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Europäischer Pulsschlag in der Vojvodina Das „andere” Serbien


Tipps-for-Trips - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 17.06.2019

So flach und eintönig das dünn besiedelte Land mit seinen 21500 Quadratkilometern erscheint, so ethnisch zerpflückt ist es tatsächlich. Syrmien, Batschka, Banat und Barania heißen die vier Gebiete, in die sich die Vojvodina gliedert und bis 1848 zum Königreich Österreich- Ungarn gehörte und mehrfach, zuerst unter Kaiserin Maria Theresia, später noch unter Prinz Eugen nach den Türkenkriegen neu besiedelt wurde. Wechselvoll und detailreich ist die Geschichte der Region, nicht nur wegen ihrer zahlreichen Bevölkerungsgruppen.


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Bildquelle: Tipps-for-Trips, Ausgabe 7/2019

Flach wie eine Platte mit nur wenigen Erhebungen kommt die Vojvodina nordöstlich ...

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... von Serbien daher. Der Name stammt von dem Begriff Vojdvosto, was so viel wie Heerführung bedeutet. Nach meinem Aufbruch aus der lebhaften und pulsierenden Metropole Belgrad erreiche ich das dünn besiedelte Gebiet in rund eineinhalb Stunden. Hier also liegt die Kornkammer Serbiens. Eigentlich müssten die Flächen hier saftig grün sein. Ausgerechnet in diesem heißen Sommer sieht es hier aus wie eine verdorrte Wüste. Der Mais hält der Sommerhitze einfach nicht stand. Endlich wird es grün rings umher. Weinreben reihen sich bis an den Horizont aneinander. Ich gelange in die Region um die Stadt Vrsac, zu Deutsch Werschetz, nahe der rumänischen Grenze. Vielfältig ist die Vojvodina mit ihren ethnischen Minderheiten. Die rund zwei Millionen Einwohner gliedern sich in zahlreiche, ethnische Gruppen, deren stärkste die Serben mit 66 Prozent ist, gefolgt von den Ungarn mit 13, den Slowaken mit 2,6 Prozent Anteil. Es folgen Kroaten, Rumänen, Russinen und andere Nationen. Ich beschließe, einige der Ethnien in den folgenden Tagen zu besuchen.

Die Rumänen in Vrsac - zwischen Nostalgie und Aufbruch

Zunächst stoße ich auf die rumänische Minderheit rund um den Ort Vrsac, dem früheren Werschetz. Das Gebiet gilt auch als der Weinstock Serbiens. Kein Wunder, dass man hier zur Beginn der Lese am 14. September eines jeden Jahres ein großes Fest veranstaltet, das auf das gleiche Datum wie der Tag des Kreuzes der rumänisch-orthodoxen Kirche fällt.
Ich treffe Ion Cissmas, den Leiter der rumänischen Minderheit. Er bringt sogleich auch den örtlichen Pfarrer mit. Ich treffe die beiden in dem Gebäude der rumänisch-orthodoxen Kirche an, die sich mit ihrem flachen Kuppelbau markant im Zentrum von Vrsac erhebt. Die Kirche wurde 1913 eingeweiht, zuvor war die rumänisch-orthodoxe Kirche hier der serbischen untergeordnet. Ion erklärt mir, dass es früher zu jugoslawischen Zeiten einfacher war, die Rechte der rumänischen Minderheit durchzusetzen. Heute leben hier nur noch rund 40. 000 Rumänen, die in 25 Kulturorganisationen ihre Tradition und Lebensform praktizieren. Im Wesentlichen geht es dabei um rumänische Schulen in denen die Bildung und Tradition des rumänischen Stammes in dieser Region vermittelt wird. Durch die mangelnde Unterstützung des Staates steht die Region heute wirtschaftlich schlecht da, beklagt sich Ion, der sich selbst als rumänischer Serbe aber vor allem als Europäer bezeichnet. In dieser Region, so erzählt mir Ion, herrscht eine große Nostalgie und Anhängerschaft der KuK Monarchie die seinerzeit für die Rumänen viel in dieser Region getan haben. Er selbst erzählt mir als kleine Anekdote, dass sein Vater und Großvater das Geld der österreich- ungarischen Monarchie nach dem Zerfall des Reiches aufbewahrt hatten, in der Hoffnung, dieser Staat würde sich wieder gründen. Auch zu Titos Zeiten ging es den Rumänen in dieser Region nicht schlecht, weiß Ion zu berichten. Aber er ist froh und stolz dass es seine ethnische Gruppe in dieser Region noch gibt und dass die Traditionen bis heute gepflegt werden. Denn, so betont er, nur in einem geeinten Europa könnten die ethnischen Gruppen dieser Region auch in Zukunft existieren. Beeindruckend, denke ich bei mir, denn noch vor wenigen Jahren waren aus Serbien ganz andere Töne zu hören. Gespannt setze ich meine Reise fort um die nächste Minderheit der Vojvodina zu besuchen und deren Eigenarten kennenzulernen.

