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„Es geht aufwärts!“


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 40/2021 vom 29.09.2021

GESELLSCHAFT

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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 40/2021

Der Amerikaner Johnny Talbot (l.) und der Deutsche Adrian Runhof gründeten im Jahr 2000 ihr Erfolgs-Label

Eigentlich hatten die Designer die eigenen Düfte schon vergangenes Jahr herausbringen wollen, zum 20-jährigen Jubiläum ihres Modelabels Talbot Runhof. „Es war ein großes Event auf der Fashion Week in Berlin geplant. Aber dieser Wunsch hat sich durch Corona in Luft aufgelöst“, erklärt Adrian Runhof, 58. Jetzt ist es endlich soweit, die Flakons sind in exklusiven Parfümerien sowie online erhältlich (talbotrunhof.com, je 160 Euro). Es gibt gleich fünf Parfums: Jedes ist nach einem Lieblingsmaterial der Münchner benannt, zum Beispiel „Purple Velvet“ oder „Purple Tweed“. „Bei unseren Düften ist es wie mit unserer Mode: Wir haben nicht einen für jeden Tag, unsere Parfums sind etwas Besonderes“, erklärt Johnny

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... 56.

Die letzten Monate waren nicht leicht für das kreative Duo. „Als führender Abendmode-Designer ist man in dieser Zeit natürlich der führende Verlierer“, betont Adrian Runhof. Neben der Boutique in München gibt es drei weitere in Düsseldorf, Berlin und Zürich. „Wir haben sehr liebe und treue Kunden, die während der Pandemie weiter bei uns geshoppt haben. Manche gezielt, um uns zu unterstützen. Trotzdem lag unser Umsatz- Minus bei fast 70 Prozent – der Wahnsinn!“ Im Unternehmen selbst sei der Verlust dank Kurzarbeitergeld und anderen Beihilfen nicht so hoch.

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„Auch unsere Vermieter sind uns entgegengekommen. Unterm Strich kommen wir gut über die Runden, werden aber noch lange an dieser Krise zu knabbern haben.“

Geholfen habe ihnen der Zusammenhalt mit ihrem 48-köpfigen Team. „Wir hatten Angst“, gesteht Johnny Talbot. „Aber nie den Gedanken, aufzugeben. Die Solidarität unserer Mitarbeiter war absolut beeindruckend! Alle standen hinter uns. Das hat uns so berührt und motiviert, dass wir uns gar nicht getraut haben, ans Äußerste zu denken. Adrian und ich haben gesagt: Es muss weitergehen – und zwar für alle. Wir wollten keinen einzigen Mitarbeiter entlassen.“

Immerhin läuft das Geschäft wieder an: Im April verdoppelte eine große amerikanische Kaufhauskette die übliche Bestellung. „Die brauchten viel mehr Ware als sie gedacht hatten. Das war schön für uns. Es gleicht nicht das aus, was wir an anderer Stelle immer noch einbüßen, aber es zeigt, dass es aufwärts geht“, so Runhof. Er ist überzeugt davon, dass bald der große Boom kommt. „Das Pendel schwingt mit aller Macht zurück. Wir merken das jetzt schon: In den USA werden Hochzeiten organisiert, als gäbe es kein Morgen. Die Leute feiern im kleineren Rahmen, aber dafür sehr glamourös – und bestellen bei uns online. Diese Welle wird nach Europa und Deutschland schwappen. Auch hier steigt die Nachfrage.“

Die Designer passen ihr Angebot den neuen Umständen an: „In unserem Kundenkreis haben durch Corona viele Menschen ihr Leben umgestellt. Statt wie früher ein paar Wochen bleiben sie jetzt monatelang in ihren Sommerhäusern in Südfrankreich, Italien oder auf den Balearen. Da sind sie viel draußen an der frischen Luft und fühlen sich sicherer. Diese Kundinnen gehen zwar gerade nicht im Abendkleid mit Federboa auf die Salzburger Festspiele oder auf Bälle, dafür veranstalten sie Poolpartys und sind dabei genauso anspruchsvoll, was ihr Outfit betrifft. Für Anlässe wie diese haben wir eine Serie von Pyjama-Looks aus Seide entworfen, die Anfang 2022 in die Läden kommt“, verrät Adrian Runhof.

„Wir tanzten auf zu vielen Hochzeiten“

Eines haben die beiden gelernt: „Wir tanzten beim Entwerfen oft auf zu vielen Hochzeiten“, gesteht Johnny Talbot. „Für den Laufsteg in Paris haben wir die Kollektion voll mit Dingen gepackt, die eigentlich niemand haben will. Weil wir zeigen wollten, wie toll und kreativ wir sind. Aber unsere besten Kundinnen haben gesagt: ,Wer soll das denn anziehen?‘“ Die neue Kollektion zu entwerfen, sei wesentlich stressfreier als früher gewesen. „Denn unsere einzige Vorgabe war: das machen, was die Leute haben wollen. Das hat die Bandbreite stark reduziert und unsere Arbeit extrem erleichtert.“

In Lockdown-Zeiten waren die Designer viel an der frischen Luft unterwegs mit ihrem Border Terrier Cooper. „Das Leben war entspannter. Es gab sogar Tage, an denen wir nichts zu tun hatten, das Gefühl kannten wir gar nicht“, sagt Adrian Runhof. „Ich hatte mir vorgenommen, nie wieder in dieses Hamsterrad zurückzukehren, aber ich stecke schon wieder voll drin.“

ANNA BUTTERBROD