Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Erste Hilfe FÜR IHR GELD


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2021 vom 02.07.2021

REPORT

Artikelbild für den Artikel "Erste Hilfe FÜR IHR GELD" aus der Ausgabe 27/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2021

Gespräche mit unabhängigen Beratern können hilfreich sein bei der Geldanlage

DIE WICHTIGSTEN TIPPS FÜR SPARER

Deutschland gilt seit jeher als Land der Sparer. Zwei Rekordzahlen bestätigen nun diesen Ruf. Ende 2020 betrug das Geldvermögen der privaten Haushalte knapp sieben Billionen Euro. Und: Die Sparquote stieg auf 16,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Deutschen von 100 Euro ihres verfügbaren Einkommens im Schnitt etwas mehr als 16 Euro sparen. Der Haken: Wer dabei auf klassische Formen der Vermögensbildung wie etwa Wachstumssparen oder ein Sparbuch setzt, fährt keine Rendite ein, sondern Verluste.

Das liegt zum einen an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die von Banken und Sparkassen an ihre Kunden weitergegeben wird. 2019 bekamen Sparbuchinhaber im Schnitt gerade mal 0,1 Prozent Zinsen. Wer zu viel Geld auf der Bank lagert, wird seit Neuestem sogar mit Strafzinsen belangt, die beschönigend „Verwahrentgelte“ genannt werden. Bei Girokonten ist ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Königinnen der Komik. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Königinnen der Komik
Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Unser SOMMER am Meer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unser SOMMER am Meer
Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Wer hier wen erzieht? Meine Katze mich!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wer hier wen erzieht? Meine Katze mich!
Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Ein Quiz fürs ganze Land. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Quiz fürs ganze Land
Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Zwangsarbeit in der Kokospalme. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zwangsarbeit in der Kokospalme
Titelbild der Ausgabe 27/2021 von Die Wahrheit über Honig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Wahrheit über Honig
Vorheriger Artikel
Zwangsarbeit in der Kokospalme
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Die Wahrheit über Honig
aus dieser Ausgabe

... es bereits üblich, dass Kunden Strafzinsen zahlen müssen. Typisch ist eine Höhe von 0,5 Prozent, die ab einer Summe von 50.000 Euro zu zahlen sind. Auch für Sparbücher erheben erste Banken inzwischen Strafzinsen.

Zweite Ursache für die schmale Rendite ist die steigende Inflation. In Deutschland liegt sie bei 2,5 Prozent, im Herbst erwartet die EZB vier Prozent, langfristig strebt sie zwei Prozent an. Wer bei einer Inflation von zwei Prozent 10.000 Euro auf einem Sparbuch mit 0,5 Prozent Zinsen hält, macht wegen der Teuerungsrate also 1,5 Prozent Minus. Das Geld ist nach einem Jahr nur noch 9850 Euro wert, obwohl sich die Summe auf dem Konto erhöht hat. Ein Problem, das oft auch in Zeiten bestand, in denen die Zinsen deutlich höher waren.

EXPERTE

JOURNALIST Hermann-Josef Tenhagen

Vorsicht vor zu hohen Servicegebühren

Was können Sparer tun? HÖRZU sprach darüber mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Internetportals finanztip.de. „Für den Vermögensaufbau empfehle ich den klassischen Dreiteiler“, sagt Tenhagen. „Ein Girokonto, das immer im Plus ist. Ein Tagesgeldkonto, das ich mit der Summe auffülle, die ich für drei Monate brauche – damit ich nicht in den Dispo gerate, wenn das Auto mal kaputtgeht. Das Geld, das dann noch übrig ist, sollte ich in Aktien investieren. Am besten in einen Aktienindexfonds, also einen ETF.“ Die Abkürzung ETF steht für „Exchange Traded Fund“, dabei handelt es sich um einen börsengehandelten Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Börsenindex nachbildet. Populär sind MSCI­World­ETFs, welche die Wertentwicklung von etwa 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbilden und mit dieser Streuung das Risiko minimieren. Der Clou: ETFs werden automatisch erzeugt, es sind keine Fondsmanager beteiligt. Deshalb sind die Kosten für die Anleger deutlich geringer als bei gemanagten Fonds. Bei diesen wird anfangs oft ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent oder mehr auf die eingezahlte Summe fällig, hinzu kommen jährliche Servicegebühren von oft zwei Prozent oder mehr. ETF-Anteile kauft man über ein Depot selbst, die Kosten belaufen sich im Schnitt auf 0,4 Prozent jährlich.

