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Erfolgsfaktoren


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 22.11.2019

Irgendein Wetter ist immer – und wer die Witterungsverhältnisse deuten und sich darauf einstellen kann, fängt besser!


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Bildquelle: karpfen, Ausgabe 10/2020

Hier ist der Parkplatz zufällig dicht am Spot. Das sollte aber kein Kriterium bei der Stellenwahl


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Schon wieder keinen einzigen Run gehabt! Irgendwie schmeckt den Fischen hier mein Boilie nicht“ – den Misserfolg dem Köder in die Schuhe zu schieben, ist leicht. Manchmal ist da auch was Wahres dran – aber ich bin der Meinung, dass erfolglose Tage am Wasser, meist einen anderen Grund haben: die ...

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... falsche Stelle! Dabei wird die Stellenwahl erst zuletzt vom Angler selbst beeinflusst. Ausschlaggebend sind vor allem die Witterungsverhältnisse. Nach denen richten sich die Fische, und wir Angler sollten uns wiederum nach den Fischen richten. Hintenan stehen persönliche Vorlieben – zum Beispiel gute Parkmöglichkeiten oder ein Uferstreifen ohne breiten Schilfgürtel oder Bäume. Gemeinsam mit meinen Kollegen Torben Seemann und Johannes Radtke, habe ich deshalb einige Fakten und Erfahrungswerte zu Faktoren zusammengetragen, die den Erfolg am (Still-) Gewässer stark beeinflussen. Eine Größe hat sich dabei als entscheidend herausgestellt: der Wind

Die App Windfinder kostet nichts, weiß aber (fast) alles! Sogar Luftströmungen werden angezeigt.


Hauptwind

Wieso weht der Wind bei uns oft aus Westen? Zuerst müssen wir wissen, wie Wind entsteht. Wenn Luft an einem Ort (nennen wir ihn A) erwärmt wird, steigt sie auf. Oberflächennah herrscht dadurch ein geringer Luftdruck – ein Tiefdruckgebiet entsteht. Irgendwann erkaltet die aufgestiegene, warme Luft wieder und sinkt woanders (B) zurück zur Erdoberfläche. In der Zwischenzeit wird die „Lücke“ an (A) durch bereits erkaltete Luft gefüllt. Diese strömt von einem anderen Ort (C) dorthin. Mit der Zeit steigt der Luftdruck wieder an Ort (A), ein Hochdruckgebiet entsteht. Die Luft strömt also ständig. Das ist der Wind. Nun übertragen wir unser Wissen auf die ganze Erde. Die Luft am Äquator wird erwärmt und steigt auf – das führt zu einem Tiefdruckgebiet. An Nord-und Südpol dagegen sinkt die erkaltete Luft ab, ein Hochdruckgebiet entsteht. Theoretisch gibt es also stets eine Luftbewegung von den Polen zum Äquator. Durch die Erdrotation wird dieser Wind aber in Strömungsrichtung rechts (Nordhalbkugel) und links (Südhalbkugel) abgelenkt. Die warme, aufsteigende Luft vom Äquator zieht gleichzeitig in Richtung der Pole. Auch sie wird abgelenkt – logischweise auch nach rechts auf der Nordhalbkugel. Und Deutschland liegt eben genau in dem Bereich, in dem die Äquatorluft erkaltet, absinkt und nach rechts (in östliche Richtung, von Westen kommend) abgelenkt wird. Deshalb: „Westwindzone“!

sprungschicht

An der Sprungschicht trennen sich kaltes Tiefenwasser und warmes Oberflächenwasser. Sie tritt nur in stehenden Gewässern auf, in denen sich die Wassermassen im Sommer nicht vermischen. Und selbst dann auch nicht in allen! Vor allem flache Seen werden auch im Sommer durch den Wind gut „verquirlt“. Seen, die eine Sprungschicht bilden, unterscheiden sich auch nochmal. Denn in nährstoffarmen Seen ist auch unterhalb der Trennzone noch genügend Sauerstoff für tief lebende Arten vorhanden. Nur in nährstoffreichen Gewässern wird es kritisch, denn absterbende Organismen wie Algen sinken zum Grund und verbrauchen beim Zersetzen Sauerstoff. In sauerstofffreier Tiefe will natürlich kein Fisch leben, deshalb ist es wichtig, dass die Montagen oberhalb der Sprungschicht liegen.

