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Erkältungen heilen meist von selbst


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 03.11.2021

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Ruhe, Wärme und Liebe helfen über eine leichte, unkomplizierte Erkältung hinweg

Barbara Welsch

ist Tierärztin und renommierte Wissenschafts journalistin. Immer an ihrer Seite: Pinscher Dylan

Meistens beginnt eine Erkältung mit Halsschmerzen. Das ist bei Hunden nicht anders als bei Menschen. Die Halslymphknoten sind geschwollen und Druck auf den Hals, beispielsweise durch das Halsband, kann schmerzhaft sein. Einige Hunde haben auch Schluckbeschwerden und unterbrechen ihre Mahlzeiten oft oder mögen gar nicht mehr fressen. Viele sind eher schlapp und antriebsarm. Husten tritt mitunter erst später auf.

Eigentlich ist der Begriff „Erkältung“ irreführend, denn tiefe Außentemperaturen spielen bei der Erkrankung höchstens eine indirekte Rolle, weil sie die Abwehr schwächen und die Überlebenszeit der Erreger in der Umwelt verlängern können. Im Grunde werden Infektionskrankheiten der oberen Atemwege als Erkältung bezeichnet, an denen Hunde theoretisch auch im Sommer bei 30 Grad im ...

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... Schatten leiden können. Anatomisch gehören nur die Nase, samt der Nasennebenhöhlen, und der Rachenraum zu den oberen Atemwegen, während der Kehlkopf, die Luftröhre, die Bronchien und die Lunge zu den unteren Atemwegen gezählt werden.

Aber da bereits der Begriff Erkältung – vorsichtig ausgedrückt – ungenau ist, sieht man das in der Regel nicht so streng und rechnet auch infektiöse Kehlkopfentzündungen und Ent-zündungen der Luftröhre zu den Erkältungsfolgen.

Viren und Bakterien

Erkältungen werden durch verschiedene Viren oder Bakterien hervorgerufen. Häufig beginnt die Erkrankung mit einer viralen Infektion, die die Nasen-und Rachenschleimhäute schädigt. In den meisten Fällen bleibt es bei der Virusinfektion, die nach ein paar Tagen bis zu zwei Wochen mit Heiserkeit, Husten, Unwohlsein und manchmal Schnupfen von alleine wieder abklingt. Bei einem geschwächten Immunsystem können einige Viren jedoch auch größeren Schaden anrichten.

Eine Infektion mit Bakterien steht eher selten am Anfang der Erkältung. Gewöhnlich profitieren die Bakterien eher von der Vorarbeit der Viren und nutzen die geschädigten Schleimhäute als Eintrittspforte in den Körper.Eine bakterielle Infektion verschlimmert die Erkältung, kann die Krankheitsdauer verlängern und zu schweren Allgemeininfektionen führen.

Gut zu wissen ist, dass sich Hunde und Menschen gewöhnlich nicht gegenseitig mit Erkältungserregern anstecken. Also keine Angst, wenn der Hund mal schnieft und hustet.

Absolut ausschließen kann man eine Übertragung jedoch auch nicht, insbesondere bei dem Bakterium Bordetella bronchisepticum kann das sehr selten einmal passieren. Daher sollte man bei der Pflege eines erkälteten Hundes und auf der anderen Seite auch, wenn man selbst erkältet ist, besonders auf Hygiene achten. Den besten Schutz bietet regelmäßiges Händewaschen.

Bordetella bronchisepticum gehört auch zu den Erregern des sogenannten Zwingerhustenkomplexes, unter dem die meisten akuten bis chronischen Infektionserkrankungen der oberen Atemwege des Hundes zusammengefasst werden.

Zwingerhustenkomplex Der Zwingerhustenkomplex wird in der Fachliteratur neuerdings häufig auch als CIRD (Abkürzung für englisch: canine infectious respiratory disease) bezeichnet.

Maßgebliche Erreger des Zwingerhustens sind Canines Parainfluenzavirus Typ 2 (CPiV-2) und das Bakterium Bordetella B. bronchiseptica. Zusätzlich beteiligt können aber auch folgende Erreger sein: Adeno-, Reo-, Influenza-und Herpesviren sowie Mykoplasmen. Mischinfektionen mit verschiedenen Erregern kommen häufig vor.

Gefahr droht auf der Hundewiese

Ein hohes Infektionsrisiko für Zwingerhusten besteht bei Veranstaltungen oder an Orten, an denen viele verschiedene Hunde unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, wie beispielsweise auf Hundewiesen, bei Sportveranstaltungen oder Ausstellungen, in der Hundeschule oder in der Welpenspielstunde und natürlich auch in Tierheimen, Zwingern und Tierpensionen. Besonders gefährdet sind Welpen sowie kranke, alte oder immungeschwächte Hunde. Ursachen für eine Immunschwäche kann Stress sein, beispielsweise bei Ängsten, langem Alleinsein, Besitzerwechsel oder Transporten. Eine schlechte Haltung, wie beispielsweise unhygienische Zwingerhaltung, zu wenig Bewegung an der frischen Luft oder Leben in einem Raucherhaushalt kann die Abwehrkraft ebenfalls beeinträchtigen.