Das GELDVERMÖGEN der Privathaus halte stieg 2020 um 492 MILLIARDEN auf 6,95 BILLIONEN Euro

Nicht zocken, sondern langfristig anlegen

„Wer in einen ETF investiert, sollte sicher sein, dass er das Geld für längere Zeit nicht braucht“, sagt Tenhagen. „Etwa zehn bis 15 Jahre sollte man einplanen. Das ist wichtig. Denn an der Börse geht es nicht nur rauf, sondern auch runter. Krisen muss man aussitzen können. Wer in einer Krise seinen ETF auflöst, verliert Geld. Aber in den vergangenen Jahrzehnten waren ETF- Anleger über einen Zeitraum von 15 Jahren immer im Plus. Im Durchschnitt mit acht Prozent. Im schlechtesten Fall mit einem Prozent pro Jahr, im besten Fall mit deutlich über zehn Prozent pro Jahr.“

Doch traditionell tun sich die Deutschen mit Aktien schwer. Es gibt hierzulande keine Aktienkultur, dafür Angst vor Börsencrashs. Allerdings scheint jetzt bei manchen ein Umdenken stattzufinden: Die Zahl der Aktiensparer in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 2,7 Millionen auf 12,4 Millionen gestiegen. Mehr Aktiensparer gab es zuletzt 2001.

Tenhagen begrüßt diesen Trend, mahnt aber auch zum richtigen Vorgehen: „Kurzfristig einzelne Aktien zu kaufen und zu verkaufen ist Zockerei. Das ist wie auf der Rennbahn. Langfristig und mit ganz vielen Aktien im Fonds zu operieren ist Geldanlage.“ Der Kauf von Einzelaktien sowie Investitionen in gemanagte Fonds seien für die Mehrheit der Sparer dabei zu aufwendig: „Man kann das zwar machen, aber dann muss man seine Geldanlage als Hobby ausüben. Man müsste sich mit den Firmen und dem Markt intensiv beschäftigen. Beim Kauf von Einzelaktien gilt ja die Regel: Nicht alle Eier in einen Korb legen!

Stattdessen sollte man Aktien von mindestens 15 unterschiedlichen Firmen besitzen. Aber die muss man ständig beobachten. Das ist richtig viel Arbeit. Und wenn ich einen gemanagten Fonds nehme, ist das ebenfalls aufwendig, weil ich immer die Managemententscheidungen und die Marktentwicklungen überprüfen sollte.“

Nicht resignieren, sondern aktiv werden

Zu Gesprächen mit dem Bankberater sollte man mit Skepsis gehen, empfiehlt Tenhagen. „Bankberater sind vor allem daran interessiert, die eigenen Produkte an den Mann und die Frau zu bringen“, sagt er.

„Jedem muss klar sein: Wenn man da sitzt, führen die kein Beratungs-, sondern ein Verkaufsgespräch. Das kann ergiebig sein, wenn man dabei eine hilfreiche Information bekommt. Für die Bank dagegen ist es nur ein gutes Gespräch, wenn Sie am Ende etwas kaufen.“ Wer mehr aus seinem Geld machen möchte, möge sich selber informieren, vielleicht einen unabhängigen Berater konsultieren. „Psychologisch wichtig: Niemals übereilt etwas unterschreiben“, sagt Tenhagen. „Man sollte sich mit der Thematik vertraut machen, ein bisschen reinrobben in dieses Feld, und erst dann eine Entscheidung treffen. Das Wichtigste ist, überhaupt mal anzufangen. Niemand sollte den Kopf in den Sand stecken und sich mit Geldverlusten abfinden.“

Auch nicht mit zu hohen Gebühren für das Girokonto. Bislang haben Banken und Sparkassen ihre Kunden lapidar über Gebührenerhöhungen informiert und ausbleibenden Widerspruch als Zustimmung gewertet. Dieses Vorgehen war gesetzeswidrig, entschied jetzt der Bundesgerichtshof. Nötig ist die aktive Zustimmung der Kunden. Betroffene können sich zu viel gezahlte Gebühren rückwirkend bis zum 1. Januar 2018 erstatten lassen. Einen Musterbrief gibt’s im Internet etwa unter finanztip.de/ bankgebuehren-zurueckfordern. So kann man Summen von 150 bis 200 Euro zurückerhalten. Was beweist: Engagement in Geldsachen zahlt sich aus!

SVEN SAKOWITZ

AB 2.7. MEDIATHEK

DAS ERSTE

ETFS: FÜR WEN EIGNET SICH DIE GELDANLAGE REPORT Kurzbericht mit wichtigen Infos