Zuzana und die naive Malerei einer gar nicht naiven Gruppe der Slowaken

In herrlich leuchtender Tracht ihrer Ethnie empfängt mich Zuzana an der Tür ihres Hauses im Ort Kovacica in der Region Batschka.
Ich bewundere zunächst die zahlreichen und bunten Werke ihrer Malkunst, die vor allem ländliche Motive beinhaltet. So lebensfroh wie Zuzana selbst daherkommt, so lebendig sind auch ihre Bilder. Die Malerei in diesem Ort geht auf eine lange Tradition zurück und ist weltbekannt erklärt mir Zuzana. Sie selbst malt bereits in der zweiten Generation und hat schon als Kind alles bemalt was ihr unter die Finger kam. So erzählt sie, dass sie einst den Unterrock ihrer Mutter bemalt hat, weil es ihr an Leinwand für ein Bild fehlte. Überall in der Welt hat Zuzana schon ihre Bilder ausgestellt, die trotz der Stilrichtung naive Malerei so gar nicht naiv daherkommen;

Und dann möchte ich wissen wie denn die Slowaken in dieser Gegend leben. Zuzana erzählt mir, dass 24 Nationalitäten mit eigenen Traditionen und auch eigenen Trachten wie sie eine trägt, in dieser Gegend verbreitet sind. Heute werden die Trachten nur noch zu besonderen Gelegenheiten wie Hochzeiten, Kirchenbesuch oder Kulturfest getragen. Zuzana zeigt mir ein Bild ihrer Großmutter, die mit einem Lächeln ruhig und selig die Kinder behütete und das Landleben liebte. Die Slowaken, so erzählt mir Zuzana, kamen 1802 in die Region, als sie hier von den Österreichern angesiedelt wurden. Als meist evangelische Christen hatten sie in der Batschka-Region ein besseres Leben als daheim. Ich lausche gespannt ihren Worten. Die Slowaken kamen zum einen in die Region, weil die neuen Gutsherren in der Region ihre Untertanen einfach aus ihren Besitzungen in Oberungarn mitnahmen. Zum anderen handelte es sich um eine Binnen-Wanderung von einem dicht besiedelten Gebiet des Königreiches Ungarn in ein nahezu unbesiedeltes. Die Migration der evangelischen Slowaken ist auch eng mit ihrer Religion verknüpft. Im Habsburgerreich wurde seit dem 17. Jahrhundert eine gegenreformatorische Politik betrieben, die eine Rekatholisierung des Landes zum Ziel hatte. Die Repression der lutherischen Untertanen war besonders Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts sehr stark. Dazu kamen noch hohe Abgaben und Frondienste der Bauern an ihre Gutsherren, die, wie bereits weiter oben angeführt, zu mehreren Aufständen führten. Auch das wird ein Grund dafür gewesen sein, warum viele Slowaken abwanderten, als sich die Möglichkeit bot.
Auch heute noch leben zahlreiche Slowaken in der Gegend, obwohl die Anzahl in den vergangenen Jahren durch Abwanderung deutlich abgenommen hat. Die jungen Menschen können in dieser Region einfach keine Arbeit finden, erzählt Zuzana, und wenn, dann in den großen Städte oder im Ausland. Und wie ich schon von dem Rumänen Ion gehört habe, vernehme ich es auch von Zuzana, dass die europäische Lösung für diese Region und die Slowaken in der Gegend das Beste ist, um zu überleben und gleichzeitig eine Bindung an ihr slowakisches Mutterland zu gewährleisten.

