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Essenzielles und Spezielles


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2022 vom 14.06.2022

KAMERAFUNKTIONEN

Von wenigen puristischen Kameras – wie Leicas M-Serie – abgesehen, bieten fast alle aktuellen Wechselobjektivkameras zahlreiche und zum Teil sehr spezielle Funktionen.

Einige davon sind bei vielen Kameras anzutreffen, beispielsweise Mehrfachbelichtungen oder Intervallaufnahmen, andere sind tatsächlich exklusive Spezialitäten einzelner Hersteller, wie Panasonics 4K/6K-Fotofunktionen oder Canons Dual Pixel Raw. Was eine wichtige Funktion ist und was eher über- flüssiger Schnickschnack, muss jeder Fotograf selber entscheiden.

Auffällig ist, dass die Kamerahersteller selber nicht alle Spezialfunktionen, die sie entwickelt haben, in alle ihre Kameras integrieren, sondern zum Teil nach Zielgruppen differenzieren.

So bringen Profikameras häufig andere Funktionen mit als Einsteigermodelle. Eine Übersicht zu den Spezialfunktionen der wichtigsten Kamerahersteller gibt unsere Tabelle (Seite ...

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Olympus war Vorreiter bei der Sensorreinigung per Ultraschallvibration.
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... 80/81). Im Folgenden stellen wir diese Ausstattungsmerkmale näher vor, wobei wir mit den unseres Erachtens wichtigeren anfangen.

Zögerlicher waren Canon und Nikon, die auf die entsprechend große Zahl stabilisierter Objektive verweisen konnten, die im Telebereich Verwacklungen effektiver ausgleichen als IBIS-Systeme.

Trotzdem zog Nikon 2018 mit der Z 6 und Z 7 nach, bei Canon waren 2020 die EOS R5 und R6 die ersten Kameras mit IBIS. Bei Herstellern, die sowohl bildstabilisierte Objektive als auch IBIS-Kameras im Angebot haben, lassen sich die beiden Verfahren inzwischen für eine verbesserte Effektivität sogar kombinieren. Erstmals war dazu die Panasonic Lumix GX8 von 2015 in der Lage.

Auch wenn der Objektivstabilisator bei langen Brennweiten immer noch effektiver ist, ist die IBIS unseres Erachtens eine der wichtigsten Innovationen der letzten Jahre, da sie alle Objektive stabilisiert und auch Bewegungen ausgleichen kann, bei denen der Objektivstabilisator passen muss (zum Beispiel Drehungen). Aktuelle IBIS-Systeme kompensieren Bewegungen auf fünf Achsen, also in alle möglichen Richtungen.

Die einzigen Hersteller, die in allen aktuellen Kameras eine IBIS integriert haben, sind Olympus und Ricoh (Pentax), keiner der größeren Kamerahersteller verzichtet komplett auf diese Funktion.

PIXEL-SHIFT-AUFNAHMEN

Der beweglich gelagerte Sensor ist auch die Voraussetzung für Pixel-Shift-Aufnah- men. Dabei wird der Sensor in Pixel- oder Subpixel-Schritten verschoben und es werden 4 bis 16 Aufnahmen kurz hintereinander gemacht.

Die so entstandenen Dateien werden dann entweder schon direkt in der Kamera oder nachträglich am Computer zu einer hochauflösenden Aufnahme zusammengesetzt. orreiter dieser Technik ist Olympus – sie kam erstmals 2015 in der OM-D E-M5 Mark II zum Einsatz. Die Auflösung der Bilder erhöht sich in dieser Kamera von 16 auf 40 Megapixel (JPEG) oder 64 Megapixel (Raw). Mit neuen Modellen wie der OM-1 mit 20-MP-Sensoren sind sogar 100-MP-Aufnahmen möglich.

Kameras mit höherer Sensor-Auflösung dringen per Pixel-Shift in noch extremere Bereiche vor. Fujifilms 100-MP-Mittelformatkameras GFX 100 und GFX 100s können beispielsweise 400-MP-Bilder am Computer erzeugen, Sonys Vollformatmodell Alpha 7R IV (61 MP) Dateien mit 240

Megapixeln. Einen anderen Ansatz wählt Ricoh bei den Pentax-Kameras: Hier wird die Pixelzahl nicht erhöht, sondern der Pixel-Shift dient lediglich dazu, für jedes Pixel die vollen Farbinformationen zu erfassen, also die qualitätsmindernde Farbinterpolation des Bayer-Sensors zu umgehen. Die Aufnahmen werden damit sichtbar schärfer. Neben der höheren Auflösung bzw.

Schärfe reduzieren die Pixel-Shift-Aufnahmen Moirés bei feinen Strukturen und bei manchen Kameras auch das Bildrauschen (siehe Test in fM 8/18).

Im Idealfall sollten die Kameras bei Pixel-Shift-Aufnahmen auf einem stabilen Stativ stehen und das Motiv sich nicht bewegen. Einige Kameras können aber bewegte Motivbestandteile – beispielsweise Zweige im Wind bei einer Landschaftsaufnahme – erkennen und nutzen dann an dieser Stelle nur eine Aufnahme, um Doppelbilder zu vermeiden.

