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Es ist an der Zeit


FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 08.07.2021

Die Pionierin

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Hannelore Ratzeburg.

„Hannelore Ratzeburg war einer der ersten engagierten Frauen im Fußball, die auch Mut hatte“, sagt der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger über die Frauenfußball-Pionierin, die kürzlich ihren 70. Geburtstag feierte. In Sachen Fußball hat die gebürtige Hamburgerin keine Position ausgelassen. Bereits in ihrer Studienzeit spielte sie beim Hamburger Stadtteilverein West-Eimsbüttel und dann bei Grün-Weiss Eimsbüttel Fußball. Später wurde sie Trainerin, Schiedsrichterin, Funktionärin und brachte es bis ins DFB-Präsidium – als erste und bisher einzige Frau. Im größten nationalen Sport-Fachverband der Welt ist Ratzeburg Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauenund Mädchenfußball. Hier stellt sie sich den Grundsatzfragen des Frauen-und Mädchenfußballs, ist u.a. verantwortlich für den Spielbetrieb der ersten beiden Frauen- Bundesligen und befasst sich mit Entwicklungsprogrammen für den ...

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... Mädchenfußball. Kein halbes Jahr, nachdem der DFB auf seinem Bundestag am 31. Oktober

1970 in Travemünde das Verbot für Frauen am Ball fallengelassen hatte, marschierte Ratzeburg zur Mitgliederversammlung ihres Vereins, wo ausschließlich Männer beieinandersaßen, bat um Trikots und Bälle für die Frauen,

stellte Fragen. „Da nahm der zweite Vorsitzende seinen Gehstock, knallte ihn auf den Tisch und sagte: Nehmt euch in Acht vor solchen Frauen!“, erinnert sie sich. Es gibt wohl kaum eine Frau im deutschen Fußball, die besser ins Amt der DFB-Präsidentin passen würde als Hannelore Ratzeburg – es ist an der Zeit!

Die Trainerin

In puncto Fußball-Sachverstand gibt es nicht viele Frauen, die mit Silvia Neid mithalten können.

Schon als Spielerin war die ehemalige DFB-Mittelfeldstrategin erfolgreich. In einer Zeit, in der die Frauenfußballwelt eher klein und die Konkurrenz entsprechend gering war, wurde sie mit Deutschland von 1989 bis 1995 dreimal in Folge Europameisterin. Als Trainerin konnte sie das allerdings noch toppen, machte Deutschland als Chefin an der Seitenlinie 2007 zur Weltmeisterin und holte 2016 olympisches Gold.

Seit Bundestrainer Joachim Löw im Frühjahr seinen Rücktritt im Sommer verkündete, gab es die gewohnten Spekulationen um seine potenzielle Nachfolge. Als Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff auf der Pressekonferenz zu Löws Rücktritt gefragt wurde, ob auch eine Frau dessen Nachfolgerin werden könne, entgegnete dieser ausweichend: „Ich würde nie etwas ausschließen. Ihr dürft weiter spekulieren“. Dabei grinste er herausfordernd und auch Löw, der an Bierhoffs Seite saß, schmunzelte. So weit ist Deutschland dann doch noch nicht. Selbst in der Frauen-Bundesliga sitzt mit Anne Pochert vom FC Carl Zeiss Jena lediglich eine Frau auf der Cheftrainerbank.

Was sind also die Anforderungen an eine neue DFB-Präsidentin? Nun, sie muss den Fußball lieben und verstehen, alles für den Fußball tun – und nicht nur für sich selbst. Sie muss soziale Kompetenz mit Empathie für die Bedürfnisse anderer mitbringen. Von Vorteil wäre auch, Nationalspielerin gewesen zu sein und auf Funktionärsebene im Verband oder im Verein gearbeitet zu haben. Kaum eine Frau in Deutschland kann diese Anforderungen mit so viel Fußball-Sachverstand füllen, wie Silvia Neid – es ist an der Zeit!

