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... es lebe die Königin!


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 11/2021

Als der Mastering-Ingenieur Sean Magee von den legendären Londoner Abbey Road Studios im Video-Interview gebeten wird, die Unterschiede zwischen B&Ws dort jahrelang als Abhörmonitor bewährter 800 D3 und ihrer Nachfolgerin 801 D4, die nun deren Platz einnimmt, kurz und knapp zu beschreiben, sagt dieser erstmal gar nichts, sondern breitet einfach nur die Arme aus. Treffender als durch diese ausladende Geste lässt sich tatsächlich kaum in Worte fassen, was mit dem Klangbild geschieht, sobald Bowers & Wilkins’ frisch vorgestelltes Top-Modell der umfassend renovierten 800er-Serie an die Stelle ihrer Vorgängerin rückt.

Im STEREO-Hörraum, wo die bewährte 800 D3 seit ihrem Test in Heft 11/16 Dauergast und unbestechliche Arbeitsbox war, reichte über die 801 D4 etwa der zugleich größer abgebildete, ätherisch zart hingehauchte Chor im „Introitus“ von Ketil Bjørnstads „Passion“ ...

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... für den Poeten John Donne nun weiter in die Tiefe; er hatte mehr Atem, wirkte in sich transparenter wie durchhörbarer und erschien nicht nur leichter von den rundlichen Gehäusen gelöst, sondern obendrein müheloser in die Höhe gestaffelt.

Diese kurze, gerade mal bei Zimmerlautstärke wiedergegebene Sequenz offenbarte bereits zu einem guten Teil, weshalb diese gewiss wichtigste High End-Premiere des Jahres viel mehr darstellt als nur ein marginales Facelift. Im Gegenteil hat hier die englische Kultmarke B&W ihre Spitzenbox in einiger Hinsicht schlicht neu definiert.

Dabei fallen die optischen Veränderungen von D3 zu D4 beinahe ein wenig ernüchternd aus. Wer mit dem Generationenwechsel eine Design-Revolution erwartet hatte, muss sich bei praktisch unveränderten Dimensionen mit einer makellos belederten Oberfläche der Bassbox und zusätzlichen kleineren Retuschen wie zum Beispiel dem in die Länge gezogenen Hochtönergehäuse oder dem verbreiterten Fuß begnügen.

STICHWORT

801 D4 Warum B&W die Nachfolgerin der 800 D3 nicht 800 D4, sondern 801 D4 nennt? Weil die Nummer 801 durch die lange Historie der 800er-Linien hindurch stets eine ganz besondere war und von den Fans der englischen Marke schmerzlich vermisst wurde. Außerdem würde so noch ein Platz für ein übergeordnetes Modell frei, für das es aktuell – so B&W – aber keinerlei Pläne gibt.

ALLES DABEI

Das Zubehör-Set enthält neben der Anleitung mit Aufstellhinweisen und anderen Erläuterungen einen Satz Kabel-Jumper fürs Single-Wiring sowie in den Metallfuß einschraubbare Stifte für den Kippschutz der 100-Kilogramm-Box, die sich mittels Kappen optisch verblenden lassen. Das notwendige Werkzeug liegt bei.

PFUI SPINNE?

Bei der B&W-internen Messung der Schallleis- tung der Aufhängung des Mitteltöners verhielt sich die neu entwickelte „Biomimetic Suspension“ (rote Linie) ganz erheblich leiser als eine übliche Gewebespinne (blaue Linie).

Mit Innovationen gespickt

Sehr edel erscheint die metallische Nut oberhalb des Woofer-Kabinetts. Diese ist jedoch nur die Seitenansicht des massiven Aluminiumdeckels, der ab sofort bei sämtlichen 800ern das Bassabteil nach oben hin abschließt und damit im Falle der 801 D4 die ultrasolide Basis für das „Turbine Head“ genannte, tropfenförmige Mitteltongehäuse schafft. Dieses beherbergt wie bislang den bereits aus der D3 bekannten, in achtjähriger Entwicklungszeit entstandenen, sickenlosen 15-Zentimeter-Mitteltöner mit silbrig schimmernder „Continuum FST Cone“. Doch um diese herum wurde viel erneuert, womit wir bei den umfangreichen technischen Innovationen der 801 D4 wären, die die optischen Veränderungen deutlich übersteigen:

Zentrierspinne: So fanden die Engländer als Dämpfung und Aufhängung dieser Membran eine andere als die übliche Lösung in Form einer meist gelben Gewebespinne (l.u.). Diese, so stellten sie fest, führt ein Eigenle-ben, ind em sie durch die Bewegung im System selbst Töne erzeugt, die dann nach vorne gelangen und sich den gegenüber Verfä rbungen besonders sensiblen Mittensignalen zumischen.

