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Erste Ergebnisse aus Umfrage zu Mehrweg- und Einwegtrays


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 28.02.2020

Deutsche Umwelthilfe erhielt Antworten von Großhandel bis LEH und Vermarkter: „Plastikmüllproblem mit hoher Priorität“.


Artikelbild für den Artikel "Erste Ergebnisse aus Umfrage zu Mehrweg- und Einwegtrays" aus der Ausgabe 9/2020 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 9/2020

Ware in Trays an Versteigerungsuhr von Royal FloraHolland im niederländischen Naaldwijk.


Floritray: auf der IPM vorgestellte Testversion, die ab März bei der Veiling Rhein-Maas in den Testlauf gehen soll.


Auf den Blumengroßmärkten, wie hier in Hamburg, steht das Mehrwegsystem Palettinos im Fokus.


Ende des vergangenen Jahres hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Umfrage unter Pflanzengroßhändlern, Bau- und Gartenfachmärkten, Branchenverbänden und dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zum ...

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... Einsatz von Mehrweg- und Einweg-Transportverpackungen für Pflanzen gestartet. Es gab Rückmeldungen von rund 100 Befragten, darunter Royal FloraHolland, die Baumarktkette Hornbach und LEHSchwergewichte wie Rewe und Lidl.

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschat bei der DUH, nennt als ein Ergebnis der Umfrage: „Die vielen Rückmeldungen haben eines gemeinsam: Dem Plastikmüllproblem durch Einwegtrays – aber auch durch Einwegtöpfe – wird branchenübergreifend ein hohes Maß an Priorität beigemessen.“

In einer ersten Analyse der Umfrageergebnisse meint der DUH-Experte, dass „Pflanzengroßmärkten sowie klein- und mittelständischen Pflanzenhändlern die Problematik von zu viel Plastikmüll durch Einwegtrays sehr wohl bewusst ist“. Viele dieser Marktteilnehmer würden bereits seit vielen Jahren mit Mehrwegtrays wie zum Beispiel Palettinos arbeiten und „das gute Handling sowie die problemlos umzusetzende Logistik bestätigen“.

Zudem würden auch die Kostenvorteile des Mehrwegsystems im Vergleich zu Einwegtrays angeführt. „Abfallvermeidung, Klimaschutz und Ressourcenschonung gehen offensichtlich auch Hand in Hand mit betriebswirtschaftlichen Vorteilen“, resümiert Fischer.

Eher Recycling bei großen Blumenund Pflanzenhandelsketten

Demgegenüber würden bei großen Blumen- und Pflanzenhandelsketten Mehrwegtrays kaum und beim LEH sowie in Bau- und Gartenfachmärkten „überhaupt keine Rolle spielen“. Über Mehrwegalternativen würde „zumeist nicht als Lösungsmöglichkeit nachgedacht“.

Es würde stattdessen darauf verwiesen, dass rund 90 Prozent der Einwegtrays dem Recycling zugeführt würden, weil diese sortenrein in den Verkaufsstellen verblieben. Nur ein geringer Teil würde von den Verbrauchern mitgenommen.

Die im Gelben Sack entsorgten Einwegtrays würden jedoch nicht recycelt, da es für Polystyrol in den meisten Sortieranlagen keine Sortiergruppe mehr gäbe – so Thomas Fischer.

DUH will branchenweite Lösungsmöglichkeiten diskutieren

„In einigen Baumarktketten wird darüber nachgedacht, auf Einwegkartons zum Transport von Pflanzen umzusteigen“, sagt Thomas Fischer. Auch über Biokunststoffpaletten oder Einwegpaletten aus Recyclingmaterial würde diskutiert.

Seitens der DUH ist „der Austausch von herkömmlichen Einwegtrays durch Einwegpaletten aus anderen Materialien der falsche Weg, denn es fällt dadurch kein Gramm weniger Abfall an“. Fischer kündigte in diesem Zusammenhang Gespräche mit dem Branchenverband der Bau- und Gartenfachmärkte an, „um branchenweite Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren“.

„Versäumnisse beim LEH“ sorgen dort für geringen Mehrweganteil

In den Antworten auf die DUH-Umfrage hätte der LEH darauf verwiesen, dass es kein praxistaugliches und flächendenkendes Mehrwegsystem gäbe. „Wir halten diese Argumentation für nicht nachvollziehbar, da es den großen Lebensmitteleinzelhändlern freisteht, mit bereits existierenden Mehrwegsystemanbietern zusammenzuarbeiten und durch Auftragsvergaben oder Ausschreibungen für Planungssicherheit, Wachstum und Skalierungseffekte im Mehrwegbereich zu sorgen“, argumentiert Thomas Fischer. Dass Mehrwegtrays beim Pflanzentransport nur geschätzte fünf Prozent Marktanteil hätten, sei „das Ergebnis der Versäumnisse des LEH“. Thomas Fischer verweist auf die „große Marktbedeutung“ des LEH: „Wenn die LEHler nicht mit Mehrweg starten, dann werden Mehrwegtrays auch nicht in der Breite etabliert.“

7,5 Millionen Einwegtrays aus Polystyrol allein bei Lidl

Allein bei Lidl fallen „pro Jahr 7,5 Millionen Einwegtrays aus Polystyrol an.“ Diese sollen aus Recyclingmaterial hergestellt werden und bringen ein „Gewicht von 800 Tonnen auf die Waage“.

