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EUROPA LEAGUE: „Ich denke oft: Geht’s noch schöner?“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 30.04.2019

Frankfurt-Trainer Adi Hütter spricht über den großartigen Erfolg der Euro-Adler. Er erklärt seinen Halbfinal-Plan gegen den FC Chelsea und verrät, warum er für die Choreografien der Fans spendet


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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 18/2019

Vor dem Gruppenspiel gegen Olympique Marseille (4:0) zündeten die Fans im Unterrang Pyrotechnik und warfen lange Papierstreifen in die Luft. Im Oberrang wurden Fahnen in den Vereinsfarben geschwenkt


Für das Achtelfinal-Hinspiel in der Commerzbank-Arena gegen Inter Mailand (0:0) organisierten die SGE-Anhänger eine Choreografie zum 120. Geburtstag des Vereins


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SPORT BILD: Herr Hütter, hatten Sie in Ihrer Kindheit ein Lieblings-Märchen?

ADI HÜTTER (49): Fasziniert hat mich keines. Aber ich kenne sehr viele.

Welche?

Rotkäppchen. Oder Dornröschen. Oder Aschenputtel. Ich habe gelesen, dass die Gebrüder Grimm nicht weit von Frankfurt entfernt gelebt haben, in Hanau.

Wie sehr genießen Sie es, Ihr eigenes Märchen mit Eintracht zu schreiben?

Ein Märchen wäre es für uns, wenn die Saison vorbei ist, wir unter den ersten vier der BundesligaTabelle landen und uns für die Champions League qualifizieren würden. Das wäre für mich der absolute Hammer. Auch dass wir im Halbfinale der Europa League stehen, ist etwas Außergewöhnliches. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir mit der Doppelbelastung zurechtkommen müssen – da haben es unsere direkten Konkurrenten um einiges einfacher.

Man hört allerdings niemanden von der Eintracht jammern.

Für mich ist das positive Stress. Wir haben schließlich eine einmalige Chance, Eintracht hat sich noch nie für die Champions League qualifiziert. Wenn ich mir aussuchen könnte: Spiele ich lieber einmal pro Woche oder doch so – dann habe ich es lieber so wie jetzt.

Sind Sie stolz?

Es macht mich wahnsinnig stolz. Natürlich bekomme ich die große Begeisterung um den Klub mit.

Frankfurts Erfolgstrainer Adi Hütter in der Nordwestkurve der Commerzbank-Arena. Im Sommer 2018 folgte er auf Pokalsieger-Coach Niko Kovac, der zu Bayern ging. Im Schnitt holt er starke 1,84 Punkte pro Partie


Er greift sich mit der rechten Hand an den linken Oberarm, nimmt den Stoff seines Jeans-Hemdes zwischen die Fingerspitzen und sagt:

Manchmal muss ich mich auch zwicken, um zu begreifen, was gerade passiert. Denn ich weiß noch, wie wir gestartet sind: 0:5 gegen Bayern, Pokal-Aus in Ulm, hinteres Drittel in der Bundesliga, von vielen als Absteiger Nummer 1 betitelt – das vergesse ich einfach nicht. Bescheidenheit und Demut tut uns deshalb gut.

Wie wollen Sie Chelsea schlagen?

Chelsea ist überragend in der Offensive besetzt. Wir sind trotzdem in der Lage, ihnen mit unserem Spiel Probleme zu bereiten.

Wie?

Indem wir unsere Art des Fußballs durchsetzen. Jede Mannschaft der Welt hat Probleme im Umschalten nach Ballverlust. Wenn sie den Ball haben, ihn verlieren und die Lücken nicht mehr schließen können, sind sie wie jedes Team anfällig.

Ist Chelsea stärker als Donezk, Inter und Benfica, die Sie nacheinander ausgeschaltet haben?

Ja. Chelsea ist physisch stark, sie sind taktisch gut und spielerisch top. Zudem haben sie einen Trainer, den ich sehr schätze.

Superstar: Eden Hazard ist mit dem FC Chelsea der Gegner im Halbfinale der Europa League. Am 2. Mai empfangen die Hessen den London-Klub, das Rückspiel ist eine Woche später am 9. Mai an der Stamford Bridge


Maurizio Sarri haben Sie mal als Ihr Vorbild bezeichnet.

Nicht als Vorbild, aber ich habe bewundert, wie er mit dem SSC Neapel in Italien gespielt hat. Juve war zwar eine Klasse für sich – aber wie Napoli gespielt hat, habe ich wahnsinnig gerne geschaut. Ich war damals Fan dieser Mannschaft.