Konsequente Abhilfe ver- spricht sich B&W von der aus einem Hightech-Kunststoff gefertigten und dabei minimalistisch ausgeführten „Biomimetic Suspension“ (l.o.), die durch die offene Struktur ihrer schmalen Stege Luftdruckschwankungen, ergo Schall, erheblich reduziert und obendrein definierter als üblich auslenken soll, was nichtlineare Bewegungen minimiert. In eigenen Messungen ermittelten die Entwickler eine Reduktion um eklatante 80 Dezibel bei einem Kilohertz. Das ist eine echte Hausnummer!

Tatsächlich fällt die Mittenwiedergabe der 801 D4 ungemein klar, nuanciert und zugleich ungekünstelt aus. Nicht nur das eingangs erwähnte Chorstück profitierte davon, sondern etwa auch „When I Feel The Sea Beneath My Soul“, ein Taj-Mahal-Titel, den die skandinavische Band Tiny Island in ihrer fein durchwirkten, sanft swingenden Version gleichsam hypnotisch vor dem Hörer schweben lässt. Ein beeindruckendes Erlebnis, das die alte 800 D3 in dieser Finesse, Gelöstheit und Schwerelosigkeit nicht vermittelte.

Mitteltonkopf: Zugleich erfuhr der ikonische, wie kaum ein anderes Detail für die 800er-Serie stehende, stromlinienförmige „Turbine Head“ (o.) wichtige Veränderungen. Um diesen noch schwingungsärmer und fester als zuvor auszuführen, besteht er schon seit der D3 nicht mehr aus dem Verbundwerkstoff Marlan, sondern wird aus Alumi nium gegossen. Im Inneren vermeidet das ausgeklügelte, individuell abgestimmte System der „Tuned Mass Dampers“ (r.), dessen Streben nun aufwendig beruhigt werden, glockenähnliches Einschwingen.

Und so ist es: Auf leichtes Klopfen mit dem Fingerknöchel folgt nichts weiter als ein kurzes, dumpfes „Pock“. Dieselbe Übung am Kopf der abgelösten 800 D3 durchgeführt, bringt freilich auch kaum ein anderes Ergebnis. Dennoch ist sich B&W sicher, dass die Verbesserungen am „netto“, also ohne eingesetzten Mitteltontreiber, rund 17 Kilogramm schweren Aluminium kopf zu den entscheidenden Gründen für den Gewinn an klanglicher Performance zählen, den die 801 D4 gegenüber ihrer Vorgängerin erzielt.

Anders als beim „Turbine Head“, dessen Material im lackierten Zusatnd nicht ersichtlich ist, erkennt auch der Laie sofort, dass der ebenfalls aus dem Leichtmetall gefräste Tubus für den natürlich mit jener harten, massearmen Diamantmembran aus Kohlenstoff ausgerüsteten Hochtöner, auf den sich das „D“(iamond)-Kürzel bezieht, in der Länge zulegt. So soll sich die nach hinten in den Tubus abgestrahlte Energie noch effektiver und rückstandsfreier totlaufen als davor. Zudem wurde die Resonanzfrequenz der Kalotte herabgesetzt. Ob die bei „Alchemy“ des John Abercrombie Quartet unsagbar sanft getupften Hochtonwolken deshalb so luzide wie zerstäubt erschienen, ist schwer zu beurteilen, da der gesamte Mittelhochtonkomplex so vielgestaltig an Raffinesse und Grazie zulegt, dass sich einzelne Effekte kaum bestimmten konstruktiven Besonderheiten zuordnen lassen.

Tieftöner: Dies gilt ebenso für die tiefen Register. Dort werkeln zwei 25er-Woofer (u.) mittels der bei der D3 eingeführten „Aerofoil“-Membran. Bei dieser umschließen verwindungssteife Kohlefaserlagen einen leichten, stabilen Schaumkern. Darauf, dass an ihnen etwas verändert wurde, weist der neue Antiresonanzstopfen im Zentrum hin, der den Schwingspulenträger beruhigt und so Resonanzen entgegenwirken soll, was laut B&W der erzielten Klarheit entgegenkommt.

