Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 12 Min.

Erfolgreiche Förderung der Lesekompetenz


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 02.07.2018

Lesekompetenz ist entscheidend für die Entwicklung von Lernkompetenz. Aber wie erkenne ich schwache Leserinnen und Leser?Wie kann Leseflüssigkeit und Textverstehen in den Jahrgängen 5 und 6 systematisch gefördert werden? Und wie lässt sich dazu ein Programm in der eigenen Schule implementieren? Ludger Brüning und Tobias Saum haben an ihrer Schule ein Konzept mit Kolleginnen und Kollegen entwickelt, eingeführt und erprobt.


Wenn Schüler nicht richtig lesen können, werden sie nicht erfolgreich lernen. Denn Texte spielen beim Lernen eine zentrale Rolle. Lesekompetenz ist also entscheidend für die Entwicklung ...

Artikelbild für den Artikel "Erfolgreiche Förderung der Lesekompetenz" aus der Ausgabe 8/2018 von Pädagogik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Pädagogik, Ausgabe 8/2018

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Pädagogik. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Mit Fake News umgehen lernen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mit Fake News umgehen lernen
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Wahrheit allein hilft nicht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wahrheit allein hilft nicht
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Etwas tun … gegen Fake News, Desinformation und Propaganda. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Etwas tun … gegen Fake News, Desinformation und Propaganda
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Aus dem Umgang mit Fake News lernen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aus dem Umgang mit Fake News lernen
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Vielen Jugendlichen ist nicht klar, welche Interessen hinter Fake News stehen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Vielen Jugendlichen ist nicht klar, welche Interessen hinter Fake News stehen
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von »Praktische Philosophie« gegen Verschwörungstheorien. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
»Praktische Philosophie« gegen Verschwörungstheorien
Vorheriger Artikel
Ankommen im Leben nach dem Abitur
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Serie – 7. Folge: Die Erziehung der '68er und die Folgen
aus dieser Ausgabe

... der Lernfähigkeit. Viele Lehrkräfte erfahren tagtäglich die Vielzahl von Problemen, die durch unzureichende Lesekompetenz entstehen. Denn Schüler, die nicht ausreichend lesen können, vermögen nicht, dem Unterricht zu folgen; vielleicht beginnen sie zu stören, vielleicht entwickeln sie Schulunlust. Daher muss die Schule der Entwicklung der Lesekompetenz eine hohe Priorität beimessen.

Abb. 4: Methoden zur Förderung von Leseflüssigkeit und Lesestrategien


Jahrgang 6 und weitere Jahrgänge

In Jahrgang 6 wird dann dasWechselseitige Vorlesen und Zusammenfassen eingeführt (Hinweise zur Durchführung vgl. Abb. 3). Bei dieser Methode liest ein Schüler jeweils einen Abschnitt eines Textes vor und der andere muss den Inhalt wiedergeben. Beim nächsten Abschnitt wechseln die Rollen. Ziel der Methode ist, dass die Schüler folgende Kompetenzen schulen: flüssig lesen, betont vorlesen, genau zuhören, Gehörtes zusammenfassen, die Zusammenfassung überprüfen und leise sprechen. Die Lesetandems sollten weiterhin zweioder dreimal wöchentlich etwa 20 Minuten gemeinsam lesen.

Im Laufe der 6. Klasse und in den weiteren Jahrgängen kommen dann Methoden hinzu, bei denen Lesestrategien eingeübt werden:

• dasTextdetektive-Programm : Dabei werden sieben Lesestrategien miteinander kombiniert und systematisch eingeübt (vgl.Gold 2007, S. 69–106).
• dasReziproke Lesen : Dabeiwerden vier Strategien im Verfahren des wechselseitigen Lehrens und Lernens in der Gruppe eingeübt (vgl.Brüning/Saum 2006, S. 102–110).
• dasVisualisieren inhaltlicher Zusammenhänge : Dabei lernen die Schüler Textinhalte zu durchdringen, indem sie diese übersichtlich in grafischen Strukturierungen darstellen (vgl.Brüning/Saum 2017).
• dasHaus des Fragens : Dabei lernen die Schüler einen Text selbständig auf den drei Anforderungsniveaus zu erschließen, indem sie sichwechselseitig Fragen zumText stellen (vgl.Brüning/Saum 2012, S. 13 f.).

