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ERZIEHUNG: AGGRESSIONEN SIND ZIEMLICH NORMAL


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.08.2018

„Peng, du bist tot!“ Hinter dem Spiel mit Schwertern und Schießeisen steht der entwicklungsbedingte Wunsch nachUnverwundbarkeit und Stärke


Kinder müssen in die Welt hinaus, sie müssen sich ausprobieren, bewähren und durchsetzen. Das geht kaum ohne Aggressionen. Das lateinische Verb „aggredere“ bedeutet im ursprünglichen Sinn „auf jemanden zugehen“, „etwas Neues beginnen“, „eine Aufgabe anpacken“. Das führt in der Erziehung zu Problemen: Einerseits wollen Eltern ein selbstbewusstes, lebhaftes und autonomes Kind, andererseits soll das Kind aber auch möglichst pflegeleicht, einsichtig und vernünftig ...

Artikelbild für den Artikel "ERZIEHUNG: AGGRESSIONEN SIND ZIEMLICH NORMAL" aus der Ausgabe 9/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 9/2018

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... sein. Das ist ein Spagat, der herausfordert.

Eltern sollten mit Kindern rangeln und raufen

Dem Verhalten von Frederik liegen drei Faktoren zugrunde: Da sind zunächst einmal jene körperbetonten Aggressionen, die für diese Entwicklungsphase so typisch sind. Frederik setzt sich physisch mit anderen Kindern auseinander.

Hinzu kommt ein zweiter Aspekt: Frederik hat gelernt, dass er durch aggressives Verhalten Aufmerksamkeit erhält – und zieht so Eltern und Erzieherinnen in einen Machtkampf hinein.

Zum Dritten hat Frederik noch nicht gelernt, angemessen mit Frustrationen umzugehen. Reifung und Entwicklung eines Kindes haben immer auch mit Grenzüberschreitungen zu tun. Eltern wollen ein selbstbewusstes, eigenständiges Kind – dazu gehört aber auch, es mit seinen aggressiven Persönlichkeitsanteilen anzunehmen.

Damit dies gelingt, empfehlen sich die beiden folgenden Verhaltensweisen:

• Eltern sollten mit ihren Kindern regelmäßig auf der Basis gegenseitigen Respekts rangeln und raufen. Dies zeigt ihnen, dass zum Ausleben von Aggressionen auch die Befolgung von gemeinsam vereinbarten Regeln gehört. Kämpfe und körperliche Auseinandersetzungen sind wichtig, müssen aber auf der Grundlage gegenseitiger Achtung erfolgen.
• Darüber hinaus ist es bedeutsam, Kindern wie Frederik soziale Verhaltensweisen zu vermitteln: Wenn ein Kind von einem anderen etwas will, dann muss es dies anders ausdrücken als über ungezügelte Aggressionen. Das Gleiche gilt, wenn sie in Ruhe gelassen werden möchten. Dann muss ein unmissverständliches „Nein!“ genügen.

Der sechsjährige Raphael hat großen Spaß daran, mit allem, was ihm in die Hände fällt, zum Beispiel einem Lego-Stein, einer Playmobil-Figur, einem Ast oder Esslöffel, herumzuballern und den Krieger zu spielen. „Je öfter wir eingreifen und ihm das verbieten, umso schlimmer wird es“, klagen die ratlosen Eltern. „Wo soll das nur enden?“

Degen, Speere, Pistolen, Pfeil und Bogen sind Waffen, die für Kinder vom dritten bis fünften Lebensjahr symbolische Bedeutung haben, denn sie werden mit Stärke und Unverwundbarkeit assoziiert. Verbietet man Kindern das Spielen mit solchen Gegenständen, erhöht man nur deren Attraktivität. Aber auch Dulden ist keine gute Strategie. Stattdessen sollten Eltern mit ihren Kindern zum Beispiel „waffenfreie“ Zonen und Zeiten festlegen und klare Regeln vereinbaren. Zum Beispiel die, nicht auf Menschen oder Tiere zu zielen.

Mitunter verlieren Waffen allein durch solche Reglementierungen viel von ihrer Faszination. Zugleich fühlen sich Kinder in ihrem Wunsch, solche Gegenstände zu besitzen, verstanden – respektieren aber einen eingeschränkten Umgang mit ihnen.

Grenzüberschreitung muss geahndet werden

Der Umgang mit kindlicher Aggression fordert Eltern und pädagogisch Handelnde heraus. Einfache Antworten gibt es nicht. Man muss sich auf Kinder und ihre Entwicklungsphasen einlassen, den Sinn und die Bedeutung kindlicher Aggressionen verstehen lernen. Allerdings darf Verständnis nicht mit Akzeptanz verwechselt werden. Dort, wo Grenzen des zwischenmenschlichen Miteinanders überschritten werden, gilt es, gelassen, aber mit der nötigen Konsequenz einzugreifen.

Dr. Jan-Uwe Rogge
ist Familien- und Kommunikationsberater, Autor von Bestsellern wie „Kinder brauchen Grenzen“ und „Ängste machen Kinder stark“


FOTO: THINKSTOCK.COM/ISTOCK; PRIVAT