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Es knallt im Wald!


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 15.10.2021

Wolf vs. Muffel

Wozu die alten Jäger Faulpirsch sagen, zu solch einer Jagd machte ich mich morgens nach einem ereignislosen Ansitz auf. Die Sonne stand bereits höher am Himmel. Dicke Bäume, durch deren dichte Kronen kaum Licht auf den Waldboden fällt. Lediglich ein paar Strahlen, wie die Lichtspots auf einer Theaterbühne. Rechts steigt das Gelände steil an, links unter mir eine Auwiese, auf der ich noch einen späten Rehbock erhoffe. Plötzlich zieht eine Prozession am oberen Hügelrand entlang, wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Gemütlich trippelnd, als wenn es ein Verdauungsspaziergang wäre: Mufflons! Sie sind keine 50 Meter entfernt und es folgt Lamm auf Schaf. Das erste Schaf ist bereits hinter der Hügelkante verschwunden, weitere folgen, die Kette wird immer kürzer und kürzer. Unsicher hebe ich langsam die Büchse, doch ehe das letzte Lamm verschwindet, fällt der Schuss.

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Vier Widder jagen dem Schaf über die Wiese hinterher.

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Das war das erste Muffelwild, das ich in freier Wildbahn gesehen habe. „Alles was der Jagdschein erlaubt“, war mein Auftrag! Meine Kenntnisse über diese Wildart waren eher rudimentär, Fragmente aus der Jagdscheinvorbereitung. Dieses Erlebnis ist auch aus einem anderen Grund unvergessen, denn seitdem ist für mich Muffellamm das beste Wildfleisch überhaupt, mit dem tollsten Eigengeschmack. Die Faszination einer Mufflon-Trophäe, von denen ich im eigenen Revier in Sachsen-Anhalt, im nahen Selketal und im fantastischen Hunsrück, dann später einige erbeuten konnte, kam dann natürlich dazu.

Eigenarten der Schafe

Die Jagd auf Muffelwild ist besonders. Wenn wir eine Wildart waidgerecht bejagen wollen, müssen wir sein Verhalten, seine Gewohnheiten und seine Reaktionen kennen. Es sollte nicht reichen zu wissen, dass eine Vollcurl-Schnecke vermutlich eine reife Trophäe ist. Gehör- und Sehsinn sind hervorragend ausgebildet und der Geruchssinn lässt es den Menschen schon aus sehr großer Distanz wittern. Das gilt auch für Geräusche, sie hören selbst unauffällige Geräusche aus weiter Distanz. Wie fast alle Tiere, die ursprünglich aus waldlosen Regionen kommen, ist auch das Mufflon mit einem sehr guten Sehvermögen ausgestattet. Dabei erlauben die seitlich stehenden Augen dem Tier, ohne Kopfdrehung einen weiten Umkreis zu überblicken. Manchmal schränken die Hornspitzen das Gesichtsfeld etwas ein.

Meist leben Mufflons in kleinen Rudeln, die nur aus Schafen und Lämmern bestehen, wobei das älteste Schaf jeweils das Leittier ist. Gelegentlich stehen auch Jährlinge dabei. Junge Männchen verlassen das Rudel erst im zweiten Lebensjahr, wenn sie geschlechtsreif werden. Die weiblichen Tiere werden im Alter von acht bis neun Monaten geschlechtsreif und bleiben beim Rudel ihrer Mütter.

Steckbrief: Muffelwild

Datentabelle

Widder: Lebendgewicht von 35 bis 55 Kilogramm. Einzelne Widder können auch ein Gewicht bis zu 70 Kilogramm aufweisen.

Höhe (Widerrist): circa 125 Zentimeter

Länge: bis 120 Zentimeter

Schafe: 20-405 Kilogramm

Höhe(Widerrist): kleiner als b. Widder

Brunft: Oktober/ November

Tragzeit: 5 Monate

Junge: im März/ April, werden circa 6 Monate gesäugt, sind mit zwei Jahren geschlechtsreif

Alter: 8 bis 10 Jahre in Freiheit, in Gefangenschaft bis 16 Jahre alt werden.

Außerhalb der Brunftzeit leben die Widder, hauptsächlich junge und mittelalte, in sogenannten Junggesellengruppen zusammen. Die Rudelbindung ist allerdings nicht so streng. Die ganz alten Widder ziehen zu zweit oder zu dritt – oder zu bestimmten Zeiten allein. Nur während der Brunft gesellen sie sich zu den weiblichen Tieren.

