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ERNÄHRUNG: Superfood für Hunde


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 04.11.2020

Lebensmittel, die das Immunsystem stärken und zu mehr Energie und Wohlbefinden verhelfen sollen, liegen auch für Hunde absolut im Trend. Unsere Expertin kennt sie alle


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 12/2020

Unter dem Begriff Superfood versteht man industriell unveränderte Nahrungsmittel, die als besonders gesund gelten, weil sie einen sehr hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoff en, Ballaststoff en, Antioxidantien oder anderen guten Inhaltsstoff en haben. Für den Begriff gibt es keine rechtlich verbindliche Defi nition. Laut der Health-Claims-Verordnung der EU darf ein Nahrungsmittel nur als Superfood beworben werden, wenn ein ...

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... wissenschaftlicher Beweis vorliegt für die besonders gesundheitsfördernde Wirkung. Häufig dient der Begriff Superfood eher der Vermarktung, sagt jedoch nicht unbedingt etwas darüber aus, ob das Nahrungsmittel sich aufgrund seines Gehalts an gesundheitsfördernden Inhaltsstoff en wirklich von anderen unterscheidet.

Nichtsdestotrotz liegt Superfood voll im Trend, auch für den Hund! Aber ist für Hunde gesund, was auch für uns Menschen gesund ist? Und wenn ja, muss es wirklich immer der Exot sein?

Superfood für den Hund?

Was für uns Menschen gilt, gilt auch für unsere Hunde: Nahrungsmittel, die sehr reich an guten Nährstoff en sind, können die Gesunderhaltung unterstützen. Zu beachten wäre allerdings die Aufnahmefähigkeit des hündischen Organismus der enthaltenen Nährstoff e. Meist handelt es sich bei Superfood um pfl anzliche Nahrungsmittel und wie wir Menschen können auch Hunde die Zellulose in pfl anzlichen Nahrungsmitteln nicht enzymatisch aufspalten. Damit die Nährstoffe aus den pfl anzlichen Nahrungsmitteln verfügbar gemacht werden, muss die Zellulose daher entweder mechanisch oder per Erhitzung aufgespalten werden. Der Unterschied zwischen Mensch und Hund ist, dass der Hund ein Schlingfresser ist. Das heißt, während wir eine Möhre in der Regel ausgiebig kauen, schluckt der Hund relativ große Stücke einfach hinunter. Daher ist es wichtig, die Inhaltsstoffe pfl anzlicher Nahrungsmittel durch Zerkleinerung oder Erhitzung verfügbar zu machen. Da manche Inhaltsstoffe bei der Erhitzung leiden, ist diese nicht immer zu empfehlen. Viele sekundäre Pfl anzenstoffe, die häufig die gesundheitsfördernde Wirkung von Superfood ausmachen, können Hitze nicht gut vertragen.

Mittlerweile fi ndet man Superfood in jedem gut sortierten Supermarkt. Besonders beliebt sind Exoten, die aus den entferntesten Winkeln der Welt zu uns importiert werden.

Chia-Samen

Die kleinen Samen der Chia-Pfl anze gehören zur Gattung des Salbeis und werden meist aus Südamerika oder Mexiko importiert. Sie enthalten viele Vitamine, Mineralstoff e, Spurenelemente, Antioxidantien, Ballaststoff e, Proteine und einen herausragend hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Nur 25 g der Chia-Samen decken 308 % (!!!) des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen an Omega-3-Fettsäuren. Entsprechend haben die Samen eine entzündungshemmende Wirkung. In Amerika arbeiten viele Tierärzte bei verschiedenen Erkrankungen wie z. B. Arthritis, Diabetes oder auch Hautentzündungen mit Chia-Samen. Da Chia-Samen eine hohe Wasserbindungsfähigkeit haben, sollten sie vor der Fütterung für etwa 10 Minuten in Wasser eingeweicht werden. So entsteht eine gelartige Paste, welche in das Futter gemischt werden kann.

Cranberries

Die vor allem in Nordamerika und Kanada beheimateten Beeren, die auch Großfrüchtige Moosbeere heißen und zu den Heidelbeeren gehören, sind sehr reich an Vitaminen und sekundären Pfl anzenstoff en. Vor allem der hohe Gehalt an sekundären Pfl anzenstoff en wie Proanthocyaniden und kondensierten Tanninen soll die gesundheitsfördernde Wirkung der Beeren ausmachen. Wegen antiviraler, antibakterieller und fungizider Wirkung wird vor allem der Saft bei Blasenleiden und Harnwegsinfektionen eingesetzt. Tannin ist eine Gerbsäure und hemmt die Anhaftung von E.-coli-Bakterien an die Zellen von Blase und Niere. Der hohe Gehalt an Vitamin C ist vor allem dafür verantwortlich, dass der Beere eine antioxidative Wirkung nachgesagt wird.

Goji-Beeren

Die aus Asien stammenden Beeren sind reich an Vitaminen, Mineralstoff en sowie auch sekundären Pfl anzenstoff en. Die enthaltenen Antioxidantien Lutein und Zeaxanthin sowie ein hoher Gehalt an Vitamin A sollen der Augengesundheit zugutekommen.