faktor wind

Der Wind hat großen Einfluss. Zum einen auf die Wassertemperatur: Er drückt warmes Wasser in bestimmte Gewässerbereiche. Außerdem treibt er Sediment, zum Beispiel Schlamm oder Sand, vor sich her. Im Sediment kann ziemlich viel Nahrung stecken, außerdem sorgt es für ordentlich Trübung. Eine hohe Wassertemperatur, Nahrung und Trübung mögen Karpfen. Also suchen wir uns in der Regel das Ufer, auf welches der Wind steht – dieses wird auch als „auflandiges“ Ufer bezeichnet. Um herauszufinden, woher der Wind weht, nutze ich übrigens die App Windfinder auf dem Smartphone. Hier sehe ich genau, wie sich die Luftströmungen im Tagesverlauf verändern. Schon eine Woche vor dem Ansitz beobachte ich den Wind genau auf dem Handy, auch während des Ansitzes werfe ich immer wieder einen Blick darauf. Je länger der Wind auf eine Uferseite drückt, desto interessanter wird diese für mich. Diese Zonen ändern sich natürlich, schließlich dreht der Wind im achte immer darauf, ob dein gewässer eine sprungschicht ausbildet!

BLINKER-Redakteur Johannes fischt gern mit Schwimmbrot. Dann hat das Wasser Wohlfühltemperatur für den Karpfen.


Wer bei der spotwahl die witterung vor persönliche vorlieben stellt, fängt mehr.

KARPFEN-Redakteur Florian mag große Naturseen und hat dabei immer den Wind im Blick.


In den allermeisten fällen ist das windzugewandte ufer am erfolgsversprechensten.

Jahresverlauf über alle vier Himmelsrichtungen. Aber er hat Vorlieben! Also (Himmels-)Richtungen, die er öfter einschlägt als andere, auch Hauptwindrichtungen genannt. Bei uns in Mitteleuropa ist das der Westwind. Und, da der Hauptwind durchschnittlich öfter weht, beeinflusst er das Fischverhalten natürlich. Er bestimmt indirekt, welche See-Bereiche die Karpfen grundsätzlich vermehrt aufsuchen. Logischerweise ist das dann die Ostseite.

sediment-transport

Der Hauptwind beeinflusst neben dem Fischverhalten aber auch das Gewässer, genauer gesagt dessen Profil. Sehr vereinfacht und modellartig dargestellt: An der Westseite des Sees wird über die Zeit wenig Sediment abgelagert, da sie dem (Haupt-)Wind abgewandt ist. Hier ist der Boden dadurch oft etwas härter, Kanten sanden nicht so schnell ein. An der Ostseite wird hingegen im Wasserkörper schwebendes Material angespült und kann sich dort absetzen. In Abhängigkeit von der Gewässergröße und -struktur sowie vorherrschenden Bodenarten, können sich durch den windbedingten Sedimenttransport sogar Flachwasserzonen bilden. Dieses Flachwasser kann produktiv sein oder genau das Gegenteil davon – zum Beispiel, wenn sich Faulschlamm ablagert. Das müssen wir dann mit Tastblei oder Proddingstick herausfinden. Befindet sich am auflandigen Ufer beispielsweise eine Landzunge, setzt sich das Sediment am äußeren Rand dieser Struktur ab. Je dichter an der Spitze, desto gröber ist das sich ablagernde Material, so eine Daumenregel. Die in den See ragende Landzunge ist von hartem Grund geprägt und wird von nährstoffreichem Oberflächenwasser ständig angeströmt. In der Folge siedeln sich Muscheln und viele wichtige Fischnährtiere an – ein Hotspot!

Faktor Temperatur

Wie bereits angedeutet, hat der Wind auch bei der Wassertemperatur einiges mitzureden – und die sollte für uns eine zentrale Bedeutung haben! Die Wohlfühltemperatur des Karp-


Fotos: S. Redlich, W. Krause, D. Konopatzki, T. Seemann, B. Gierth, F. Pippardt