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Es war einmal in Hollywood …


die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 10.08.2019

Eine Nacht, eine Jacht – vier Hände, ein Ende


Artikelbild für den Artikel "Es war einmal in Hollywood …" aus der Ausgabe 4/2019 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 4/2019

Hollywood- Traumpaar: Robert Wagner („Der rosarote Panther“) und Natalie Wood („… denn sie wissen nicht, was sie tun“)


Ein Boot wiegt sich auf den Wellen. Ein traumhaftes Bild – wäre hier nicht wenige Stunden zuvor eine Tragödie geschehen …


■ Im Jahr 1981 erschüttert eine furchtbare Nachricht die Glamour-Welt der Reichen, Schönen und Berühmten in Hollywood: Schauspielerin Natalie Wood, eine der ihren, ist tot. Ertrunken im dunklen, tiefen Pazifik. In einer stürmischen Nacht. Schnell wird ihr Tod als Unfall eingestuft und zu den Akten gelegt. Zu schnell! Denn ...

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... bis heute gibt es Zweifel an dieser Theorie. Doch der Mensch, der endgültig Licht ins Dunkel bringen könnte, schweigt beharrlich: Natalies Witwer Robert Wagner, Star der TV-Serie „Hart, aber herzlich“ …

Die Leiche trägt Nachthemd, Socken und eine rote Daunenjacke. Außerdem Blutergüsse und Schrammen. Ihre Augen sind offen. Sie treibt vor Santa Catalina Island, nahe der kalifornischen Küste. Meerwasser in der Lunge, Alkohol und Schmerzmittel im Blut. Es ist der Star aus „West Side Story“, die Schauspielerin Natalie Wood. 43 Jahre alt. Ertrunken – vielleicht nicht aus Versehen …

Es war einmal in Hollywood ein Glamour-Paar, das über rote Teppiche schwebte, Champagner trank und in die Kameras lächelte. Er, ein charmanter TV-Frauenschwarm. Sie, eine preisgekrönte Schauspielerin. Hier ein Kuss, da eine Umarmung. Der acht Jahre ältere Wagner war für Natalie die Liebe ihres Lebens. Schon als Jugendliche habe sie ihn angehimmelt, so heißt es. Ein Traumpaar. Doch wie es oft so ist: Der schöne Schein trügt. Denn in der Ehe von Natalie Wood und Robert Wagner ist längst nicht mehr alles so harmonisch, wie es sein sollte. Schon einmal waren die beiden miteinander verheiratet gewesen. Doch die erste Ehe scheiterte 1962. Zehn Jahre später, 1972, wagten sie einen erneuten Versuch. Ein Comeback der Liebe! Romantisch, könnte man meinen. Aber leider ein großer Fehler – so muss man es aus heutiger Sicht sagen. Denn ihre zweite Ehe endete weitaus tragischer als „nur“ mit einer Scheidung …

Kino-Star Christopher Walken („Die durch die Hölle gehen“) war in der Nacht mit dem Paar an Bord der „Splendour“. Warum?


Bootsführer Dennis Davern verschwieg der Polizei bei seiner ersten Vernehmung 1981 einige wichtige Details. Später sagte er, das sei Wagners Anweisung gewesen


Fotos: action press, ddp images, ddp/Intertopics, Getty Images, Reuters, splashnews.com, The Mega Agency

28. November 1981: Natalie Wood, ihr Ehemann Robert Wagner und ihr aktueller Co-Star im gemeinsamen Film, Christopher Walken, machen einen Ausflug mit der Luxus-Jacht „Splendour“ (deutsch: Prunk/Pracht). Außerdem mit an Bord: Bootsführer Dennis Davern. Sie essen auf Santa Catalina Island zu Abend und kehren dann (längst nicht mehr nüchtern) aufs Schiff zurück. In der verhängnisvollen Nacht auf der Jacht gibt es noch mehr Alkohol – und Streit. Das will Bootsführer Dennis Davern gehört haben. Keine kleine Diskussion, sondern ein heftiger Disput. Wagner zertrümmert dabei sogar eine Flasche Wein auf dem Tisch.

Fakt ist: Die glamouröse Fassade glitzerte längst nicht so hell. So soll der Grund, aus dem die erste Ehe scheiterte, eine homosexuelle Affäre Wagners gewesen sein. Natalie habe ihn in flagranti erwischt – behauptet jedenfalls Natalies Schwester Lana. Natalie wiederum soll zeitweise depressiv gewesen sein. Während sie unzufrieden mit ihrer Karriere und ihrem Leben war, stieg und stieg der Hollywood- Stern ihres Mannes Robert Wagner. Er war schon immer ein Frauenschwarm gewesen, aber seine Serie „Hart, aber herzlich“ setzte noch eins obendrauf. Einige dieser Themen seien in Natalies letzter Nacht auf den Tisch gekommen. Walken habe dabei Natalies Partei ergriffen. Aber warum, so könnte man sich fragen, war er überhaupt mit dem Ehepaar an Bord? Fühlte er sich da nicht als fünftes Rad am Wagen? Was, wenn er das Zentrum der Auseinandersetzung war?

