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Es geht los!


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2021 vom 04.10.2021

JUNGPFERDEAUSBILDUNG

Artikelbild für den Artikel "Es geht los!" aus der Ausgabe 101/2021 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 101/2021

Das Anreiten eines jungen Pferdes ist der erste große Schritt in Richtung Reitpferd. Wenn es sich dann an die Ausrüstung, die Basis-Handgriffe, das Aufsitzen und die Grundgangarten – ganze Bahn und auf dem Zirkel – gewöhnt hat, beginnt die klassische Grundausbildung.

BBR-Präsident Burkhard Jung und sein Team demonstrieren diese anhand der vierjährigen Venezia v. Vivaldi, die etwa sechs Monate unter dem Sattel ist. „Wir beginnen damit, den Takt des Pferdes zu erhalten und an der Losgelassenheit im Schritt, Trab und Galopp zu arbeiten“, erläutert der Ausbilder.

Experte

Burkhard Jung ist BBR-Präsident, Pferdewirtschaftsmeister und Betriebsleiter von zwei Reitanlagen in NRW.

„Das bedeutet, die Reiterin trabt auf dem Zirkel und ganze Bahn, fleißig und mit leichter Verbindung zum Pferdemaul. Das Pferd soll sich mit vorgelassenem Hals bewegen. Ich bin grundsätzlich dafür, die Zügel etwas ...

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... (2 bis 3 cm) länger zu lassen, auch wenn das Genick etwas frei dabei wird. Aber das Pferd soll so lernen, sich selbst zu tragen.“ Regelmäßige Handwechsel sind wichtig, genauso wie zwischendurch die Zügel aus der Hand kauen zu lassen. Das junge Pferd muss noch nicht in optimaler Anlehnung gehen.

„Bei der A rbeit mit dem Pferd immer so vorgehen, als hätte man alle Zeit der Welt.“

Burkhard Jung

Wichtig ist, dass es fleißig vorwärts geht und lernt, sich von hinten nach vorne an die Hand heranzudehnen und den Rücken aufzuwölben. Etwas Konterstellung auf dem Zirkel ist vollkommen in Ordnung: „Wenn das junge Pferd zu Beginn mit leichter Konterstellung geritten wird, fällt es oft leichter, die Verbindung am äußeren Zügel herzustellen und aufrecht zu erhalten. Und das ist allemal besser, als wenn sich ein Reiter oder eine Reiterin am inneren Zügel festmacht und die Bewegungen des Pferdes blockiert.

Wir lehren dem Pferd das Verständnis der halben Paraden, dadurch kommt die Stellung nach innen automatisch. Man sollte im Trab darauf achten, nicht zu viel Tempo zu reiten, alles aus der Ruhe heraus zu erarbeiten“, erklärt Burkhard Jung und betont: „Eines ist ganz wichtig: Ich muss das Pferd auf meiner Seite behalten! Und ich muss ihm Freude an der Arbeit mit dem Reiter vermitteln.“

Als nächstes folgen Trab-Schritt Übergänge auf beiden Händen. Venezia ist etwas stramm im Rücken und hat einen ausgeprägten Vorwärtsdrang. Die Reiterin lässt ihre Hand weich stehen und treibt die Stute in den Übergang hinein. Nach einigen fleißigen, aber ruhigen Schritten trabt sie wieder an. Venezia beginnt, den Hals mehr fallen zu lassen und sich phasenweise an die Hand heranzudehnen. „Wird ein junges Pferd in diesem Stadium der Ausbildung etwas eng, ist das für den Moment nicht schlimm“, betont Burkhard Jung. „Arbeitet man es kontinuierlich und mit weicher Zügelverbindung weiter, wird es auch die Ganasche weiter öffnen. Kommt das Pferd allerdings zu tief und rollt sich ein, würde ich die Zügel für einen Moment ganz lang lassen bis zur Schnalle und dann von vorn anfangen.“

Burkhard Jungs Extra-Tipp

Als Ausbilder am Boden auch mal die Reiterin fragen, was ihr Plan ist. Man muss eine Idee haben, wenn man im Sattel sitzt und als Ausbilder bekommt man hier und da selbst Anregungen und neue Ideen.

