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ERLEBNIS WANDERN: Alte Sorten – ein Schatz der Natur


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 30.08.2019

Streuobstwiesen sind eigentlich „nur“ locker gepflanzte Obstbäume. Doch wer sich auf den Weg dorthin macht, kann im wahrsten Sinne des Wortes alte Kulturen neu entdecken – und da haben wir etwas für Sie …


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Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 5/2019

Rund um Hemmingen findet man zwischen den für das Strohgäu typischen Getreidefeldern ausgedehnte Obstbaumwiesen.


Wer aus dem Supermarkt nur die „üblichen Verdächtigen“ bei Äpfel und Birnen kennt, sprich Standardsorten, dem eröffnen sich auf Streuobstwiesen quasi neue Welten: Da gibt es die Palmischbirne, die Knausbirne, den „Wildling von Einsiedel“ oder den Luikenapfel – so heißen unsere alten Apfel- und ...

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... Birnbaumsorten. Interessante und oft sprechende Namen, denen wir auf den Spuren des Streuobstes im Strohgäu folgen. Auf einer Wanderung, bei der wir alte Obst-Kulturen neu entdecken.

Falls jetzt die Frage aufkommt: „Strohgäu – das spricht aber nicht unbedingt für Streuobst“, so sei hier zitiert, was im „Hemminger Heimatbuch“ aus dem Jahr 1991 steht: „Streuobstwiesen, weit gestreut wie nirgendwo sonst im Ländle“. Verkauft wurde das Obst auf den Märkten von Stuttgart und Ludwigsburg, und zwar zu sehr guten Preisen, wie man lesen kann. Das hat Wohlstand in die Gemeinden gebracht.

Nun, das war früher. Aber auch heute finden wir hier noch Baumwiesen mit alten Obstsorten. Wir werden sie bei dieser Wanderung aufsuchen, denn gerade zwischen Hemmingen und Heimerdingen gibt es viele Exemplare alter bis uralter Apfel- und Birnbäume, Sorten, die es heute kaum noch woanders gibt. So führt uns der Weg von Streuobstwiese zu Streuobstwiese, dazwischen aber durch die Kornfelder, die das Strohgäu so bekannt gemacht haben und die vor der Ernte am reizvollsten wirken.

Äpfel gibt es in den Farbvariationen von grün über gelb bis leuchtend rot (links); rechts die seltene und alte Birnensorte Große Rommelter


Wegverlauf

Auf zur Oberösterreichischen Weinbirne

Start unserer Wanderung ist der Bahnhof von Hemmingen als markantestem (Anreise-) Punkt des Ortes. Wir gehen von dort aus nach Osten und biegen rechts ab in die Hochdorfer Straße. Auf der anderen Straßenseite sehen wir gleich eine Oberösterreichische Weinbirne. Danach halten wir uns gleich rechts in die Schloßgartenstraße. Nach den Häusern wandern wir am Damwildgehege, auch „Rehlespark“ genannt, vorbei. Nach ihm biegen wir später rechts ab, zuerst gehen wir aber etwas geradeaus bis zu einer Wiese, in welcher wir einige alte Obstbäume sehen. Markant ist hier die mächtige Karcherbirne. Danach spazieren wir zurück und biegen vor dem Wildgehege links ab. Durch den Schlosspark – man beachte hier die mächtigen Wellingtonien, auch Mammutbäume genannt – gehen wir zum Schloss, das heute als Rathaus dient.
Links davon verläuft die Münchinger Straße. Ihr folgen wir nach rechts. Nachdem sie in die Hauptstraße übergegangen ist, biegen wir links in die Adlergasse ab. Mit einem Rechts-links-Knick kommen wir zur Alten Schöckinger Straße. Auf ihr verlassen wir nach links Hemmingen und wandern durch die Felder zu einem Baum, der uns schon von weitem als Landmarke auffällt – hier an der höchsten Stelle kann man ihn von der ganzen Umgebung her sehen. Dieser als Naturdenkmal geschützte Baum (bekannt als „Birnbaum vom Pfaffenkreuz“) ist ein Birnbaum der Sorte Große Rommelter. Von hier haben wir einen großartigen Blick auf die Umgebung: Vor uns liegt Schöckingen, links der „Grüne Heiner“, hinter uns Hemmingen, dahinter der Schwäbische Wald.