Natalie Wood und Christopher Walken drehten zu dieser Zeit zusammen den Film „Projekt Brainstorm“. Der Streifen sollte ihrer Karriere neuen Schwung verleihen. Und die beiden verstanden sich außerordentlich gut. Schnell machten Affäre-Gerüchte die Runde. Wagner war eifersüchtig. Aber vielleicht ja gar nicht, weil er Angst hatte, seine Frau zu verlieren. Was, wenn es ihm eigentlich um Walken ging? Wenn man Natalies Schwester Lana glaubt, wäre es ja nicht das erste Mal gewesen, dass er Interesse am gleichen Geschlecht hatte. Ein fatales Liebes-Dreieck!? Walken jedenfalls überlässt die streitenden Eheleute sich selbst und geht frische Luft schnappen. Auch Natalie verlässt den Schiffs-Salon. Dann ist alles still. Totenstill.

Kurz nach 24 Uhr ist klar: Natalie Wood fehlt. Sie ist nicht mehr auf der „Splendour“. Auch das Beiboot ist weg. Natalie war Nichtschwimmerin und hatte panische Angst vor dunklem, tiefem Wasser. Das war allgemein bekannt. Trotzdem warten die Männer erst einmal ab, bevor sie Hilfe holen. Mehr als eine Stunde später alarmieren sie die Küstenwache. Laut Davern wollte Wagner das so. Gegen acht Uhr morgens wird Natalie dann gefunden. Tot. Ihr größter Albtraum ist wahr geworden – und ganz Hollywood erschüttert. Es ist der 29. November 1981, als ein Rettungsschwimmer Natalie Woods Leiche aus dem Wasser zieht. Später sagt er gegenüber der Presse: Wahrscheinlich habe die Schauspielerin noch Stunden gelebt und um Hilfe geschrien. Das ist natürlich nur seine persönliche Meinung. Aber vielleicht hätte sie tatsächlich gerettet werden können. Wenn das nur gewollt gewesen wäre … Warum also musste Natalie Wood sterben? Bootsführer Davern sagt, Walken und Wagner hätten sich in den Tagen danach oft weinend in den Armen gelegen. Eine normale Reaktion auf einen grausigen Unfall – oder steckt mehr dahinter? Wagner wollte oder konnte nicht einmal die Leiche identifizieren – das überließ er Davern. Schon Anfang Dezember 1981 wird die Akte geschlossen und Natalie Woods Tod als Unfall eingestuft. Sie sei ins Wasser gefallen und ertrunken. Doch es wäre nicht Hollywood, wenn das schon das Ende wäre …

Foto aus glücklichen Tagen: Natalie Wood und Robert Wagner mit ihrer gemeinsamen Tochter Courtney (l.), seiner Tochter Katie (Mitte) und Woods Tochter Natasha (r.), die Wagner adoptierte, als sie zwei Jahre alt war


Inzwischen ist Robert Wagner 89 Jahre alt. „Wir waren alle am Boden zerstört über ihren Verlust“, gab er 2016 zu Protokoll


Drei sind eine zu viel …


Was verschweigt Robert Wagner bis heute?

Vor allem Natalie Woods Schwester Lana weigert sich zu schweigen. Immer wieder gibt sie Interviews. Sie will Gewissheit über das, was in der tragischen Nacht passiert ist. Sie ist überzeugt, dass Robert Wagner längst nicht alles erzählt hat, was er weiß. Doch viele sagen, es ginge ihr nur ums Geld. Das ehemalige Bond-Girl habe lange im Schatten der großen Schwester, die drei Golden Globes gewonnen hatte, gestanden. Und nun wittere Lana eine Chance auf Ruhm. Doch die Schwester ist überzeugt: Robert Wagner ist schuld an Natalies Tod!

Immerhin: 2011 wird der Fall abermals untersucht. Das neue Ergebnis: Anstatt als Unfall wird Natalie Woods Tod nun als „ungeklärt“ eingestuft. Die Ermittlungen gehen weiter. Im Jahr 2018 erzählt Lieutenant John Corina vom zuständigen Sheriff’s Department in einer TV-Dokumentation, auch er glaube, dass Wagner mehr weiß. Es gäbe zu viele Widersprüche in seiner Geschichte. Natalies Tod sei zumindest „verdächtig“. In derselben Doku sagt Kapitän Davern: „Ich denke, dass Wagner solange bei ihr war, bis sie im Wasser landete.“ Unheimlicherweise stirbt Lieutenant Corina nur wenige Monate nach seinem TV-Auftritt. Was, wenn er, der Kapitän und die Schwester doch recht hatten!?

Auch über 35 Jahre nach ihrem Tod sind viele Fragen offen. Doch Walken und Wagner schweigen. Ein verschwörerischer Pakt? Oder gibt es nichts zu erzählen? In diesem Fall ist wohl nur eines wirklich sicher: Ein Happy End wird diese Hollywood-Geschichte nicht mehr bekommen. Hart, aber schmerzlich! Und Natalies letzter Film, „Projekt Brainstorm“, war übrigens ein Flop.

Ich klage an!

Lana Wood (hier an Natalies Grab) gibt sich bis heute nicht zufrieden mit den wenigen Antworten, die sie auf ihre Fragen zum Tod der Schwester bekommen hat. „Es ist endlich Zeit für die Wahrheit“, forderte sie 2018


Das Todes- Schiff: „Hier ist die, Splendour‘. Wir brauchen Hilfe“, lautete der Notruf um halb zwei in der Nacht