Kurkuma

Der asiatische gelbe Ingwer wirkt antioxidativ, schmerzlindernd, hemmt Entzündungen und soll ebenfalls eine hemmende Wirkung auf Krebszellen haben. Unter anderem soll Kurkuma den Verdauungstrakt ins Gleichgewicht bringen, die Gesundheit von Augen und Haut fördern sowie den Kreislauf und das Immunsystem unterstützen. Zu beachten ist, dass seine Aufnahme und Absorption sehr begrenzt möglich sind und er daher von einem Öl und schwarzem Pfeffer begleitet werden sollte. Am besten stellt man die sogenannte Kurkuma-Paste her. Diese kann man kurweise, als Unterstützung bei Erkrankungen oder als vorbeugende Maßnahme zur Gesunderhaltung einfach ab und an zum Futter dazugeben.

Vorsicht vor Pestiziden

Grundsätzlich sollte man berücksichtigen, dass vor allem solche pflanzlichen Nahrungsmittel, die aus fernen Ländern stammen, häufig stärker mit Pestiziden belastet sind. Laut Greenpeace ist die Belastung oft besonders hoch, wenn die Nahrungsmittel außerhalb der EU angebaut wurden.

Heimisches Superfood

Dabei muss man gar nicht in die Ferne schweifen, es gibt viele Nahrungsmittel, die hier in Deutschland wachsen und dem internationalen Superfood in nichts nachstehen.

Leinsamen

Das Gewächs Lein, auch Flachs genannt, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Leinsamen enthalten viel Eiweiß und einen hohen Anteil an Ballaststoffen, weshalb sie bei Problemen mit der Verdauung hilfreich sein können, sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall. Weicht man sie vor der Fütterung in Wasser ein, können sie das Kotvolumen erhöhen und helfen so bei Verstopfung. Gibt man sie trocken, binden sie das Wasser im Verdauungstrakt und helfen gegen Durchfall. Außerdem enthalten Leinsamen einen hohen Anteil Omega-3-Fettsäuren sowie Mineralstoffe wie z. B. Selen. Um die Nährstoffe gut verfügbar zu machen, sollte Leinsamen am besten kurz vor der Fütterung geschrotet werden (nicht geschrotet kaufen!).

Hanfsamen

Auch Hanf ist eine der ältesten Kulturpfl anzen der Welt und zeichnet sich durch eine sehr hohe Nährstoff dichte aus. Wegen dieser Nährstoff dichte werden die Hanfsamen häufig auch als „Vitalnüsschen“ bezeichnet. Lange Zeit waren die einmal sehr nützlichen Pfl anzen wegen ihrer Rauschwirkung verrufen, mittlerweile entdeckt man aber wieder ihren gesundheitlichen Nutzen. Hanfsamen enthalten eine Reihe wichtiger Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe (besonders viel Eisen und Magnesium) und auch hohe Mengen hochwertiges Eiweiß. Auch ihr Fettsäurenprofil zeichnet sie aus, da das Verhältnis der essentiellen Fettsäuren Omega 3 und Omega 6 in einem guten Verhältnis vorliegt.

Schwarze Johannisbeeren

Schwarze Johannisbeeren enthalten sehr hohe Mengen Vitamin C und zwar dreimal so viel wie Zitronen. Außerdem enthalten sie neben weiteren Nährstoff en den sekundären Pfl anzenstoff Anthocyan, welcher antikarzinogen wirkt, Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugt und als Antioxidans gilt.

Heidelbeeren

Heidelbeeren sollen von allen Früchten die größte antioxidative Wirkung haben. Enthaltene sekundäre Pflanzenstoffe wirken antibakteriell, entzündungshemmend und unterstützen einen gesunden Gehirnstoffwechsel. Außerdem enthalten sie viele gute Vitamine und auch Mineralstoffe.

Brokkoli

Aufgrund des enthaltenen sekundären Pflanzenstoffs Sulforaphan, welcher eine antikanzerogene Wirkung hat, gilt Brokkoli als Anti-Krebs-Gemüse. Auch viele weitere Nährstoffe wie B-Vitamine, Vitamin C, E und K, die Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Kalium enthält der Brokkoli, sowie eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe.

Grünkohl

Grünkohl ist ein typisches Wintergemüse und sehr nährstoff reich. Der Gehalt an Vitamin C ist sogar höher als der von Zitronen. Auch er gilt als Anti-Krebs-Gemüse, da er sekundäre Pfl anzenstoffe enthält, die eine antikanzerogene Wirkung haben sollen. Der Gehalt an Beta-Carotin, aus dem auch Hunde Vitamin A bilden können, ist relativ hoch. Weiter enthält er viel Kalium, Calcium sowie auch beispielsweise einen hohen Anteil Folsäure. Wie andere Kohlsorten kann auch Grünkohl Blähungen verursachen, daher sollte man dem Hund nur kleine Mengen geben.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das ein oder andere sogenannte Superfood durchaus auch den Hundefutternapf hin und wieder bereichern kann. Besonders, wenn der Hund vorrangig mit Fertigfutter ernährt wird, kann die gelegentliche Zugabe von solchen unverarbeiteten Nahrungsmitteln seinen Organismus mit weiteren Nährstoff en versorgen, die sich in ihrem natürlichen Verbund befi nden und so z. B. auch sekundäre Pfl anzenstoffe mitliefern. Dabei sollte man es jedoch nicht übertreiben, denn die beste Variante ist auch für den Hund eine abwechslungsreiche und so viele verschiedene Nährstoffe liefernde Fütterung.

Anke Jobi

ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde. In ihrem Blog schreibt sie über nachhaltige Tiernahrung und setzt sich kritisch mit Trends auseinander: www.clean-feeding.de


FOTOS: SHUTTERSTOCK