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Erfolgreich in Botswana


L-MAG - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 25.10.2019

Solidarität und Austausch zwischen Nordrhein-Westfalen und verschiedenen afrikanischen Ländern ist das Ziel. Im September besuchten Aktivistinnen aus Botswana den Verein Frauenliebe im Pott. L-MAG fragte vor Ort in Essen nach: Wie leben Lesben in Botswana?


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Zu Besuch in Nordrhein-Westfalen: die beiden LGBTAktivistinnen Mpho Tekanyo (l.) und Rejoice Mafate berichten über ihre Arbeit in Botswana


FOTO: Elke Vahle

Im Ruhrpott wird internationaler Austausch großgeschrieben. 2015 wurde das deutsch-afrikanische Kooperationsprojekt „Masakhane“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der ...

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... Frauenstiftung filia ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist die Stärkung und Vernetzung lesbischer Frauen im südlichen Afrika. Im Rahmen dessen hat die LAG Lesben in NRW und der Verein Flip – Frauenliebe im Pott e. V. auf verschiedenen Veranstaltungen diskutiert, wie man den Austausch mit Aktivistinnen im südlichen Afrika aufbauen könnte. Erste Kontakte wurden bei einem Besuch einer Delegation aus Nordrhein-Westfalen in Johannesburg geknüpft. Es entstanden Partnerschaften mit Frauen- und LGBT-Organisationen aus Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe. Jeweils drei Vertreterinnen der Länder wurden zu einem einwöchigen Besuch in Nordrhein-Westfalen eingeladen. „Es geht darum, voneinander zu lernen und eine langfristige Zusammenarbeit mit den Ländern zu etablieren“, erklärt Projektmanagerin Cornelia Sperling. In diesem Jahr waren bereits Vertreterinnen aus Namibia, Sambia und Botswana zu Gast, um einander Einblicke in den Alltag von Frauen und LGBT in ihren jeweiligen Heimatländern zu geben. Im September traf L-MAG die beiden 37-jährigen LGBT-Aktivistinnen Mpho Tekanyo und Rejoice Mafate aus Botswana in Essen. Beide sind seit ihrer Kindheit befreundet. Mpho wohnt mit ihren drei Teenager-Töchtern in dem kleinen Ort Goodhope und ist hauptberuflich für die Lesbenorganisation H.E.R. tätig, die sie 2015 gegründet hat. Rejoice arbeitet in einem großen Krankenhaus in der Hauptstadt Gaborone und unterstützt H.E.R. ehrenamtlich.

L-MAG: Seit Juli dieses Jahres sind gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen in Botswana nicht mehr strafbar. Ein riesiger Erfolg für die LGBT-Bewegung. Was hat sich seitdem verändert?
Mpho Tekanyo: Es war ein langer Weg und ist eine große Erleichterung. Bis dahin konnten gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen nach dem Paragraf 164 des Strafgesetzbuches mit bis zu sieben Jahren bestraft werden. Das hat zu einem Klima der Angst und Verunsicherung geführt, denn man konnte leicht von anderen denunziert werden. Außerdem gab es keine Möglichkeit, sich gegen Gewalt und Diskriminierung zu wehren. Wir konnten nicht einfach zur Polizei gehen.
Wie kam es zu dem überraschenden Urteil des Obersten Gerichtshofs?
Mpho Tekanyo: Erste Verbesserungen gab es schon in den Jahren davor. 2016 wurde die LGBT-Organisation Legabibo(Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana, Anm. d. Red.) vom Obersten Gerichtshof zugelassen. Die Regierung hatte zuvor eine offizielle Registrierung blockiert. Bis dahin war es illegal, sich bei Legabibo zu engagieren, geschweige denn möglich Büro- oder Versammlungsräume zu mieten.
Ein Jahr später wurde ein Gesetz verabschiedet, das es Transsexuellen erlaubt, ihr eingetragenes Geschlecht in den offiziellen Papieren anzupassen. Und wichtig war auch, dass unser neu gewählter Präsident Mokgweetsi Masisi im Dezember 2018 Gewalt gegen LGBT und Diskriminierung scharf verurteilt hat.


„Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, aufzuklären und zu überzeugen“


Als junge Aktivistin hast du auch bei Legabibo gearbeitet, im Jahr 2015 aber H.E.R. (Health Empowerment Rights) gegründet, eine Organisation, die sich für die Rechte von lesbischen, bisexuellen, trans und HIV-positiven Frauen einsetzt. Warum?
Mpho Tekanyo: Weil wir als Frauen nicht sichtbar genug waren. Unsere Stimmen wurden nicht gehört. Frauen werden oft nur als Opfer oder Unterdrückte wahrgenommen. Dabei sind wir diejenigen, die Veränderungen anstoßen können.
Wie macht ihr das?
Rejoice Mafate: Jede unserer Mitfrauen engagiert sich in einem bestimmten Bereich. Ich zum Beispiel biete als Krankenschwester Gesundheitsberatung und kostenlose HIVTests an. Eine Anwältin hilft bei Rechtsfragen. Und wir setzen uns auch für bessere Bildung von Mädchen ein.
Dabei gilt das Bildungssystem in Botswana, verglichen mit den meisten anderen afrikanischen Staaten, geradezu als vorbildlich. Die Alphabetisierung ist die höchste in Afrika, Frauen haben Männer prozentual überholt.
Rejoice Mafate: Richtig, aber in vielen Fällen kommen Mädchen dann nicht mehr auf die weiterführenden Schulen. Kinderehen sind weit verbreitet – es ist nicht unüblich, dass eine 13-Jährige einen 30 Jahre älteren Mann heiraten muss. Damit ist der Weg als Hausfrau und Mutter vorgegeben. In unserem Parlament sitzen gerade einmal vier Frauen.
Wie wollt Ihr das ändern – insbesondere in den ländlichen Regionen?
Rejoice Mafate: Indem wir Frauen immer wieder ermutigen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und konkrete Unterstützung anbieten.
Mpho Tekanyo: Ich reise im Land umher und diskutiere in jedem Ort mit den einflussreichen Dorfältesten und mit Kirchenvertretern über LGBT- und Frauenrechte. Darin besteht ein Großteil meiner Arbeit: Aufklären und Überzeugen.
Wie wirst du als lesbische Frau vor Ort aufgenommen?
Mpho Tekanyo: Man muss sich an gewisse Regeln halten. In den Dörfern trage ich immer unsere traditionelle Kleidung mit Turban. Dann werde ich Ernst genommen. Und es ist nicht so, dass in ländlichen Regionen Homosexualität gänzlich unbekannt ist. Es gibt sie auch dort, aber es ist ein Tabu, über das nicht gesprochen wird.
Wie werden Lesben in Botswana auf euch aufmerksam? Habt ihr eine Website?
Rejoice Mafate: Nein, wir sind ein kleines Land mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen. Informationen werden überwiegend über Mund-zu-Mund-Propaganda geteilt. Das funktioniert sehr gut. Außerdem haben wir eineFacebook -Gruppe und kommunizieren überWhatsApp .
Und wie findet man eine Partnerin?
Mpho Tekanyo:(lacht) Indem man mich fragt. Ich kümmere mich dann darum.
Welche Eindrücke nehmt ihr aus Deutschland mit nach Hause?
Rejoice Mafate: Obwohl wir in ganz unterschiedlichen Ländern leben, haben wir in vielen Bereichen die gleichen Probleme, wie Benachteiligung von Frauen, lesbische Sichtbarkeit oder Diskriminierung. Das hat mich überrascht. Wir nehmen viele gute Ideen mit nach Hause und wir werden das leckere Essen vermissen.

www.flip-ruhr.de
www.legabibo.wordpress.com