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Erste Hilfe bei Pferd und Reiter: Rette, wer kann!


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 22.08.2018

Eine klaffende Wunde, ein regungsloser Reiter am Boden, ein Pferd kurz vor dem Kollaps. Es gibt Situationen, die zerstören mit einem Schlag den friedlichen Stall-Alltag. Sie machen uns Angst. Angst, als Ersthelfer falsch zu handeln. In unserem Thema des Monats helfen wir Ihnen zu helfen.


Artikelbild für den Artikel "Erste Hilfe bei Pferd und Reiter: Rette, wer kann!" aus der Ausgabe 9/2018 von Reiter Revue International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Stürze vom Pferd verursachen laut einer Studie am häufigsten schwere Unfälle im Reitsport.


FOTO: WWW.TOFFIIMAGES.DE

UNSERE EXPERTEN

FOTO: PRIVAT

Uwe Brolle

Der Lehrund Luftrettungsassistent, Pflegefachmann und Erlebnispädagoge bietet mit den First Aid Heroes Erste-Hilfe-Kurse der besonderen Art an.

www.sicher-reiten.eu

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FOTO: K. LESZINSKI

Sarah Schubert

Die Tierärztin arbeitet an der Tierklinik Karthaus in Dülmen mit Schwerpunkt auf die Innere Medizin.

www.tierklinikkarthaus. Info

E s passierte im Mai 2012. Maria Leuchtenberg* (Name von der Redaktion geändert) fiel von einem jungen Pferd und stürzte auf den Hufschlag. „Ich hatte sofort einen sehr stechenden Schmerz im Rücken, konnte aber alles bewegen”, erzählt sie heute, sechs Jahre später. „Ich lag da einige Minuten, dann kamen zwei, drei Leute von der Seite. Eine Ersthelferin sagte: ‚Warte mal, ich hole dir einen Stuhl.’” Maria lag auf dem Rücken. Als sie sich auf den Stuhl setzte, merkte sie, dass ihr sämtliche Stabilität im Rücken fehlt. Sie musste sich mit den Händen abstützen. Weitere gefühlte zehn Minuten später „haben wir uns gedacht, dass wir doch ins Krankenhaus fahren sollten”, erzählt sie. Die Ersthelfer fragten Maria damals, ob sie einen Krankenwagen rufen sollen. „Nee, geht schon”, winkte Maria ab. Die Helfer fuhren ein Auto vor die Reithalle. Gestützt von zwei Leuten schleppte sie sich zum Wagen. Dort saß sie wieder, hielt sich mit beiden Händen fest, um nicht zusammenzusacken. Sie fuhren ins Krankenhaus. Vier Stunden saß Maria im Rollstuhl in der Notaufnahme. „Die dachten, wenn die Patientin so reinkommt, ist es nicht schlimm.” Dann wurde sie geröntgt. „Da sagten sie schon: ‚Sie bleiben bitte direkt auf der Liege und bewegen sich nicht mehr’.” Die Diagnose: Fraktur des zweiten Lendenwirbels.

Ein ganzes halbes Jahr

Maria hatte Glück. Der Knochen, der von der Wirbelsäule abgebrochen war, saß sicher. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn er anders, komplizierter gebrochen wäre, wenn er verrutscht wäre, das Rückenmark gequetscht hätte …Maria durfte ab diesem Zeitpunkt vorerst nur noch liegen. Einzig zum Essen durfte sie sich aufsetzen und zum Toilettengang aufstehen. Das Wirbelstück wuchs zunächst nicht wie gewünscht an. „Erst nach einem halben Jahr durfte ich mit dem Gehen langsam anfangen. Nach einem dreiviertel Jahr war ich komplett fit.” Das sei sie auch heute. „Wenn ich alt bin, werde ich an Rückenschmerzen leiden, sagten mir die Ärzte. Aber das würden ja sowieso 50 Prozent der Leute.” Ein kleines Lachen. „Schwein gehabt”, sagt sie.

Das neue Leben

Maria ist früher jeden Tag zwei bis drei junge Pferde geritten. Sie hatte immer einen gesunden Respekt vor Pferden. „Ich wusste, dass ich runterfallen kann, aber davor hatte ich keine Angst. Ich bin bestimmt 300 Mal runtergefallen, bis auf blaue Flecken ist nie etwas passiert.” Am Respekt vor dem Pferd hat sich nach dem Unfall nichts geändert, aber an der Angst vor dem Stürzen. Sie weiß, dass sie doch verwundbar ist. Nach dem Unfall stieg sie wieder in den Sattel. Im November 2017 hat sie mit dem Reiten aufgehört. Des Jobs wegen. Am Ende sei der Unfall nämlich sogar für etwas gut gewesen, sagt Maria, „ich habe die Zeit genutzt, um einen Businessplan zu schreiben. Man muss es ja positiv sehen.” Seit fünf Jahren arbeitet sie als Fotografin. Ihre Einstellung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen hat sich gründlich geändert. Sie weiß, ihre Ersthelfer hätten anders reagieren müssen. Vorwürfe macht sie ihnen nicht. „Ich hätte es selbst nicht besser gewusst.”

Wenn es zu Notfällen wie diesem kommt, herrscht bei vielen Ersthelfern Unsicherheit und Unwissenheit. Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist meist lange her. Dabei sind die ersten Minuten so entscheidend. Fürs Überleben, fürs weitere Leben. Das gilt für den Menschen wie fürs Pferd. Wir haben für Sie häufige Notfälle recherchiert und erklären Ihnen, wie Sie besonnen reagieren. Weil Helfen Pflicht ist.