Was der Ausbilder ebenfalls schon in das Training miteinfließen lässt, ist die geraderichtende Arbeit. „Es geht dabei um eine Idee von Schultervor“, umschreibt Burkhard Jung. „Also nur um den Ansatz dieser geraderichtenden Lektion. Und das auch immer nur so viel, wie das Pferd zulässt. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich der Trabablauf sehr gut beeinflussen lässt. Jedes vernünftige Training an Losgelassenheit und Durchlässigkeit, Übergänge und geraderichtende Biegearbeit, kann auch den Bewegungsablauf im Trab verbessern.“

Ausrüstung

Der Sattel muss Pferd und (!) Reiter/ Reiterin passen. Den maßgerechten Sitz des Sattels muss der Ausbilder und die Ausbilderin bewerten können oder sich Hilfe holen.

Ein doppelt gebrochenes Gebiss eignet sich am besten für den Ausbildungsstart in Verbindung mit einem englisch kombinierten Reithalfter, das dem Gebiss genügend Platz bietet.

Ob man im Trab auch schon etwas längere Phasen aussitzt, muss von Pferd zu Pferd unterschieden werden. Vor allem die Konstitution des Rückens ist entscheidend: Hat das Pferd einen weichen bzw. strammen Rücken, hält sich das Pferd sehr fest, tut es sich schwer, sich vorwärts-abwärts zu dehnen? Nach diesen Gesichtspunkten kann man entscheiden, ob und wie lange man Reprisen des Aussitzens einbaut. Manchen Pferden fällt es leichter, in Balance zu kommen und loszu lassen, wenn der Reiter aussitzt – immer vorausgesetzt er tut dies elastisch und schwingt in der Bewegung mit. Auch die Konstitution des Reiters oder der Reiterin sollte man bei seinen Einschätzungen nicht außen vor lassen: eine leichte, kleine Reiterin macht es dem Pferd zu Beginn leichter, in den Rhythmus zu kommen und den Rücken aufzuwölben.

Galopparbeit

Für das Angaloppieren gilt: immer aus der Ruhe heraus. Erst einmal ist wichtig, dass das Pferd lernt, auf die Galopphilfen zu reagieren. Wird es dabei zunächst etwas eiliger, kann das für den Moment akzeptabel sein. Der Reiter muss aber verstehen, dass er das Eiligwerden mit geschickter Hilfengebung reduzieren muss. Hat das Pferd einmal verstanden, worum es geht, wird man es auch geschlossen und ruhig angaloppieren können. Man sollte zu Beginn leicht sitzen und gegebenenfalls zwischendurch den Rücken ganz entlasten. Auf dem Zirkel und ganze Bahn im ruhigen Tempo galoppieren bei weicher Anlehnung. An der kurzen Seite kann man für einige Momente in onterstellung reiten, um die Anlehnung am äußeren Zügel abzufragen und den Druck, der sich eventuell am inneren Zügel aufgebaut hat, zu lösen. Im weiteren Verlauf des Trainings kommen Trab-Galopp-Übergänge hinzu. Ganz wichtig: zwischendurch längere Schrittpausen einlegen, dabei die Zügel ganz lang lassen, so dass das Pferd seinen Hals dehnen kann. In diesen Reprisen soll das Pferd abwarten, was passiert, und es soll wissen: Wenn Schritt kommt, ist Schritt angesagt! Meistens wird der Schritt bei diesem Training dann mit der Zeit wertvoller.