Vom Kaiserstein zum Streuobsthain

Links davon liegt der Kaiserstein. Er geht auf einen Entwurf von Axel von Varnbüler von 1889 zurück und erinnert an einen Besuch von Kaiser Wilhelm I. am 22. September 1885. Er beobachtete hier ein Manöver. Früher war es noch mit einem Porträt des Kaisers und einem Metalladler versehen. Daneben findet man eine Landmarke und Mostbirne ersten Ranges. Wir biegen aber rechts ab. Etwas später überqueren wir die Neue Schöckinger Straße/L1136. Dahinter folgen wir dem nach links führenden Feldweg und halten auf die bereits erkennbare Obstbaumanlage zu. In diesem Streuobsthain befinden sich viele alte Sorten wie zum Beispiel die Palmischbirne.
Vor der Anlage biegen wir rechts ab, danach folgen wir dem nach links aufwärts führenden Naturweg. Nach den Baumwiesen kommen wir zu einem querenden Asphaltweg. Er bringt uns nach rechts zu einem Waldstück. Dort zieht der Weg nach rechts. Kurz vor der Landstraße biegen wir links ab in den Wald. Bald stoßen wir auf einen anderen Forstweg, der von rechts von einem Parkplatz kommt. Wir behalten aber unsere Richtung bei. Etwas später machen wir nach rechts einen kurzen Abstecher nach Rohrsperg, wo wir uns hinter der Straße das alte Schafhaus ansehen können. Danach gehen wir zurück und dort, wo wir von links gekommen sind, geradeaus weiter.

Der Birnbaum vom Pfafenkreuz

STREUOBSTWIESEN ERLEBEN – UND GENIESSEN

Strohgäu-Cidre und Poiré

Die beiden Streuobst-Enthusiasten Urs Renninger, Ditzingen, und Matthias Braun, Hemmingen, präsentieren Strohgäu-Cidre und Poiré (nach französischer Art, aber aus alten und historischen heimischen Apfel- und Birnensorten) mit Kostprobe und Vortrag zu den alten Sorten.

Termin:
Sonntag, 17. November 2019, 15 Uhr (bei mindestens 10 Teilnehmern) Ort: Ditzingen (Autenstr. 18, Cidre-Poiré-Produktionskeller; Nähe S-Bahnhof); nach der Besichtigung geht es in einem kurzen gemeinsamen Fußweg zum Dreigiebelhaus am Laien (Ort des Vortrags/Kostprobe im Gewölbekeller)
Preis: 23 € (vorab zu überweisen)
Kontakt/Anmeldung:
Telefon 0151- 28033914
urs.renninger@gmx.de

Alte Obstsorten

Beim Vortrag über „Alte Obstsorten“ vom Hemminger „Ortspomologen“ Matthias Braun sollen die Kehlen nicht trocken bleiben: Ein Ausschank von Cidre und Poiré von Urs Renninger, Ditzingen rundet die Veranstaltung ab. Außerdem gibt es eine Führung durch die Brennerei Szeibert mit Destillat-Probe, voraussichtlich eine Ausstellung von Apfel- und Birnensorten sowie eine Pflanzaktion im Rahmen des Streuobstprojekts Ochsenbach.