Aufgabe der Lehrperson

Der Unterrichtende begleitet die Paare aufmerksam, beobachtet, greift ein, wenn Schüler über andere Themen miteinander reden anstatt zu lesen oder wenn dieMethode nicht angemessen umgesetzt wird, wenn z.B. zu viele Fehler vomZuhörenden nicht bemerkt werden oder wenn unsachlich kritisiert wird.

Wirksamkeit des Programms

Bei der regelmäßigen Überprüfung des Lernerfolgs wird man feststellen, was auch empirische Untersuchungen belegen: Die Leistungsentwicklung der Schüler bei einemdreimonatigen Training entspricht dem zu erwartenden Kompetenzzuwachs eines ganzen Schuljahres (vgl.Blatt u. a. , S. 22–25 undMasanek , S. 34f). In einer Klasse des 5. Jahrgangs, in dem wir unterrichteten, verfügten anfänglich nur fünf Schüler über eine angemessene Lesekompetenz. Bereits nach drei Monaten zeigten nur noch acht Schüler Leistungen, die nicht der Klassenstufe 5 entsprechen. Nach einem halben Jahr gehörten nur noch zwei Schüler zur Risikogruppe. Fast alle waren also nach wenigen Monaten in der Lage, altersangemessene Texte im Unterricht zu erfassen. Ähnliche Ergebnisse erzielten alle anderen Klassen des gleichen Jahrgangs. Zur Wirksamkeit von Lautlese-Verfahren gibt es im englischen Sprachraum eine Vielzahl von empirischen Untersuchungen, die durch-weg einenhohenKompetenzzuwachs nachweisen (vgl.Rosebrock/Nix 2015, S. 53–56).


In Jahrgang 5 lernt jeder zuerst flüssig zu lesen, bevor er in Jahrgang 6 lernt, Lesestrategien einzusetzen.


Texte und Materialien

Rosebrock/Nix (vgl. 2015, S. 51) berichten davon, dass sie in ihrem Forschungsprojekt zur Förderung der Leseflüssigkeit eine Sammlung unterschiedlicher Texte verwendet haben. Darin befinden sich sowohl einfachere, aber auch allmählich komplexer werdende Sach- und literarische Kurztexte. Solche Übungsmaterialienmüssen die Schulen bislang selbst erstellen.³


Mit Hilfe der Fachkonferenz Deutsch haben wir das Programm in neun Schritten erfolgreich implementiert.


Wenn alle Schüler dieselben Texte lesen, können diese anschließend im Unterricht aufgegriffen werden (Wortschatz, Grammatik, Textinhalt). Motivierend für die Schüler ist es allerdings auch, wenn sie ihre Lektüre selbst wählen können. Insbesondere wenn die Schüler nicht mehr nur die Leseflüssigkeit trainieren, sondern auch das Zusammenfassen, können sie ein selbst gewähltes Buch lesen. Nach unserer Erfahrung freuen sich die Schüler dann besonders auf die gemeinsame Lesezeit.

Implementation in der Schule

Damit das Programm nachhaltig wirken kann, ist eine sorgfältige ImplementationinderSchulenotwendig. Andem Entscheidungsprozess sollten alle Kolleginnen und Kollegen beteiligt werden. Der FachkonferenzDeutschkommt eine zentrale Rolle zu. Wir haben das Programm in den folgenden neun Schritten erfolgreich implementiert:
1. Erstellung des Gesamtkonzepts zur Förderung der Lesekompetenz
2. Vorstellung des Konzepts in der Fachkonferenz
3. Antrag an die Fachkonferenz, das Programmzu implementieren und Beschluss
4. Wahl eines Beauftragten für das Lesekonzept
5. Fortbildung für dieMitglieder der Fachkonferenz zu den Elementen des Programms
6. Im ersten Jahr Umsetzung in Jg. 5

7. Bericht über dieUmsetzung in der Fachkonferenz, Überarbeitung des Konzepts auf Grundlage der Erfahrungen
8. Umsetzung in Jg. 5 und Jg. 6
9. Weitere Fortbildungen: In jedem Schuljahr findet eine Kurzfortbildung für die Deutschlehrer, die in Jg. 5 unterrichten, statt. Dadurch lernen die neuen Lehrer das Programm kennen und die anderen werden daran erinnert.

