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ES GRÜNT SO GRÜN


Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 188/2021 vom 27.07.2021

PALMEN

Artikelbild für den Artikel "ES GRÜNT SO GRÜN" aus der Ausgabe 188/2021 von Weltkunst. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 188/2021

AM MEERESRAND

Nur wenige Linien genügen, um eine Palme erkenntlich zu machen. Der polnische Künstler Wilhelm Sasnal, Jahrgang 1972, hat nicht einmal einen Pinsel dafür benötigt, sondern die grüne Farbe für »Palms« (2006) direkt aus der Tube auf die Leinwand gedrückt. Palmen am Strand könnten ein Idyll sein, doch hier rollen die weißen Wellen bedrohlich nahe an der Küste, und einer der Stämme ist schon abgeknickt. Wir sehen keinen fröhlichen Ferienstrand: Es ist eine vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Welt. Sogar die Leinwand wirkt, als ob sie einmal nass geworden und nie richtig getrocknet wäre.

STAMM DES LEBENS

Die Dattelpalme, lateinisch Phoenix dactylifera, wurde schon vor 5000 Jahren von den Sumerern kultiviert und zählt damit zu den ersten domestizierten Großgewächsen der Menschheitsgeschichte. Das römische Mosaik aus dem 6. Jahrhundert stammt aus einer Synagoge im tunesischen Kurort ...

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... Hammam-Lif am Golf von Tunis und gehört heute dem Brooklyn Museum. Die reifen Datteln scheinen geradezu von der Palme zu springen. Sie verdeutlichen den süßen, nährenden, Leben spendenden Aspekt der Pflanze: paradiesisch!

MAGISCHES MARRAKESCH

Winston Churchills Begeisterung für Marokko war so ansteckend, dass der britische Premier den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt 1943 überreden konnte, nach der Konferenz von Casablanca noch mit ihm den Sonnenuntergang hinter dem Atlasgebirge bei Marrakesch zu betrachten. Anschließend schenkte er Roosevelt ein selbst gemaltes Bild der Szene und besiegelte die bromance der späteren beiden Weltkriegssieger. 1949 schuf Churchill dann diesen Blick »The Atlas Mountains from Marrakech«, der noch schöner ist als der erste – wegen der grünen Palmen natürlich.

DIE STRASSEN VON LOS ANGELES

Ob es die Palmen waren, die den Künstler aus Yorkshire in den Sechzigerjahren nach Los Angeles lockten? Oder doch die Pools? David Hockney hat dort über Jahrzehnte seine berühmtesten Motive gefunden. Mit Werken wie der Lithografie »Mist« (Dunst) aus seiner »Weather Series« von 1973 prägt er bis heute unser Bild der amerikanischen Westküste. Apropos Dunst: Hockney ist leidenschaftlicher Raucher und ärgert sich so sehr über die Nikotin-Einschränkungen in den USA, dass der mittlerweile 84-Jährige seinen Wohnsitz in die Normandie verlegt hat.

AUF DEM SONNENDECK

Annette Kelm, 1975 in Stuttgart geboren und mittlerweile in Berlin zu Hause, hat mit ihrer Fotografie »Makramee Shoe« von 2019 eine Art Bilderrätsel geschaffen: Vor sonnengelbem Grund hängt ein Gewirr aus gelben Seilen, zwischen Metallspiralen ist eine gelbe Sandale zu sehen. Darauf thront, wie ein kleines Ausrufezeichen, ein Topf mit palmenartigem Gewächs. Ein Mode-Shooting? Obwohl die Installation durch und durch künstlich ist – und nicht einmal ein Horizont in Sicht –, fühlt man sich bei ihrem Anblick gleich wie ein Weltumsegler.

FLUCHTPUNKT

Auf Max Beckmanns belebtem Gemälde »Café Bandol« schaut man von einem Tisch mit einem Glas Wein durch ein Fenster auf den Sonnenuntergang über dem Meer, der von Palmen gerahmt ist. Ein Souvenir, ein Sehnsuchtsbild: Wie sehr der Künstler sich nach den friedlichen Tagen und Nächten in Südfrankreich gesehnt hat, kann man sich nur vorstellen. Seine letzte Reise an die Côte d’Azur lag schon Jahre zurück – gemalt hat er seine Ansicht von Bandol im Amsterdamer Exil im schlimmen Kriegsjahr 1944.