Rudelstrukturen und Bejagung

Zu Beginn der Jagdzeit sollte es problemlos sein ein Widderlamm richtig anzusprechen, zumal sie auf jeden Fall noch im Mutterudel sind. Allein der Größenunterschied, die hohen Läufe und der kleine Körper sind markant, später kann es zwischen starken Lämmern und schwachen Jährlingen durchaus zu Fehleinschätzungen kommen. Das Alter lässt sich nicht an der Schlauchlänge festmachen, die von 30 bis über 60 Zentimeter reichen kann. 40 Zentimeter sind aber eher der Durchschnitt. Junge Widder verhoffen seltener, alte dagegen öfter! Sie sind vorsichtiger. Mit der zunehmenden Wolfspopulation bilden sich immer öfter „Angstrudel“. Bei diesen größeren Ansammlungen fällt es dem Angreifer deutlich schwerer, ein Tier abzudrängen und zu reißen. Es gibt zudem auch mehr „Aufpasser“ und damit bessere Chancen, einen Angreifer früher zu erkennen. Auch wenn Widder das ganze Jahr über kämpfen, in der Brunft werden diese Kämpfe heftiger. Dabei nehmen sie kräftig Anlauf und knallen dann mit ihren Hörnern gegeneinander. Wenn zwei Widder sich beharken, kann man weithin das Aufeinanderschlagen der Hörner durch den Wald vernehmen.

Kommunikation untereinander

Die Wildschafe sind eigentlich an einen Lebensraum im Gebirge angepasst und können hervorragend klettern und springen. Für die Sicherheit und auch für die sozialen Beziehungen im Rudel spielt das Gehör eine Rolle, und das Lautrepertoire der Mufflons ist umfangreich, so kann man Kontakt-, Warn- und Klagelaute, sowie das Locken brunftender Widder unterscheiden. Oft kann man beim „Treiben“ der brunftigen Schafe einen röchelnden und schnarrenden Laut von den Widdern hören. Über den Tag verteilt machen Mufflons etwa drei bis fünf Ruhepausen zum Wiederkäuen, sonst sind sie den ganzen Tag auf den Läufen. Einen bestimmten Widder zu jagen, ist daher überhaupt nicht einfach! Wenn man ihn am Morgenansitz gesehen hat, muss er nicht am Abend dort wieder erscheinen. Wo immer man sich ansetzt, kann es Zufallsbegegnungen geben. Die Hauptaktivität der Schafe fällt in die Morgen- und Abendstunden. Die beste Zeit für die allgemeine Jagd ist von November bis Anfang Januar. Die beste Zeit, um auf einen reifen Muffelwidder zu jagen, ist während der Brunft Ende Oktober bis Mitte November, wenn im Herbstwald das Laub von den Bäumen gefallen ist. Traumhaft allerdings ist die Pirsch an schneereichen Wintertagen. In einer „Neue“ zu pirschen, eine frische Fährte zu finden, sie zu verfolgen und dann plötzlich einen Widder zu entdecken, ist einfach ein Erlebnis!

Hegeabschüsse

Die besten Muffelwidder sollten ab dem sechsten bis siebten Lebensjahr bejagt werden. Der Hegeabschuss bei den Muffelwiddern konzentriert sich besonders auf die Einwachser, die eine sehr kleine Drehung haben und bei denen die Schnecken entweder in den Träger oder in den Unterkiefer einwachsen würde. Die typische Mufflonkrankheit, das Auswachsen der Schalen mangels Abschliff, wegen fehlender Fels-und Steinvorkommen, ist die Moderhinke. Die Krankheit nimmt meist einen sehr schmerzhaften Verlauf und ist deshalb ebenso ein Hegeabschussgrund, wie das Ablösen der Schnecken. Auf solche Merkmale muss geachtet werden.

Schneckentypen

Mit einem Curl, also einer Umdrehung, von nahezu 360 Grad und einer Länge von 80 Zentimeter, ist der schneckenförmige Kopfschmuck eines zehnjährigen reifen Widders schon sehr imposant. Man kann zwischen zwei, im wahrsten Sinne des Wortes, gegensätzlichen Schneckentypen unterscheiden: Einmal die Form, bei der die Spitzen nach außen zeigen, von manchen als „Argali-Typ“ bezeichnet, und die andere Form, bei der die Spitzen nach innen zeigen. Die Hörner der Boviden wachsen kontinuierlich, beim Mufflon beginnt das Wachstum ab dem vierten Lebensmonat. Schlauchlänge und Umfang nehmen dann bis zum vierten Jahr stark zu. Danach verringert sich das Wachstum und wenn der maximale Umfang erreicht ist, geht der Schlauchdurchmesser, wenn auch kaum sichtbar, zurück. Das Wachstum ist mit sechs bis acht Jahren beendet. In der vegetationsarmen Zeit gibt es Nahrungsengpässe, die auch das Hornwachstum beeinträchtigen. So entstehen die Hornabschnitte und die Jahresrillung. Wie bei kaum einer anderen Wildart, kann man am Gehörn des Muffelwidders das Alter relativ gut bestimmen. Deshalb ist auf den ersten Blick die Altersschätzung beim Mufflon so einfach, weil man die Wachstumseinschnürungen am Gehörn gut erkennen kann. Zu beachten ist hierbei, dass das Gehörn in den ersten Jahren wesentlich schneller wächst und beim Jährling kann man den größten Längenzuwachs beobachten.

Gottfried Heer, ist Betriebswirt und jagt mit der Flinte, wie mit der Büchse rund um den Globus. Die Jagd in entlegenen, unberührten Revieren und insbesondere die Pirschjagd sind dabei seine Leidenschaften.

Für den JÄGER schreibt er über einzigartige Jagden auf verschiedene Schalenwildarten.

Er lebt und jagt in Nordrhein-Westfalen.