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ERZIEHUNG: SCHLAUER PUDEL, STURER TERRIER?: jede Rasse ist anders


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

Das haben Sie sicher auch schon gehört: „Dackel haben die Ohren auf Durchzug“, „Border Collies sind die schlauesten Hunde“, „Labradore sind am einfachsten zu erziehen“ – stimmt das wirklich? Und wie sieht ein geeignetes Training für die jeweilige Rasse aus?


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 8/2019

Kristina Ziemer-Falke

ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen, insbesondere in den Bereichen Tierheilpraxis, Hundeverhalten und Ernährung. Mit ihrem Mann Jörg gründete sie das Schulungszentrum Ziemer ■ Falke, das als eine der führenden Ausbildungsstätten für Hundetrainer gilt. ...

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ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen, insbesondere in den Bereichen Tierheilpraxis, Hundeverhalten und Ernährung. Mit ihrem Mann Jörg gründete sie das Schulungszentrum Ziemer ■ Falke, das als eine der führenden Ausbildungsstätten für Hundetrainer gilt. Mehr:www.ziemer-falke.de

Als echte Streber gelten Sabine Otte und ihr Border Collie Blue in der Hundeschule. Egal welche Aufgabe den beiden gestellt wird, Blue hat in kurzester Zeit verstanden, was sein Frauchen von ihm mochte. Dagegen muss Anne Weber mit ihrem Windspiel Walter die meisten Ubungen viel ofter wiederholen und manchmal auch mit kleineren Schritten arbeiten, weil Walter immer wieder abgelenkt ist und sich nur schwer konzentrieren kann. Bedeutet das, dass Border Blue intelligenter ist und Walter nur ein hubsches Erbsenhirn? Nicht unbedingt. Wie Hunde lernen und Informationen verarbeiten, hat auch mit der Rasse zu tun, zu der sie gehoren. Schlieslich wurden diese ja ursprunglich fur bestimmte Zwecke gezuchtet. Auch wenn die meisten Rassen heute nur als Familienhunde leben, tragen sie dieses Erbe in den Genen.

Hütehunde sind Schnelldenker

Sie wurden fur die Arbeit an Schafen und anderen Nutztieren gezuchtet. Ihre Aufgabe: genaues Beobachten, schnelle Reaktion und Kooperation mit Artgenossen und dem Menschen. Durch diese Anlagen ist Border Collies, Australian Shepherds und Co., gerade wenn sie aus einer Arbeitslinie stammen, eine schnelle Auff assungsgabe in die Wiege gelegt worden. Das erleichtert das Training und die Erziehung enorm, allerdings nur, wenn der Mensch ebenso auf Zack ist. Denn weil diese Hunde nicht nur schnell denken, sondern sich auch noch schnell bewegen, sollten Signale und Belohnung prazise eingesetzt werden. Hier kann ein Clicker, also ein kurzer akustischer Marker, der dem Hund signalisiert, dass er das gerade klasse macht und gleich eine Belohnung bekommt, viel helfen (Achtung: Das richtige Konditionieren im Vorfeld ist wichtig!).

Und bei aller Freude uber die stets aufmerksamen und hochmotivierten Trainingspartner, hier liegt auch die Krux. Denn Huter und Treiber neigen dazu, im Training und vor allem im Sport vor lauter Begeisterung hochzufahren und langsamer wieder zur Ruhe zu kommen. Viele Halter sind deswegen versucht, immer mehr Aktivitaten mit dem Hund zu starten, schlieslich scheint er das ja einzufordern. Dabei ist es gerade bei diesen Rassen wichtig, Entspannung zu trainieren, damit sie ihre Energiereserven wieder aufladen konnen, und an der Impulskontrolle sprich Selbstbeherrschung zu arbeiten.