Olympus (E-M1 vX und OM-1), Ricoh (Pentax K-1 II, K-3 III) und Panasonic (Lumix GH6) haben auch Modi integriert, mit denen der Pixel-Shift aus der Hand funktioniert. Statt einer pixelgenauen Verschiebung werden hier einfach mehrere kurz hintereinander entstandene Aufnahmen mit zufälligem Versatz verrechnet, was allerdings weniger effektiv ist.

TIERAUGENERKENNUNG

Als Sony auf der photokina 2018 verkündete, zukünftig einen Tieraugen-Autofokus in seine Kameras integrieren zu wollen, wirkte diese Idee noch ungewöhnlich.

Inzwischen hat die Technologie bei den meisten Herstellern Einzug gehalten und erweist sich in der Praxis als nützliches Feature.

Im Prinzip handelt es sich um eine Weiterentwicklung der schon länger bekannten Gesichts- und Augenerkennung bei Menschen und einen Teil der auf maschinellem Lernen basierenden Objekterkennungstechnologie, die sich in unterschiedlicher Form vor allem in spiegellosen Systemkameras schnell verbreitet.

Noch findet sich die Tieraugenerkennung allerdings längst nicht in allen Kameras.

Ganz passen müssen aktuell Fujifilm, Leica, Panasonic und Ricoh. Ist der Bildprozessor leistungsstark genug, kann eine Tieraugenerkennung per Firmware-Update nachgerüstet werden – Nikon hat das bei der Z 6 und Z 7 vorgemacht.

ECHTZEIT LIVE-VIEW FÜR LANGZEITBELICHTUNGEN

2005 hatte Olympus in der OM-D E-M5 die Funktionen Live Time und Live Bulb eingeführt. Dabei werden bei einer Langzeitbelichtung der Belichtungsfortschritt und ein Echtzeithistogramm angezeigt, sodass der Fotograf die Belichtung nach Augenschein beenden kann.

Später kam die Live-Composite-Funktion hinzu, die mehrere Belichtungen kombiniert, wobei nur die neue hinzugekommene Bildteile ergänzt werden, um eine Überbelichtung zu verhindern.

Vor allem für Light-Painting, Feuerwerke oder Sternenspuren ist das sehr hilfreich. Mit Live-ND hat Olympus außerdem in der E-M1 X, E-M1 Mark III und OM-1 eine Funktion im Angebot, die mehrere Aufnahmen kombiniert, um eine lange Belichtung zu simulieren, für die sonst ein physikalisches ND-Filter zum Einsatz käme. Eine ähnliche Option findet sich auch in der Sigma fp L. Neben Olympus bietet nur noch Panasonic in einigen Kameras Live Composite an.

FOCUS-BRACKETING

Speziell für Makroaufnahmen ist eine Focus-Bracketing-Funktion nützlich. Dabei wird eine automatische Bildserie aufgenommen, bei welcher der Autofokus über das Motiv wandert. Die unterschiedlichen Schärfeebenen lassen sich dann per Software am Computer zu einer Aufnahme zusammensetzen, die von vorne bis hinten scharf ist.

Einige Olympus-Kameras und die neuen Canon-Modelle EOS R7 und R10 können diesen Schritt – Focus-Stacking genannt – sogar intern ausführen. Bei Panasonic ist Focus-Stacking über die 4K/6K-Foto-Funktion integriert.

MEHRFACHBELICHTUNGEN

Composings aus mehreren Bildern lassen sich im Prinzip sehr gut nachträglich in der Bildbearbeitung zusammensetzen. Allerdings erleichtert es die Arbeit, wenn man schon in der Kameras sieht, wie die Aufnahmen zusammenpassen.

Entsprechende Mehrfachbelichtungen sind bei vielen Kameras möglich – das erste Bild wird dabei teiltransparent eingeblendet, damit der Fotograf das zweite passend aufnehmen kann.

Je nach Kamera lassen sich zwei oder mehr Aufnahmen kombinieren. Lediglich Leica und Sony bieten aktuell keine Funktionen für Mehrfachbelichtungen an. Bei Sony ließen sich diese bei älteren Kameras über eine spezielle PlayMemories-App nachrüsten. Die aktuellen Kameras unterstützen aber keine Apps mehr.

INTERVALLAUFNAHMEN

Damit Intervallaufnahmen ohne externes Zubehör, also entsprechende Fernauslöser, gelingen, sollte die Kamera über eine integrierte Intervallfunktion verfügen. Vorsicht: Einige Kameras koppeln Intervallaufnahmen an den Zeitraffermodus, sprich es werden keine Einzelaufnahmen gespeichert, sondern nur ein Video.

