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Europäische Spiele in Minsk: DKV-Boote auf WM-Kurs


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 01.08.2019

Drei Wochen nach dem Weltcup in Duisburg stand für 21 Athleten des Rennsport-Nationalteams Ende Juni bereits das nächste Saisonhighlight auf dem Programm. Die 2. Europäischen Spiele in Minsk, die auch als Europameisterschaft gewertet wurden, wollten Trainer und Athleten als weitere Standortbestimmung nutzen und sich dabei eine „Portion Selbstsicherheit auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften holen“, wie DKV-Präsident Thomas Konietzko formulierte.


Artikelbild für den Artikel "Europäische Spiele in Minsk: DKV-Boote auf WM-Kurs" aus der Ausgabe 8/2019 von Kanu Sport. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 8/2019

Max Hoff und Jacob Schopf siegten im K2 über 1.000 m vor Syromiatnykov/Kukharyk (UKR) und Litovka/Anoshkin (RUS).


Sebastian Brendel holte Bronze im C1 über ...

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Nach der mit einiger Skepsis und manch kritischen Stimmen quittierten ersten Auflage der Spiele 2015 in Baku/Azerbaidschan sollte der zweite Versuch nunmehr kleiner, bescheidener und dank der sportbegeisterten, gastfreundlichen belorussischen Bevölkerung fröhlicher und herzlicher ausfallen und so die Chance gewahrt werden, kontinentale Spiele auf dem Heimatkontinent Olympias zu etablieren. Das DKV-Team jedenfalls freute sich auf optimale Bedingungen im Olympischen Dorf und an der Regattastrecke Zaslavl vor den Toren von Minsk. So unterstrich der leitende Bundestrainer Arndt Hanisch vor der Abreise: „Die Europäischen Spiele haben ein besonderes Flair. Man fühlt sich fast wie bei Olympia. Die Bedingungen passen und die Strecke in Minsk ist sehr fair. Vielleicht etwas windig, aber der Wind sollte für alle gleich sein.“

Neuer Herren-Zweier glänzte erneut

Gegen die starke Konkurrenz aus 37 europäischen Ländern wollte das deutsche Team in den 16 anstehenden Entscheidungen durchaus im Kampf um die Medaillen mitmischen. Erwartet worden waren „einige Rennen mit großer Spannung“, so z. B. bei den Damen, wo die DKV-Athletinnen erstmals in diesem Jahr auf die erste Garde der Ungarinnen und der Weißrussinnen trafen. „Danach werden wissen, wo wir stehen. Klar ist, dass wir keinesfalls hinterher paddeln wollen. Wir treten bei den Spielen immerhin mit einigen Weltmeistern und Weltcupsiegern an und erhoffen uns daher auf jeden Fall einige Medaillen“, gab Arndt Hanisch als Devise aus. Am erfolgreichsten hatten sich Max Hoff (Essen) und Jacob Schopf (Berlin) im K2 über 1000m diese Devise zu eigen gemacht. Die Weltcupsieger von Poznan, die sich in Duisburg noch knapp den Franzosen Carre/Hubert geschlagen geben mussten, paddelten lange im Feld um die dritte und vierte Position mit und ließen sich von dem vorausgeeilten Boot aus Litauen nicht beirren. Dem fulminanten Finish des 2-Generationen-Bootes mit dem 36-jährigen Hoff und dem 20-jährigen Schopf ab der 200m-Marke konnte dann kein anderes Boot mehr Paroli bieten. Das deutsche Duo siegte ungefährdet vor Syromiatnykov/Kukharyk (UKR) und Litovka/ Anoshkin (RUS).
„Das war ein saustarkes Rennen“, strahlte Thomas Konietzko begeistert, und auch bei den deutschen Fans auf der Tribüne gab es kein Halten mehr. Max Hoff sagte nach dem Rennen: „Es macht Spaß mit so einem Jungen. Wir ergänzen uns gut und ich kann auch sein Chaos im Zimmer akzeptieren“, was Jacob Schopf mit der Bemerkung quittierte, er sei selbst ja auch nicht viel besser.
Als amtierende Weltmeister und Weltcupsieger von Poznan und Duisburg zählten auch Max Rendschmidt (Essen), Ronald Rauhe (Potsdam), Tom Liebscher (Dresden) und Max Lemke (Mannheim) im K4 der Herren über 500m in Minsk zu den Top-Favoriten, was die vier mit ihrem Vorlaufsieg untermauerten. Auch im Finale ging das DKV-Quartett mit einem guten Start zunächst in Führung. Die schmolz nach 250m allerdings auf wenige Zentimeter zusammen und kurz vor der Ziellinie gelang es dem Boot aus Russland, den deutschen Vierer noch abzufangen und sich Gold zu sichern. Für das deutsche Herren-Flaggschiff blieb somit Silber vor dem Quartett aus der Slowakei. Thomas Konietzko bezeichnete das Ergebnis als „sehr schade“, zeigte sich jedoch überzeugt, dass es „den Jungs einen Motivationsschub für die WM in Szeged geben wird“.