Novi Sad - die künftige Kulturhauptstadt an der Donau

Beeindruckt von soviel europäischem Gedankengut mache ich mich auf in die Hauptstadt der Vojvodina, nach Novi Sad. Groß und mächtig mit ihrer Festung Petrovaradin, die auch “Gibraltar an der Donau” genannt wird, kommt die Stadt schon von Ferne leuchtend mit ihrer Regenbogenbrücke daher. Die rund 200. 000 Einwohner zählende Stadt blickt auf eine Geschichte zurück, die im Mittelalter ihren Anfang nahm. Die Universitätsstadt ist gleichzeitig auch Heimat der ältesten serbischen Institution für Kunst und Wissenschaft, der Matica Srpska, die 1826 in Budapest gegründet wurde. Ich spaziere durch die malerischen Gassen der prachtvollen Altstadt, die Donaustraße und die Zmaj Jovina bilden die zentralen Straßen der Innenstadt. Ohne Hektik scheint das Leben hier voranzugehen. Das 1895 erbaute Rathaus und die gegenüberliegende, katholische Domkirche “Name Maria” bilden das Zentrum der Stadt. Auch die Synagoge am Rande des Zentrums ist durchaus imposant und sehenswert. Unmittelbar neben der serbisch-orthodoxen Kirche des heiligen Georgs befindet sich der Bischofspalast, der von der Größe und dem Einfluss der Serben in dieser Gegend zeugt. Auffällig ist, dass die meisten Straßenschilder in vier Sprachen abgebildet sind. Denn neben serbisch findet sich hier auch ungarisch, slowakisch und rumänisch. Eine echt europäische Stadt, so denke ich bei mir. Und genau so ist es. Im Jahr 2021 wird Novi Sad europäische Kulturhauptstadt zusammen mit dem rumänischen Timisoara und dem griechischen Eleusis. Die Organisatoren des Kulturfestivals rund um die Kulturhauptstadt berichten schon heute von zahlreichen Veranstaltungen, die im Rahmen des Kultur Jahres organisiert werden sollen. “people, places, programs, processes” , so soll das englischsprachige Motto der mitten in der Vielvölker-Region gelegenen Stadt Novi Sad lauten. „Europa als gemeinsames Haus der Kulturen” höre ich da von den Veranstaltern. Glattgebügelt vidi Vojvodina klingt dieses Motto ohne Ecken und Kanten für mich. Sicherlich steht der europäische Gedanke hier im Vordergrund. Ob dadurch nicht die Eigenschaften der vielfältigen Vojvodina verloren gehen, diese Frage drängt sich mir als außenstehenden Betrachter durchaus auf.

Die Russinen als kleinste Ethnie der Region

Ich setzte meinen Weg durch die Vojvodina fort, bis ich zu dem kleinen Dorf Ruski Krstur gelange. So klein dieses Dorf ist, umso größer ist das Hallo und die Freude über das Eintreffen der deutschen Gäste heute. Denn die kleinste Ethnie der Vojvodina bemüht sich intensiv um den Erhalt ihrer Kultur in der Region. Wieder einmal treffe ich den Vertreter der Ethnie in der lokalen Kirche. Diesmal ist es eine griechisch- katholische Kirche, die Kirche des heiligen Nikolaus, die mir Zeljko Kovac, der Vertreter der Russinen zusammen mit dem örtlichen Pfarrer zeigt. Hier wird noch in altslawischer Sprache gepredigt, die Traditionen folgen aber ansonsten der orthodoxe Kirche, mit dem Unterschied, dass die griechisch katholische Kirche dem Papst unterstellt ist. 1784 wurde dieses Gotteshaus gebaut. Früher war dieses Dorf und seine Ethnie größer, es zählte mehr als 5000 Einwohner. Heute wandern auch hier viele nach Deutschland oder nach Kanada ab, um dort Arbeit zu finden. Dennoch gibt es im Dorf eine russinische Schule, in der die Sprache und Kultur bis heute gelehrt werden. Dieses Gebäude der Gemeinschaft, das als Schule genutzt wird, wurde 1905 erbaut. Es dient auch als Sitz des russinischen Nationalrats, der erste 2002 gegründet wurde. Im Wesentlichen erstreckt sich die Arbeit des Nationalrats auf vier Bereiche: das sind neben Bildung und Kultur auch die Sprache und Schrift, die ihr gefördert wird. Stolz erklärt mir Zeljko, dass die Russinen in dieser Region die meisten Rechte aller ihre Gemeinschaftsvertreter in ganz Europa besitzen. Er deutet auf das Wappen der Gemeinschaft, das vier blaue und drei gelbe Streifen neben einem Bären enthält. Das soll die vier Gebiete der Russinen und die drei Flüsse der Region darstellen. Bereits 1745 erfolgte die Ansiedlung dieser Ethnie in der Region.

Und dann wird es köstlich, denn ich werde im Gemeindehaus zu Spezialitäten der Volksgruppe eingeladen. Da koste ich Pierogi, gefüllt mit Pflaumenmus oder Frischkäse, auch Kapuszanik, das sind mit Sauerkraut gefüllte Klöße oder in Fett gebackene Blätterteig- Kuchen.
So gestärkt mache ich mich auf zu meinem nächsten Ziel: die Stadt Subotica, ganz im Norden der Vojvodina.

