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Europa Alltag bronzezeitlicher Bergleute: Älteste Goldmine Europas


Archäologie in Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 20.05.2020

Herodot und Euripides berichten im 4. Jh. v. Chr. vom goldreichen Thrakien. Seit 2010 wird in Südbulgarien am Ada Tepe geforscht: Das Goldbergwerk reicht bis in die Bronzezeit zurück.


Vor einigen Jahren entdeckte ein Team der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Hristo Popov, Direktor des Nationalen Archaologischen Instituts mit Museum in Sofia, auf dem Ada Tepe im Sudosten des Landes die bislang einzige Goldmine der europaischen Vorgeschichte. Der Ada Tepe liegt in den Ostrhopoden, dem bergigen Gebiet an der Grenze zu Griechenland. Die Funde werden im Projekt ≫Bronze Age Gold Road ...

Artikelbild für den Artikel "Europa Alltag bronzezeitlicher Bergleute: Älteste Goldmine Europas" aus der Ausgabe 3/2020 von Archäologie in Deutschland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Archäologie in Deutschland, Ausgabe 3/2020

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... of the Balkans – Ada Tepe mining≪ gemeinsam mit dem Institut für Orientalische und Europaische Archaologie der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Barbara Horejs, untersucht. Ein besonders glucklicher Umstand ist, dass neben Abbauspuren und Aufbereitungsplatzen zwei Siedlungen ausgegraben werden konnten. Das ermoglicht ungeahnte Einblicke in das Alltagsleben der prahistorischen Bergleute.

Aus der Siedlung stammen Reib- und Klopf - steine sowie Spinnwirtel.


Mit den ersten Abbauaktivitaten auf dem Ada Tepe um 1500 v. Chr. ging die Besiedelung des Berges einher. Darauf lassen Uberreste kleiner Hauser schliesen, die entlang einer massiven Mauer auf einer schmalen Terrasse am Nordosthang errichtet worden waren. Die Bauten hatten Wande aus Holz und Lehm, die auf steinernen Sockeln standen. Der knapp bemessene Platz wurde vollstandig bebaut und die regelmasige Anordnung der Gebaude lasst darauf schliesen, dass dem Vorhabenein Plan zugrunde lag. Wahrend hinter der Stutzmauer entlang der Terrasse grosere und stabilere Hauser mit bis zu 5m Breite und 7m Lange standen, waren kleine Hutten am Hang in den Berg eingetieft. Die Stutzmauer zur Stabilisierung des Gelandes war aufwendig konstruiert und konnte nur durch eine Kraftanstrengung der Gruppe errichtet werden. Sie war sicher auch als symbolische Abgrenzung zu verstehen, die von weitem sichtbar sein sollte.

Harte Arbeit, wenig Gold

Gold kommt in zwei Formen vor: Berg‐ und Flussgold, wobei Letzteres ursprunglich aus dem Fels stammt und erst durch Erosion aus dem Gestein gelost wurde, um sich dann in Wasserlaufen anzusammeln. Berggold ist zumeist unsichtbar in weisem Quarzgestein gebunden. Auf dem Ada Tepe treten solche Quarzadern zutage.

Vor 3500 Jahren gruben sich die Bergleute entlang ebendieser Adern in den Fels. Anders als beim Flussgold musste hier das Gestein durch menschliche Muskelkraft gefordert und zerkleinert werden. Dabei zeugen das blose Erkennen der besten Abbaustellen und die angewendete Technik vom Wissen der Bergleute. Zur Gewinnung kam ein physikalischer Trick zum Einsatz. Denn die Minenarbeiter ahmten kunstlich die Erosion nach, indem sie das Gestein durch Feuer erhitzten und anschliesend mit Wasser abschreckten. Der Temperaturschock machte das Gestein sprode, es lies sich leichter abbauen und zermahlen. Anschliesend wurde der entstandene goldhaltige Sand mit Wasser durch eine Rinne gespult oder in einer Pfanne gewaschen, bis das Gold ubrig blieb.

Anhand von Daten aus dem prahistorischen Goldbergwerk von Sakdrisi in Georgien, das an den Anfang 3. Jt. v. Chr. datiert wird, konnte errechnet werden, dass für einen kleinen 10 g schweren Spiralring 16 Minenarbeiter drei Tage lang arbeiten mussten. Dies vermittelt uns eine ungefahre Vorstellung davon, wie muhsam die Arbeit in einem vorgeschichtlichen Goldbergwerk war.