NICARAGUANISCHES BALLETT

Flora und Fauna Lateinamerikas waren die unerschöpfliche Inspiration für den Maler und Naturforscher Martin Johnson Heade. Geboren 1819 in Pennsylvania, bereiste er als originellster Vertreter der Hudson River School nicht nur Europa und die USA, sondern auf der Suche nach Orchideen, Kolibris und besonderen Landschaften auch Süd- und Mittelamerika. Den »Sonnenaufgang in Nicaragua« von 1869 und seine meisten anderen Bilder malte er erst in seinem Atelier in Manhattan. Wie zwei Tänzerinnen ragen die beiden Palmen hier aus der schwülen, wuchernden Natur heraus.

PALMEN ZU PINSELN

Einfache Botschaften sind nichts für John Baldessari: In seiner »Overlap Series« überlagern sich die Bedeutungen, sodass ein Bild mehr ist als ein Bild. So sehen in »The Overlap Series: Palm Trees and Building (with Vikings)« von 2001 die Palmen von Los Angeles durch Kombinieren der Fotos und gezielte Farbtupfer plötzlich wie Pinsel aus, deren Köpfe wiederum zu Spritzern auf den Schildern der Wikinger werden. Was das soll, ist nicht ganz klar, aber zumindest wird das kalifornische Palmenklischee vorbildlich hinterfragt.

INSELRAUSCH

Emilio Sanchez, 1921 im kubanischen Camagüey geboren, kam schon als junger Mann nach New York, doch die Farben und Muster seiner Heimat inspirierten ihn ein Leben lang. Bekannt ist er vor allem für urbane architektonische Kompositionen, doch auch auf diesem frühen Aquarell von 1950 aus der Sammlung des Metropolitan Museum zeigt sich sein Interesse an Strukturen. Über den schlanken, hellen Stämmen hat Sanchez in Grüntönen die Palmwedel so lebendig eingefangen, dass man meint, ihr Rauschen in der Brise hören zu können.

GROLLEN DER GEGENWART

Julius von Bismarcks Fotografie »Talking to Thunder (Palm Tree)« von 2017 zeigt die Natur in ihrer gewaltigen Kraft – und ist wie so viele Wetterphänomene auch menschengemacht. Der Künstler manipulierte die Richtung des Blitzes, die wie eine außerirdische Macht in die windgebeugte Palme einschlägt. Am Ende bleibt uns Menschen das staunende Betrachten: von Dimensionen, die wir selbst entfesselt haben.

STRANDPROMENADE

Mit locker-routiniertem Pinselstrich und viel Gespür für sommerliche Farben zauberte Raoul Dufy 1926 die Strandpromenade von Nizza auf die Leinwand. Mit »Le Casino de Nice aux palmiers et aux vasques« gelingt es ihm, die Belle Époque durch den Filter der Moderne zu transportieren, flanierende Menschen, den Pferdewagen, die neobarocken Balustraden und Pflanzkübel und das historische Casino. Als bekrönende Elemente prangen die herrlich buschigen Palmen wie festliches Feuerwerk über der Szene.

PARADIES UNTER GLAS

Friedrich Wilhelm III. hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass man in Brandenburg einmal ganze tropische Badeinseln in ehemaligen Zeppelinhallen errichten würde. Seinerzeit waren Gewächshäuser noch Sensationen. Sein Palmenhaus auf der Pfaueninsel ließ der preußische König daher zwischen 1832 und 1834 gleich fünfmal in Gemälden festhalten, stets von Carl Blechen, dem er dabei auch kaum künstlerische Freiheiten gewährte. In Berlins Alter Nationalgalerie ist »Das Innere des Palmenhauses« (1832) auf ewig konserviert.

R

Rosiges Abendlicht färbt den Nebel in den Straßen. Schemenhaft erkennt man die Silhouetten von drei Palmen, die dem Blick Halt geben wie Leuchttürme in einem Meer des Nichts. David Hockney malte sie 1971 in seinem Bild »Mist«, sieben Jahre zuvor war er nach Los Angeles gekommen. Aufgrund ihrer hohen, extrem schlanken Stämme lassen sich die abgebildeten Palmen zweifelsfrei als Washingtonia robusta identifizieren, die beliebteste Palmenart in den Straßen der kalifornischen Westküstenmetropole, die dort dennoch nicht heimisch ist. Wie der Brite Hockney ist auch die Mexikanische Washingtonpalme in L.A. eine Zugezogene.