Früher haben Sie als Trainer eher den Ballbesitz-Fußball von Barcelona kopiert. Dann haben Sie Sarri und Neapel nachgeeifert.

Ich kann ja auch sagen, dass er so gespielt hat, wie ich mit dem SV Grödig in Österreich(lächelt) . Im Ernst: Mir hat super gefallen, wie er Fußball gespielt hat. Nach vorne verteidigend! Schnell! Aggressiv!

Eintracht feiert Europa wie kein zweiter Klub. Die Choreografien der Anhänger sind inzwischen berühmt. Was geht Ihnen persönlich durch den Kopf, wenn Sie das live miterleben?

Ich sauge die Energie auf und denke: „Wahnsinn! Kann es irgendwo anders schöner sein?“ Wir haben geschafft, dass es so ist, wie es ist. Das beflügelt unsere Mannschaft und hemmt den Gegner. Ich habe beispielsweise gemerkt, wie die Spieler von Benfica beeinträchtigt waren von dieser gigantischen Atmosphäre mit der Choreo im ganzen Stadion.

Hoffen Sie, dass es auch die Chelsea-Stars beeindruckt?

Ich denke, dass es auch für Chelsea außergewöhnlich sein wird, wenn die hier einlaufen. Das haben die, glaube ich, auch noch nicht so gesehen.

Die Fans sammeln regelmäßig Geld, um die Choreos zu finanzieren. Haben Sie auch schon mal persönlich gespendet?

Ja! Wir, die Mannschaft und das Trainerteam, haben die letzte Choreo gegen Lissabon unterstützt. Es ist jedes Mal so außergewöhnlich, dass wir auch unseren Teil dazu beitragen wollten.

Was ist auf Dauer mit Eintracht Frankfurt möglich?

Ob wir diese Saison nächstes Jahr toppen können, weiß ich noch nicht. Wichtig ist, dass wir den Anspruch des Klubs verändern. Die Grundhaltung in den nächsten Jahren darf nicht mehr nur sein zu sagen: „Wir wollen erst mal nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Wir müssen versuchen, uns nach vorne zu orientieren und den nächsten Schritt zu gehen. So sollten wir in naher Zukunft denken.

Mit welcher Mannschaft?

Es wird im Sommer Veränderungen geben. Es haben sich Spieler ins Blickfeld von Topklubs gespielt, wozu sicher auch die Art, wie wir Fußball spielen, beigetragen hat. Diese Klubs sehen: Halbfinale Europa League, Platz 4 in der Bundesliga – da müssen gute Spieler sein.

Sieger-Gen! Die Frankfurter konnten neun ihrer zwölf Europa-League-Spiele gewinnen. Nur gegen Benfica verloren sie das Hinspiel (2:4)


FRANKFURT – CHELSEA

Donnerstag, 2. Mai ,

21 Uhr live bei RTL und DAZN.

Was wäre für Sie wichtiger: Ihre Sturm-Stars Rebic, Jovic und Haller zu behalten? Oder viel Geld einzunehmen und neue Spieler zu kaufen?

Schwierige Frage. Wenn sie bleiben, bin ich natürlich glücklich. Aber falls wir Spieler verlieren, werden wir in der Lage sein, in die Mannschaft investieren zu können. Wichtig ist, hungrige Spieler zu haben.

Wie suchen Sie hungrige Spieler?

Wenn ein Spieler sagt, dass er bei Eintracht Frankfurt den nächsten Schritt machen möchte, dann weiß ich, dass er hungrig ist. Es hat auch mit dem Alter zu tun. Wenn ich einen Spieler verpflichte, der 29 oder 30 ist, weiß ich nicht, wie hungrig der noch ist. Wir haben hier Ausnahmen wie Makoto Hasebe und Gelson Fernandes. Die sind hungrig.

So lief das Interview

Adi Hütter (2. v. l.) mit den Reportern Roland Palmert, Thomas Sulzer und Ulrika Sickenberger


Loge 3.05 in der Frankfurter CommerzbankArena – hier findet das HütterInterview statt: 43 Minuten und 26 Sekunden beantwortet er die Fragen. Der Österreicher wirkte dabei sehr entspannt. Als er später mit den Reportern auf den Rasen läuft, um für das Foto in die Nordwestkurve zu kommen, ist eine Tür verschlossen. Fünf Minuten muss die Gruppe warten, bis der Schlüssel gebracht wird. Auch das nimmt Hütter ohne Aufregung hin. Er ist die Ruhe selbst.


FOTOS: Grtty Images, DPA/Picture Alliance