Unser Tipp: Machen Sie sich bei diesem Hundetypus die Distanzkontrolle zunutze. Denn gerade das Arbeiten uber grose Strecken hinweg liegt ihm im Blut. Wenn er also ein Signal wie das „Sitz“ sicher beherrscht, dann beginnen Sie Schritt fur Schritt, mit mehr Abstand zu trainieren. Das hat den Vorteil, dass Sie Ihren Hund auch in der Ferne kontrollieren konnen, und schenkt ihm grosere Freiheit im Freilauf. Grundvoraussetzung dafur ist allerdings, dass er schon fruh gelernt hat, sich bei Bewegungsreizen zu beherrschen.

Terrier wollen es wissen

Sie sind der Inbegriff eines selbstbewussten Hundes, manchmal gepaart mit einer leichten Neigung zum Grosenwahn. Wenn man sich aber anschaut, was die ursprungliche Aufgabe der meisten Terrierrassen war, dann wird schnell klar, warum das so ist. Denn manche dieser furchtlosen Hunde wurden ausgeschickt, um es in dunklen Hohlen mit Gegnern aufzunehmen, die oft groser waren, wie zum Beispiel Fuchse, oder kleiner, aber dafur umso willensstarker, wie Ratten beispielsweise. Wer also einen Terrier sein eigen nennt, muss damit rechnen, dass dieser Hund gerne mal den Sinn einer Ubung hinterfragt. Das sollte aber nicht daruber hinwegtauschen, dass diese robusten Kampfertypen durchaus sensibel sind. „Liebevolle Konsequenz“ lautet also die Zauberformel im Umgang mit einem Terrier. Bedenken Sie auch, dass Sie es hier mit einem jagdorientierten Hund zu tun haben. Und dieses Verhalten lasst sich nicht einfach wegerziehen. Versuchen Sie ihm deswegen Alternativen zum Hetzen, Stobern und Beutegreifen aufzuzeigen, wenn Sie ihn nicht jagdlich fuhren wollen.

Somit sollten folgende Ubungen und Auslastungen auf Ihrem Trainingszettel stehen: Der sichere Ruckruf und ein „Warte“, sodass Ihr Hund stehen bleibt, wenn er im Freilauf unterwegs ist. Unser Tipp: Als gemeinsames Hobby konnen Sie mit ihm Nasenarbeit und Schnuff elspiele machen. Sie wurden dann quasi auf „die gemeinsame Jagd“ gehen. Ihr Hund lernt einer von Ihnen gelegten Spur zu folgen und findet ein Ziel (etwa eine Leckerchenbox oder eine andere Person oder einfach nur Ihren Schlussel …) So wird Terrier kognitiv und korperlich ausgelastet und die gemeinsame Suche starkt auch noch langfristig Ihre Bindung. Diese Spiele konnen Sie mit jedem Terriertypus und auch in jedem Alter umsetzen, denn seine Nase hat er immer dabei und das Riechen muss man ihm nicht beibringen, sondern nur das Folgen von bestimmten Geruchspartikeln. Das lernen Hunde bis ins hohe Alter.

Dackel haben ihren eigenen Kopf

In puncto „Sturheit“ sind sich Terrier und Dackel oftmals sehr ahnlich, denn diese Rassen hatten ja fruher auch ahnliche Aufgaben zu leisten. Auch ein Dackel oder Dachshund, wie er auch genannt wird, ist mutig und muss eigene Entscheidungen treff en, wenn er im Dachsbau auf der Spur seiner Beute ist. Der Halter wartet auserhalb, der Hund ist auf sich gestellt. Im Training heist es fur den Hundehalter, die Erziehung mit Geduld und Struktur anzugehen. Druck bringt Sie hier nicht weiter. Legen Sie den Fokus des Hundes auch auf die Orientierung zu Ihnen und starken Sie die Bindung. Unser Tipp: Der Bindungsaufbau muss nicht nur uber Grunderziehung allein geschehen, sondern auch uber ein gemeinsames Hobby, wie etwa dem Dummy-Training. Dort kann der Dackel prazise angeleitet werden und lernt auf Dauer auch wichtige Dinge, wie etwa abwarten, Teamarbeit und dass das Training mit Herrchen oder Frauchen gemeinsame Erfolgserlebnisse mit sich bringt.