Damen holen im Kajak und Canadier Silber

Für silbernen Glanz sorgten auch die deutschen Damen. So bewiesen die amtierenden Weltmeisterinnen im K2 über 200m Franziska John (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) einmal mehr ihre Klasse. Im Finale mussten beide bei grenzwertigen Wetterbedingungen lediglich dem starken ukrainischen Duo Povkh/Kuklinovska den Vortritt lassen. Bronze ging an Khudzenka/Litvinchuk (BLR). Zuvor war der beim Weltcup in Duisburg noch siegreiche K4 über 500m mit Sabrina Hering-Pradler (Hannover), Franziska John, Caroline Arft (Essen) und Tina Dietze hinter Ungarn, Weißrussland und Polen auf Platz vier gepaddelt. Thomas Konietzko sah das Damen-Flaggschiff dennoch „im grünen Bereich, besonders was die Quotenplötze für Tokio betrifft, sind wir im Soll“, meinte der Präsident zuversichtlich.
Im K2 über 500m kamen die WM-Bronzemedaillengewinnerinnen Jasmin Fritz (Magdeburg) und Steffi Kriegerstein (Dresden) hinter Weißrussland, Ungarn und Russland ebenfalls auf Rang vier, noch vor den starken Booten aus der Ukraine, Frankreich und Belgien. Im K1 belegten in den B-Finals Conny Waßmuth (Potsdam) über 500m Platz drei und Sabrina Hering-Pradler über 200m Rang vier.
Bei den Canadier-Damen feierte Lisa Jahn (Berlin) mit Silber im C1 über 200m ihren bislang größten internationalen Erfolg. Die 25-Jährige trotzte dem heftigen Gegenwind samt Regen und verwies im Finish mit einem perfekten Zielsprung die Polin Dorota Borowska auf den Bronzerang, einzig die Weißrussin Alena Nazdrova war an diesem Tag schneller. Sportdirektor Dr. Jens Kahl bescheinigte ihr, dies „unglaublich gut gemacht“ zu haben und unterstrich, sie habe sich das alles selbst erarbeitet „und kann jetzt die Früchte ernten“. Im C2 über 500m paddelten Lisa Jahn und Ophelia Preller (Potsdam) hinter Ungarn, Weißrussland und Russland auf Platz vier und bewiesen auch da, dass sie „von Rennen zu Rennen besser“ werden, wie der Sportdirektor einschätzte.

Brendel wieder auf dem Podium

Für die einzige Medaille im Canadier der Herren sorgte in Minsk Sebastian Brendel (Potsdam). Nach dem medaillenlosen Abschneiden bei den Weltcups sicherte sich der 31-Jährige im C1 über 1000m diesmal hinter Tomasz Kaczor (POL) und Kirill Shamshurin (RUS) Bronze. „Basti hatte etwas Pech mit Bahn 2 und dem Wind dort. Die Bronzemedaille geht in Ordnung, wenn man bedenkt, wie viele Rennen er zu diesem Zeitpunkt der Saison schon gefahren ist“, meinte Jens Kahl nach dem Rennen.
Im C2 über 1000m mussten die amtierenden Weltmeister Yul Oeltze (Magdeburg) und Peter Kretschmer (Leipzig) mit Platz vier hinter den Booten aus Rumänien, der Ukraine und Russland einen Dämpfer hinnehmen. Ihnen war in Minsk am deutlichsten anzusehen, dass die bisherige Saison schon viel Kraft gekostet hat. „Der Akku ist leer, für die WM müssen wir nun wieder ins tägliche Training finden“, stellte Sportdirektor Jens Kahl fest. Auch im C1 über 200m konnte der DKV nicht mit um die Medaillen kämpfen, hier schied Jan Vandrey (Potsdam) im Semifinale aus. Ebenfalls das Finale verpasst hatte Tamas Gecsö (Potsdam) im K1 über 1000m, über 200m kam Timo Haseleu (Potsdam) im B-Finale auf Rang zwei. In den abschließenden Langstreckenrennen erkämpfte Max Hoff im K1 der Herren mit Bronze hinter Balint Kopasz (HUN) und Fernando Pimenta (POR) eine weitere Medaille, im K1 der Damen fuhr Jasmin Fritz auf Rang zehn.
Als Fazit des deutschen Abschneidens mit 1x Gold, 3x Silber und 2x Bronze konstatierte Sportdirektor Dr. Jens Kahl: „Nach dem guten Abschneiden beim Weltcup in Duisburg hatten einige sicherlich hohe Erwartungen. Es hat sich aber deutlich gezeigt, dass alle im Team von der langen ersten Saisonhälfte geschlaucht sind. Der starke Gegenwind hat das Problem dann noch potenziert. Daher bin ich nicht unzufrieden mit den gezeigten Leistungen.“ Die Europäischen Spiele seien im Kanu-Sprint „auf jeden Fall ein hochkarätiger Wettkampf“ gewesen. Es habe „noch nie so viele enge Rennen gegeben wie im bisherigen Saisonverlauf dieses Jahr“. Das zeige, dass alle Nationen, die sich bei Olympia Medaillen versprechen, im Hinblick auf die Spiele nächstes Jahr deutlich zugelegt hätten.

Lisa Jahn (l.) freute sich über Silber im C1 200 m.


„Es hat sich deutlich gezeigt, dass alle im Team von der langen ersten Saisonhälfte geschlaucht sind.“
Dr. Jens Kahl


Blick auf die Regattabahn in Zaslavl


Fotos: Nina Jelenc