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eRoller-Anbieter: KEEP ON:ROLLIN’


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 02.08.2019

eScooter zum Mieten erobern deutsche Großstädte.Aber welche Elektroroller sind sicher zu fahren und günstig zu mieten?


Artikelbild für den Artikel "eRoller-Anbieter: KEEP ON:ROLLIN’" aus der Ausgabe 17/2019 von Computer Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 17/2019


„Das Fahren auf der Straße fühlt sich unsicher an. Spaß machts trotzdem.
Christian Hensen
Stellv. Ressortleiter News


Derart drastisch ändert sich das Straßenbild nur selten: Quasi über Nacht standen Anfang Juli eScooter an jeder Ecke in Hamburg, Berlin und anderen deutschen Städten, seitdem rollen die kleinen Flitzer in Massen durch die Städte. Denn die Zulassung von eScootern hat nicht nur Hersteller von elektrischen Rollern auf den Plan gerufen, sondern auch gleich vier große ...

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... Vermieter, die bereits zahlreiche eScooter auf Lager hatten. In kürzester Zeit verteilten die flippig klingenden Firmen Voi, Lime, Circ und Tier die Hype-Mobile auf den Straßen. Und die Kunden kennen kein Halten mehr – neben Touristengruppen auf der Jagd nach Selfies verstopfen eRoller in Windeseile Gehwege, Straßen und Radwege. In diesem Überschwang denkt offenbar kaum ein Rollerfahrer an Sicherheit und Verkehrsregeln.

Einfache Regeln zu Beginn

Die Voraussetzungen für den eRoller-Einstieg sind denkbar einfach: Anders als bei privaten Rollern liegt das Mindestalter für alle Anbieter bei 18 Jahren. Die Registrierung klappt nur mit passender Smartphone-App, gültiger E-Mail-Adresse, meist einer Telefonnummer sowie Kreditkarte oder Pay-Pal-Konto. Wer in der App den Standort eines passenden Rollers gefunden hat, aktiviert das Vehikel per Smartphone und kann dann sofort losfahren.

Auch wenn Pärchen zu zweit auf den Rollern oder Armeen von Scootern auf Gehwegen häufig zu sehen sind – natürlich gelten für die Leih-Scooter dieselben Verkehrsregeln wie für alle eScooter: Fahrer dürfen nur Radwege oder Straßen benutzen, sie müssen Ampeln oder Stoppschilder beachten und dürfen nicht zu zweit auf einen Roller steigen. Eine Helmpflicht gibt es nicht.

Kurze Sichtkontrolle vor der Fahrt

Der Fahrer muss den eScooter im Geschäftsgebiet abstellen und dabei niemanden behindern. Wer den Roller einfach am Straßenrand hinschmeißt, muss mit Strafzahlungen rechnen. Wie auch bei Carsharing-Anbietern sollte der Kunde das Fahrzeug vor Antritt der Fahrt kurz auf Schäden untersuchen und diese dokumentieren, damit er im Zweifel nicht zur Kasse gebeten wird. Die Minutenpreise schwanken derzeit noch häufig, sie liegen zwischen 15 und 25 Cent. Zusätzlich verlangen alle Anbieter pauschal 1 Euro Grundgebühr vor der Abfahrt.

Fahrkomfort ist Mangelware

Wer die eScooter mehrerer Anbieter ausprobiert, wird schnell große Unterschiede bei Fahrleistungen, Komfort und Sicherheit feststellen. So erreichten im COMPUTER BILD-Test die Roller aller Anbieter die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Doch schon bei leichten Steigungen wird’s deutlich lahmer (siehe Tabelle Seite 79).

Auch der Fahrkomfort ist bescheiden. Zwar ist an allen Modellen zumindest am Vorderrad eine Federung zu sehen, aber bei den Scootern von Circ, Voi und Lime nicht zu spüren. Allenfalls die Roller von Tier dämpften tatsächlich etwas, Fahrten über Kopfsteinpflaster machen aber auch mit ihnen keinen Spaß. Was auch daran liegt, dass die eScooter auf Vollgummireifen rollen, denen im Gegensatz zu luftgefüllten Pneus jede Eigendämpfung fehlt.