Termin:
Freitag, 11. Oktober 2019, 18:30 Uhr Ort: Ochsenbach bei Sachsenheim, Obstbrennerei Jürgen Szeibert, Neue Heimat, 74343 Sachsenheim
www.brennerei-szeibert.de
Kontakt:
Thomas Wörner: Telefon 07147- 5938, tkwoerner@gmx.de Fabian Köstlin: Telefon 07046- 882132,fabiankoestlin@t-online.de

EINKEHREN

Das Gasthaus „Zum Adler“ in Hemmingen bietet feine heimische und italienische Küche, vom Zwiebelrostbraten bis zu Spaghetti. Es gibt einen täglich wechselnden Mittagstisch.
Gasthaus Zum Adler Hauptstr. 10, 71282 Hemmingen
Tel. 07150- 3917777
gasthaus-zum-adler-hemmingen.de

Im Restaurant „El Greco“ gibt es traditionelle griechische, deutsche und internationale Küche mit passenden Weinen.
Auch Fischgerichte werden geboten. In der warmen Jahreszeit sitzt man im Biergarten.
El Greco
Friedenstr. 34, 71282 Hemmingen
Tel. 07150- 6495
www.el-greco-hemmingen.de

Das „Trölsch“ schräg gegenüber des Schlosses ist gleichzeitig Bäckerei, Konditorei und Café. Geboten werden außer dem Einkauf an der Theke Frühstück und ein täglich wechselnder Mittagstisch.
Trölsch
Münchinger Str. 2, 71282 Hemmingen
Tel.: 07150- 8103360
www.troelsch.de

Tourensteckbrief

Ausgangsort : Hemmingen, Bahnhof, Bahnhofstraße, GPS-Koordinaten: 48.867681, 9.031686
Ziel : wieder Hemmingen, Bahnhof
Routenlänge : etwa 15,5 Kilometer
Gehzeit : etwa 4 Stunden
Höhenunterschied : etwa 260 Meter
Wege : Wir wandern auf festen Wegen
Für Kinder geeignet : nein
Auch als Radtour geeignet : ja
Karte : Wanderkarte Stuttgart (LGL); Wanderkarte mit Radwegen, Blatt 50-541, Stuttgart Nordwest (NaturNavi)
Öffentliche Verkehrsmittel : Bahn

In Heimerdingen steht vor dem fachwerkgeschmückten Bauernhaus eine mächtige Knausbirne.


Ist der Baum zu alt und nicht mehr ertragreich, kann man mit seinem Holz im Winter immer noch heizen.


Am Waldende halten wir uns rechts, dann links abwärts und dort wieder rechts zum Gewerbegebiet. Die Röntgenstraße führt uns hinein. Gleich danach biegen wir rechts ab in die Einsteinstraße. Vor der Bahnlinie biegen wir links ab in die Liebigstraße. Entlang der Bahnlinie verlassen wir das Gewerbegebiet, gehen kurz in die Thomas-Mann-Straße und kommen zur Gutenbergstraße, die uns nach rechts zur Feuerbacher Straße bringt. Nach rechts kommen wir zum Übergang über die Bahnlinie. Wir gehen nach rechts über die Gleise und halten uns gleich darauf rechts in die Hemminger Straße. Nach dem ersten Haus biegen wir links ab in die Nelkenstraße. Etwas später halten wir uns links in die Rosenstraße.

Mächtiger Birnenbaum

Rechts sehen wir nun wieder ein interessantes Streuobstgebiet. Vor dem Fachwerkhaus steht eine mächtige Knausbirne. Wir gehen an dem Hof vorbei geradeaus bis zur querenden Stiegelgasse. Auf ihr verlassen wir nach rechts Heimerdingen. Links und rechts des Weges sehen wir interessante Baumwiesen. Markante Bäume hier sind zum Beispiel die Birnensorte „Wildling von Einsiedel“, eine 150 bis 200 Jahre alte „Hermannsbirne“ (veredelt auf einer „Normännischen Ciderbirne“ aus der Normandie), Prevorster Bratbirnen, ein uralter Luikenapfelbaum sowie eine Vielzahl an Renetten und auch Kalville. Der Weg knickt etwas später rechts ab und bringt uns zur querenden Nelkenstraße. Auf ihr wandern wir mit dem Wanderzeichen blauer Punkt nach links. Am Waldrand liegt der schön gestaltete Waldgrillplatz Rohrsberg. An der querenden K 1654 gehen wir geradeaus weiter. Kurz darauf biegen wir rechts ab in die Felder. Mit einem Links-, dann Rechts-, danach wieder Links- und Rechtsknick kommen wir zu Aussiedlerhöfen. Wir wandern an ihnen vorbei, biegen aber bald darauf am Fahrverbotsschild vor dem Wohngebiet mit dem Radwegschild nach „Hemmingen“ rechts ab.