Einmal Jäger, immer Jäger

Die meisten unserer heutigen Rassen sind in der einen oder anderen Form als Jagdhelfer fur den Menschen gezuchtet worden. Was das fur das Training von Dackeln und Terriern bedeutet, haben wir ja schon ausgefuhrt. Auch die anderen Jagdhundtypen wie Vorsteh-, Apportier-, Wasser- oder Stoberhunde lockt der Ruf der Wildnis. Ein wichtiges Trainingsutensil ist hier vor allem die Schleppleine. Diese aktiven Hunde wollen korperlich gefordert werden, aber Achtung: die Grenze zur Uberforderung ist fliesend. Da ist Stress schnell vorprogrammiert. Probieren Sie beim Training doch mal das sogenannte „Freie Formen“ mithilfe eines Clickers. Das bedeutet, dass Sie dem Hund keine Handlungsanweisungen geben oder ihm Ubungen zeigen, sondern dass er aus seinem Verhaltensrepertoire etwas anbieten muss. Alles, was Ihrem Ziel naherkommt, wird durch den Click bestatigt, dem eine Belohnung folgt. Unser Tipp: Uben Sie mit aktiven Hunden auch gerne mal etwas, bei dem sich der Hund langsam bewegen muss.

Was alle gemeinsam haben

So groß die Unterschiede einzelner Rassen auch sein können, einiges haben sie alle gemeinsam:

• Jeder Hund lässt sich dazu motivieren, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Finden Sie das jeweils passende Motivationsmittel für Ihren Hund heraus.

• Alle Hunde lassen sich durch ein positiv ausgelegtes und tierschutzkonformes Training motivieren und trainieren. Das fördert Ihre Beziehung zueinander.

• Vertrauen ist die Basis für einen erfolgreichen Beziehungs- und Bindungsaufbau, dabei spielen Alter, Größe und Rasse keine Rolle.

Das fordert ihn und konnte eine tolle und neue Herausforderung fur Ihren Liebling sein. Da viele Jagdhunde beim Training begeistert mitmachen, konnte zum Beispiel die Rettungshundearbeit oder auch Obedience ihnen Auslastung und Spas bringen.

Auch ein fröhlicher Mops braucht Erziehung

Gesellschaftshunde wie Mopse, Havaneser oder Pekingesen gelten als unkomplizierte Begleiter. Denn ihre einzige Aufgabe war es, den Menschen zu unterhalten und sein Leben zu teilen. Deswegen sind die meisten Angehorigen dieser Rassen auch klein, freundlich und menschenbezogen. Ihre Gutmutigkeit und Genugsamkeit machen sie sehr beliebt. Sie sind durchaus auch mit einem Leben in einer Stadtwohnung zufrieden und kommen mit weniger starker Auslastung zurecht. Aber auch Gesellschafts- und Begleithunde brauchen eine gesunde Mischung aus korperlicher und geistiger Beschaftigung. Mit Leckerchen, Spielzeug oder Zuwendung lassen sich die kleinen Hunde gut motivieren. Unterschatzen Sie Mops und Co. nicht. Je mehr sie gefordert werden, umso kreativer und pfiffiger setzen sie ihr Kopfchen ein und zeigen, was alles Positives in ihnen steckt. Das sollte Motivation genug sein, das Beste aus Ihrem Hund herauszuholen – denn der Schuh, dass kleine Hunde keine Erziehung und Auslastung benotigen, ist langst uberholt.

Aber egal fur welche Rasse Sie sich auch entschieden haben, Ihr Hund ist ein Individuum mit (s)einem eigenen tollen Charakter. Akzeptieren Sie ihn so, wie er ist … Und ubrigens: Die Rassezugehorigkeit ist kein Argument dafur, dass er sich nicht erziehen lasst. KRISTINA ZIEMER-FALKE


FOTOS: SHUTTERSTOCK (6)