Bergmannskost zum Sattwerden

Die Siedlung lag bei den Minen und Aufbereitungsplatzen. Das steile Terrain bot den Bewohnern kaum Moglichkeiten für Viehzucht; Ackerbau war sowieso nur im Tal moglich. Analysen der botanischen Funde zeigen, dass die Bergleute mit Getreide, vermutlich aus den für die Landwirtschaft geeigneten Talern, versorgt wurden. Folglich mussen stabile Netzwerke uber einen langen Zeitraum hinweg funktioniert haben.

Die Bergleute wurden mit bereits entspelztem Nacktweizen, Gerste, Hirse und Einkorn beliefert. Insbesondere Nacktweizen eignet sich aufgrund seines hohen Gehalts an Gluten, um gesauertes Brot zu backen. Dies geschah in grosen Wannen aus grobem Ton. Aus den anderen Getreidearten lassen sich Eintopfe zubereiten, denen Linsenwicke, Saatplatterbse sowie moglicherweise Fleisch von Schaf, Ziege und Rind zugegeben wurde. Es wurde ein spezielles Kochgeschirr gefunden, das sich Pyraunos nennt. Ein Pyraunos besteht aus einem Topf, der auf einem mantelformigen Untersatz befestigt ist, der Funkenflug unterbindet, wenn der Topf auf dem Feuer steht. Aus Hirse wurde mutmaslich ein Brei gekocht, dem olreiche Samen und vielleicht auch Beeren oder Fruchte beigemengt wurden. Hirse konnte jedoch ebenso zur Herstellung eines fermentierten Getranks oder Breis gedient haben, wie er traditionell in weiten Teilen Europas zwischen Polen und dem Balkan hergestellt wurde.

Eingang eines kleinen Stollens, der für den Goldabbau in den Südwesthang des Ada Tepe getrieben wurde.


Das Fundspektrum aus der Siedlung zeugt von handwerklichen Tatigkeiten angefangen mit universell einsetzbaren Werkzeugen wie Klopf‐ und Reibsteinen und Silexsagen uber spezielle Gerate für das Spinnen und Weben von Textilien, dem Mahlen und Zerkleinern von Getreide oder Mineralien sowie moglicherweise dem Abwiegen von Gutern. Was fehlt, sind hingegen Goldobjekte oder anderweitige Anzeichen dafur, dass die Minenarbeiter von ihrer Arbeit profitiert hatten. Die Hausinventare waren alle ahnlich armlich. Das Gold blieb jedenfalls nicht auf dem Ada Tepe, sondern wurde weiterverhandelt. Graber mit Beigaben aus Gold sind aus der Umgebung bislang unbekannt. Es ist jedoch durchaus vorstellbar, dass aus dieser Region das Edelmetall stammt, das in den rituell niedergelegten kiloschweren Horten an der unteren Donau gefunden wurde. Zudem liesen sich auch weiter sudlich die Herrscher von Mykene mit goldenen Reichtumern bestatten. Die Maske des Agamemnon ist das wohl beruhmteste Beispiel hierfur.

Letztlich sollte es nur 30 bis 40 Jahre dauern, bis die erste Siedlung auf dem Ada Tepe aufgegeben wurde. Die Grunde hierfur sind bislang nicht bekannt. Allerdings zogen die Minenarbeiter nachweislich auf die Bergkuppe um, wo sie bis in die Eisenzeit blieben. Antike Autoren berichten zwar noch im 4. Jh. v. Chr. uber den sagenhaften Goldreichtum der Rhopoden, doch das Bergwerk auf dem Ada Tepe versank in Vergessenheit.

3D-Rekonstruktion der Siedlung am nordöst - lichen Hang des Ada Tepe: Für Häuser blieb auf der schmalen Terrasse, die durch eine mächtige Mauer gestützt wurde, nur wenig Platz.


Tipp zum Weiterlesen

J. Menne, M. Brunner (Hrsg.), Grenzräume in der Archäologie (Darmstadt 2020). Als Sonderheft 18/2020 im AiD-Abo enthalten oder als Buchhandelsausgabe erhältlich.