In der weiteren Arbeit kann man schließlich Trab-Schritt-Halten- Übergänge einbauen. Voraussetzung ist, dass die Trab-Schritt-Übergänge gut funktionieren. Man pariert aus dem Trab über den Schritt zum Halten durch. „Ein auslaufender Übergang ist zu dieser Phase der Ausbildung vollkommen ok“, erklärt der Ausbilder. „Das wird mit der Zeit besser. Das Pferd kommt zum Tragen und wird leichter im Genick. Es muss zunächst auch nicht gut geschlossen stehen, ruhig zu stehen ist wichtiger!“ Den meisten jungen Pferden fällt es leichter, diese Übungen etwas tiefer eingestellt zu absolvieren, dadurch können sie besser den Rücken aufwölben. „Sich hinter dem Zügel verkriechen sollte es allerdings nicht“, mahnt Burkhard Jung. „dann ist es nicht mehr an den Hilfen und das ist nicht gut. Dann sollte man die Zügel lang lassen und noch einmal von vorn anfangen.“

Es geht seitwärts

Beginnt man mit dem Schenkelweichen, gilt: vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten. Es bietet sich z. B. an, aus einer groß angelegten halben Volte heraus das Pferd übertreten zu lassen. Auf dieser Linie ist es schon gestellt und den meisten Pferden fällt es relativ leicht, sich daraus seitwärts zu bewegen. Der Takt sollte immer erhalten bleiben! Der Reiter oder die Reiterin zeigt dem Pferd den Weg – der seitwärtsweisende Zügel kann unterstützen – und baut so Schritt für Schritt die ersten Seitwärtsbewegungen ein. Blockiert das Pferd, geradeausreiten und noch einmal von vorn beginnen.

„Fehler sind überhaupt nicht schlimm“, betont Burkhard Jung und ergänzt lächelnd: „Man darf sich nur nicht daran gewöhnen!“

In punkto Ausbildung steht eines über allem: „Losgelassenheit ist immer das A und O – dann bleibt alles leicht und easy“, so Jung. „Und zum Faktor Zeit kann ich nur raten: Bei der Arbeit mit dem Pferd immer so vorgehen, als hätte man alle Zeit der Welt.“

Longieren unterstützt

Ein- bis zweimal die Woche bietet es sich an, den Youngster zu longieren. Das Longieren kann das Reiten unterstützen und es sorgt für Abwechslung. Das Pferd lernt, sich ohne Reitergewicht auszubalancieren und baut Muskulatur auf, die Losgelassenheit wird verbessert.Longiert wird am besten mit Sattel, einem Gurt über dem Sattel oder einem weich gepolsterten Longiergurt. „Dreieckszügel sind recht ideal fürs Longieren“, berichtet Burkhard Jung aus seiner Erfahrung. „Sie zeigen dem Pferd den Weg in die Tiefe und begrenzen nach oben, bieten aber auch genügend Freiheit, auch mal Fehler zu machen. Einfache Ausbindezügel halte ich dagegen für zu starr. Die würde ich vermeiden.“ Die Dreieckszügel sollten so lang wie möglich verschnallt werden – so lang, dass es nicht gefährlich wird! Grundsätzlich sollte man sich beim Verschnallen der Ausbinder bei den ersten Longier einheiten von jemandem helfen lassen, so wie beim Anreiten und ersten Aufsitzen auch.

Wochenplan

So kann eine Trainings woche für ein junges Pferd aussehen:

Montag: Führanlage

Dienstag: frei laufen lassen, reiten

Mittwoch: longieren

Donnerstag: reiten

Freitag: Führanlage, Schritt im Gelände

Samstag: kurz reiten, Gelände

Sonntag: Führanlage

täglich: freier Auslauf, Weide/Paddock

Wichtig: Dem Pferd Abwechslung bieten, es fordern, aber nicht überfordern.

„Wenn einmal etwas passiert, kann sich das als Problem manifestieren – das sollten wir unbedingt vermeiden“, betont Jung. Wird ein Kappzaum verwendet, muss dieser optimal sitzen. Genauso kann man einen Sporenriemen durch beide Trensenringe verschnallen und die Longe einhängen, wichtig ist, dass sie durchrutschen kann – das hat dann dieselbe Wirkung, wie eine Longierbrille mit beweglichem Ring. „Ich bin kein Freund davon, ein Stallhalfter über die Trense zu verschnallen“, so der Ausbilder. „Das sitzt in den seltensten Fällen optimal.“