Die hohen Gewächse mit fächerförmigen Blättern gehören zum Image der Stadt. Das ist allerdings nicht naturgegeben, sondern das Resultat cleveren Planens: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert importierte man Zehntausende Palmen aus der ganzen Welt und pflanzte sie in den Straßen, um neue Bewohner in das junge urbane Paradies zu locken. Noch im Jahr 1990 zählte man 75 000 Palmen in Los Angeles, Tendenz schwindend. Manche Menschen bleiben von diesen Pflanzen fasziniert, so wie Hockney, der sie oft in Bildern auftauchen ließ und auch in seinem Meisterwerk »A Bigger Splash« (1967) hinter Pool und Bungalow zwei Palmen in den Himmel streben lässt. Für andere jedoch überragt ihr Anblick längst nicht mehr den gewohnten Alltag, wie der Maler ebenfalls bemerkt hat: »Manchmal braucht es einen Fremden, um einen Ort zu sehen und ihn zu malen. Ich erinnere mich, dass mir jemand mal gesagt hat, dass ihm die Palmen hier nie aufgefallen sind, bis ich sie gemalt habe«, sagte Hockney 2001 in einem Interview mit der Zeitung The Telegraph.

Die Palme kann symbolhaft sowohl für die Sehnsucht stehen als auch für das Angekommensein. In Martin Johnson Heades Gemälde »Sunrise in Nicaragua« von 1869 wächst sie als einzelne Pflanze mit doppeltem Stamm und Krone absichtsvoll positioniert in der Bildmitte. Sie zieht die Betrachter förmlich hinein in eine verwunschene, menschenleere Dschungellandschaftsfantasie. Offensichtlich zeigt der Künstler uns ein unerreichbares Paradies, sein Bild weckt eine Sehnsucht, die nicht erfüllt werden kann. Die Werbung operiert mit solchen Traumszenen. Das Bild der einsamen Palme am Strand, das unser Fernweh weckt, ist Allgemeingut geworden. Jeder Reisende ahnt, dass das Erlebnis am Ziel von den Erwartungen abweichen wird. Als Lockvogel taugt die Palme dennoch.

In der Wüste versprechen ihre Blätter Schutz und Obdach. Die christliche Kunstgeschichte kennt das Motiv der »Flucht nach Ägypten«: Maria und Josef sind mit dem neugeborenen Jesus auf einem Esel unterwegs, um dem Kindermörder Herodes zu entgehen. Viele Maler fügten im Hintergrund eine Palme ein, um die Erzählung im Nahen Osten zu verorten. Ein Perfektionist wie der Colmarer Kupferstecher Martin Schongauer (1448–1491) verstärkte das exotische Flair, indem er daneben noch einen Drachenbaum wachsen ließ, der von den Kanarischen Inseln stammt. In Schongauers Stich von der »Flucht nach Ägypten« (1470–1475) wird die Dattelpalme von Engeln gebeugt und bietet ihre Früchte den Fliehenden an. Das Bild folgte damit einer apokryphen, aber populären Variante der Geschichte. Andere Künstler wiederum hielten ihre Erzählung deutlich schlanker: In einem wundervollen Tondo des italienischen Renaissancemeisters Raffael aus dem Jahr 1506 rastet die Heilige Familie in einer kargen Landschaft. Eine einzelne Palme hat im Hintergrund schützend seine grünen Fächer ausgebreitet. Die Botschaft von Raffaels Gemälde scheint so schlicht wie eindeutig: Wer sich im Schatten einer Palme niederlässt, der ist zu Hause.