Auch viele Krankheiten, eine nicht artgerechte Ernährung und ein starker Parasitenbefall führen dazu, dass das Immunsystem den Hund nicht mehr ausreichend schützt.

Zu den ersten Symptomen eines Zwingerhustens gehören Husten, der je nach Erreger trocken oder feucht sein kann. Der Husten kann durch Anstrengung und Aufregung ausgelöst werden. Bei einem milden Verlauf ist das Allgemeinbefinden ungestört und der Husten legt sich innerhalb von zwei Wochen. Bei Tieren mit einem geschwächten Immunsystem kann der Zwingerhusten jedoch auch sehr schwer verlaufen. Das Allgemeinbefinden der betroffenen Hunde ist dann stark beeinträchtigt. Die Tiere haben häufig Fieber und können unter starkem manchmal schmerzhaftem Husten leiden.

Die Entzündung im Rachenraum kann die Mandeln miteinbeziehen und über die Luftröhre zu den Bronchien absteigen und dort eine Bronchitis und im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung auslösen. Schnupfen ist häufig mit einer zum Teil eitrigen Bindehautentzündung verbunden. Einige dieser Symptome können auch bei anderen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise der lebensbedrohlichen Staupe, auftreten. Zur Vorbeugung gibt es gegen die wichtigsten Erreger des Zwingerhustens (Bordetella bronchiseptica und Parainfluenzavirus) Impfungen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt die Impfung für Hunde, die Kontakt zu vielen Artgenossen, zum Beispiel auf der Hundewiese, oder auch Katzen haben.

Am besten lässt man sich vom Haustierarzt individuell beraten, ob eine Zwingerhustenimpfung für den oder die eigenen Vierbeiner sinnvoll ist.

Behandlung von Erkältungen

Die meisten Erkältungen heilen unter liebevoller Pflege von allein. Was der erkältete Hund braucht sind vor allem Ruhe, Wärme und Liebe. Spaziergänge sollten auf das Nötigste beschränkt werden. Da ein Halsband auf den entzündeten Hals drücken kann, sollte der Hund dabei ein Brustgeschirr tragen. Wärme ist wichtig – frische Luft aber auch, denn in der verbrauchten Raumluft sammeln sich Feinstaub und andere Schwebstoffe an, die die Atemwege reizen. Am besten lüftet man die Räume, in denen sich der Hund aufhält, mehrmals täglich bei weit geöffneten Fenstern und ausgeschalteter Heizung mehrere Minuten durch. Bei diesem sogenannten Stoßlüften findet ein kompletter Luftaustausch statt. Hunde, die Schluckbeschwerden haben, sollten ein weiches breiiges Futter erhalten. Wenn es ein wenig angewärmt ist, duftet es verführerischer und kann den Appetit der Patienten anregen. Hunde, die gar nichts fressen wollen, kann man manchmal mit leicht gesalzener, lauwarmer Hühner- oder Fleischbrühe davon überzeugen, etwas zu sich zu nehmen. Nach den ersten stärkenden Schlucken erwacht auch häufig der Appetit auf eine gehaltvollere Kost.

Tierärztliche Behandlung nötig?

Verweigert der Hund länger als einen Tag die Nahrungsaufnahme, muss er tierärztlich untersucht werden. Das gilt auch bei Fieber, starkem Husten, Auswurf, eitrigem Nasen-oder Augensekret, Atembeschwerden, Atemgeräuschen, Abgeschlagenheit oder anderen schweren Symptomen.

Die tierärztliche Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Art der Beschwerden. Hunde mit bakterieller Infektion und Fieber werden mit Antibiotika behandelt. Bei einem hohen Fieber werden vom Tierarzt außerdem fiebersenkende Arzneimittel, bei starken Schmerzen entsprechende für Hunde verträgliche Schmerzmittel eingesetzt.

Menschenarzneien sind tabu

Keinesfalls dürfen Hunde mit Erkältungssymptomen mit frei verkäuflichen Medikamenten aus der Apotheke oder der Drogerie behandelt werden. Jedes Jahr kommt es zu schweren, auch tödlichen Vergiftungen bei Hunden und anderen Tieren, weil ihre Besitzer ihnen in bester Absicht Medikamente für den Menschen verabreicht haben.

Diese Vergiftungen kommen auch bei rein pflanzlichen Mitteln vor: Jede Tierart reagiert anders auf arzneiliche Wirkstoffe, gleichgültig, ob sie aus der Fabrik oder der Natur stammen.

Darum sollte man Tieren grundsätzlich nur Medikamente geben, die der Tierarzt abgibt, verschreibt oder empfiehlt.

BARBARA WELSCH