Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

Es gibt keinen wahren Gott außer Allah


Logo von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL
Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 30.09.2021

Artikelbild für den Artikel "Es gibt keinen wahren Gott außer Allah" aus der Ausgabe 10/2021 von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 10/2021

Nachbarn, die sich im Verein »Patriotische Anwohner gegen die Islamisierung der bisher gutbürgerlichen Gegend« (Pagdidbgg) organisiert haben, beobachten die Entwicklung auf Sarrazins Grundstück.

Wann sind Sie zuletzt in Ihrer Garage gewesen, Herr Sarrazin?

Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.

Insider munkeln, dass die Taliban dort ein Generalkonsulat einrichten ...

Da muss ich Sie enttäuschen. In meiner Garage befindet sich nur mein Dienstwagen, der mir als ehemaligem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank auf Lebenszeit zusteht.

Mit oder ohne Chauffeur?

Selbstverständlich mit. Der Chauffeur wohnt in der Garage.

Was ist er denn für ein Landsmann?

Er ist Biodeutscher.

Uns liegen aber Fotos vor, die fünf bärtige Turban - träger dabei zeigen, wie sie Büromöbel, Feldbetten und Panzerfäuste in Ihre Garage tragen.

Das ist lächerlich. Wie käme ausgerechnet ich dazu, meine eigene Garage überfremden zu lassen?

Wie halten Sie es denn mit den Taliban? Finden Sie die gut?

Sie wissen genau, dass ich zu den schärfsten Kritikern des Islamismus gehöre. Den Taliban muss man aber immerhin zugute halten, dass sie für ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2021 von HAUS MITTEILUNG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HAUS MITTEILUNG
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von DING DONG, TELEFON!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DING DONG, TELEFON!
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von Schweres Los. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schweres Los
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von Sie ist wieder da!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sie ist wieder da!
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Der Böse
Vorheriger Artikel
Der Böse
DER ALLEINREISENDE FINDLING
Nächster Artikel
DER ALLEINREISENDE FINDLING
Mehr Lesetipps

... traditionelle Werte einstehen, also für Heimatliebe, Wehrhaftigkeit, familiären Zusammenhalt und die Verankerung des Individuums in einem religiös begründeten gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang. Das Wort »Religion«, falls Sie es nicht wissen sollten, hat seine Wurzel in dem Begriff »religio«, der »Rückbindung« bedeutet. Damit ist die Rückbindung des Einzelnen an eine kosmische oder, wenn Sie so wollen, spirituelle Einheit gemeint, von der die Taliban heute mehr zu wissen scheinen als so mancher westliche Lebenskünstler, der glaubt, er könne gefahrlos alles über Bord werfen, was wir von unseren Vätern geerbt haben.

Wäre es dann nicht besser, wenn die Taliban auch in Deutschland die Macht übernähmen?

Das wäre mit unseren christlich-abendländischen Wurzeln nicht vereinbar. Ich gestehe aber freimütig, dass mir die Taliban mit ihrem Ehrgefühl und ihrem Kriegerstolz mehr imponieren als die radikalpazifistischen Fortpflanzungsverweigerer in Deutschland.

Haben Sie sich deshalb kürzlich in einem Hamam in Kabul mit dem afghanischen Hardliner Hibatullah Achundsada getroffen?

Wer sagt das?

Auf Youtube ist eine fünfminütige Filmaufnahme von jenem Treffen zu sehen. Sie sitzen da gleich neben Achundsada und einem Dolmetscher, und aus der Tonspur geht hervor, dass Sie über die Monatsmiete für Ihre Garage verhandeln.

Ich dementiere das entschiedenst. Erstens bin ich noch nie in Kabul gewesen, zweitens kenne ich Herrn Achundsada nur aus den Nachrichten, und drittens hat dieses sogenannte Treffen, wenn überhaupt, in einem Kaffeehaus in Bad Salzschlirf stattgefunden, als ich dort einen wohlverdienten Erholungsurlaub genossen habe. Bei dem seinerzeit in Bad Salzschlirf geführten Gespräch mit Herrn Achundsada ist es aber nicht um die Monatsmiete für meine Garage gegangen, sondern um die Frage, was wir gemeinsam dagegen unternehmen können, dass Deutschland sich abschafft, und mein Gesprächspartner ist dabei auch keineswegs Herr Achundsada gewesen, sondern ein Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung, dessen Name mir leider entfallen ist.

Gebongt. Aber weshalb steht dann gleich neben Ihrer Garage ein Gebäude, das vorgestern im Grundbuch unter dem Namen »Hibatullah-Achundsada-Moschee« eingetragen worden ist?

Davon ist mir nichts bekannt.

Ihre Nachbarn haben sich bei der Polizei jedenfalls schon mehrmals über die Muezzinrufe beschwert, die von Ihrem Grundstück aus in die Gegend hallen.

Hier liegt ein Missverständnis vor. In meinem Garten ist kürzlich ein islamkritisches Frei-lichttheaterstück aufgeführt worden, das ich selbst geschrieben habe. Es mag sein, dass der eine oder andere Anlieger die Klangkulisse in diesem Fall fehlinterpretiert hat.

Stimmt es denn, dass Sie mit Ihrem neuen Buch »Afghanistan braucht den Euro nicht« auf eine Tournee durch den Mittleren Osten gehen wollen?

Fest vereinbart sind vorläufig nur Lesungen in Teheran, Isfahan, Ghom, Kabul, Masar-e Scharif, Dschalalabad und Kandahar. Anfragen liegen inzwischen allerdings auch aus Faisalabad, Aleppo, Mekka, Hofuf, Damaskus, Ninive, Alexandria, Uruk und Babylon vor.

Sie scheinen ja eine große Fangemeinde in der islamischen Welt zu haben ...

Ich will nicht prahlen, aber ich habe festgestellt, dass viele Muslime mir gern ihr Ohr leihen. Anders als in unseren eigenen Breitenkreisen sehe ich mich in der islamischen Welt auch keiner unqualifizierten Kritik ausgesetzt. Dort herrschen eben noch Recht und Ordnung.

Das klingt fast so, als ob sie mit dem Gedanken spielten, zum Islam überzutreten.

Das klingt nicht nur so. Ich habe das bereits getan. Es gibt keinen wahren Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes!

Soll das heißen, dass Sie jetzt auch die Scharia verfechten, also das Handabhacken und die Steinigung von Ehebrechern?

Meine Glaubensüberzeugungen decken sich mit jenen des Imams Mūsā ibn Dscha’far al- Kāzim, der im achten Jahrhundert im Großraum Bagdad gewirkt hat und ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed gewesen ist. Irgendwann muss halt mal Schluss sein mit dem ewigen Laissez-faire!

Sind Sie auch schon nach Mekka gepilgert?

Das lässt mein Terminkalender vorläufig leider nicht zu.

Und wem drücken Sie als Muslim in Afghanistan die Daumen? Den Taliban oder der talibanfeindlichen Terrororganisation ISIS-K?

Am besten wäre es, wenn alle konservativen Kräfte der gesamten Region an einem Runden Tisch zusammenkämen. Dazu zähle ich auch Al-Qaida, die Al-Nusra-Front und die Al-

Aqsa-Märtyrerbrigaden. Im Grunde verfolgen diese Gruppen ja alle das gleiche Ziel: Sie wollen einen Wertekanon wiederherstellen, der irgendwann im Spätmittelalter verlorengegangen ist, wenn nicht sogar schon in der Völkerwanderungszeit oder im Paläoproterozoikum. Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Das Pflichtgebet ruft. Allahu akbar!

GERHARD HENSCHEL