Vor der Bahnlinie sehen wir die Metzer Bratbirne. Nach der Bahnlinie biegen wir links ab. Wir wandern an den Sportplätzen und an einem Spiel- und Grillplatz vorbei. Interessant sind hier auch die Spielgeräte für Erwachsene, die am Straßenrand platziert sind.

Vor den Häusern sehen wir rechts des Weges wieder Obstbäume. Hier finden wir den Rheinischen Bohnapfel sowie die Oberösterreichische Weinbirne. Direkt vor der Wohnanlage orientieren wir uns rechts. Der Viehweg bringt uns zur Eberdinger Straße. Ihr folgen wir nach links bis zur links abgehenden Gartenstraße. In der Seestraße biegen wir rechts ab. In der querenden Eisstraße halten wir uns links. Gleich darauf liegt links der Etterhof. Etwas unterhalb biegen wir dann links ab in die Ludwig-Speidel-Straße. Gleich darauf halten wir uns rechts in die Fronstraße, die uns schließlich zurück zum Bahnhof bringt.

Unseren Autor Dieter Buck zieht es immer wieder aus Liebe zu heimischen Obstsorten zu den Streuobstwiesen. Daraus wurde das Buch „Erlebniswandern im Streuobstparadies“ mit 30 Tourentipps. Erschienen im Silberburg-Verlag, 17,99 Euro,www.verlagshaus24.de/silberburg

HEMMINGEN UND HEIMERDINGEN:Sehenswertes am Wegesrand

Der Schlossgarten mit seinen imposanten Bäumen


Hemmingen (327 m) hat einige interessante historische Häuser aufzuweisen, die durch Tafeln erklärt sind. Zu den wichtigsten Punkten im Ort führt ein beschilderter Historischer Rundweg. Sehenswert sind vor allem die Kirche und die Schlossanlage. Das heute als Rathaus genutzte Schloss geht auf das 14. Jahrhundert zurück, die heutige Anlage stammt von 1852, als sie von Christian Friedrich Leins für die Herren von Varnbüler im Stil eines alten französischen Adelssitzes umgebaut wurde. Neben dem großen Gebäude liegt das Neue Schloss von 1542, das oben Fachwerk besitzt. Der Komplex ist von einem großen Park im englischen Stil umgeben. In ihm finden wir einige riesige Wellingtonien (Mammutbäume). Neben dem Schloss befindet sich auch die Ev. Pfarrkirche St. Laurentius, die ein beeindruckendes Renaissanceportal aus etwa 1600 besitzt. Beachtenswert sind zudem die Grabmäler der Ortsherren. Und wer noch mehr über die Gegend wissen möchte: Im Etterhof gibt es nicht nur eine heimatgeschichtliche Ausstellung, hier finden auch Veranstaltungen statt. Informationen finden Sie unterwww.etterhof.de undwww.hemmingen.de

Heimerdingen (408 m) wurde 798 erstmals genannt. Besitz im Ort hatten das Kloster Lorsch und das Elsässer Kloster Weissenburg, und ab Anfang des 15. Jahrhunderts die Württemberger. Die mit einer Zwiebelkuppel geschmückte Kirche wurde 1776 nach einem Brand neu errichtet. Man sieht noch einige Fachwerkhäuser im Ort, so beispielsweise das Pfarrhaus.


Fotos: Dieter Buck, Matthias Braun