Die Planerin

Ihren Ausflug auf die Trainerbank haben wir alle noch gut in Erinnerung. Zwischen 2016 und 2018 wurde Steffi Jones als Nationaltrainerin förmlich „verheizt“ – ohne vorherigen Trainerinnenposten, ohne Erfahrungen als Chefin an der Seitenlinie sollte die Frankfurterin Silvia Neid beerben. Das musste schiefgehen. Seit April 2019 ist Jones Co-Trainerin der Frauen- Landesliga-Mannschaft des SSV Buer, ein Jahr später stieg sie dort zur Sportdirektorin auf.

Steffi Jones Platz auf dem Trainerstuhl scheint unrealistisch – sie ist die geborene Funktionärin. Von 2008 bis 2011 war sie Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-

Weltmeisterschaft 2011, danach war sie als Direktorin beim Deutschen Fußball-Bund und in dieser Position für die Bereiche

Frauen-, Mädchen- und Schulfußball zuständig. „Wenn wir auch morgen noch mit der Frauen-Nationalmannschaft zur Weltspitze zählen wollen, müssen wir uns schon heute um den Nachwuchs kümmern“, sagte sie bereits 2012.

Geht es um den Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten, Nachwuchsförderung oder die Vorbereitungen auf die Männer-EM 2024 im eigenen Land, ist Jones die richtige Wahl.

Sie ist eine Frontfrau und ihr kommt zugute, dass sie mehrsprachig aufgewachsen ist und einen guten Draht zum Frauenfußball-

Giganten USA hat. Jones hat die Verantwortung nie gescheut, dass es dann auch mal zu Rückschlägen oder Schwierigkeiten kommen kann, ist ganz normal. Definitiv kann Jones auch DFB-Präsidentin – es ist an der Zeit!

Die Richterin

Auch Nationalmannschafts-Kapitän Manuel Neuer kann sich eine Frau an der Spitze des DFB vorstellen. Konkret angesprochen auf den Namen der früheren Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb, sagte Neuer in einem Interview der Welt am Sonntag: „Ich denke, dass wir offen sind und der DFB bereit ist, diese Position mit einer Frau zu besetzen. Das ist keine schlechte Idee, ich kann mir das vorstellen.“

Gut, was soll er auch anderes sagen. Dennoch kennt wohl keine Frau den deutschen Männerfußball besser als Steinhaus. Sie ist die erste Frau, die im deutschen Männer- Profifußball Spiele leitete, pfiff im Pokal und seit 2017 auch in der Bundesliga. In ihrer Funktion als Video-Assistentin sorgte sie am 30. Spieltag der Saison 2017/18 für ein Novum: Nachdem der leitende Schiedsrichter Guido Winkmann in der Partie zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg bereits zur Halbzeit gepfiffen hatte, griff Steinhaus per Funk in das Spielgeschehen ein. Sie machte Winkmann auf ein Handspiel des Freiburger Spielers Marc-Oliver Kempf aufmerksam. Daraufhin entschied Winkmann, nach Auswertung der Video-Bilder, auf Handelfmeter. Spieler des SC Freiburg, die sich bereits auf den Weg in die Kabine machten, mussten daher auf Anweisung des Schiedsrichters auf den Platz zurückkehren.

Keine Frau weiß wohl besser, was auf dem Platz abgeht als Bibiana Steinhaus.

Auch sie erfüllt die Anforderungen für den höchsten Posten im deutschen Fußball. Wenn es um eine neutrale, objektive Einschätzung der Situation geht, ist Steinhaus die richtige Frau. Die sicherlich nicht unproblematische Aufgabe einer DFB-Präsidentin, eine gerechte und zukunftsweisende Verteilung der Verbandsgelder sicherzustellen kann sie sicherlich ebenso meistern wie die Erörterung wirksamer Maßnahmen gegen Gewalt in und vor den Stadien, Fragen zu Regel-Reformen oder den Brückenschlag zwischen dem Amateur- und dem Profibereich. Ihr internationales Renommee und ihr Standing als objektive Richterin – sowohl im Männer- als auch im Frauenfußball machen Steinhaus zur Idealbesetzung – es ist an der Zeit!