Denn diese Pflanze ist zweifellos ein wichtiger Begleiter der menschlichen Zivilisation: Ursprünglich als wildes Gewächs nur in den Tropen und Subtropen verbreitet, hat die Palme es als Zierpflanze unter Glasdächern in weitaus nördlichere Gefilde geschafft. Sie versorgt die Menschen nicht nur mit Nahrungsmitteln wie Früchten oder Nüssen, sondern auch mit Baumaterial. Gläubige Juden in Israel und aller Welt etwa decken heute noch zum Sukkot-Fest im Herbst Hütten mit Palmwedeln, um an das Volk der Israeliten zu erinnern, das bei seinem Auszug aus Ägypten in solchen Behausungen genächtigt haben soll. Manche Palmenarten haben es bis in die Spitze des Welthandels geschafft: Elaeis guineensis, die Ölpalme, war ursprünglich nur den Afrikanern bekannt, bis sie 1443 erstmals einem portugiesischem Seefahrer auffiel. Das europäische Kolonialsystem verpflanzte sie vor allem im 19. Jahrhundert nach Südostasien und Südamerika, wo sie mittlerweile in riesigen Plantagen kultiviert wird und die einheimische Flora und Fauna verdrängt. Umweltverbände kritisieren das scharf, doch mit produzierten 71 Millionen Tonnen im Jahr 2018 ist Palmöl weiterhin vor Sojaöl (rund 55 Millionen Tonnen) der Topseller unter den Pflanzenölen in unserer industriell geprägten Weltwirtschaft.

Wen wundert es da noch, dass der Palme immer wieder in Bildern gehuldigt wurde: In Schmuckreliefs aus den einstigen Palästen der assyrischen Hauptstadt Ninive kann man die hochgeschätzte Nutzpflanze genauso finden wie auf den blau glasierten babylonischen Ziegeln des Thronsaals von Nebukadnezar II. oder in den Wandmalereien altägyptischer Grabkammern. Über die Figur des Gottes Heh, der in Abbildungen zwei Palmenzweige in den Händen hält, die von den Ägyptern zur rituellen Zeitmessung genutzt wurden, war sie mit dem Gedanken der Unendlichkeit verbunden. Die Architekten des antiken Griechenlands zählten die Palmette zu ihren Lieblingszierornamenten, die griechische Siegesgöttin Nike und ihre römische Entsprechung Victoria winken mit einem Palmwedel als Zeichen des Triumphs. In der christlichen Bildwelt ist den Märtyrern neben dem individuellen Folterwerkzeug, das sie als Leidende auszeichnet, als Attribut auch oft ein Palmenzweig in die Hand gegeben – als symbolisches Zeichen für den Sieg des Geistes über das Fleisch. Als Christus auf dem Esel in Jerusalem einritt, streute das Volk Palmwedel in seinen Weg, um den vermeintlichen König der Juden zu feiern. Nicht nur in Giottos Fresko in der Scrovegni-Kapelle in Padua (1304–1306) sieht man den Randaspekt, dass die Menschen damals in die Bäume stiegen, um die Zweige frisch zu schneiden. Die Sache endete fünf Tage später am Kreuz, aber immerhin war die hübsche Tradition des Palmsonntags geboren.

Doch Nutzen und Symbolgehalt sind wohl nicht allein die Gründe, warum die Palme das populärste Großgewächs der Kunstgeschichte ist. Eine wichtige Rolle spielt auch ihre prägnante, wiedererkennbare Form. Nur ein vertikaler Pinselstrich in Grün und ein paar weitere grüne Bögen am oberen Ende genügen dem britischen Maler Howard Hodgkin, um in seinem Werk »In Tangier« (1987–1990) ein eindeutiges Bild zu schaffen. Als attraktiver Blickfang hat sie sich also auch in den Bildern der Moderne und Gegenwart durchgesetzt – ob als Naturpalme in Paul Gauguins Tahiti-Landschaften, als Promenadenpalme auf dem »Bretterweg von Nizza« (um 1924), verewigt von Raoul Dufy, oder als robuste Großstadtpalme, über deren pittoreske Klischeehaftigkeit sich John Baldessari in Konzeptkunstwerken lustig machte: Beispielsweise stellte sich der Künstler aus Los Angeles zwischen 1966 und 1968 in einem Foto so gezielt dilettantischkompositorisch auf, dass es wirkte, als würde eine Palme aus seinem Kopf wachsen. »Wrong« stand als Titel unter dem Foto: »Falsch«. Man möchte ihm widersprechen und sagen: »Genau richtig!« ×