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ERNÄHRUNG: Bio-Futter unter der Lupe


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019

Immer mehr Menschen sind bereit, für gesunde und nachhaltige Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. Doch hält das Label „Bio“, was es verspricht?Anke Jobi weiß Bescheid


Artikelbild für den Artikel "ERNÄHRUNG: Bio-Futter unter der Lupe" aus der Ausgabe 12/2019 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 12/2019

Begriff e wie Nachhaltigkeit und Klimawandel sind in aller Munde und Bio boomt. Auch vor dem Hundefutternapf macht der Trend nicht halt. Immer mehr Menschen wollen ein Futter für ihren Hund, das möglichst natürlich ist, keine Zusatzstoff e, keine Pestizide oder andere schlechte Stoff e, dafür viele gute Nährstoff e enthält und das außerdem auch das Wohl der Nutztiere garantiert. Bio verspricht viel, aber hält es das auch? ...

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Der Begriff „Bio“ ist in der Europäischen Union gesetzlich definiert. Lebensmittel – dazu zählt auch Hundefutter – die mit „Bio“ gekennzeichnet sind, müssen aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Das bedeutet, dass die Produkte umweltschonend und nachhaltig hergestellt und tierische Produkte aus artgerechter Haltung stammen müssen.

Das EU-Bio-Siegel

Seit 2010 ist in der Europäischen Union für alle Produkte, die die Bezeichnung „Bio“ tragen sollen, das EU-Bio-Siegel Pflicht(siehe Infokasten rechts) . Nur wer bestimmte Standards erfüllt, wie sie das EU-Recht definiert, darf das EU-Bio-Siegel nutzen.

Die Hersteller müssen sich bei einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle anmelden und nachweisen, dass sie die gesetzlich definierten Standards einhalten. Auch nach dem ersten Nachweis finden regelmäßige Prüfungen statt, die zum Teil auch unangemeldet erfolgen.

Die EU-Ökoverordnung verlangt, dass Bio-Pflanzen so angebaut werden, dass der Boden fruchtbar bleibt, Wasser sauber gehalten wird und vielfältige Kulturen auf den Bio-Äckern wachsen. Bio-Bauern dürfen weder Gentechnik noch chemisch-synthetische Pestizide oder Kunstdünger einsetzen, sie müssen auf vorbeugende Maßnahmen wie öko-taugliche Sorten und Fruchtfolgen zurückgreifen. Nach EU-Recht erhalten Nutztiere in der ökologischen Landwirtschaft Bio-Futter, das gentechnikfrei und ohne chemisch-synthetische Pestizide oder Kunstdünger angebaut wurde und das zumindest teilweise vom eigenen Hof stammen muss. Sie haben mehr Platz als die Tiere in konventioneller Haltung und müssen Auslauf bzw. Weidegang haben, um ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben zu können. Medikamente dürfen nur mit größter Sorgfalt und begrenzt verabreicht werden, Antibiotika-Gaben nicht prophylaktisch erfolgen. Es dürfen keine Schnäbel, Ringelschwänze oder auch Zähne abgetrennt werden – Hörner aber schon. Nach wie vor werden auch in der ökologischen Landwirtschaft viele Rinder enthornt, einfach weil die Bauern nicht über entsprechend großzügige Ställe verfügen, denn Rinder mit Hörnern benötigen mehr Platz. Zudem ist der Umgang mit ihnen nicht immer ganz ungefährlich.

Ist Bio besser für die Nutztiere?

Hundefutter, das sich mit dem EUBio-Siegel schmücken möchte, muss zu 95 Prozent Zutaten enthalten, die diesen Standards entsprechen. Für die Nutztiere, die in diesem Hundefutter landen, bedeutet das auf jeden Fall mehr Lebensqualität. Sie haben mehr Platz im Stall und kommen an die frische Luft. So stehen beispielsweise einer Milchkuh mindestens 6 m2 Stallfläche zur Verfügung, Zucht- und Mastrindern mindestens 1 m2 je 100 kg Körpergewicht, Zuchtbullen sogar 10 m2. Das ist auf jeden Fall besser als in der konventionellen Haltung, wo ein „Richtwert“ von 3 m2 für ein Mastrind ab 600 kg gilt – richtig gut ist es aber auch nicht.

Freiwillige Bio-Siegel

Zusätzlich zum gesetzlich verpflichtenden Bio-Siegel der EU gibt es weitere Logos, wie die von den Bio-Anbauverbänden Demeter, Bioland oder Naturland (siehe unten ), deren Mitgliedsbetriebe teilweise nach höheren Standards arbeiten. Einige Unterschiede sind z. B.:
▷ Demeter erlaubt nicht die Enthornung von Rindern.
▷ Während den EU-Biorindern „zu verschiedenen Zeiten des Jahres ein Maximum an Weidegang“ zugestanden wird, ist bei Demeter oder auch Naturland den ganzen Sommer über Weidehaltung vorgeschrieben.
▷ Demeter-Legehennen haben etwas mehr Platz als die EU-Biohennen: Statt 6 Hühnern müssen sich nur 4,4 Tiere 1 m2 teilen.
▷ Demeter, Bioland und auch Naturland schreiben eine maximale Transportzeit von 4 Stunden vor, nach EU-Standard gibt es dazu gar keine Regelung.
Beim Platzangebot im Stall unterscheiden sich die Standards der freiwilligen Siegel jedoch nicht allzu sehr vom EUSiegel. Zusätzlich zum gesetzlich vorgeschriebenen EU-Bio-Siegel nutzen auch einige Hundefutterhersteller das eine oder andere freiwillige Siegel.