Thomas Fischer folgert: „Auch daraus wird ersichtlich, dass die fünfstufige Abfallhierarchie nicht konsequent umgesetzt wird.“ Der Fokus „liegt ausschließlich auf dem Recycling, dabei tragen Mehrweg-Transportpaletten in einem viel größeren Maße zum Umwelt- und Ressourcenschutz bei und setzen die Abfallhierarchie deutlich besser um“. Bisherige Studien würden belegen, dass Mehrwegsysteme bis zu 30 Prozent CO2 einsparen könnten (bei zehn Umläufen und bis zu 500 Kilometern Reichweite), da der höhere CO2-Anteil, der während der Herstellung entsteht, „durch die vielfache Nutzung überkompensiert wird“, erklärt Fischer.

toom plant Teilnahme an Floritray-Mehrwegsystem

Um diese Vorteile von Mehrwegtrays in die Praxis zu überführen „plant toom Baumarkt ein Teilnehmer am Floritray- Mehrwegsystem“ (ein Tochterunternehmen von Landgard) zu werden. „Das ist auch notwendig, denn das Baumarktunternehmen verbraucht bislang jährlich acht Millionen Einwegtrays“, sagt Fischer.

Je nach den gemachten Erfahrungen wird eine Beteiligung von Rewe und dem Discounter Penny in Aussicht gestellt.

BGI-Mitglieder im Grundsatz für branchenweites Mehrwegsystem

Fasst man die Rückmeldungen vieler BGI-Mitglieder zusammen, so scheinen diese „vom Grundsatz her ein branchenweites Mehrwegsystem zu favorisieren, das unabhängig vom Lieferanten von allen Marktteilnehmern gleichermaßen genutzt“ werden kann. So, wie es bereits bei den wiederverwendbaren Schnittblumentransportboxen der Fall ist. „Aus ökologischer Sicht wäre das ein Best-Case- Ansatz“, meint Thomas Fischer.

FloraHolland: hoher Anteil von Mehrweg-Transportverpackungen

Neben dem LEH spielt Royal FloraHolland allein aufgrund der Größe eine besondere Rolle bei der Umstellung von Einweg- auf Mehrwegtrays. Immerhin kommt mit jährlich rund 90 Millionen Einwegtrays etwa die Hälfte aller „Wasserpaletten“ von Holland auf den deutschen Markt. Als Antwort auf die DUHUmfrage hieß es seitens Royal FloraHolland, dass 65 Prozent aller Blumen und Pflanzen in Mehrweg-Transportverpackungen geliefert würden.

Die Angabe kann aber in die Irre führen, da sie die Zahlen der Transportverpackungen bei Schnittblumen (ein gut funktionierendes und weit verbreitetes Mehrwegsystem) und Pflanzen mitein ander vermischt. „Eine separate Quote der Einweg- und Mehrwegtrays bei Pflanzen hat Royal FloraHolland nicht ausgewiesen. Anstatt Transparenz zu schaffen und separate Quoten zu nennen, wird lieber getrickst“, kritisiert Fischer.

Landgard, ein weiterer wichtiger Akteur und Initiator des Floritray- Mehrwegsystems, hat bis zum Redaktionsschluss auf die DUH-Umfrage nicht geantwortet.

Einschätzung

Die DUH-Umfrage hat dazu beigetragen, die bekannte Abfallproblematik noch weiter nach oben auf die Agenda der Branchenteilnehmer zu rücken. „Für die DUH kommen aus Umweltgesichtspunkten nur vielfach wiederverwertbare Mehrwegtrays in Betracht. Biokunststoff- und Papp-Einwegtrays sind verzweifelte Greenwashing-Versuche, eine per se unökologische und längst überholte Verpackungsstruktur am Leben zu erhalten.

Die Nutzungsdauer von Einwegtrays ist derart kurz, dass auch der Einsatz von Recyclingmaterial Einwegprodukte nicht ökologisch vorteilhaft werden lässt“, ist der DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft überzeugt.

Martin Hein, langjähriger freier Journalist unter anderem für Gartenbau und Floristik


Foto: Erik van der Burgt/Verbeeld

Foto: Gabriele Friedrich

Foto: Cordula Kropke/BGM Hamburg