Und natürlich beeinträchtigen derart kleine Räder die Fahrstabilität und damit den Komfort erheblich, das gilt besonders für die Voi-Roller, die sich mit mickrigen 20-Zentimeter-Reifen unsicher, schwammig und wenig komfortabel fahren. Die größten Reifen mit 25 Zentimeter Durchmesser und schon deshalb mehr Komfort bieten Lime und Tier.

Halt! Stopp!

Überraschend und teilweise desaströs verlief der Bremstest. Nur Tier und Circ setzen auf zwei leicht erreichbare Bremshebel am Lenker, die den Roller in Notsituationen intuitiv und schnell zum Stillstand bringen. Voi und Lime setzen auf eine Hinterradbremse über das Schutzblech, sodass der Fahrer zielgenau mit dem Fuß auf die richtige Stelle treten muss, um den Roller anzuhalten. Das hat mehrere gravierende Nachteile: Ungeübte Fahrer müssen sich genau einprägen, wo der Fuß hin muss, damit die Bremse wirkt. Außerdem ermöglicht das Plastik-Schutzblech am Reifen wesentlich weniger Verzögerung als ein Hebel am Lenker.

DIE KANDIDATENIM DETAIL

Sie sehen ähnlich aus, haben aber klareVorund Nachteile: Zeit für einen direkten Vergleich!

So kam der Lime-Scooter erst nach 3,3 Metern zum Stehen, das Gefährt von Voi sogar erst nach 4,5 Metern – das ist bei dem Gedränge auf Straßen und Radwegen viel zu viel! Die Konkurrenz mit richtigen Bremshebeln steht da deutlich früher still: Die Tier-Roller hatten einen Anhalteweg von 2,6 Metern, die Circ-Scooter mit 2,2 Metern die besten Bremsen – was sich an anderer Stelle rächte: Weil die billigen Roller natürlich kein ABS haben, blockierte die Vorderbremse bei vollem Krafteinsatz. Dann ist ein Sturz kaum vermeidbar, weshalb Circ eine Abwertung um eine halbe Note in der Gesamtwertung bekam. Ein blockiertes Hinterrad lässt den Scooter allenfalls leicht quer über den Asphalt rutschen. In den Bremstests zeigten sich zudem größere Abweichungen zwischen den einzelnen eScootern jedes Anbieters – wer ein schlechtes Exemplar erwischt, muss mit deutlich längeren Bremswegen rechnen.

Spartanische Ausstattung

Die Ausstattung der hippen Gefährte ist eher spartanisch, als einziger Anbieter profiliert sich Circ mit cleveren Details. Hier finden Fahrer einen sehr stabilen Smartphone-Halter für Handys aller Art, eine USB-Ladebuchse für leere Akkus und sogar einen Kombi-Halter für eine Getränkeflasche und Taschen. Die Gefährte der anderen Anbieter haben Lenkstange, Beleuchtung und ein Trittbrett, das war’s aber schon. Immerhin bietet Lime eine Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit auf dem Display und via App sogar eine ungefähre Angabe der Reichweite. Alle anderen Anbieter beschränken sich auf nichtssagende Anzeigen am Roller, etwa eine Punkteskala, sowie Prozentangaben in der App, mit der Fahrer mangels Kenntnis über die Gesamtreichweite aber nichts anfangen können.

Sparsam, der Umwelt zuliebe?

Ihre – bislang – steile Karriere verdanken die eScooter dem Anschein, sie seien besonders günstige und obendrein umweltschonende Fortbewegungsmittel. Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus. Wer den Rechner anwirft, merkt schnell, dass das Umherrollern ganz schön ins Geld geht. Beispiel Lime: Eine Stunde auf dem Roller kostet saftige 16 Euro. Ähnlich viel zahlen Kunden auch mit Uber oder Moia für die Taxifahrt einer ähnlich langen Strecke. Die Kosten liegen mit 25 Cent pro Minute sogar nur 1 Cent unter Anbietern wie Car2Go – und hier bekommt der Kunde gleich ein ganzes Auto.

