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Erinnerungen an Gremberg


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Modelleisenbahner - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 04.01.2023

GESCHICHTE UND GESCHICHTEN

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Bildquelle: Modelleisenbahner, Ausgabe 2/2023

Dampflok-Atmosphäre im Bw Gremberg am 10. April 1974: Reinigungsarbeiten an 052 575 auf einem der drei Freistände neben dem Lokschuppen. Die Lok fungiert dabei selbst als Kompressor für den Hochdruckreiniger.

Gremberg oder, wie man heute sagt, Köln-Gremberg – schon mal davon gehört? Eisenbahnfreunde werden die Frage meist bejahen und denken dabei eventuell an einen der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands und ein modernes Kombiwerk für die Instandhaltung von Loks und Waggons der DB Cargo AG!

Aber da gab es einst auch ein Bahnbetriebswerk mit Dampflokomotiven, das Bw Gremberg! Dort gäbe es nur Lokomotiven der Baureihe 50, dachte mancher Experte, aber weit gefehlt, gerade in der ausklingenden Dampflokzeit wurde im Süden der Domstadt einiges geboten. Anfang der 1970er-Jahre entdeckte ich als junger Eisenbahnliebhaber, nachdem meine Familie in die Nähe zog, für mich das Bw.

Der Rangierbahnhof Gremberg mit dazugehörigem Bahnbetriebswerk liegt im Südosten Kölns. 1917 wurde mit dem Bau begonnen und 1924 der Bahnhof in Betrieb genommen. Das Bw selbst war 1926 fertiggestellt. Auf Grund ...

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... seiner enormen Bedeutung wurde der Bahnhof 1942 ausgebaut. Weitere Erweiterungen folgten mit der Beseitigung der verheerenden Kriegsschäden nach dem Zweiten Weltkrieg und in den 1960er-Jahren. Die letzte Modernisierung begann 2004.

Gremberghoven setzt sich aus den Stadtteilen Gremberg und Westhoven zusammen. Der Name des Bahnhofs „Gremberg“ stammt allerdings von dem wenige Meter nördlich des Bahnhofs gelegenen Gremberger Wäldchen ab.

Gremberg – das letzte Dampf-Bw im Kölner Raum

1975 gab es von den einstmals zahlreichen Bahnbetriebswerken mit Dampflokbeheimatung im Kölner Raum nur noch das Bw Gremberg. Bevor ich 1970 von Bayern nach Porz, heute Köln-Porz, kam, kann-

Mein letztes Foto von der Berger Brücke und der schwer arbeitenden 044 596 im Mai 1975, kurz vor meinem Umzug zurück nach Bayern. te ich deshalb nur die Lokomotiven der Baureihe 50 des Bw Augsburg und die Lokomotiven aus dem Märklin-Katalog. Aus dem Klassenzimmer meiner neuen Schule in Porz-Wahn hatte ich einen guten Blick auf die Bahnstrecke von Köln nach Troisdorf. Mal wieder vom Unterricht abgelenkt, sah ich eine Dampflok mit drei großen Rädern. Das kann nur eine 01 sein, dachte ich. Meine Neugierde war geweckt und ich begann die Gegend zu erkunden, denn ich wollte unbedingt wissen, wo die 01 herkam. So entdeckte ich die Südausfahrt des Rangierbahnhofs Gremberg und von der Berger Brücke in Porz machte ich meine ersten Eisenbahn-Fotos. Zahlreiche E-Loks der Baureihe 140 verließen den Bahnhof, bis sich endlich eine Dampflok näherte. Eine 044 mit langem Güterzug! Auch eine Dampflok, die ich zuvor nur aus dem Märklin-Katalog kannte. Aber wo finde ich die 01? Vielleicht dort, wo der viele Rauch aufsteigt? Also weiter mit dem Fahrrad Richtung Porz-Gremberghoven. Und tatsächlich, von der Rather Straße zwischen zahlreichen Unterführungen führt ein Weg hinauf zum Bahnbetriebswerk. Es erwarteten mich zwei Drehscheiben, ein Ringlokschuppen sowie eine riesige Bekohlungsanlage. Zahlreiche E-Loks der Reihe 140 sowie Dampfloks verschiedener Baureihen waren dort abgestellt und warteten auf neue Aufgaben. Neben vielen 50 und 44 war auch die vermeintliche 01 dabei. Aber was war dasdenn?AufdemLokschildstand003 276. Eine 03 kannte ich bisher nicht.

Daneben stand eine 055, eine mir ebenso unbekannte Baureihe. Mein Interesse war nun endgültig geweckt, mein Hobby war geboren!

War Gremberg seit jeher Heimat von Lokomotiven der Baureihen 50 und 55, wurde es ab 1967 deutlich abwechslungsreicher. Drei P8 (BR 38) wurden dem Bw zugeteilt und gaben dort ein kurzes Gastspiel. Ab Mai 1968 folgten sechs Maschinen der Baureihe 03 des Bw Mönchengladbach. Hauptaufgabe der 03 war die Beförderung des belgischen Militärzuges Dm 80045/046 (auch belgischer Urlauberzug oder kurz „BU“ genannt) zwischen Troisdorf und Siegen. Leider endete der Einsatz der 03 schon nach zweieinhalb Jahren. Am 3. Dezember 1970 wurde mit 003111 die letzte 03 des Bw Gremberg z- gestellt. Im August 1970 kam die letzte kohlegefeuerte 41 der DB, 041 293, von Köln-Eifeltor nach Gremberg. Auch sie war für die Beförderung des belgischen Militärzuges zwischen Troisdorf und Siegen zuständig. Ihre Zeit in Gremberg war im Februar 1971 bereits wieder beendet. Leider habe ich sie nie fotografiert.