Anke Jobi arbeitet als zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde. In ihrem Blog schreibt sie über nachhaltige Tiernahrung und setzt sich kritisch mit den neuesten Trends auseinander:www.clean-feeding.de

Ist Bio-Hundefutter besser?

Schenkt man der Stiftung Warentest Glauben, ist Bio nicht besser, denn getestete Bio-Futter sind in den letzten Jahren regelmäßig durchgefallen. Das lag allerdings nicht am Bio-Siegel, sondern an der Zusammensetzung. Es wurden mehrfach Alleinfuttermittel getestet, die abgesehen von den Zutaten in Bio-Qualität auch auf eine natürliche Zusammensetzung Wert gelegt haben, welche dann jedoch leider nicht den Nährstoff bedarf eines Hundes abdecken konnte. Das ist für ein Futtermittel, das die Bezeichnung „Alleinfutter“ trägt, jedoch zwingend erforderlich. Ein Hundehalter muss sich darauf verlassen können, dass in dem Futter alle benötigten Nährstoff e in entsprechender Menge vorhanden sind. Ist das nicht der Fall, ist es kein Alleinfutter mehr, sondern eigentlich ein Ergänzungsfutter. Trotzdem kann Bio-Hundefutter durchaus besser sein als konventionelles. Dann nämlich, wenn die Nährstoff zusammensetzung stimmt oder wenn vom Hersteller entsprechende Ergänzungen dazu empfohlen werden.

Dann ist es ein Futter, das keine Pestizide enthält, keine Medikamentenrückstände, Fleisch mit höheren Gehalten an Omega-3-Fettsäuren (wenn die Rinder Gras gefressen haben), keine Konservierungsstoff e, mehr gute Antioxidantien. Dass Bio-Nahrungsmittel grundsätzlich mehr Nährstoff e enthalten, stimmt leider eher nicht. Das kann höchstens dann zutreff en, wenn es sich um regionale und saisonal gewählte pflanzliche Zutaten handelt. Diese werden nämlich meist erst geerntet, wenn sie richtig reif sind, da lange Transportwege wegfallen, wodurch die Nährstoff e sich voll ausbilden können. Dass Bio-Futter grundsätzlich qualitativ hochwertiger wäre, kann man nicht sagen. Sowohl im konventionellen Hundefutter als auch im Bio-Futter werden nur Zutaten verwendet, die nach Lebensmittelstandard beurteilt wurden. Wie hochwertig z. B. das Fleisch ist, ob es einen hohen Anteil Bindegewebe enthält, ändert sich auch durch Bio nicht. Grundsätzlich werden in Hundefutter viele Reste der menschlichen Nahrungsmittel verwendet (was auch gut ist!), dabei ist es ebenfalls egal, ob nun Bio oder konventionell.

Welcher Hund freut sich nicht über Fleisch oder Kartoffeln in Bio-Qualität, die beim Kochen übrig geblieben sind?


Konventionelles Futter lässt sich prima mit Lebensmitteln in Bio-Qualität aufpeppen


Der Preis ist heiß!

Leider ist Bio nicht ganz billig. Wer seinen Hund ausschließlich mit Bio-Futter versorgt, landet im Monat schnell bei einem dreistelligen Betrag. Das kann sich nicht jeder leisten. Wem es wichtig ist, auch den Hund mit Nahrungsmitteln in Bio-Qualität zu füttern, dem das Bio-Fertigfutter aber zu teuer ist, der kann sich überlegen, die Rationen selber zu gestalten.

Dabei kann man viele Reste der eigenen Mahlzeiten nutzen, was dem nachhaltigen Grundgedanken von Bio natürlich entgegenkommt. Wer nicht auf Fertigfutter verzichten möchte, kann den Anteil zumindest etwas senken und mit Resten von den eigenen Mahlzeiten aufstocken, wie Kartoff eln, Gemüse, Fleischresten etc. Diese Methode nennt sich „ABAM“ (A bstauberB ekommenA llesM ögliche) nach dem Tierarzt Dr. Ralph Rückert. Man muss sich um die Nährstoff versorgung des Hundes i. d. R. keine Sorgen machen, da die Nährstoff gehalte im Fertigfutter sowieso eher über dem Bedarf liegen. Zudem liefern die frischen Nahrungsmittel ebenfalls viele gute Nährstoff e.

Es gibt auch den ein oder anderen Hundefutter-Hersteller, der zwar kein Bio-Futter anbietet, die Zutaten aber von kleineren, regionalen Höfen bezieht, die viele Bio-Standards einhalten, obwohl sie, z. B. aus finanziellen Gründen, nicht „Bio“-zertifiziert sind. Manche Hersteller tragen kein Bio-Siegel, weil nicht immer alle Zutaten in Bio verfügbar sind, nutzen aber trotzdem einen Großteil in Bio-Qualität. Es kann sich also lohnen, vor allem bei kleineren Herstellern nachzufragen, woher sie ihre Zutaten beziehen.

Fazit

Bio ist zwar gut, aber nicht unbedingt immer besser. Es hängt vom eigenen Anspruch und natürlich vom Portemonnaie ab, wofür man sich entscheidet. Es kann sich durchaus lohnen, auch auf das konventionelle Futter einen näheren Blick zu werfen, indem man den Kontakt zu den Herstellern sucht. Auch wer kein Bio-Siegel führt, hat möglicherweise das Wohl der Nutztiere im Sinn, kann das Futter aber aufgrund niedrigerer Kosten billiger abgeben.

Bio-Siegel im Überblick

Das off izielle Bio-Siegel der EU garantiert Bio-Mindeststandards.

Die Logos der Bio-Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter schreiben teilweise höhere Standards als die nach EU-Bio-Richtlinien vor, wie z. B. eine maximale Transportzeit der Tiere von vier Stunden.


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