Zum Longieren am besten einen ruhigen Ort aufsuchen und das Pferd lange genug vorher bewegen, damit die Muskulatur aufgewärmt ist, wenn das Pferd seinen Übermut an der Longe herauslässt. „Für das Longieren rate ich, die Pferde da abzuholen, wo sie sind – nicht da, wo wir sie gerne hätten. Und zu Beginn würde ich sagen: Das Pferd soll sich ein paar Minuten so bewegen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, unausgebunden. Und erst danach würde ich es ausbinden.“

Die Dauer der Trainingseinheiten eines jungen Pferden steigert sich nach und nach. Zu Beginn reichen etwa 20 Minuten völlig aus. „Man muss nach Gefühl und Erfahrung entscheiden, wie viel einem Pferd gut tut und wie viel ich von ihm verlangen kann“, beschreibt Burkhard Jung.

Die Ausbildung des Youngsters unterm Sattel und an der Longe sind wichtig – genauso essentiell ist aber auch das „Rahmenprogramm“ – also Weide/ Paddock, Führanlage, Gesundheitsmanagement und Fütterung. „Welches Pferd wann und wie lange auf die Weide, auf den Paddock oder in die Führmaschine geht, sollte man bloß nicht nach Schema F entscheiden!“ Man sollte für jedes Pferd einen Plan erstellen. Man muss sich in das Pferd hineinversetzen und ausprobieren, was sich positiv auswirkt. Manche Pferde lassen sich besser arbeiten, wenn sie vor dem Training in der Führmaschine waren und danach auf die Weide kommen. Bei anderen kann es genau umgekehrt sein. „Zur Fütterung kann ich erzählen, wie wir es im Stall machen“, so Burkhard Jung. „Wir füttern frisch gequetschten Hafer und ungequetschte Gerste, damit die Pferde etwas zu kauen haben. Dazu bekommen sie Rübenschnitzel – das bringt Masse – und Weizenkleie – für jedes Pferd eine individuelle Mischung und Menge. Wir haben tägliche Besprechungen, in denen wir uns nach Bedarf zu jedem Pferd, seiner Fütterung, seiner Ausbildung und seinem Trainingsplan Gedanken machen. Auch wir haben nicht immer sofort die ideale Lösung, aber wichtig ist doch, dass man auf dem Weg dorthin ist.“

Autorin

Laura Becker findet an Corona-Zeiten positiv, dass sich online vieles etabliert hat, so wie Burkhard Jungs Seminar zur „Jungpferdeausbildung“.

Sicher geführt

Ist ein junges Pferd besonders sensibel und empfänglich für äußere Einflüsse, kann ein Führpferd helfen, bei den ersten Gehversuchen in der Reitbahn oder in unbekannten Situationen Sicherheit zu vermitteln. „Das ist bei fünf von zehn Pferden sinnvoll“, berichtet Burkhard Jung aus seiner Erfahrung. Man kann in allen drei Grundgangarten hintereinander reiten, im Schritt und Trab ist es am einfachsten. Ein Führpferd sollte erfahren und ruhig sein. Umso jünger das Nachwuchspferd ist, desto dichter sollte man aufschließen. Die vordere Reiterin hat nicht die Aufgabe, ihr Pferd optimal zu präsentieren – sie muss ruhig und fleißig vorwärts reiten und darauf achten, dass der Youngster den Anschluss nicht verliert. Soll ein Übergang ge ritten werden, müssen sich beide Reiterinnen aufeinander abstimmen, das Führpferd muss auf das hintere Pferd aufpassen. Um einen gleichmäßigen Abstand beizubehalten, kann das Tempo des Youngsters über den Weg ausgeglichen werden, mit gehfreudigeren Pferden beispielsweise die Ecken mehr ausreiten. Ein Führpferd ist besonders sinnvoll bei den ersten Trainingseinheiten auf einem Außenplatz, der immer viel Ablenkungspotenzial bietet, und bei den ersten Ausritten.

Auch in einer Führmaschine hilft ein erfahrenes, älteres Pferd dem Youngster Sicherheit zu vermitteln. Das junge Pferd sollte als letztes in die Anlage gestellt werden und als erstes wieder herausgeholt werden.