Den Punkten 4 und 5 bzw. 9 kommt für den Erfolg des Programms eine besondere Bedeutung zu.Esmuss ein Lehrer als Beauftragter für das Lesekonzept gewählt werden und die Umsetzung des Programms koordinieren. Er hält die Fäden in der Hand, so dass die Kontinuität gewährleistet ist. Er sollte nach Möglichkeit für seine Tätigkeit entlastet werden.

Der Beauftragte führt jedes Jahr kurze Fortbildungen durch und ist Ansprechpartner bei Schwierigkeiten. Denn sonst geraten nach und nach Teile des Programms in Vergessenheit oder werden verändert. Außerdem erleichtert das eine Einbindung neuer Kollegen. Auch wenn die kurze Fortbildung am Anfang eines Schuljahres nur 90Minutendauert, wird so dieBedeutung des Programmes immer wieder betont. Außerdem empfehlen wir, das Programm in der Lehrerkonferenz vorzustellen und als Teil des Lesekonzepts der Schule beschließen zu lassen. Die Einbindung aller Kolleginnen und Kollegen der Schule ist auch deswegen sinnvoll, weil die vorgestellten Methoden zur Texterschließung auch in den anderen Fächern eingesetzt werden können. Die Methoden zur Förderung der Leseflüssigkeit können auch gut in den Fremdsprachen eingesetztwerden.

Anmerkungen

¹ http://www.bpb.de/apuz/179347/ funktionaler-analphabetismus? p=all.

² Der Stolperwörterlesetest kann kostenlos angefordert werden. Notwendig ist die Angabe der Schule und derKontaktlehrperson: Potsdam https://www.uni-potsdam. de/gsp-deutsch/forschung/ stolle/download.html.
³ Bei Fragen zum Leseradar können Sie sich an L. Brüning wenden.

Literatur

Blatt, I./Voss, A./Müller, A. (2007): Leseförderprojekt in Klasse 5. In: schulmanagementH. 3/2007, S. 22–25Brüning, L./Saum, T. (2006): Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen. Band 1: Strategien zur Schüleraktivierung. EssenBrüning, L./Saum, T. (2012): Kooperativ und anspruchsvoll. Unterricht in den drei Anforderungsbereichen – mit allen Schülern. In: Praxis Schule 5–10, H. 5/2012, S. 8–14Brüning, L./Saum, T. (2017): Erfolgreich unterrichten durch Visualisieren. Die Kraft von Concept Maps & Co. Essen
Gold, A (2017): Lesen kann man lernen: Lesestrategien für das 5. und 6. Schuljahr. GöttingenMasanek, N. (2006): Fördern durch Vorlesen. Kinder unterstützen sich gegenseitig als Lesepaten oder Lesecoaches. In: Praxis Deutsch, H. 199/2006, S. 34 f.
Reiss, K./Sälzer, C./Schiepe-Tiska, A./Klieme, E./Köller, O. (2016): PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. MünsterRosebrock, C./Riekmann, C./Gold, A./ Nix, D. (2011): Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe. SeelzeRosebrock, C./Nix, D. (2015): Grundlagen der Lesedidaktik und systematischen schulischen Leseförderung. Baltmannsweiler
Steffens, R. (2002): Gelesen heißt noch nicht verstanden. In: forum schule H. 1/2002, S. 22 ff.

Ludger Brüning ist Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialwissenschaften an der Gesamtschule Haspe in Hagen (NRW). Daneben ist er in der Lehrerfortbildung tätig.
Adresse: Geschwister-Scholl-Str. 58, 58300 Wetter (Ruhr)
E-Mail: info@ludgerbruening.de

Tobias Saum ist Lehrer für Deutsch und Philosophie an der Gesamtschule Haspe in Hagen (NRW) und Fachleiter für Deutsch am Zentrum für schulpraktische Lehrerbildung Hagen (Gy/Ge).
Adresse: Am Zamelberg 26, 58300 Wetter (Ruhr)
E-Mail: tobias.saum@gesamtschule-haspe.de