In Verbindung mit dem modifizierten Antriebssystem und offenbar auch der Bedämpfung erscheint die 801 D4 bei ähnlich profunder Substanz in den unteren Lagen sehniger, griffiger, aber auch geschwinder zupackend als bisher und, ja, somit auch klarer. Gut zu hören bei Maria Pihls wer weiß wie oft über die 800 D3 gelaufenen „Malvina“ von der STEREO- Hörtest-CD VI, in dem sich diffuse Synthesizer- Schwaden und die präsente, exakt umrissene Stimme der Schwedin über einem fülligen, jedoch konturierten Klanggrund aufwölben.

Hatte das bis dato gültige Prachtexemplar des britischen Lautsprecherbaus dabei nie einen Wunsch offen gelassen, merkte man im unmittelbaren Vergleich zur Nachfolgerin, dass diese die Mitten besser vom einnehmenden Oberbass fernhielt, auf dass die Bereiche nicht ineinanderliefen, sowie selbst subtile Basslinien prägnanter nachzog.

Die fetzigen, energisch und hart angerissenen Basssaiten am Beginn von Brian Brombergs „The Saga Of Harrison Crabfeathers“ schnalzten via 801 D4 um Nuancen ungezügelter aus dem gebogenen Basskompartment, das wie gehabt nach unten hin über die „Flowport“-Reflexöffnung beatmet wird. Die Innenseite des Luftkanals ist besonders strömungsgünstig ausgelegt, weil gleich einem Tennisball mit genoppter Oberfläche versehen, was laut Hersteller die Entstehung von Geräuschen unterbindet.

Gehäuseversteifung: Saßen die Tieftöner bereits bei der 800 D3 in soliden, unnachgiebig mit der Schallwand verblockten Metallfassungen, bildet in der 801 D4 erstmalig eine Aluminiumplatte um die Reflexöffnung herum das unerschütterliche Fundament des Korpus. Für noch mehr Solidität und Unempfindlichkeit gegenüber Schwingungen als bisher ergriff B&W allerdings weitere Maßnahmen. So erhielt die neue 801 wie übrigens sämtliche 800er der D4-Entwicklungsstufe neben der massiven, belederten Aluabdeckung der Bassbox zusätzliche verklebte und verschraubte Metall-U-Profile für das versteifende „Matrix“-Innengehäuse (r.).

DIE WEITEREN 800ER-MODELLE

Neben der 801 D4 kommen alle 800er neu: Von links nach rechts stehen die kompakte 805 sowie die 804 und 803 jeweils als D4-Version in unterschiedlichen Hochglanzlack- beziehungsweise seidenmatten Furnierausführungen. Und natürlich gibt‘s auch eine 802 D4. Deren Paarpreis beträgt um 26.000€, der der 803 D4 um 20.000€ respektive 12.500 € und 8000€ für die 804 und 805 D4. Neu sind auch die Center-Speaker HTM81D4 und HTM82D4 für 7500€ und 5500€.

IHR SCHÖNER RÜCKEN ...

... kann auch entzücken! Sämtliche neuen 800er-Modelle machen sogar von hinten betrachtet bella figura, was die hier angesagte freie Aufstellung begünstigt. Die griffigen Polklemmen nehmen Gabelschuhe und – nach dem Entfernen der ab Werk eingesetzten Kunststoffpropfen – auch Bananenstecker auf.

Bei diesem bilden ineinandergreifende Platten eine hochfeste Struktur, die den Lautsprecher von allen Seiten her unterstützt und dessen Body steif, träge und „leise“ macht, indem sie Eigenschwingungen wirksam unterdrückt. Bowers & Wilkins kultiviert dieses Verfahren seit Jahrzehnten, und natürlich profitiert die neue Spitzenbox ebenfalls davon. Ohne das bei aller Feinarbeit bis zur makellosen Lackierung robuste Bassteil wären gewiss viele der für die 801 D4 getroffenen Anstrengungen im Interesse einer noch hochklassigeren, differenzierteren Wiedergabe weit weniger relevant.

Sorgfalt sichert Qualität

Der trotz des hohen Gewichts auf seinen leichtgängigen 360-Grad-Rollen erstaunlich bewegliche 100-Kilo-Brocken gleitet leicht über eine ansetzbare Rampe aus dem voluminösen Karton und an seinen Einsatzort.

Dass höchste Sorgfalt bei der Aufstellung geboten ist, um sämtliche audiophilen Parameter ins korrekte Verhältnis zueinander zu setzen, versteht sich von selbst.

Im großen STEREO-Hörraum – seit fünf Jahren das Habitat der 800 D3 – fühlte sich ihre runderneuerte D4-Schwester praktisch am gleichen Platz am wohlsten. Basisbreite und Einwinkelung gerieten identisch. Allenfalls ließ sich im engen Sektor von drei bis vier Zentimetern hinsichtlich eines üppigeren Wandabstands experimentieren.