Umfrage zur Jungpferdeausbildung

Wie sieht die tägliche praktische Ausbildung junger Pferde in Deutschland aus? Mit dieser Fragestellung hat sich Katrin Köhler, die an der Hochschule Osnabrück Agrarwissenschaften studiert, im Rahmen ihrer Hausarbeit beschäftigt

Die Ergebnisse

Qualifikation: Neben praktischem Wissen und Erfahrung ist die Theorie rund um Reitlehre, Anatomie des Pferdes und die natürlichen Verhaltensweisen unabdingbar für die Reitpferdeausbildung. Über die Hälfte der Befragten gab an, Jungpferde auf Grundlage ihrer Ausbildung zum Pferdewirt oder Pferdewirtin und Pferdewirtschaftsmeister und -meisterin in der klassischen Reitausbildung auszubilden. Zwölf Prozent wählten den Trainer Reiten als Grundlage ihrer Qualifikation.

Ausbildungsstart: Bereits während der Aufzucht eines jungen Pferdes sollten alltägliche Routinen wie Aufhalftern, Hufegeben und Führen regelmäßig geübt werden. Wann mit der vorbereitenden Bodenarbeit und dem Anreiten des Pferdes begonnen wird, ist abhängig von der körperlichen und mentalen Entwicklung des Pferdes. In der Umfrage gaben etwa ein Drittel an, die Pferde im Alter von drei Jahren zur Ausbildung zur Verfügung gestellt zu bekommen. Ein weiteres Drittel und mehr gaben an, die Pferde ab dreieinhalb Jahren und älter auszubilden. 61 Prozent äußerten sich, ihre Pferde „roh“ zur Ausbildung zu bekommen.

Ausbildungsdauer: Die Angaben der durchschnittlichen Ausbildungszeit unter den Befragten erstreckten sich von drei Monaten bis zu länger als einem Jahr. Mit knapp 38 Prozent gab ein Großteil der Befragten an, die Jungpferde länger als ein Jahr bei sich in der Ausbildung zu haben. Bei der Frage nach dem hauptsächlich gewählten Schwerpunkt in der Ausbildung der Jungpferde nahm die Dressur die Spitzenposition ein, gefolgt vom Springen und der Vielseitigkeit.

Ausbildungsüberprüfung: Ein Teil der Ausbildungsüberprüfung fand in Form von Turnierstarts statt. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer und -teilnehmerinnen gab an, ihre Jungpferde auch auf Turnieren vorzustellen. Den Jahresberichten der FN ist zu entnehmen, dass der Anteil an an gebotenen Basisprüfungen (Reitpferde-und Eignungsprüfungen) nur bei 1,66 Prozent lag.

Während die Aufbauprüfungen, zu denen die Dressur-, Spring- und Geländepferdeprüfungen gehören, einen Anteil von 20,94 Prozent am Gesamtangebot der Turnierprüfungen hatten.

Die Ausbildung von jungen Pferden mit dem Ziel der größtmöglichen Harmonie zwischen Pferd und Reiter unterliegt einer enormen Verantwortung gegenüber dem Pferd, um dessen Wohlbefinden und Gesundheit zu schützen. Deshalb plant die BBR weitere Arbeiten mit Umfragen (u.a. Kostenkalkulation) in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück und weitere Seminare u. a. mit dem Oldenburger Verband. Für Anregungen der Berufskollegen und -kolleginnen ist die BBR dankbar. Was interessiert Sie besonders am Thema „Jungpferdeausbildung“? Antworten gerne per E-Mail an: geschaeftsstelle@berufsreiterverband.de

Die Umfrage und der Beitrag sind entstanden in Zusammenarbeit mit Carolin Lux, Prof. Dr. Heiner Westendarp und Katrin Köhler.

Umfrage

Die Online-Umfrage richtete sich in erster Linie an BBR-Mitglieder, 630 nahmen teil. Etwa 60 Prozent der Befragten waren zwischen 26 und 55 Jahre alt und drei Viertel waren weiblich. Etwa die Hälfte aller Befragten Jungpferdeausbilder und -ausbilderinnen bildet bis zu fünf Pferde pro Jahr aus.