Subotica - hier wird’s ungarisch

Obwohl heute kein Samstag ist, erreiche ich die Stadt Subotica. Der Name der Stadt geht auf diesen Wochentag zurück, es ist die zweitgrößten Stadt Serbiens mit rund 100 000 Einwohnern. Nur zehn Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt verwundert es mich nicht, dass hier vor allem die ungarische Minderheit vertreten ist.
Beeindruckt bewundere ich vor allem die erst kürzlich renovierte und sehr imposante Synagoge der Stadt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier viele Juden verfolgt, besonders im Zuge der Wiedereingliederungs-Versuche der Stadt durch die ungarischen Regierung.
Die Synagoge, die zu Beginn des 20 Jahrhunderts im ungarischen Jugendstil erbaut wurde, strahlt heute in neuem Glanz und zeigt in ihrem Inneren Elemente, die in eine Synagoge eigentlich gar nicht vorhanden sind, wie etwa der Replik einer Orgel. Man wollte damals etwas Neues und Modernes schaffen. Bei meinem Spaziergang durch die malerische Innenstadt bin ich überrascht über die zahlreichen Baustile, die ich hier antreffe. Dennoch, es ist nicht verwunderlich, denn kaum eine andere Stadt in Serbien ist so multiethnisch geprägt wie Subotica. Dies verdankt die Stadt ihrer wechselvollen Geschichte, aber auch ihrer Lage als wichtiger Punkt für den Verkehr zwischen Mittel- und Südosteuropa und dem nahen Orient im Mittelalter. Die Stadt ist ein regionales Zentrum für die Magyaren, Bunjewatzen und Kroaten in der Vojvodina.

Hier wird vor allem serbisch, ungarisch und kroatisch gesprochen. Die Ungarn machen in dieser Stadt 34% der Bevölkerung aus. Tatsächlich lässt sich der starke Einfluss der ungarischen Minderheit, wenn man davon hier überhaupt noch sprechen kann, allerorts feststellen: Sei es im Baustil, sei es in der Küche der Stadt oder der Mentalität der Menschen, die so gar nicht slawisch erscheint.

Kunst aus Stroh macht nicht nur Kroaten froh

Doch es gibt noch mehr ethnische Gruppen in der Vojvodina zu entdecken und so verlasse Subotica in Richtung des nahegelegenen Dorfes Dornij Tavankut. Sie sind kroatischer Abstammung. Die Kroaten bilden mit rund 58.000 Angehörigen eine der größten, aber auch der jüngsten Gruppen in der Vojvodina. Die Sprache der Kroaten in dieser Region ist Akawica, ein Dialekt, der nur hier vorkommt. In Donnij Tavankut betrug die Einwohnerzahl in den 60er Jahren noch 8000 Bewohner, heute leben hier nur noch rund 1400 Menschen. Die Kroaten in diesem Gebiet hatten es während des serbisch-kroatischen Krieges nicht leicht, schafften es aber, sich zu integrieren und die Kriegszeiten zu überstehen.
So freue ich mich dass ich heute die Kroatien Maria Voinic in typischer Landestracht in ihrem Dorf begrüßen kann. Sie zeigt mir auch sogleich, welche klassische Volkskunst in ihrer Gegend gepflegt wird. Es sind Bilder und Objekte, die aus Stroh hergestellt werden. Die seltene Strohsorte Bankatsich eignet sich am besten für diese inzwischen weltbekannte Kunst, die vor allem ländliche Motive abbildet. Vor allem im Herbst und im Frühjahr, so höre ich, lassen sich die Kunstwerke am besten herstellen. Es dauert immerhin ein bis zwei Monate, bis diese detailreichen Bilder fertiggestellt sind. Ich bewundere die filigrane Kunst, die hier vor allem von Frauen ausgeübt wird. Ob Schmuck, Skulpturen oder Bilder - der Phantasie der Künstlerinnen scheint kaum eine Grenze gesetzt zu sein, wieder habe ich eine spezifische Ethnie der Region Vojvodina kennen gelernt. Am Ende meiner Reise, bei der ich allerorts herzliche und freundliche Menschen getroffen habe, wird mir eine Erkenntnis besonders bewusst: Während sich Europa dieser Tage in Richtung Nationalismus und Abgrenzung bewegt, bildet die Vojvodina das genaue Gegenteil dieser Tendenz ab. Nur als Europäer und nur gemeinsam, so höre ich aller Orts von verschiedenen Ethnien, könnte man es schaffen, in diesen Tagen die Kultur zu bewahren und gleichzeitig gemeinsam auf relativ engem Raum zu leben. Und ausgerechnet aus einer Gegend, in der sich die verschiedenen Völker noch bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts blutig bekämpft haben, kommen diese persönlichen und sehr zukunftsorientierten Töne. Beeindruckend, dass ausgerechnet die sehr auf Traditionen Wert liegenden Ethnien sich derart europäisch und freiheitlich in ihrem Gedankengut äußern. Grund genug, diese Region Serbiens mit ihren vielen Nationen auch künftig zu besuchen und zu entdecken.