Die Managerin

Mit deutlicher Kritik an den Strukturen und den jüngsten internen Vorgängen ging Ex-Nationalspielerin Katja Kraus mit den aktuellen DFB-Verantwortlichen hart ins Gericht. Die ehemalige Torfrau des FSV Frankfurt, für den sie zwischen 1986 und 1998 über 200 Spiele bestritt, prangert die Machtstrukturen im DFB an und fordert vehement eine Frauenquote. Ambitionen auf den Job als DFB-Präsidentin hat die Vize-Weltmeisterin und Europameisterin aber nicht. „Ich strebe kein Amt an“, sagte die 50-Jährige im ZDF-Sportstudio.

Dabei ist ihre Vita prädestiniert für diesen Job. Kraus studierte Germanistik und Politik, arbeitete im PR-Ressort von Adidas und als Pressesprecherin von Eintracht Frankfurt. Zum 16. März 2003 wurde sie beim Hamburger SV Vorstandsmitglied für die Bereiche Marketing und Kommunikation.

Damit wurde Kraus zur ersten Frau im Vorstand eines Fußball-Bundesligisten. Wenn es um Machtstrukturen, Gleichstellung und Kommunikation geht, gibt es im deutschen Fußball nicht viele Frauen, die das in einem hohen Fußballamt meistern können – mit ihrer offensiven und kritischen Herangehensweise legt sie die Messlatte schon sehr hoch. So lange „Struktur und Kultur nicht verändert werden, wird es keine Person geben, die den Verband führen kann“, so Kraus.

Die Geschäftsführerin einer Sportmarketingagentur zählt zu den neun Frauen, die mit der Bibiana Steinhaus-Webb (oben) und Katja Kraus.

Initiative „Fußball kann mehr“ für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Darin formuliert sie gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen konkrete Forderungen – darunter eine verbindliche Quote für Fußballverbände von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen oder Gehaltstransparenz und gleiche Bezahlung für den gleichen Job auf jeder Hierarchiestufe. Kraus hat eine beeindruckende Vita, konkrete Pläne und das, was man gemeinhin „Stallgeruch“ nennt – es ist an der Zeit!

Vereinsboss und TV-Ikone

Ute Groth wirft erneut ihren Hut in den Ring. Die Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf hatte 2019 mit ihrer Bewerbung für das DFB-Präsidentenamt für Aufsehen gesorgt und will sich auch bei der aktuellen Suche nach einer Keller- Nachfolgerin bewerben. Sie wolle sich vor allem für die kleinen Klubs einsetzen und steht für Transparenz und Umbruch in der gesamten Verbandsstruktur. Der Fußballverwaltungsapparat sei in vielen Teilen sehr aufgebläht. Zudem „ist das Ganze zu undurchsichtig und für keinen nachvollziehbar. Es ist ein veraltetes Modell, das angepasst werden muss“, so Groth.

Gaby Papenburg geht bereits in Berlin in die Offensive. Die ehemalige „ran“-Moderatorin will Präsidentin des Berliner Fußball- Verbandes werden. Sie habe zuletzt „den Eindruck gewonnen, dass im BFV mehrheitlich ein großer Wunsch nach Veränderung besteht“, schrieb Papenburg in einem Brief an Berliner Vereine. Sie verstehe sich als Teamplayerin und setze auf die Mitarbeit der Mitglieder. Sollte ihre Bewerbung Erfolg haben, wäre der Posten beim DFB ein möglicher nächster Schritt.

Wer er auch immer beim DFB- Bundestag Anfang 2022 zum neuen Oberhaupt des deutschen Fußballs gewählt wird, dem droht ein monumentales Arbeitspensum. Es heißt Strukturen aufbrechen, Glaubwürdigkeit gewinnen, Transparenz schaffen und nichts Geringeres als den deutschen Fußball in eine erfolgreiche Zukunft führen.