Die Baureihe 55, die ehemalige G 8.1, war seit Jahrzehnten im Bw Gremberg stationiert, 1970 waren noch fünf Maschinen im Einsatz, bis 1972 kamen zwei weitere Loks dazu. Ihre Hauptaufgaben waren der Rangierdienst, aber sie wurden auch vor Nah- und Übergabezügen eingesetzt. Gremberg war das Auslauf-Bw für diese Baureihe. Ein Exot war 055 738. Sie wurde im Frühjahr 1971 in Grün und Schwarz umlackiert und sollte so einer preußischen G 8.1 entsprechen. Der DB-Keks, das Siebdruckschild und die Rangierfunkantenne störten allerdings das Bild. Anlass für diese Aktion war die Feier zum 125-jährigen Bestehen der BD Wuppertal. Fortan hatte die Lok den Spitznamen „Grünspecht“. Sie wurde am 5. Februar 1972 z-gestellt und stand noch bis Februar 1973 auf der riesigen Kohlenbühne, wo sich im Oktober 1972 055 538 dazu gesellte. Mit der Z-Stellung von 055 538 endete am 18. Oktober 1972 der Einsatz der Baureihe 55 bei der Bundesbahn.

Auch die Baureihe 50 war seit Jahrzehnten in Gremberg beheimatet. 1957 waren dort 53 und 1973 immerhin noch 26 Maschinen dieser Baureihe stationiert. Darunter befand sich auch 050 001, die erstgebaute 50. Sie stand von Juni 1973 bis zu ihrer Z-Stellung im November 1974 in Gremberg im Dienst.

Hervorzuheben ist auch 052 428. Sie war eine der wenigen 50 mit Wannentender und offenem Führerhaus. Da sie mit ihrem Wannentender größere Vorräte mit sich führen konnte, wurde sie, nach dem Weggang der 041 293, Planlok für den „BU“. Bestens gepflegt nahm sie diese Aufgabe bis zum Sommerfahrplan 1973 wahr.

Stamm-Heizer auf 052 428 war Albrecht L., der als „Studenten-Heizer“ in Gremberg sein Studium finanzierte. Ich lernte ihn Anfang 1972 kennen. Er versorgte mich nicht nur mit Insider-Informationen, sondern verschaffte mir auch mehrfach die Gelegenheit, auf dem Führerstand mitzufahren. Es waren unvergessliche Erlebnisse. So verdanke ich Albrecht auch die Info, dass eine „richtige 01“ ins Bw Gremberg kommt, um am nächsten Tag eine Sonderfahrt auf der Siegstrecke durchzuführen. Es war 001 150 des Bw Ehrang. Albrecht hatte auch maßgeblichen Anteil an der guten Pflege seiner 052 428. Im August 1974 wechselte die Lok zum Bw Mayen, wo sie im Januar 1975 z-gestellt wurde.

Ständige Gäste in Gremberg waren die 44 des Bw Betzdorf. Sie waren für die Beförderung der Güterzüge zwischen Gremberg und Betzdorf zuständig. Ewig in Erinnerung bleibt mir eine spontane Einladung zur Führerstandsmitfahrt auf 044 595 nach Betzdorf und zurück. Das Ereignis zog sich bis in den späten Abend, eine entsprechende Info an meine Eltern war nicht möglich. Dementsprechend schlecht war die Stimmung, als ich endlich wohlbehalten wieder zu Hause war. Mein Hobby war kurzzeitig akut gefährdet!

Mitfahrt im Führerstand war der Höhepunkt

Auch die spektakulären Ausfahrten der Züge in Richtung Süden nach Betzdorf bleiben mir immer in Erinnerung! Die letzten Einsätze der Betzdorfer 44 nach Gremberg fanden im September 1975 statt.

Mit der Umstationierung der 050 220 zum Bw Duisburg Wedau endete im Oktober 1975 nicht nur der Einsatz der Baureihe 50, sondern auch die Dampflokzeit beim Bw Gremberg. Bald danach wurden die Behandlungsanlagen für die Dampfloks und ein Teil des Lokschuppens abgerissen. Das Bw war nun für die Wartung und Unterbringung der im Rangierbahnhof benötigten Rangierloks sowie der zahlrei- chen Wendeloks, meist E-Loks der Baureihen 140, und 151 anderer Betriebswerke, zuständig. Zwischen 2000 und 2002 entstand auf dem Gelände ein neues Kombiwerk für die Instandhaltung von Lokomotiven und Waggons. Meine Zeit in Gremberg ging im Juni 1975 mit dem Umzug zurück nach Bayern zu Ende. Mittlerweile wohne ich in der Nähe von Aachen und es zieht mich nach wie vor nach Gremberg, auch wenn außer zwei aufgestellten Radsätzen im Werk und im nahen Gremberghoven nichts mehr an die Dampflokzeit erinnert. Dafür ist der Spotter-Punkt an der Nordausfahrt mit dem Reiterstellwerk und dem berühmten Bahnübergang (13 zu überquerende Gleise) eine Reise wert. Immer, wenn ich heute dort bin, frage ich mich, warum ich nicht schon in den 70er-Jahren diesen Ort besuchte? Vielleicht lag es daran, dass keine schwer arbeitenden Betzdorfer 44 vorbeikamen.

Dietrich Nikel