Im Zuge der Modernisierung hat B&W die Polklemmen des Bi-Wiring-Anschlussterminals neu sortiert: die Bass- und Mittelhochtonwege sind nun bei innenliegendem Pluspol nebeneinander angeordnet. Wer nur ein Kabel verwendet, kann übergangsweise auf die kurzen Jumper im Beipack zum Überbrücken zurückgreifen. Doch Achtung:

Verbinden Sie dabei nicht – wie im bebilderten Beiheft angedeutet – die Leitung vom Verstärker mit den „HF“-Klemmen. Ein Single-Kabel gehört wie bei 95 Prozent aller Bi-Boxen an die „LF“-Tieftonkontakte. Nur so erzielt man die in dieser Betriebsart beste Weiträumigkeit und Homogenität.

Glauben Sie nicht? Dann stecken Sie einfach um und entdecken Sie’s selbst! Das ätherisch wabernde, in sich vielschichtige „Pendulum“ der Portland-Band Pure Bathing Culture wehte jedenfalls nur in dem Fall frei um die Boxen herum und kam tonal ohne Grundtonloch ’rüber, wenn „LF“ belegt war.

Dass abseits dieses Punktes ein so ausgereizter Lautsprecher wie das aktuelle B&W-Flaggschiff für volle Leistung entweder ein qualitativ angemessenes Bi-Kabel beziehungsweise statt der beigepackten 08/15-Litzchen an den Kabeltyp angepasste Jumper oder aber entsprechende Bi-Adapter benötigt, liegt auf der Hand. Wer hier schlampt respektive an der falschen Stelle spart, kassiert Einbußen in der Performance.

Und: Nach dem Einrichten der optimalen Spielposition die 801 D4 bloß nicht auf ihren Rollen stehen lassen! Diese sind zwar praktisch, bilden jedoch keinen optimalen Übergang zum Boden. Stattdessen gehören die werksseitig mit magnetisch gehaltenen Bodenschonern bestückten Spike-Krallen ausgefahren. Diese lassen sich einfach aus der Unterseite drehen, wobei ein beigepacktes dünnes Metallstäbchen hilft. Die Schoner sind ebenfalls nur ein Kompromiss. Wer die ganze Akkuratesse in allen Frequenzlagen, einen kernig-kantigen Bass sowie ein bei aller farbigen Fulminanz leichtfüßiges Timing und beschwingtes Timbre herauskitzeln will, sollte sich geeignetere Untersetzer suchen. Nach dem senkrechten Ausrichten keinesfalls vergessen, die Spikes durch Hochdrehen ihrer Flügelmuttern wackelfrei zu fixieren.

TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Transrotor Rondino nero/ TRA 9/2.1/ EMT JSD Pure Black

Phono-Vorstufen: Brinkmann Edison, Nagra Classic Phono

Musik-Server: Aurender N10

Medien-Spieler/DAC: Brinkmann Nyquist, T+A MP3100HV

Vor-/Endverstärker: Accustic Arts Preamp III/AmpII-MK4

Lautsprecher: B&W 800 D3, Dynaudio Confidence 50

LS-Kabel: HMS Suprema, In-Akustik LS-2404 (Bi-Wire), Boaacoustic Black. sonic-25 (Single-Wire)

Lektionen in Achtsamkeit

Und dann braucht’s noch ein wenig Geduld, bis sich die Engländerinnen so richtig freigespielt haben. Rund 60 Stunden nennen die Abbey Road Studios, die wohl als Erste in den Genuss der 801 D4 kamen, als „break-in period“. Trotzdem darf man gleich loshören und sich daran freuen, wie die von Beginn an faszinierenden Lautsprecher über eine gewisse Weile immer noch besser werden.

So in jeder Hinsicht auf den Punkt gebracht und nach dem stetigen Hin und Her, währenddessen wir alt und neu für Vergleiche im großen STEREO-Hörraum wechselseitig vielfach auf- und abgebaut hatten, ließen die Engländerinnen in ihrer Kür nicht den geringsten Zweifel an ihrem Niveau und dem damit verbundenen Anspruch.