Für den fotografischen Einsatz ist es aber sinnvoll, dass Einzelbilder in höchster Auflösung und idealerweise auch im Raw-Modus gespeichert werden. So kann der Fotograf die Kamera die Arbeit verrichten lassen und später aus zahlreichen Aufnahmen die besten auswählen.

Ein anderer Einsatzzweck für Einzelbild-Intervallaufnahmen sind Composings, beispielsweise mit Bewegungsspuren (z. B. Sternenspuren) oder unterschiedlichen Belichtungen in verschiedenen Bildbereichen (Time-blending, siehe fM 1/18).

GPS-STANDORTINFORMATIONEN

Ein integriertes GPS-Modul ermöglicht es, in den Exif-Daten der Fotos Standort-Informationen zu speichern. Vor allem in der Reisefotografie ist das eine nützliche Funktion.

Die meisten Kameras setzen allerdings aktuell darauf, dass GPS-Informationen über die Kopplung mit einem Smartphone übertragen werden. Canon, Leica, Nikon, Olympus/OMDS und Ricoh haben aber einige Kameras mit integriertem GPS im Angebot.

INTEGRIERTER RAW-KONVERTER

Mit Ausnahme von Leica und Sony haben alle Hersteller Raw-Konverter in die Kameras integriert. Auf diese Weise kann der Fotograf auch ohne Computer verlustfrei mit Parametern wie Bildstilen oder Weißabgleich experimentieren. Für die hochwertige Nachbearbeitung führt natürlich kein Weg an einem großen kalibrierten Monitor vorbei.

MEHR FARBTIEFE MIT HEIFF

Canon und Sony setzen in einigen Kameras neben JPEG und Raw auf das vor allem aus Smartphones bekannte HEIF-Bildformat (High Efficiency Image File Format).

Entsprechende Bilder sind effektiver komprimiert als JPEGs und haben bei Canon und Sony eine höhere Farbtiefe von 10 statt 8 Bit pro Farbkanal.

Leider werden die entsprechenden Dateien bisher von den am weitesten verbreiteten Bildbearbeitungsprogrammen – wie Photoshop – nicht unterstützt. In der Regel ist der Fotograf daher auf die Software der jeweiligen Kamerahersteller angewiesen, was den üblichen Workflow durchbricht.

SONSTIGE SPEZIALFUNKTIONEN

Die Liste der Spezialfunktionen ließe sich lange fortsetzen. Hier einige Beispiele:

• Bei der Canon EOS R3 lässt sich das Autofokus-Messfeld dadurch verschieben, dass der Fotograf das Motiv mit dem Auge anvisiert (Eye-Control-AF).

• Einige Canon-Kameras sind mit Dual Pixel Raw ausgestattet. Dabei lässt sich aus den beiden leicht versetzten Fotodioden, bspw. eine minimale Verschiebung der Fokusebene oder der Perspektive generieren. Der Effekt ist allerdings sehr gering und dürfte in der Praxis nur selten sinnvoll anwendbar sein.

• Fujifilm hat zahlreiche Simulationen analoger Filme in alle Kameras integriert.

• Nikon kann als einziger Hersteller Bilder in reduzierter Auflösung automatisch per Bluetooth an ein Smartphone oder Tablet übertragen.

• Einige Kameras können Aufnahmen bereits vor dem eigentlichen Auslösen in einen temporären Ringspeicher schreiben, sodass mit dem Auslösen auch die davor liegenden Momente erfasst werden. Bei sehr plötzlich eintretenden Ereignissen reduziert dies die Gefahr, den entscheidenden Moment zu verpassen. Bei Olympus heißt die Funktion Pro Capture, bei Fujifilm Pre Shot ES, bei der Nikon Z 9 Pro Release und Canon PreRec. Panasonic-Kameras können ähnliches über die 4K/6K-Foto-Funktion lösen.

• Panasonics Lumix GH5 II, Canons EOS M50 Mark II, R7 und R10 können Videos live auf YouTube streamen.

• Ricoh nutzt den beweglich gelagerten Bildsensor in den Pentax-Kameras für zahlreiche Funktionen wie eine automatische Horizont- oder Keystone-Korrektur. Für Astrofotografen ist die Möglichkeit interessant, in Kombination mit einem GPS-Modul (bei der K-1 II eingebaut) Sternenbewegungen auszugleichen. Seit Kurzem kann auch Canon in der EOS R7 und R10 den Horizont automatisch korrigieren.

• Sony hat in der Alpha 7 IV eine digitale Korrektur von Focus-Breathing (siehe fM 3/22) integriert. Die Kamera kann außerdem für Sehbehinderte Menü-Einträge vorlesen (Screenreader).

FAZIT

»Die Auswahl an Kameras mit Spezialfunktionen ist groß.«

Die meisten modernen Kameras bringen zahlreiche, sehr unterschiedliche Spezialfunktionen mit, die in der Regel von Generation zu Generation weiterentwickelt werden. Was ein überflüssiges Gimmick und was ein dringend benötigtes Feature ist, das gegebenenfalls sogar über den Kauf entscheided, muss jeder Fotograf selber entscheiden.