Darüber hinaus sind die Elektroroller keinesfalls eine Entlastung für die Umwelt. Natürlich pusten emissionsfreie eScooter nicht wie Autos Abgase in die Luft, aber zur Ökobilanz gehört auch die Haltbarkeit der Gefährte. Die Anbieter kalkulieren derzeit mit einer Nutzungsdauer pro Roller von sieben bis zwölf Monaten. Schon im kommenden Jahr wäre demnach jeder Roller fällig für Neuteile oder die Verschrottung. Gerechnet auf Tausende Fahrzeuge ergibt das einen gigantischen Müllberg, der sich irgendwann und irgendwo anhäufen dürfte. Darüber hinaus kommt der Strom für die Akkuladung aus fragwürdigen Quellen in Privathaushalten und Unternehmen. Umweltfreundlich sind die Miet-Scooter also keinesfalls.[ch]

RÜTTELPISTE Keiner der Leih-eScooter rollt einigermaßen komfortabel über Kopfsteinpflaster.


BALANCEAKT Wer einen eScooter teilt, spart zwar Geld, aber wegen der Unfallgefahr ist das verboten!


ALARM, ALARM Die Roller lassen sich zwar wegtragen, begleiten den Dieb aber mit lautem Alarm.


HOT WHEELS Größere Räder sorgen für ein besseres Fahrgefühl. Voi (rechts) hat die mit Abstand kleinsten Räder.


IM NOTFALL AUGEN ZU UND BETEN

COMPUTER BILD hat mit je drei Rollern jedes Anbieters eine Vollbremsung simuliert und den Anhalteweg (Reaktionszeit plus Bremsweg) per Laser ermittelt. Schockierend: Voi-Roller schnitten mit 4,5 Metern gerade ausreichend ab, und Circ-Roller blockierten teilweise das Vorderrad! Außerdem zeigte sich im Bremstest, dass die Serienstreuung bei den Rollern aller Anbieter enorm war.

FAZIT

Für eine Testfahrt oder als Touri-Mobil für Städtereisen mögen sich die Roller eignen. Als Alternative für umweltbewusste Verkehrsteilnehmer oder gar sicheres und günstiges Transportmittel für den Alltag jedoch absolut nicht.

BERG-UND TALFAHRT Die eRoller schaffen zwar kleinere Steigungen, aber im Test hielt kein Roller die Geschwindigkeit, sondern kam mit maximal 13 km/h bergauf.


VERLAUFEN IM AGB-DSCHUNGEL

Man sollte meinen, das Geschäftsmodell der Anbieter sei der Verleih von elektrischen Tretrollern. Dass offenbar mehr dahintersteckt, verrät ein Blick in die kryptischen AGB von Lime, Voi, Circ und Tier. Rechtsanwalt Christian Oberwetter von der Hamburger Kanzlei esb Rechtsanwälte hat sich die AGB für COMPUTER BILD genauer angesehen. Am besten schnitt Tier ab. Zwar beinhaltet deren AGB teils unwirksame Klauseln, etwa die komplette Abwälzung aller Schäden auf den Kunden, aber insgesamt verhält sich der Anbieter transparent.

Lime räumt sich selbst das Recht ein, horrende Gebühren zu verlangen, sollte den Rollern etwas zustoßen. Bis zu 1340 Euro darf Lime gemäß AGB fordern, wenn die Roller nach der Miete Schäden aufweisen. Ganz mies steht’s um den Datenschutz, denn Lime gibt an, Daten der Kunden verkaufen zu wollen – und bleibt eine Erklärung schuldig, wozu.

Die AGB von Circ geben ebenfalls Anlass zu ähnlicher Kritik. Bis zu 1000 Euro räumt sich der Anbieter per AGB ein, die er im Fall eines Verlusts des Rollers vom Kunden fordern darf – zu viel. Note 5 hagelte es für die Datenschutzbestimmungen. Circ gibt an, Daten zu Werbezwecken zu nutzen – und holt sich sogar die Erlaubnis, den Kunden per Sprachund Textnachrichten mit Werbung zu nerven. Außerdem sollen Daten an Drittanbieter gehen. Aber nirgends steht, welche das sind und was mit den Daten geschieht. Voi handelt ebenfalls wenig transparent. Der Kunde haftet hier nicht nur für sämtliche Unfälle selbst, sondern muss ohne Gegenbeweise auch bei Diebstahl und Verlust aufkommen. Falschparken kostet bei diesem Anbieter im Extremfall bis zu 200 Euro – und beim Datenschutz gab es wegen unzureichender Aufklärung, was mit den Daten passiert, die Note 4.