Natürlich liefen bei dieser neben den erwähnten auch alle anderen uns bestens geläufigen Testtitel sowie das „Wunschprogramm“ der Redakteure, das diese auf Tonträgern jeglicher Art heranbrachten. Ebenso engagiert und konzentriert wie souverän und locker kreuzten die 801 D4 durch sämtliche Stile, wobei sie je nach Belieben Allan Taylor sonor raunend und markant umrissen in der weitschweifig-atmosphärischen Sound-Lobby seines „Beat Hotel“ abbildete, dass es einem den Rücken ’runterlief, oder Chadwicks mal hingepfefferte, mal zuckersüße „Jubilée“-Suite entspechend gewaltig oder eben sacht vor den Zuhörern ausbreitete, als gelte es, denen eine Lektion in musikalischer Achtsamkeit zu erteilen. Derart inspirierend gelang dies der 800 D3 nicht.

Müsste ich den klanglichen Unterschied zwischen den Generationen der britischen High End-Ikone in nur einem einzigen Begriff zusammenfassen, hieße dieser: Definition. Ohne ihre Darstellung auch nur im Ansatz zerfallen zu lassen, haucht ihr die 801 D4 mehr Luft und Atem ein, verdeutlicht räumliche Abstände und fächert komplexes Gewusel gekonnter auf. Von ihrer Fähigkeit, das Klangbild noch gelöster und dreidimensionaler in den Raum zu projizieren, hatten wie eingangs schon berichtet.

STUDIO-CRACKS

Seit rund 40 Jahren läuft die Kooperation zwischen Bowers & Wilkins und den Londoner Abbey Road Studios. Viele berühmte Alben und Filmmusiken wurden auf B&Ws produziert. Ab sofort mit der 801 D4.

PROFIL ZEIGEN

Das dicke und im verbauten Stadium hochwertig belederte Aluminiumprofil, das den Korpus des Bassgehäuses nach oben hin abschließt und versteift, bildet zugleich die feste Basis für den „Turbine Head“. Es ist konstruktiv wie optisch eine der wesentlichsten Veränderungen von der D3- zur D4-Generation.

Jenseits von Messwerten

Wer nun den alten Test zur Hand nimmt und die Messwerte beider Probandinnen nebeneinanderlegt, sollte sich von deren Ähnlichkeit nicht täuschen lassen: Was hier passiert, liegt jenseits dessen, was Hertz und Dezibel erfassen. Doch es stimmt ja: Bowers & Wilkins hat keinen vollkommen neuen Lautsprecher auf die Spikes gestellt, sondern die hochklassi- gen Fähigkeiten seiner 800 D3 so konse- quent wie kompetent ausgebaut.

Deshalb erscheint der Preissprung von knapp 17 Prozent zu deren Nachfolgerin nicht nur aufgrund des gestiegenen Aufwands sowie nicht erst seit gestern fleißig kletternder Rohstoff kosten gerechtfertigt. Denn die zudem im Bass abgrundtief hinabreichende 801 D4 legt klanglich in genau jenen Disziplinen zu, die bei den High Endern im Fokus stehen: affektlose Selbstverständlichkeit, bruchlose Ganzheitlichkeit bei quasi jedem Pegel sowie eine Aura der Perfektion, die unmittelbar klarstellt, dass hier etwas ganz Besonderes geschieht.

Wurde die jetzt abgelöste 800 D3 von der engagierten Konkurrenz in unserer Referenzliga zunehmend bedrängt und in Teilberei- chen vielleicht sogar überflügelt, bekräftigt und festigt Bowers & Wilkins mit der 801 D4 aufs Neue die Position seines Laut sprecher-Flaggschif fs innerhalb einer starken internationa len Boxenelite. Oder anders gesagt: Die Königin ist tot, es lebe die Königin! ■

B&W 801 D4

Preis: um 35.000 € (in Hochglanzschwarz und -weiß oder seidenmatt lackiertem Rosenholzbeziehungsweise Walnussfurnier)

Maße: 45 x122 x61 cm (BxHxT)

Garantie: 10 Jahre 

Kontakt: Sound United Tel.: +49 2157 12080 www.soundunited.com

Dank vieler Weiterentwicklungen wie auch radikal neuer Teile legt die 801 D4 gegenüber ihrer Vorgängerin deutlich zu. Der hohe Aufwand mündet in ein exzellent aufgefächertes, substanzielles und natürliches Klangbild. Die beste B&W aller Zeiten steht so nicht nur alphabetisch unter den Referenzen weit vorne.

Labor-Kommentar Praxisgerecht eingewinkelt ergibt sich ein linearer Frequenzgang, prima Wirkungsgrad, hervorragende Impulsantwort, sehr niedrige Verzerrungen, tiefe untere Grenzfrequenz.

Ausstattung Höhenverstellbare Spikes mit Bodenschonern, Rollfüße, Chassis-Abdeckungen, Bi-Wiring-Anschlussterminal, Kabel-Jumper, Kippschutz