteln, bis ich auf den Schiffen mitfahren durfte. Hätte man mir das zu normalen Tagessätzen bezahlen sollen, wäre die ganze Geschichte nie zustande gekommen. Aber die Herren von der Reederei waren anschließed so begeistert, dass sie einen Teil der Auflage des Buches für Repräsentationszwecke erworben haben.

DOCMA: Patrick, danke für deine Offenheit! Eine Fortsetzung des Interviews mit einem Schwerpunkt zu Blogs und sozialen Medien gibt es unter:www.docma.info/21514

Pfiffige Idee: Projekte werden als eigenes Magazin veröffentlicht. Im Format 30 mal 30 Zentimeter auf edlem 150-Gramm-Papier. Das alles im „Schuber“ verpackt, der an eine Schallplattenhülle erinnert.